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Dienstag, 2. April 2013

Traum vom Fliegen

Spirits of the Air, Gremlins of the Clouds
AUS 1989
R.: Alex Proyas

Worum geht's?: Das australische Outback.
Die Welt ist längst untergegangen, da erscheint am Horizont vor der Hütte des Zwillingspaars Felix (Michael Lake) und Betty (Melissa Davis) ein Unbekannter (Norman Boyd), der durch die staubige Wüste gestolpert kommt.
Das sonderbare Pärchen, Felix sitzt im Rollstuhl und seine Schwester kleidet sich stets exzentrisch und steht ständig am Rande zur Hysterie, gibt dem jungen Mann, der sich Smith nennt, etwas zu essen und ein Dach über dem Kopf, doch Betty glaubt, in Smith praktisch den Leibhaftigen persönlich vor sich zu haben.
Ihr Bruder hat allerdings so seine Pläne mit dem wortkargen Neuankömmling, der den Weg nach Norden gehen will, wo jedoch laut Felix hohe Berge den Durchgang versperren und man so in der ewig trockenen Einöde gefangen ist.
Allerdings hat Felix von seinem Vater vor dessen Tod ein Buch über den Flugzeugbau geschenkt bekommen, und der Schmöker hat den findigen Krüppel auf die fixe Idee gebracht, das Bergmassiv einfach überfliegen zu wollen.
In Smith glaubt Felix nun endlich das perfekte Mittel gefunden zu haben, seinen Traum von der Flucht durch den Luftraum wahr werden zu lassen, zumal Smith unter Zeitdruck steht, wird er doch von einer kleinen Gruppe von Männern verfolgt, welche ihn etwa fünf Tage nach seiner Ankunft einholen werden.
Gegen Bettys Willen arbeiten die beiden ungleichen Männer nun fieberhaft an der Konstruktion einer brauchbaren Flugmaschine, die allen den Flug in eine bessere Welt ermöglichen soll.


Wie fand ich's?: Will man die sonderbare Atmosphäre dieses Films beschreiben, so bietet sich an erster Stelle das Wort traumverloren an.
Unterstrichen von der sphärischen Musik Peter Millers, welche mich etwas an die feinen Scores der Kultband Tangerine Dream erinnerte, schaffte Langfilmdebütant Alex Proyas einen Film, der einerseits den Werken des gebürtigen Südafrikaners Richard Stanley wie Hardware (UK/USA 1990 dt.: M.A.R.K. 13 - Hardware) und besonders Dust Devil (ZAF/UK 1992) ähnelt, andererseits eben jenen traumgleichen Ton anschlägt, wie man ihn auch bei Peter Weir und Nicholas Roeg (vgl. http://dieseltsamefilme.blogspot.de/2012/11/initiation-in-die-traumwelt.html) wiederfindet.
Proyas, der besonders durch seinen Kultfilm The Crow (USA 1994 dt.: Die Krähe) zu schneller Bekanntheit gelangte, ist ein Sohn griechischer Eltern und wurde in Ägypten geboren, bevor sich die Familie mit dem dreijährigen Alex im australischen Sydney niederließ, wo auch Teile von Spirits of the Air, Gremlins of the Clouds entstanden; die eindrucksvollen Außenaufnahmen fanden nahe der Bergbausiedlung Broken Hill im australischen Bundesstaat New South Wales statt, welche ca. 1.200 km östlich von Sydney liegt.
Das größte Handicap dieser Independentproduktion liegt jedoch in den unerfahrenen Schauspielern, welche zwar ihr Bestes geben, aber bis auf Michael Lake eher auf dem Niveau einer Theaterspielgruppe agieren.
Hauptdarsteller Michael Lake, der seiner Figur des Felix Crabtree etwas ebenso Getriebenes wie Zerbrechliches gibt, ist heute vor allem als Produzent aktiv, während sowohl Melissa Davis wie auch Norman Boyd (der in den Credits lediglich The Norm genannt wird) sich anscheinend nach diesem Film nicht mehr im Filmbusiness umtaten.
Cutter Craig Wood hingegen war u. a. bei den ersten drei Teilen der Pirates of the Caribbean Serie tätig und hat außerdem eine Vielzahl von Musikvideos geschnitten.
Was Regisseur Alex Proyas betrifft, so waren seine letzten Filme I, Robot (USA/DE 2004) und Knowing (USA/UK/AUS 2009 dt.: Know1ng - Die Zukunft endet jetzt) für Cineasten eher von minderem Interesse, wenngleich der Verfasser dieser Zeilen besonders letzteren Film für einen Blockbuster als gelungen bezeichnen möchte. 

Fazit: Ein entrücktes Märchen mit staubigen Bildern wie aus einem Fiebertraum.

Punktewertung: 7,75 von 10 Punkten

Spirits of the Air, Gremlins of the Clouds (1989) on IMDb

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