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Besprechungen übersehener, unterbewerteter oder obskurer Werke der Filmgeschichte!

Samstag, 30. August 2014

Der schüchterne Drache

O drakos bzw. Ο Δράκος (Der Unhold von Athen)
GR 1956
R.: Nikos Koundouros


Worum geht's?: Der schüchterne Bankangestellte Thomas (Dinos Iliopoulos) gleicht nach einem Zeitungsfoto dem gesuchten Schwerkriminellen "Der Drache" aufs Haar. Da wundert es weniger, dass er in der Neujahrsnacht in einer Bar auf eine Bande Krimineller trifft, welche ihn auf der Stelle zu ihrem Anführer machen. Zwar gefällt dem zurückhaltenden Thomas der Plan, eine zerlegte Säule aus einem alten Tempel an einen reichen Amerikaner zu verhökern, gar nicht, doch gefällt ihm dafür seine unverhoffte Reputation in der Unterwelt und sein plötzlich gewonnener Schlag bei Frauen. "Besser der Drache als ein Niemand", wird bald zu seinem Credo, welches letztendlich zu seinem Untergang führt.


Wie fand ich's?: Schon wieder eine Groteske!
Fast jeder Film, den ich in letzter Zeit aus Griechenland gesehen habe, enthielt deutlich groteske Elemente, egal ob der von mir wenig geliebte Singapore sling: O anthropos pou agapise ena ptoma (GR 1990 R.: Nikos Nikolaidis), das Meisterwerk Kynodontas (GR 2009 R.: Giorgos Lanthimos dt.: Dogtooth) oder dessen Nachfolger Alpeis (GR/F/CAN/USA 2011 R.: Giorgos Lanthimos dt.: Alpen), alle diese Filme tragen deutlich groteske Züge oder können gleich als Farce betrachtet werden - Filmkritiker erschufen nicht umsonst in den letzten Jahren den Begriff der Greek Weird Wave.
Tatsächlich scheint der hier besprochene O drakos, ein Film, der mir in einer Liste der 10 vermeintlich besten griechischen Kinowerke bis dato auffiel, und der dort als später Versuch eines Film Noir bezeichnet wurde, diesen Trend bereits vor mehr als einem halben Jahrhundert kurz vorweggenommen zu haben.
Fängt die Geschichte um den unscheinbaren Banker noch sehr im Stil eines Film Noir an und erinnert eine Szene, in der Thomas auf einen Bahnhofswächter trifft, gar an das Frühwerk eines Fritz Lang, so begibt man sich spätestens dann in groteske Gefilde, wenn unser Held in einer Bar auf einen überagierenden, Augen rollenden, tanzenden Gangster trifft, der auf die eintretenden Cops reagiert, welche wie eine Mischung aus den Blues Brothers und Schulze und Schulze aus den Tim und Struppi Comics erscheinen. Auch der glorreiche Plan eine Marmorsäule scheibchenweise, heimlich außer Landes zu bringen, unterstreicht den absurden Ton der Geschichte, welche sich dann im überaus gelungenen Finale noch zur Tragödie mausert.
Leider nehmen zu viele Tanz- und Gesangsszenen dauernd das Tempo aus dem Film, sodass er in der Mitte doch teilweise merkliche Längen aufweist und mitunter schlecht gealtert wirkt.
Was bleibt, ist ein sonderbarer, leiser Mix aus Drama, Krimi und Tragikkomödie, der recht eigenständig, wenn auch nicht in Gänze gelungen, daherkommt.


Fazit: Ein interessanter Beitrag zur Schwarzen Serie aus dem Land der Hellenen, der jedoch etwas hinter seinem Ruf zurückbleibt.


Punktewertung: 7 von 10 Punkten

The Ogre of Athens (1956) on IMDb

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