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Sonntag, 18. Mai 2014

Von Liebe, Hot Dogs und anderen exzentrischen Dingen...

Minnie and Moskowitz (Minnie und Moskowitz)
USA 1971
R.: John Cassavetes


Worum geht's?: Seymore Moskowitz (Seymore Cassel) ist ein lebenslustiger Exzentriker mit wildem Oberlippenbart, der sich sein Auskommen nebenbei als Parkwächter verdient. Als seine Mutter sich über seine Lebensumstände Sorgen macht, zieht er spontan nach Kalifornien, um dort sein Glück bei größeren Restaurants zu versuchen. Hier trifft er auf die kultivierte und einige Jahre ältere Museumsangestellte Minnie Moore (Gena Rowlands), deren Liaison mit einem verheirateten Mann (John Cassavetes) gerade zerbricht und die sich vom Leben allgemein und von der Liebe im Besonderen frustriert zeigt.
So möchte sie den stets etwas überdrehten, ungestümen Parkwächter möglichst schnell wieder loswerden, doch Moskowitz ist die Hartnäckigkeit in Person und ist es nicht gewöhnt ein Nein als Antwort zu akzeptieren, ja, er ist sogar bereit, für seine Liebe zu dieser so unterschiedlichen Frau gleich mehrfach Prügel zu beziehen.
Moskowitz, der zu dem Schag von Menschen gehört, die selbst am verrückten Gerede einer Zufallsbekanntschaft (Timothy Carey) am Nebentisch eines Esslokals noch Interesse besitzen und auch sonst spontanen Kontakt zu wildfremden Leuten sucht, ist bereit um seine neue Liebe auf den ersten Blick zu kämpfen. Über alle Schwierigkeiten hinweg - koste es was es wolle!



Wie fand ich's?: John Cassavates sagte einmal: „Ich mache gern schwierige Filme, bei denen die Leute schreiend rauslaufen. Ich bin schließlich nicht in der Unterhaltungsbranche".
Nun, der hier besprochene Film zählt sicher zu seinen zugänglichsten Arbeiten und ist vollkommen in der Lage sein Publikum zu unterhalten.
Erzählt wird die Liebesgeschichte zweier Menschen, die auf den ersten Blick recht unterschiedlich sind, doch wie sagt man so schön: „Unterschiede ziehen sich an", und es ist dem Betrachter außerdem schnell klar, dass diese beiden, leidgeprüften Protagonisten genau jenen Gegenpol in ihrem Dasein zum Überleben benötigen.
Neben der dramatischen Liebesgeschichte mit ihren liebenswerten Figuren berichtet Cassavetes, der in seinen Filmen immer sein Herz für Aussenseiter und Randexistenzen zeigte, von der Einsamkeit an den Hot Dog-Ständen der Großstadt und den aufgesetzten, bürgerlichen Fassaden der sogenannten "besseren" Schichten.
Cassavetes, ganz der Familienmensch, besetzte in der weiblichen Hauptrolle wie so oft seine Gattin Gena Rowlands, daneben seine eigene Mutter sowie Schwiegermutter und seine Kinder in zahlreichen Nebenrollen. So wurde der Dreh des, für das Budget von unter einer Million Dollar recht preiswert inszenierten Films, wohl zu einem großen Happening mit ganzen der Familie.
In der Rolle eines sonderlichen Restaurantgastes tritt zu Anfang des Films der wunderbare Timothy Carey auf, der sich durch zahlreiche aufsehenerregende Nebenrollen (u. a. unter der Regie von Stanley Kubrick und in der einzigen Regiearbeit Marlon Brandos) und seinem legendären Regiedebüt The World's Greatest Sinner (USA 1962) eine Reputation als Hollywoods Chefexzentriker aufgebaut hatte. Carey brilliert als irrer Loser mit Augenringe, die ihresgleichen suchen und muß genug Eindruck bei Cassavetes hinterlassen haben, um fünf Jahre später in dessen The Killing of a Chinese Bookie (USA 1976 dt.: Die Ermordung eines chinesischen Buchmachers) wieder aufzutauchen.
Dies tat auch der vielbeschäftigte Seymore Cassel, der zuvor bereits in Cassavetes Regiedebüt Shadows (USA 1959 dt.: Schatten) einen nicht in den Credits genannten Auftritt hatte und für seine Rolle des Chet in Cassavetes Faces (USA 1968 dt.: Gesichter) eine Oscar® Nominierung abräumt hatte.
Leider hat Minnie and Moskowitz neben seinem ehrlichen Witz und seinem tollen Cast auch einige Probleme im letzten Drittel des Films aufzuweisen und wird dort leider für meinen Geschmack etwas unnötig langatmig und doch noch leicht pathetisch.
Trotzdem bleibt ein wunderschöner Film über eine Liebe gegen alle Widrigkeiten in einer jener Großstädte, die niemals schlafen.


Fazit: Aufrichtig (und) menschlich - komisch (und) dramatisch. Ein kleines Meisterstück mit leichten, verzeihlichen Längen im Schlussakt.



Punktewertung: 8 von 10 Punkten

Minnie and Moskowitz (1971) on IMDb

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