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Sonntag, 8. Juli 2012

Lynkanthrop trifft Schneemensch

The Werewolf and the Yeti (La maldición de la bestia)
E 1975
R.: Miguel Iglesias


Worum geht's?: Hobby-Abenteurer und Gelegenheits-Globetrotter Waldemar Daninsky (Paul Naschy) reist mit einer Forschungsgruppe nach Tibet, um dort die Existenz des Yeti zu beweisen.
Im verschneiten Hochland angekommen trennt sich Waldemar mit einem Kollegen von der Truppe und kommt prompt vom Weg ab. Statt auf seine Kameraden trifft er, völlig entkräftigt nach Hilfe suchend, auf zwei schöne, junge Frauen, welche nicht nur Menschenfleisch goutieren, sondern auch durch einen Biss den Fluch der Lykanthropie an den guten Waldi weitergeben.
Von nun an muss sich unser Held bei Vollmond an den nächsten Baum ketten, um nicht seine Freunde oder ahnungslose Wanderer bei des Nachts anzufallen.
Die Truppe sieht sich in Waldemars Abwesenheit jedoch der Bedrohung einiger tibetanischer Banditen ausgesetzt, denen es gelingt den Kopf des Teams Professor Lacombe (Josep Castillo Escalona) in den Palast des Warlords Sekkar Khan (Luis Induni) zu verschleppen, nachdem man alle anderen Begleiter kurzer Hand ins Jenseits befördert hat.
Währenddessen erfährt Waldemar, nun begleitet von Silvia (Mercedes Molina), der hübschen Tochter des Professors, in einem buddhistischen Kloster von einer roten Blume, welche dort irgendwo in den Bergen wachsen soll und die, mit dem Blut der ihn (natürlich...) liebenden Silvia vermischt, ein wirksames Mittel gegen seinen Fluch abgeben soll.
Heilung erwartet indessen auch der unter einer unschönen Hautkrankheit leidende Khan, der unter dem Einfluss einer machtgierigen Hexe (Silvia Solar) steht, welche mal eben einer Gefangenen die Haut am Rücken abzieht, um sie dann dem Kriegsherrn wieder an gleicher Stelle anzukleben.
Es kommt, wie es kommen muss - Waldemar gerät samt Liebster zunächst ebenfalls in Gefangenschaft, kann sich aber befreien, kämpft erfolgreich gegen die Bösewichte und...
...trifft noch schnell in den letzten Minuten des Films auf den Yeti! Gut, dass der Mond helle am Himmel steht und Waldemar nicht nur in Sachen Körperbehaarung dem Schneemenschen gerade das Wasser reichen kann!


Wie fand ich's?: Dies ist der achte bzw. siebte Teil einer Reihe von Werwolffilmen, in denen Paul Naschy den stetig vom Unglück verfolgten Waldemar Daninsky gab. Die Zählweise ist in soweit unklar, dass der zweite Teil der Serie mit dem Titel Las Noches del Hombre Lobo (E/F 1968 R.: René Govar) entweder verschollen ist bzw.nie existiert hat.
Die Reihe erzählt zudem keine durchgehende Geschichte, sondern wird lediglich durch den von Naschy verkörperten Protagonisten zusammengehalten, der auch mal gerne am Ende des Films das Zeitliche segnet, nur um im nächsten Teil der Serie wieder frohlockend durch die Haine zu schlendern.
Traf Daninsky in früheren Teilen schon auf Vampire, Außerirdische, die Mumie, Frankensteins Monster oder den Enkel des berühmten Dr. Jekyll, so sollte es nun das Auftauchen des Yeti sein, der die Leute in die Lichtspielhäuser locken sollte. Wie in der Synopsis bereits angedeutet, kann man die Szenen mit dem unglaublichen Schneemenschen allerdings an zwei Fingern abzählen, sodass man hier getrost von dreistem Etikettenschwindel sprechen kann. Tatsächlich wurde Waldemar bereits im vierten (bzw. dritten...) Teil der Serie, La furia del Hombre Lobo (E 1972 R.: José Maria Zabalza) von einem Yeti gebissen (wie oft passiert einem das wohl...), der, um die Verwirrung nun komplett zu machen, laut manchen Quellen Szenen aus dem als verschollen geltenden zweiten Teil enthalten soll...
Egal, jetzt ist es doch noch an der Zeit, zu gestehen: jawoll, mir hat La maldición de la bestia riesen Spaß gemacht!
Sicher, wenn man einen klassisch inszenierten Gruselfilm rund um den Yeti sehen will, sollte der interessierte Leser vielleicht doch besser zunächst zu Hammer Films The Abominable Snowman (GB R.: Val Guest) von 1957 mit Charakterkopf Peter Cushing greifen...
Aber, wenn Sie letztens beim Besuch einer Tapasbar das Gefühl hatte, Spanien im Winter könne auch seine Reize haben, Banditen müssen stinken und ein Mann solle sich nicht seiner Haarpracht schämen, dann ist dies hier IHR Film!
Die Mischung aus Abenteuer- und Gruselfilm mag bei den Fu Manchu-Streifen geklaut sein - doch besser gut geklaut als... Sie wissen schon.
Also mir hat's gefallen und der Rasierer wird erst mal verbannt!


Fazit: Schundige Schönheit mit sprödem Charme - garniert mit etwas tibetanischen Ziegenkäse!

Punktewertung: 6,75 von 10 Punkten

Night of the Howling Beast (1975) on IMDb

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