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Montag, 11. Juni 2012

Leicht perlend, stark im Abgang

Le Scandale (Champagner-Mörder)
F 1967
R.: Claude Chabrol


Worum geht's?: Paul (Maurice Ronet) ist der lebenslustige Besitzer einer Winzerei in der Champagne und Eigentümer des von amerikanischen Investoren begehrten "Wagner-Champagner" Warenzeichens.
Nachdem er Opfer eines Überfalls auf sich und eine Begleiterin geworden ist, beginnt sich sein, durch Alkohol eh ständig benebelter, Verstand scheinbar ganz zu zersetzen. Junge Frauen, mit denen Paul Affären hat, werden stranguliert aufgefunden und ein Erpresserbrief trudelt mit der Post ein.
Umstände, die Pauls Cousine Christine (Yvonne Furneaux) und deren ebenfalls leichtlebigen Gatten Christopher (Anthony Perkins) gerade ganz recht kommen, gelangen sie doch in die Lage den verzweifelten Paul zum Handel mit den Amerikanern zwingen zu können.
Doch wer steckt am Ende wirklich hinter den Frauenmorden?


Wie fand ich's?: Claude Chabrol, Mitbegründer der "Nouvelle Vague", bekennender Kommunist und Gourmet, wollte immer seinem großen Vorbild Alfred Hitchcock nacheifern. Dieser arbeitete in der Mitte der 60er Jahre bereits seit über zwei Dekaden in den USA und so lehnte es auch Chabrol nicht ab, Le Scandale für die französische Zweigstelle der amerikanischen Universal Pictures zu realisieren und ihn auch gleich noch mit dem Star von Sir Alfreds 1960er Meisterwerk Psycho, Mr. Norman Bates himself, Anthony Perkins, zu besetzen.
Doch neben Chabrols Vorliebe für die Thriller des britischen Großmeisters, kam auch bei Le Scandale wieder sein unstillbarer Drang zur Bloßstellung der französischen Bourgeoise zu Vorschein; leider unter starker Beeinträchtigung des gesamten Films.
Dabei schließen sich Kritik an Bürgertum in Verbindung mit einem Krimi-Plot natürlich per se nicht aus, man denke nur an z. B. Hitchcocks Rope (USA 1948 dt.: Cocktail für eine Leiche), aber Chabrol verliert für leider für fast die gesamte erste Hälfte seines Films den angestrebten Thriller, zu Gunsten einer ganzen Reihe von, zwar zum Teil recht gelungenen, doch leider zur weiteren Charakterisierung seiner Protagonisten wenig nötigen Szenen voller galliger Sozialsatire, fast gänzlich aus den Augen.
So wartet der Zuschauer, gelockt von einer Poster-Tagline wie "Psycho Puppet Or Cold-Blooded Killer" oder "Which Was More Insane: The Killer Or The Crime?", nach einer schönen, verstörenden Pre-Credit-Sequence praktisch 45 Minuten lang auf weitere Spannungselemente und hat vielleicht schon das Interesse längst verloren.
Dabei ist die Verschwörung um den Champagner Mörder gar nicht dumm konstruiert und gipfelt in einem finalen Regieeinfall, der dem Zuschauer im Gedächtnis bleibt - doch wird der Gesamteindruck eben durch das schlecht ausbalancierte Skript leider extrem getrübt.
So bleibt ein mit Stil und Geschmack inszenierter, wohl ausgestatteter und gut gespielter Edel-Thriller, der leider zu stark in seine zwei inhaltlichen Hälften zerfällt.


Anmerkung zur deutschen DVD-Fassung: Leider liegt, auf der von Koch-Media veröffentlichten DVD, nur die englische Schnittfassung und nicht der etwa 10 Minuten längere französische Cut vor. Meine Rezension bezieht sich ausdrücklich auf die kürzere Fassung.


Fazit: Für Freunde des französischen Thrillers eher zu vernachlässigen - Chabrol-Kompletisten werden sowieso zugreifen.

Punktewertung: 5,75 von 10 Punkten

The Champagne Murders (1967) on IMDb

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