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Besprechungen übersehener, unterbewerteter oder obskurer Werke der Filmgeschichte!

Samstag, 8. September 2012

Wer ist wer und wer ist Wolf?

Mondblut (The Beast Must Die)
UK 1974
R.: Paul Annett


Worum geht's?: Tom Newcliff (Calvin Lockhart) ist reich, gut aussehend, schwarz und passionierter Jäger.
Nachdem er jeden Meter seines Hauses und Grundstücks von einem Experten (Anton Diffring) mit Kameras und Mikrofonen bestücken lassen hat, lädt er fünf Gäste ein, die zusammen mit ihm und seiner Frau Caroline (Marlene Clark) dort die nächsten Tage verbringen sollen.
Doch Tom gibt seinen Gästen schon früh seine wahren Absichten bekannt. Er glaubt nämlich, dass sich hinter einer Person in ihrer Mitte tatsächlich ein Werwolf verbirgt.
Jeder seiner Besucher kommt dafür infrage, sind doch in ihrer Nähe immer wieder Leute auf seltsame Weise umgekommen.
Neben dem distinguierten Werwolfexperten Dr. Lundgren (Peter Cushing), dem ebenso gemütlichen wie schnell aufgebrachten Diplomaten Bennington (Charles Gray), der attraktiven Davina (Ciaran Madden) und deren Beschützer Jan (Michael Gambon), fällt das Augenmerk aller zunächst besonders auf den extrem behaarten Maler Paul (Tom Chadbon).
Doch ist die Identität der Bestie wirklich so offensichtlich?
Jede Jagd fordert ihren Preis und ein Wolf hat scharfe Zähne...


Wie fand ich's?: Amicus Production war der härteste Konkurrent für die zur gleichen Wirkungszeit extrem erfolgreiche, britische Horrorfilmschmiede Hammer Film.
Genau wie Hammer hat auch Amicus es nur einmal im Genre des Werwolffilms wissen wollen - Hammers Versuch war der sehr klassisch inszenierte The Curse of the Werewolf (UK 1961 R.: Terence Fisher dt.: Der Fluch von Siniestro) mit einem jungen Oliver Reed in der Hauptrolle, Amicus' Versuch war der moderne The Beast Must Die.
Basierend auf der Geschichte There Shall Be No Darkness des amerikanischen Autors James Blish, versucht man hier jedoch das Thema Lykantropie mehr von der Seite des Kriminalfilms zu betrachten.
So stellt eine Stimme bereits nach den Titeln fest, dass es sich hier um einen Whodunit handelt, und dass der Zuschauer bis zum Werewolf Break nun Zeit hat, die Identität des Werwolfs selbst zu erraten.
Tatsächlich wird nach etwa 75 Minuten der Film gestoppt und eine für 30 Sekunden eine Stoppuhr eingeblendet, während dem Publikum noch mal alle Verdächtigen kurz vorgestellt werden.
Dieses Gimmick ist eigentlich nicht wirklich neu, erfand doch William Castle, der König des B-Films (bevor Roger Corman ihm die Krone klaute...) und der schrägen Verkaufsidee, für seinen Film Homicidal (USA 1961 dt.: Mörderisch), in dem der Film ebenfalls kurz vor dem Finale stoppte und den Schreckhaften unter den Versammelten während einer sogenannten Fright Break 45 Sekunden Zeit ließ, seiner Angst nachzugeben und sich in die Lobby zum ausgeschilderten Coward's Corner (zu deutsch also zur Ecke der Feiglinge) zubegeben, um sich dann das Ende des gar schauerlichen Films besser von anderen nachträglich erzählen zu lassen.
Natürlich wertet solch ein Gimmick einen Film in der Regel nur unwesentlich auf, allerdings kann sich The Beast Must Die neben dieser Spielerei auch auf eine durchaus spannende Story und vor allem auf den sehr guten Cast verlassen.
Neben den beiden altgedienten Brit-Haudegen Cusching und Gray, ist es besonders der äußerst suave Calvin Lockhart, der den Film trägt.
Dabei war Lockhart nur zweite Wahl, wollte das Studio ursprünglich lieber den viel beschäftigten, weißen Robert Quarry. Doch aufgrund des zurzeit an den amerikanischen Kinokassen grassierenden Blaxploitationhypes, griff man dann auf Calvin Lockhart zurück. Witzigerweise berichten manche Quellen tatsächlich von Problemen beim Ausleuchten schwarzer Darsteller in Nachtszenen, ebenso wie vom gescheiterten Versuch die durch ihre Interpretation von James-Bond-Titelliedern bekannte Shirley Bassey in der Rolle von Newcliffs Gattin zu besetzen.
Da der Produktion ein nicht allzu hohes Budget zur Verfügung stand, besetzte man hingegen in der Rolle des Werwolfs in Tiergestalt kurzerhand einen Deutschen Schäferhund...
Überhaupt greift die Story die seit George Waggners The Wolf Man (USA 1941 dt.: Der Wolfsmensch) grundsätzlich statuierten Werwolfmythen auf, lässt aber (wie in der literarischen Vorlage) Peter Cushings Charakter zusätzlich eine medizinische Erklärung (ich sag nur Hormone...) für das Werwolfphänomen liefern.
Insgesamt ist mit The Beast Must Die ein Film entstanden, der klassische Gruselfilmelemente mit modernen gekonnt verbindet, einen leichten Blaxploitationvibe mitbringt und einfach nur Spaß macht, auch wenn man sich eine (selbst alberne) Transformationsszene zusätzlich wünschen würde...


Fazit: Meine persönlich liebste Amicus Produktion. Spannend, kurzweilig, toll gespielt und mit Gimmick!

Punktewertung: 8 von 10 Punkten

The Beast Must Die (1974) on IMDb

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