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Besprechungen übersehener, unterbewerteter oder obskurer Werke der Filmgeschichte!

Freitag, 19. Oktober 2012

Insekten und um Sekten herum

The Sect (La Setta)
I 1991
R.: Michele Soavi

 
Worum geht's?: Deutschland 1991. Nachdem die etwas verhuschte Lehrerin Miriam (Kelly Curtis) auf dem Nachhauseweg fast einen alten Mann (Herbert Lom) angefahren hat, beschließt sie aufgrund von Schuldgefühlen, den Alten mit zu sich und ihr abgelegenes Häuschen zu nehmen.
Dies soll sich schnell als böser Fehler erweisen, nutzt der Gute doch die erste Gelegenheit, der armen Miriam ein Insekt in die Nase einzuführen, ihr Trinkwasser mit sonderbaren, blauen Fäden zu kontaminieren, um dann im Keller auch noch tot umzufallen!
Was folgt, ist ein scheinbar nicht endenwollender Strudel aus Mord, Traum, Wahn und Verzweiflung; denn die Sekte hat schon lange ihre Augen auf Miriam gerichtet und verfolgt gnadenlos ihren wahrhaft teuflischen Plan!


Wie fand ich's?: Michele Soavi spielte im Filmbusiness jahrelang nur die zweite Geige, soll heißen: er verdingte sich als Regieassistent, am Set von solchen Klassikern des italienischen Horrorfilms wie Dario Argentos Tenebre (I 1982) oder Lamberto Bavas La casa con la scala nel buio (I 1983 dt.: A Blade in the Dark) in denen er auch als Darsteller auftauchte.
1987 inszenierte Soavi mit dem stylishen Giallo Deliria (I 1987 dt.: Aquarius - Theater des Todes) dann endlich seinen ersten eigenen Langfilm, und spätestens mit der viel umjubelten Horrorkomödie Dellamorte Dellamore (I 1994) hat er schließlich auch international auf sich aufmerksam machen können.
1991 drehte Soavi jedoch erst mal La Setta, einen von seinem Freund Dario Argento geschriebenen und produzierten Film, für den sich Soavi den zu dieser Zeit fast vergessenen Herbert Lom und Jamie Lee Curtis' große Schwester Kelly vor die Kameras holte.
Lom, der in diesem Jahr leider verstorben ist, hatte bereits in Meilensteinen wie Spartacus (USA 1960 R.: Stanley Kubrick) und The Ladykillers (GB 1955 R.: Alexander Mackendrick) mitgewirkt und war 1991 längst am Ende seiner Karriere angelangt, während Kelly Curtis sich in kleinen Nebenrollen verdingte und hin und wieder für Fernsehproduktionen engagiert wurde.
Nun, auch mit La Setta sollte es Kelly nicht gelingen, ihrer jüngeren Schwester auch nur ansatzweise den Rang abzulaufen, das Endresultat kann sich aber auch nach mehr als zwanzig Jahren noch sehen lassen.
Der Film ist ein ungemein atmosphärischer Mix aus fast surrealen Albtraumbildern a' la David Lynch und Motiven aus Rosemary's Baby (USA 1968 R.: Roman Polanski), die aber in Argentos Drehbuch mitunter vollkommen eigenständig und frisch wirken.
Damit ist Soavis Film weit entfernt von den eher unkreativen, bloßen Rip-Offs seiner Landsleute, denn er verleiht einer längst nicht neuen Story (die zudem die für Argento üblichen Logiklücken mitbringt...) einen ganz eigenen Anstrich, ohne sich einfach nur dem Plagiat zu verschreiben.
Stilistisch lässt Vieles zwar noch sehr stark den Einfluss Argentos erahnen, doch auch auf dieser Ebene ist Soavi weit davon entfernt, seinen Freund rein zu kopieren.
Der Film definiert seine ganz eigene Symbolik, schafft damit einen so noch nicht vorhandenen Mythos, in dem sich Charles Mansons mörderische Hippiekommune mit der Schwarzen Magie und den pantheistischen Motiven grimmscher Märchen zu etwas umformt, was es so als Ganzes noch nicht gab, mich allerdings teilweise stark an einige Bilder aus Clive Barkers drei bis vier Jahre später entstandenen Lord Of Illusions (USA 1995) erinnerte - ohne hier jetzt ein Plagiat vermuten zu wollen...
Am Ende kann man La Setta getrost zu den besten italienischen Genrefilmen der frühen 90er Jahre rechnen - für die dritte eigene Regiearbeit eines ewigen Assistenten eine mehr als beachtliche Leistung...


Fazit: Märchenhaft anmutender Horrortrip in tollen Bildern - with a little help from his friend(s)...

Punktewertung: 8,5 von 10 Punkten

La setta (1991) on IMDb

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