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Von Grindhouse bis Arthouse...
Besprechungen übersehener, unterbewerteter oder obskurer Werke der Filmgeschichte!

Sonntag, 5. August 2012

Absurdes aus dem Geheimarchiv

Tragic Ceremony (Estratto dagli archivi segreti della polizia di una capitale europea)
I/E 1972
R.: Riccardo Freda


Worum geht's?: Eine Reisegruppe, bestehend aus vier jungen Leuten, befindet sich nach einem Segeltörn auf dem Heimweg, als ihnen unterwegs der Sprit ausgeht.
An einer nahe gelegenen Tankstelle werden sie zunächst von einem zwielichtigen Tankwart (José Calvo) abgewiesen, aber durch die Anwesenheit der schönen Jane (Camille Keaton) erhalten die Twens doch noch etwas Treibstoff für die Weiterfahrt.
Dieser reicht allerdings nur bis zur nächsten Ecke und da ein Unwetter aufzieht beschließt man kurzerhand Unterschlupf in der Villa Alexander zu suchen.
Was unsere Helden nicht wissen: Lord (Luigi Pistilli) und Lady Alexander (Luciana Paluzzi) haben eine Schar gleichgesinnter Satansanhänger im Keller des Herrenhauses versammelt, um dem Herrn der Hölle ein Opfer darzubringen!
Natürlich ist Jane schnell als solches auserkoren, zumal sie eine verfluchte Perlenkette um den Hals trägt, welche ihr zuvor der verliebte Bill (Tony Isbert) galant vermacht hatte.
In letzter Sekunde gelingt es ihm dann sogar Jane auch noch vor den Teufelsanbetern zu retten, die Lady des Hauses zu erdolchen und aus der Villa mit den zwei restlichen Freunden im Schlepptau zu fliehen, als der Wahnsinn im Gewölbe der Villa um sich greift und einer Person mit einem Schwert der Kopf gespalten wird, eine weitere in einem Feuer verbrennt und ein weiterer Satanist aus unbekannten Gründen aus dem Fenster fällt (befindet sich das Gewölbe hier etwa im 2. Stock?)
Bill glaubt von nun an ein gesuchter Mörder zu sein und man flüchtet zunächst zu seiner reichen Rabenmutter (Irina Demick), wo die Freunde allerdings kurzerhand abblitzen und die Nacht somit in einem Ferienhaus verbringen müssen.
Doch sie haben das lauernde Böse aus der Villa Alexander mit sich gebracht und Jemand oder Etwas meuchelt von nun an einen nach dem anderen...


Wie fand ich's?: Dies ist bereits der zweite Film von Riccardo Freda (s. h.  http://dieseltsamefilme.blogspot.de/2012/07/blutsauger-unterm-eiffelturm.html), welchen ich in meinem Blog bespreche.
War der zuvor von mir rezensierte I Vampiri (bei dem Freda nach einigen Drehtagen die Flinte ins Korn schmiss und die Regie an seinen Kameramann Mario Bava abgetreten hatte) noch größtenteils Gothic-Horror im klassischen Sinn, so kam Freda bei Estratto dagli... (der unglaublich lange Titel lässt sich mit Auszug aus dem Geheimarchiv der Polizei einer europäischen Hauptstadt übersetzen) nicht umher, starke Zugeständnisse an den Zeitgeschmack zu machen und den Film mit einigen sehr blutigen Gore-Effekten zu würzen, welche teilweise fast an seinen Kollegen Lucio Fulci erinnern.
So muß die Szene mit dem durch einen Schwerthieb geteilten Kopf, den Machern so gefallen haben, dass man diese in einem Rückblick zum Ende des Films gleich vier- bis fünfmal wiederholt zeigt.
Das Drehbuch, an dem der Vielfilmer Mario Bianchi maßgeblich beteiligt war, wirft dann auch fast alles zusammen, was den italienischen Exploitationfilm mal ausgemacht hat.
Neben etwas Teenie-/Liebesdrama (o. k. die Darsteller sehen alle eher nach Ende zwanzig bis Anfang dreißig aus - aber wen stört's?), einer für Freda annehmbaren Prise Gothic-Horror mit flackernden Kerzen im düsteren Anwesen der Satanisten, einer Messerspitze Nacktheit und dem oben bereits beschriebenen Blutschwall, findet sich hier auch der verhängnisvolle Hang zu unfreiwilliger Komik und hanebüchener Übertreibung.
Das z. B. die Nachrichten live aus den eigentlich abgesperrten Räumender Villa berichten (inklusive eines reißerisch gesprochenen Kommentars, der sogar Katja Burkhardt nicht über die Lippen käme) und dabei kurzerhand auch alle Einzelheiten zur Ermittlung ausplaudern ist schon mehr als unglaubwürdig.
Dass man aber tatsächlich von einer in der Küche liegen gelassener Wandergitarre auf eine mörderische Gruppe Hippies schließt und die Bluttat dann noch wenig geschmackssicher mit dem Massaker an Sharon Tate und ihren Gästen durch die Anhänger des Charles Manson vergleicht, ist ebenso lachhaft, wie das blau/grüne Make-up des toten Bill und die visionären Fähigkeiten eines Krankenhauspsychiaters, der ohne wirkliche Anhaltspunkte aus dem Stehgreif auf die Täter verweist und die Handlung noch mal für die ganz Dummen abschließend zusammenfasst.
Trotzdem kann man Fredas Spätwerk noch einen gutherzig-trashigen Unterhaltungswert anrechnen, wenn man über die offenkundigen Mängel großzügig hinwegsehen kann.


Fazit: Ein weiterer Altmeister bleibt zum Ende seiner Karriere etwas auf der Strecke. Etwas über Mittelmaß rangierender, blutiger Okkult-Trash für Freunde des Absurden.

Punktewertung: 5,5 von 10 Punkten

Tragic Ceremony (1972) on IMDb

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