Egal ob Exploitation, Gialli, Horror oder Sci-Fi...
Von Grindhouse bis Arthouse...
Besprechungen übersehener, unterbewerteter oder obskurer Werke der Filmgeschichte!

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Mittwoch, 13. November 2019

Notas Cinematic 3: Betreff: Kündigung meines Abonnements


Inland Empire
USA F/P 2006
R.: David Lynch

In aller Kürze: Der folgende Text wurde von mir bereits am 16.11.2007 geschrieben und mitsamt einiger kruder Stil- und Rechtschreibfehler auf der Filmseite der OFDb veröffentlicht. Da dieser Text fast prophetisch auch meine Sicht auf die unlängst abgelaufene dritte Staffel der Kultserie Twin Peaks abbildet, hier den Text mit deutlich weniger Fehlern noch einmal in schön:

Lieber David,

gestern habe ich Deinen letzten Opus Inland Empire gesehen.
Ich muss gestehen, dass ich bislang wohl einer Deiner absoluten Fans gewesen bin, aber nun doch meine Mitgliedschaft im Verein der Internationalen-Lynch-Anbeter kündigen will.
Vor dieser uninspirierten Ansammlung von ganz tollen "Experimenten" habe ich Deinem Meisterwerk Mulholland Drive zuletzt noch die Höchstnote gegeben!
Auch Lost Highway davor war ganz super strange und so ...
Und ich mochte stets die surreale Atmosphäre, das Spiel mit der Erwartungshaltung des Zuschauers, der tollen Musik von Angelo Badalamenti etc ...
Ich muss allerdings gestehen, dass ich eigentlich Eraserhead und Blue Velvet für Deine absoluten Meisterwerke ansehe (beide: 10/10), und ich immer der Meinung war: das einzig Schlechte an Blue Velvet ist diese (gewollt?) ekelhaft farblose Laura Dern. Aber das war in Ordnung, denn Kyle MacLachlans Freundin sollte wohl lediglich einen Konterpart zu Isabella Rosselini darstellen - da passte Laura Dern dann doch noch sehr gut. So vollkommen blass ...
Doch zurück zu Inland Empire.
Du hast aus dem Pilotfilm einer nicht realisierten Serie Mulholland Drive konzipiert und, hey, das lief ja super.
Nun hast Du Dir ´ne Videokamera gekauft und einfach mal so vor Dich hin gefilmt - Experimente nennst Du so was. Auch im Puff in Polen hast du draufgehalten (mit der Kamera natürlich) und hast die Mädels einfach mal improvisieren lassen ... Du Genie!
Dann kam wohl auch Laura Dern des Weges, die ist jetzt 40, wirkt aber wie 50; sie brauchte wohl etwas Kleingeld und hatte einige Tage Zeit ... Tja, und dann hat sie improvisiert ... Und Du hast draufgehalten ...
Ach ja, dann die Idee mit der Hasen-Sitcom! Hui, wie medienkritisch! Du Genie, Du!
Schließlich hast Du alles einfach mal zusammengeschnitten - die Aufnahmen aus Polen, die Hasen und die Dern - und schau: Inland Empire war geboren.
Ein Film, der laut Aussage des Verleihs nur einen roten Faden besitzt: die Angst. Angst hatte ich auch. Dass der Film gar kein Ende nimmt ...
Denn jetzt mal unter uns beiden ganz Intellektuellen: viel Sinn ergibt das nicht. Eigentlich ergibt das sogar überhaupt keinen Sinn! Eigentlich ist das sogar einfach nur total nervendes Freestyle-Geschwurbel eines mal als Genie gefeierten Filmschaffenden, der versucht seine Grenzen auszuloten!! Weniger im künstlerischen, als im kommerziellen Bereich.
Auf Deiner Website verkaufst Du jetzt ja Kaffee... Den hab ich nach 173 Minuten dann wohl auch nötigst gebraucht. Denn von Spannung - keine Spur! Auch von Handlung; oder besser: von einem Handlungsbogen, der den Dreck, ´tschuldigung, die Experimente zusammenhält, ist nach spätestens 20 Minuten keine Spur mehr vorhanden.
Klar es geht um ein verfluchtes Filmprojekt, um polnische Phantome, polnische Zirkusleute, Prostitution (wo wohl? in Polen!) und Riesenhäschen in Hollywood (nicht Polen). Was hast Du eigentlich gegen Polen? Egal.
Früher konnte man Dir Substanz, Eleganz und Anspruch attestieren. Heute: Riesenhasen und polnische Freudenmädchen die zu Do The Locomotion tanzen ...
Die Musik (war da Musik?) hatte Angelo bestimmt letzte Woche beim Renovieren im Keller gefunden. Ist dann auch preiswerter, und so ...
Doch siehe da! Ich muss der Einzige sein, der das so sieht! Die Kritiker lieben Dich! Trotz Einfallslosigkeit und fehlender Inspiration! Du bist halt David fucking Lynch! Ein verdammtes Genie! Dem kauft man alles ab! Ich habe 14.99 € bezahlt! Unbesehen wohlgemerkt! Mach ich nicht noch mal!

Gruß,

Sascha

Montag, 13. November 2017

In eigener Sache: fragwürdiger Film mit Bootleg-Text!



Heute wurde ich auf den Umstand aufmerksam gemacht, dass auf der Rückseite einer hierzulande offenbar kaum noch im Handel befindlichen (Bootleg?-)version des knuffigen, jedoch eher mittelmäßigen Jess Franco Streifens Rote Lippen, Sadisterotica nicht nur ein Zitat aus meiner Besprechung des Films gedruckt wurde, sondern dort auch noch gleich mein Name in Klammern genannt wird.
Nun bin ich unsicher, was mich trauriger macht: der Umstand, dass die Veröffentlichung eher, nun sagen wir, fragwürdiger Natur (*hüstel*) ist, oder, dass man mir dafür weder einen größeren Geldbetrag, noch ein ranziges Freiexemplar oder einen Fresskorb von Edeka hat zukommen lassen!
Ich bin enttäuscht von Euch, Great Movies (doch nicht so "great", oder?) und von der Welt im Allgemeinen sowieso ...
Besonders enttäuscht bin ich jedoch, dass es von vielen Werken des unvergessen Herrn Franco immer noch keine vernünftigen hiesigen Editionen im Handel gibt!
Ach, ich reg' mich auf ...

Samstag, 12. April 2014

Handkantenrocker vs. Motoradninjas

Miami Connection (American Streetfighter)
USA 1987
R.: Woo-sang Park/Y. K. Kim



Worum geht's?: Die Rockgruppe Dragon Sound besteht aus fünf kampfsportverrückten Freunden, die zusammen ein Häuschen in Orlando, Florida besitzen und des Abends die Klubs der Stadt mit ihren Hits wie "Against the Ninja" rocken.
Allerdings macht man sich als gefragte Newcomer im Nachtleben der City leider nicht nur Freunde, besonders, wenn man die aggressiven Mitglieder einer anderen Band aus ihrem Job verdrängt.
Diese finden ausgerechnet Hilfe bei Jeff (William Ergle), dem bärtige Anführer einer Bande von kriminellen Bodybuildern und Bruder der hübschen Jane (Kathie Collier), die neuerdings bei Dragon Sound singt und gegen Jeffs Willen mit deren Bassisten John (Vincent Hirsch) schmust.
Doch selbst eine angedrohte fiese Tracht Prügel, gezückte Messer oder geschwungene Äxte können Dragon Sound nichts anhaben, denn Taekwondo-Meister Mark (Y. K. Kim) trainiert täglich mit seinen Spezis, die wie er alle Waisenkinder waren.
Die Ereignisse überschlagen sich vollends, als Jim (Maurice Smith) plötzlich von seinem noch lebenden Vater erfährt, Jeff nach einem missglückten Versuch ein Mitglied der Band zu kidnappen getötet wird und sich eine ganze Horde Ninjas, angeführt vom sinisteren Rockerfreund Yashito (Si Y Jo), den fünf Freunden fürs Leben entgegenstellt.



Wie fand ich's?: Kennen Sie Y. K. Kim? Nein? Nun, vor dem Genuss seines einzigen Filmwerks Miami Connection, welches in Deutschland auch unter dem schönen Titel Schwarze Ninja greifen an im TV gezeigt wurde, hatte ich auch noch keine Kenntnis von der Existenz des heute 57 Jährigen, der mit 13 in seiner koreanischen Heimat bereits einen schwarzen Gürtel im Taekwondo erlangte, 1977 in den Big Apple zog und einige Jahre später eine kleine Berühmtheit als erfolgreicher Besitzer einer Kette von Kampfkunstschulen erlangte.
Berühmtheit genug, um durch einen Fernsehauftritt in einer koreanischen Talkshow den eher wenig bekannten Regisseur Woo-sang Park auf sich und sein Vorhaben aufmerksam zu machen, einen Film über Kims Liebe zum Taekwondo zu drehen. Park versuchte unter dem Pseudonym Richard Park bereits seit einigen Jahren in den USA Fuß zu fassen und hatte dort bereits 1985 den erfolglosen Actioner Los Angeles Streetfighter (USA/KOR 1985 dt.: Die gelben Teufel von Los Angeles) heruntergekurbelt, den man auch unter seinem Alternativtitel Ninja Turf kennen könnte.
Hätte Y. K. Kim sich dieses Machwerk vor seiner Zusage die Produktionskosten zu Miami Connection zum größten Teil mitzufinanzieren einmal angesehen, so wäre ihm aufgefallen, dass Park vielleicht so eben sein Handwerk verstand, er aber scheinbar kein Wort Englisch sprach und so schwere Probleme hatte halbwegs vernünftige Dialoge zu schreiben und auf die Tonspur zu bannen.
Dabei sollte doch inhaltlich diesmal richtig geklotzt statt gekleckert werden. Kim schwebte ein Film über Freundschaft, Taekwondo und eine Welt ohne Gewalt vor - das fertige Script addierte jedoch noch einige weitere Elemente...
So schmiss man alles in den Mix, was momentan im Actionkino angesagt war und was man irgendwie einbinden konnte: leise Ninjas und laute Rockmusik, tödliche Drogendeals und pimpelige, erwachsene Waisenkinder, schwere Bodybuilder und harte Motorradgangs, Weiberaufreißen am Strand, eine mit Zwietracht beäugte Romanze, latente (?) Homoerotik unter männlichen WG-Genossen und natürlich Taekwondo.
Viel hilft viel, war hier offenkundig die Devise, und dass man einen simplen Actionfilm mit zu viel Drumherum leicht auch überfrachten kann, auf diese Idee kam keiner. So wirkt der Subplot um den wiedergefundenen Vater pathetisch (aber auch irgendwie charmant), die Motivationen der Badguys wenig nachvollziehbar, die Musikszenen absolut peinlich.
Was Miami Connection aber aus dem Gros anderer gescheiterter Actionfilme der 80er heraushebt, ist das spürbare Herzblut und der klare Wille alles richtig zu machen. Wie bei Ed Woods Plan 9 from Outer Space (USA 1959) sind alle Zutaten eigentlich vorhanden einen netten, zeitgemäßen Genrefilm abzuliefern, doch leider scheiterte dies am einvernehmlichen Unvermögen aller Beteiligten. Miami Connection ist unfreiwilliger Trash mit absolutem Kultpotenzial, eben weil stets so putzig versucht, es allen recht zu machen.
Irgendwie schaffte es der Film 1987 sogar nach Cannes, scheiterte jedoch gigantisch an den wenigen Kinokassen, die er erreichte. Y. K. Kim verlor als Produzent des Films eine Unmenge Geld (manche Quellen sprechen von einigen Millionen), schnitt ohne seinen Regisseur neue Szenen in den fertigen Film und verpasste dem Werk nachträglich ein Happy End - alles umsonst. Niemand wollte den Film zeigen, sein Produzent, Star, Autor und unfreiwilliger Co-Regisseur war ruiniert.
Miami Connection war bis zu seiner Wiederentdeckung durch einen texanischen Kinokettenbesitzer im Jahr 2009 vergessen, erlebte dann aber sehr zur Überraschung Kims seine zweite Auferstehung in vollen Kinosälen und auf heimischen Fernsehgeräten.
Young Kun Kim tourt neben seiner Tätigkeit als Martial Arts Lehrer mittlerweile sehr bezeichnend auch als Motivationstrainer und erwähnt den Film nun auch wieder mit Stolz auf seiner Webseite.
Man könnte glauben, jemand hätte dieses Happy End auch schnell mal nachgedreht.



Fazit: Wie eine fast perfekte Pizza mit zu viel Belag und extra Käse: Im Prinzip leckeres Fast Food - kann jedoch auch schnell auf den Magen schlagen.



Punktewertung: Fans von feinem Actiontrash geben 7,75 von 10 Punkten - andere wenden sich mit Grausen ab...

Freitag, 16. August 2013

Die Nummer 100: Ein gravierender Fall von Tollwut

Los violadores (Mad Foxes - Feuer auf Räder aka. Stingray 2)
CH/E 1981
R.: Paul Grau


Worum geht's?: Hal (José Gras - hier unter dem schnittigen Pseudonym Robert O' Neal), ein Sportwagen fahrender Playboy und Bonvivant, hat gerade noch in einer Disco den 18. Geburtstag seiner jungfräulichen Freundin Babsy (Sally Sullivan, die natürlich bürgerlich Andrea Albani heißt...) gefeiert, da werden die beiden Turteltauben das Opfer einer typischen Bande von spanischen Nazirockern, wie es sie in den 80ern in jeder iberischen Großstadt gab.
Während Hal brutal zusammengeschlagen wird, vergewaltigt ein Bandenmitglied die junge Unschuld, was Hal natürlich umgehend blutige Rache schwören lässt.
Ein Telefonanruf und die Kampfsportschule eines guten Freundes und ausgewiesenen Karatemeisters rückt vollzählig in einem Amphitheater an, wo die Bösewichte im Fackelschein gerade einen der ihren beerdigen. Ruck zuck sind die Nasen blutig und der Anführer der Hobbyfaschisten wird noch schnell mit einem Springmesser entmannt.
Zufrieden macht sich unser Held auf, seine Eltern auf dem Lande zu besuchen, unwissend, dass die Schufte ihm auf ihren Feuerstühlen längst auf der Spur sind.
Unterwegs greift Hal eine attraktive Anhalterin auf und vernascht diese wenige Minuten später, bei einem Waldspaziergang schießt der Lebemann von Welt spielerisch mit einer Flinte auf ein daherfliegendes Passagierflugzeug und muss später doch bei der Heimkehr zu seiner Überraschung nicht nur den gemeuchelten Gärtner mit dessen Heckenschere im Schlund vorfinden, sondern auch über die Leichen der Haushälterin, seines Vaters und seiner gehbehinderten Mutter stolpern.
Nun bleibt ihm nur noch eine Option übrig: Rache!
Gott sei's gelobt weiß natürlich jeder Tankwart in der Gegend, wo die Lumpenbande ihr hakenkreuzgeschmücktes Hauptquartier hat.
Mit haufenweise Wut im Bauch und genug Munition im Gepäck wirft Hal seinen Stingray an, um die Sache ein für alle Mal zu beenden.


Wie fand ich's?: Dies ist ein Jubiläums-Post und das hundertste Review meines Blogs soll natürlich einem ganz besonderen Film gewidmet sein. Einem Film, der einzigartig in seiner Machart und Wirkung ist; einem Film, der sich dem Zuschauer für alle Ewigkeit auf die Hirnrinde brennt.
Mad Foxes ist so ein Film.
Der lebenden Produzentenlegende Erwin C. Dietrich soll zweimal in seiner Karriere bei Ansicht eines von ihm in Auftrag gegebenen Werkes der Unterkiefer vor Unglauben ob des Gezeigten nach unten geklappt sein.
Das erste Mal soll dies bei Begutachtung von Jess Francos Frauengefängnis (CH 1976) passiert sein, das zweite Mal bei Ansicht des hier besprochenen Werks von Regisseur Paul Grau.
Grau ist heute der CEO des Schweizer Privatsenders Star TV, vor seiner Karriere beim Fernsehen hatte Grau neben Mad Foxes noch bei ein oder zwei Sexploitationstreifen regiegeführt (die OFDb listet tatsächlich ein Titel mehr als die IMDb) und bei einigen weiteren Dietrich-Produktionen als Production Manager fungiert.
1980 bestellte Dietrich bei dem somit nicht übermäßig erfahrenen Grau einen Kassenhit (oder eine weitere schnelle Möglichkeit Steuern abzuschreiben), dieser hatte die Idee zu einem Actionfilm, der zwar wohl erst dessen zweite Regiearbeit zu diesem Zeitpunkt werden sollte, der aber dafür alles enthalten würde, was ein großer Actionhit braucht.
Rocker? Ja klar! Aber nicht nur einfache Rocker - Nazirocker! Diese tragen natürlich Hakenkreuzarmbinden, allerdings verschwindet bei jeder Außenszene die Swastika, sodass man nur eine rote Binde mit großem, weißen Punkt am Oberarm trägt. Vermutlich wollte man in Spanien (wo der Film preisgünstig heruntergekurbelt wurde, und was man im betrunkenen Kopf ja auch gut mit dem sonnigen Kalifornien verwechseln könnte) nicht die Einheimischen verunsichern, oder gar tatsächlich Schwierigkeiten mit den Behörden provozieren.
Einen Helden mit Bums bei Frauen? Sicher, allerdings ist dessen Interesse eine soeben volljährig gewordene Jungfrau schnellst möglich mit Fusel aus dessen persönlichem, in einem Schließfach aufbewahrten, Vorrat abzufüllen, moralisch höchst fragwürdig; erst recht, wenn er wenige Stunden später bereits fröhlich eine Anhalterin flachlegt.
Erotik? Aber hallo! Man wartet hier nicht nur mit unbekleideten Damen auf, sondern zeigt auch bei jeder (un-)passenden Gelegenheit männliche Genitalien, auch gern in Nahaufnahme. Anscheinend wollte man hier wirklich JEDE Zielgruppe zufriedenstellen...
Blutige Action? Jede Menge! Da wird mehr kastriert als in der Kleintiersprechstunde eines ortsansässigen Veterinärs und ein Bösewicht wird gleich gänzlich mit einer in die Kloschüssel geworfenen Handgranate von der Keramik gesprengt...
Martial Arts? Kannste drauf wetten! Grau tritt gleich selbst als Karatemeister vor die Kamera und es kommt zu einer Massenkeilerei - nur beherrscht leider keiner der Kämpfer sichtbar auch nur annähernd den Sport, wenngleich hier und da zu lesen ist, dass Eric Falk, behaarter Darsteller in zahlreichen Sexfilmen der 70er und 80er, es Mal zu Weltmeisterwürden gebracht haben soll. So rotiert Bruce Lee im Grab, während erwachsene Männer ungelenk Arme und Beine hochreißen...
Wahres Drama? Och... Na gut, der Held bricht über seiner toten Mutter weinend zusammen und schwört mehr als einmal hingebungsvoll Rache in die Kamera; jedoch ist seine Schauspielkunst ebenso limitiert, wie die seiner Mitdarsteller. Kurz vor Mad Foxes hatte José Gras jedenfalls auch unter Pseudonym (dort nannte er sich noch Robert O'Neil mit i) in Bruno Matteis Zombieheuler Virus (I/E 1980 dt.: Die Hölle der lebenden Toten) mitgespielt, einige Zeit später tauchte er noch u. a. in Fulcis seltsamer Fantasygurke Conquest (I/E/MEX 1983) auf, bevor er Mitte der 80er auch schon wieder von der Bildfläche verschwand.
Ein überraschendes Ende mit Knalleffekt? Absolut! Das wird hier natürlich nicht verraten, doch soll mir keiner sagen, der den Film gesehen hat, er hätte dies so kommen gesehen! Da hätte selbst M. Night Shyamalan seine helle Freude dran. Echt wahr...
Alles in allem also ein beispielloses Feuerwerk der tollen Ideen, welches so seinesgleichen sucht.
Lautet der spanische Originaltitel noch Los violadores (dt.: die Vergewaltiger), so benannte man ihn für die internationale Auswertung sowohl in Mad Foxes (wohl der etwas unbeholfene Versuch an Mad Max erinnern zu wollen), wie auch in Stingray 2 um. Mit letzterem Titel wollte man sich scheinbar an den (vermutlich auch nur leidlichen) Erfolg der US-Actionkomödie Stingray (USA 1978 R.: Richard Taylor) dranhängen, welcher damals auch in Deutschland von Produzent Erwin C. Dietrich verliehen wurde. Dieser ist nach eigenen Angaben bis heute nicht in der Lage, sich dieses Machwerk in Gänze anzuschauen, doch hat Mad Foxes mittlerweile den wohlverdienten Ruf eines kleinen Kultfilms erlangt, was zumindest etwas durch DVD-Verkäufe auf dem Konto des Herrn wieder gutmachen sollte.
Die Musik stammt übrigens von der schweizerischen Antwort auf die Scorpions (andere sprechen von AC/DC): Krokus. Für jene soll Paul Grau schon in den 70ern Musikvideos gedreht haben, eindeutige Belege sind darüber allerdings in meinen Quellen leider nicht zu finden gewesen. Fakt ist jedoch, dass der Titeltrack zu Mad Foxes Easy Rocker ein verdammter Ohrwurm ist, noch das eindeutig qualitativ Hochwertigste im Film darstellt und sich auch heute noch ständig im Liveset von Krokus wiederfindet.
Nach diesem "Meisterwerk" beendete Grau seine Regiekarriere mit der Sexkomödie Sechs Schwedinnen auf der Alm (BRD 1983), in der auch das oben bereits erwähnte Sexploitation-Urgestein Eric Falk ein letztes Mal (unbekleidet) vor der Kamera stand und damit nach fast einer Dekade sündigen Treibens auf der Leinwand das (sicher durchnässte) Handtuch warf.


Fazit: Unglaublich. Eine echte Offenbahrung für ganz abgebrühte Trash-Connaisseure und ein unverfälschtes Magnum-Opus des schlechten Geschmacks.

Punktewertung: Die Arthousegemeinde dürfte 1 von 10 Punkten vergeben, wer hingegen Troll 2 (I/USA 1990 R.: Claudio Fragrasso O.: Trolli) bereits oft genug mit Vergnügen bestaunt hat, dürfte auch hier voll auf seine Kosten kommen.
Ich persönlich vergebe einfach Mal ebenso subjektive wie diplomatische 5 von 10 Punkten.

Montag, 18. März 2013

Was zum Teufel...

Blood Puzzle (Skullduggery)
USA 1983
R.: Ota Richter


Worum geht's?: Unvorteilhafterweise sind Adams (Thom Haverstock) royale Vorfahren im Jahre 1283 in ihrer britischen Feste im schönen Canterbury von einem mächtigen Hexer (David Calderisi) über alle Generationen verflucht worden.
So muss Adam nun 600 Jahre später, verhext einem Job in einem Kostümverleih in Toronto, Kanada nachgehen und des Abends mit seiner Kollegin Barbara (Wendy Crewson), die einen bösen, juckenden Ausschlag am Bein hat, und anderen Nerds an einem Rollenspiel im Hinterzimmer des Ladens teilnehmen.
In letzter Zeit fühlt Adam jedoch seinen Realitätssinn schwinden und tötet bei einer Unifete mit Talentabend sein erstes Opfer.
Schnell fordert der Adam auferlegte Fluch weitere Tote, dieser sucht derweil Hilfe bei einer Wahrsagerin und landet schließlich auf dem frivolen Maskenball des unheimlichen Dr. Evel (nein, kein Schreibfehler...), wo sich nun niemand mehr sicher fühlen kann.
Die Polizei steht währenddessen vor einem Rätsel, denn jedes von Adams Opfern scheint an Herzversagen gestorben zu sein...

Wie fand ich's?: So...
Was soll ich sagen? 
Skullduggery ist wohl einer der bizarrste Slasher, die je das Licht des Filmprojektors gesehen haben.
Das Drehbuch (sollte eines bei der Produktion dieses Werkes tatsächlich vorhanden gewesen sein) scheint unter immensem Drogeneinfluss geschrieben worden zu sein. Fröhlich mischt man hier Okkultismus, Fantasy, Rollenspiel a la Dungeons & Dragons, homoerotische Symbole und allerlei bizarre Episoden (ein Arzt im Gorillakostüm (!) macht sich Zigarre rauchend (!) über eine Krankenschwester her; auf dem Rücken eines Hausmeisters findet über die gesamte Laufzeit ein Tic Tac Toe Spiel statt; in einer Kirche spielt Liberace des Nachts auf einem Spinett Orgel etc.) mit den Elementen des 80er Jahre Slashers, s. h.: junger Mann tötet fröhlich junge Damen.
Wer auch immer auf die Idee gekommen sein muss, einen solchen Film kommerziell erfolgreich veröffentlichen zu können, muss ebenso verwirrt gewesen sein, wie der Protagonist des Streifens. So soll Skullduggery nach seiner Fertigstellung Ende der 70er Jahre noch einige Jahre auf dem Regal der Produzenten gelegen haben, bevor man sich doch noch entschloss, das Ungetüm auf die Menschheit loszulassen.
Zeitweise glaubt man, den bunten Fiebertraum eines betrunkenen John Waters zu erleben, der gerade vor dem Fernseher eingeschlafen ist, auf dem immer noch David Lynchs Mullholland Drive (USA/F 2001) läuft. Waters hatte zuvor an einem Rollenspielabend teilgenommen, fühlte sich aber gar nicht gut und hätte die Anwesenden am liebsten gleich umgebracht...
Tatsächlich stammt die Story von einem gewissen Peter Wittman, der selbst bei zwei obskuren Genrefilmen anfang der 80er Regie führte und in hier auch noch besagten Hausmeister mit Spielfläche auf dem Kittelrücken gab.
Wie Wittman verschwand auch Regisseur Ota Richter bereits einige wenige Jahre nach Veröffentlichung von Skullduggery wieder von der Bildfläche. Die IMDb listet für Richter mit Oklahoma Smugglers (USA 1987) noch eine weitere Regiearbeit, welche allerdings zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen noch keine fünf Bewertungen erhalten hatte, danach verlieren sich die Spuren beider.
Was von beiden bleibt, ist dieser kuriose Film, der irgendwo zwischen (unfreiwilliger) Komödie und (relativ unblutigem) Slasher pendelt, trotzdem besonders für Jäger verlorenen Trashs eine lohnenswerte Entdeckung! 

Fazit: Wer glaubt, ein Slasher könnte ihm nichts Neues mehr bieten - versuchen Sie's mal hier mit! Dieser Film ist praktisch ein einziger 95-minütiger What-the-fuck-Moment!

Punktewertung: 6,25 von 10 Punkten (wer jedoch einen nachvollziehbaren, klassischen Slasher erwartet, darf ca. 3 bis 5 Punkte abziehen...)

Samstag, 15. Dezember 2012

Voll auf die Zwölf!

Macho Man
BRD 1985
R.: Alexander Titus Benda

Worum geht's?: Danny Wagner (René Weller) ist Playboy, Ästhet und amtierender Boxweltmeister und gottseidank gerade vor Ort, als eine Bande von Drogendealern die dralle Sandra (Bea Fiedler) überfällt und an die Nadel bringen will.
Danny zögert nicht und tut halt das, was er kann: einige Schwinger und die Dreckskerle suchen das Weite.
Da Danny anscheinend gerade einen Lauf in Sachen Verbrechensbekämpfung hat, wird auch die Bank, die er am nächsten Tag aufsucht unvermutet von Bösewichtern überfallen, doch mit der Hilfe des Karatemeisters Andreas Arnold (Peter Althof), bekommen auch diese Herren ihr Fett weg und die beiden Kampfsportler sind die Helden des Tages.
Leider hat es auch Andreas auf Sandra abgesehen, was zunächst für Spannung zwischen unseren beiden Freunden führt, doch auch andere Mütter haben schöne Töchter und so greift er sich eben schnell seine neuste Schülerin (Jacqueline Elber) als Ersatz.
In einem Showkampf "Boxen-gegen-Karate" wollen die beiden Machos aber trotzdem herausfinden, wer die dickeren Eier, ähem, Muskeln hat, doch wird das Event vorzeitig abgepfiffen, um es doch lieber den ungeliebten Dealern vom Anfang erneut zu zeigen, wo der Frosch die Locken hat, bzw. der Bartel den Most herholt.
Fäuste fliegen, Beine treten, Knochen brechen und am Ende können endlich alle fröhlich in den schwer verdienten Urlaub abdüsen.
Toll.

Wie fand ich's?: Hier ist er also, der ultimative, deutsche Exploitationfilm der 80er.
Manche behaupten sogar, dies sei der beste Actionfilm, der je in Nürnberg gedreht wurde, und das kann man wohl erst mal so stehen lassen.
Weller, der zu Glanzzeiten den Beinamen "der schöne René" trug, zeigt hier nicht nur seinen durchtrainierten Körper, nein, er zeigt auch begnadete Tanzkünste, die einem die Tränen beim Fremdschämen in die Augen treiben.
So hat besonders die grenzästhetische Discoszene aus Macho Man zur ungemeinen Legendenbildung um diesen Streifen beigetragen, der 1991 Herrn Weller wiederum zu einer Unterlassungsklage veranlasste, alle Sexszenen mit ihm aus dem Film entfernen zu lassen; was besonders inkonsequent anmutet, entledigte sich der gute Mann doch 2005 im Big-Brother-Dorf mal eben selber seiner Hose und war er doch selbst bei einer Open-Air-Vorführung des Films im Jahre 2004 schon wieder froh gelaunt (und bekleidet!) anwesend.
Ebenfalls augenreizend und skandalerregend ist die hier gezeigte, wundersame Mode der 80er, inkl. Schulterpolster, die jedem Strich in der Landschaft ein Kreuz verschafften, wie es sonst nur der unglaubliche Hulk sein Eigen nennt, oder das Tragen so enger Herrenjeans, dass man den Begriff Cameltoe auch bei Herrn Weller anwenden möchte, wenngleich etwas weiter hinten angesetzt...
Peter Althof, heute Chef einer auf Personenschutz spezialisierten Security Firma, war mal deutscher Kickbox- und Europameister im Vollkontaktkarate und körperlich sicher immer top in Form; nur eins waren er und Weller wohl nie: richtige, soll heißen: fähige Schauspieler.
Das gilt auch für die Damen Fiedler und Elber (welche sich bereits zwei Jahre zuvor beim Dreh des Karl-Dall-Kultfilms Sunshine Reggae auf Ibiza [BRD 1983 R.: Franz Marischka] kennengelernt hatten), die sicher ihre anatomischen Vorzüge hatten, aber für Sprechrollen dann doch etwas fehlbesetzt sind...
Da helfen natürlich auch Dialoge auf Scripted Reality Niveau nix, der Film lässt zu jeder Zeit erahnen, dass man es hier mit einem wunderbar fehlgegangenen Schnellschuss erster Kajüte zu tun hat - ganz nach dem Motto: lasst uns mal 'nen Film mit dem Weller und Althof machen, der Rest kommt von selbst.
Trotzdem bzw. gerade deswegen macht Macho Man aber jede Menge Spaß; man sollte sich nur beim Anschauen nicht selbst ständig die Frage stellen: "Bin ich zu der Zeit auch so rumgelaufen?"

Fazit: Allerfeinster Trash mit hohem Kultfaktor, etwas nackter Haut und (zu-)viel 80er Jahre Zeitkolorit.

Punktewertung: 7,5 von 10 Punkten (auf der Trashskala landet der Film fast bei einer vollen 10...)

Samstag, 3. November 2012

Gib Gummi!

Rubber
F/AO 2010
R.: Quentin Dupieux

Worum geht's?: Robert ist ein Killerreifen mit telekinetischen Fähigkeiten. Denn, jedes Mal wenn Robert sich in seinem Dasein als herumstreunender Autoreifen gestört fühlt, lässt er einfach so Köpfe platzen, wie es ihm gefällt.
Auf seiner scheinbar ziellosen Tour durch eine amerikanische Wüstenlandschaft wird er von einer Gruppe mit Ferngläsern bewaffneten Leuten (darunter u. a. Movie-Veteran Wings Hauser) begafft, welche unter freiem Himmel campieren müssen für dieses Vergnügen scheinbar auch noch bezahlen.
Ein zwielichtiger Buchhalter (Jack Plotnick) versorgt das Grüppchen mit dem Nötigsten und als Robert sich in eine durchreisende Schönheit (Roxane Mesquida) verguckt, bekommt man sogar noch, was Neues für sein Geld geboten.
Bald sieht sich die Polizei unter der Leitung von Lt. Chad (Stephen Spinella) gezwungen in die Szenerie einzugreifen.
Doch kann man einen Reifen wirklich töten?
Und kann er wirklich lieben?
Welche Rolle spielen die Zuschauer, die natürlich ganz eigene Vorstellungen von einer guten Show haben?
Und ist alles am Ende tatsächlich nur reine Willkür?

Wie fand ich's?: Am Anfang des Films spricht Lt. Chad scheinbar direkt zum Zuschauer und hält eine kurze Rede über das für ihn auffälligste Element im modernen Film: reine Willkür.
Warum ist E. T. braun, warum ist dies ein Film über einen soziopathischen Gummireifen? Reine Willkür!
Bereits zum Beginn des Streifens macht Quentin Dupieux, der manchen vielleicht unter seinem Musikerpseudonym Mr. Oizo besser bekannt sein wird, klar, dass man das Folgende unter genau diesem Aspekt sehen sollte.
Rubber ist somit nicht (nur) kurzweiliger Trash mit etwas Splatter, der an Cronenbergs Scanners (CAN 1981) erinnert, nein, Rubber will sein Publikum auch zur Reflexion über seine eigenen Seherwartungen und Vorstellungen ermuntern.
Diese Metaebene wurde allerdings scheinbar nicht von jedermann begriffen und führte mitunter zu teilweise vollkommen unberechtigten Verrissen des mit 79 Minuten ohnehin recht kurz geratenen Trip ins Absurde.
Als Mr. Oizo verkaufte Dupieux zur Jahrtausendwende mehr als 3 Millionen Kopien seines Flat Beats, auch durch das knuffige Ding namens Flat Eric, der im Video auf einem Wienerwürstchen herumpafft.
Dupieux spielte schon länger in Interviews mit den Medien und gab zwischen den Zeilen unumwunden zu, dass er im Grunde schlicht ein findiger Dilettant sei, dessen Kompositionen eher auf Faulheit und Zufall basieren und natürlich steuerte Dupieux Alter Ego Mr. Oizo auch gleich Teile des Soundtracks bei.
Dilettantismus findet man in Rubber hingegen kaum, der kleine Film weiß auch durch schöne Bilder und gute Darsteller zu gefallen
Und so schafft es am Ende des Films ein wiedergeborener Reifen namens Robert sogar noch bis nach Hollywood, in die Zentrale des Filmmainstreams schlechthin, doch dem Zuschauer ist in dieser Szene eigentlich sofort klar, dass Robert nicht gekommen ist, um hier Karriere zu machen - er ist gekommen, um zu töten!

Fazit: Skurriler, selbstreflexiver Trash mit Arthouse-Desert-Splatter-Attitüde

Punktewertung: 7,25 von 10 Punkten

Samstag, 22. September 2012

Rote Lippen soll man küssen...

Rote Lippen, Sadisterotica (El Caso de Las Dos Bellezas)
BRD/E 1969
R.: Jess Franco (eigentl.: Jesús Franco Manera)


Worum geht's?: Diana (Janine Reynaud) und Regina (Rosanna Yani) sind die berüchtigten "Roten Lippen" ein Zwei-Mann (oder besser Zwei-Frau...) Detektivbüro, welches international agiert und den zwei jungen Dingern erlaubt, ihre unbändige Lebenslust leicht bekleidet mitunter in den feinsten Hotels auszuleben.
Ihr neuster Auftrag: sie sollen für den galanten Mr. Radek (Adrian Hoven - der Produzent in persona) dessen verschwundene Geliebte, das Model Lida (Maria Antonia Redondo), aufspüren.
Doch die junge Frau ist nur eine unter vielen, die in letzter Zeit verschwunden sind und die einzige Spur führt zum Künstler Klaus Tiller, dessen Bilder und Skulpturen die toten Mädchen in Qual und Todespein darstellen.
Als Diana und Regina Tiller folgen, geraten sie schnell in Gefahr, denn des Künstlers ebenso behaarter wie wahnsinniger Gehilfe Morpho (Michel Lemoine) macht wie sein Meister vor nichts halt.
Nur gut, dass Interpols bester Mann, Francis McClune (ausgerechnet: Chris Howland), ein Auge auf die beiden geworfen hat...


Wie fand ich's?: Dies ist der Mittelteil der sogenannten Aquila-Trilogie, benannt nach der Produktionsfirma des Produzenten Adrian Hoven, der dem Usain Bolt des Eurotrash (keiner drehte so viel, so schnell...), Jess Franco, einige Peseten in die Hand drückte, um sein Werk gleich dreimal in Folge zu verrichten.
Dass ausgerechnet Hoven, der zur Zeit der 50er noch so etwas wie der Rudolfo Valentino des Heimatfilms war, sich ab Ende der 60er auf die Produktion harscher Bahnhofskinostreifen (z. B. Michael Armstrongs Hexen bis aufs Blut gequält von 1970) verlegte, konnte wohl zuvor keiner ahnen, der den schönen Adrian noch aus Filmen wie Ich hab' mein Herz in Heidelberg verloren (BRD 1952 R.: Ernst Neubach) kannte. 
Entlockte der, ebenfalls mit Janine Reynaud in der Hauptrolle besetzte, surreale S/M-Trip Necronomicon - Geträumte Sünden (BRD 1968) selbst Fritz Lang noch lobende Worte, so gerieten die nachfolgenden beiden schlüpfrig angehauchten Krimikomödien Rote Lippen, Sadisterotica und Bésame Monstruo (BRD/E 1969 dt.: Küss mich, Monster) doch noch weit mehr in die Richtung der klassischen Euro-Exploitation.
Etwas nackte Haut trifft auf Sonne, Sand und Frauenmord; gespickt wird dies mit frivolen Witzchen und trotteligem Humor (hier kommt Chris Howland ins Spiel...) - zack - fertig ist der freche Kinoerfolg der Saison.
Ausgerichtet auf möglichst hohen Einsatz an den Kinokassen, sollten diese beiden Filme vor allem ein kurzweiliger Spaß sein - Trivialfilm in seiner Essenz, wenn man so will - und tatsächlich ist der durchaus vorhandene Unterhaltungswert noch fast das Einzige, was die beiden Filme heute sehenswert erscheinen lässt. Wenn man von Rossana Yanis kaum verhülltem Körper mal absieht...
Logik, Suspense oder auch nur so etwas wie eine gut durchdachte Story darf man von Franco mal wieder kaum erwarten; vielmehr erfreut sich der Trashfreund am grellen Swinging-Sixties-Ambiente oder dem nach Minimaljazz klingendem Easy-Listening-Score.
Sicher, man hat vom guten Jess schon des Öfteren weit Unansehnlicheres delektiert und als schwüler Zeitvertreib taugt dieser Streifen alle mal.
Das Sequel Bésame Monstruo setzt, nebenbeibemerkt, dem knuffigen Wahnsinn noch die Krone auf und kommt mit Lendenschurz tragenden Übermenschen und geheimnisvollen Windmühlen daher!
Na dann: Prost!


Fazit: Grell, bunt, sleazy und aufgekratzt wie Micky Krause auf Speed! Der Vergleich gilt allerdings leider auch für die Substanz und das Niveau des Filmes...

Punktewertung: 5,25 von 10 Punkten

Dienstag, 18. September 2012

Kaltes Huhn? Warum nicht...

Poultrygeist: Night of the Chicken Dead
USA 2006
R.: Lloyd Kaufman


Worum geht's?: Auf dem früheren Friedhofsgelände des Tromahawkstamms steht nun eine Filiale der Fast-Food-Kette American Chicken Bunker, vor dessen geschlossenen Türen schon vor der offiziellen Neueröffnung sich einige Demonstranten die Füße platt stehen.
Im Inneren der Hühnerbraterei hat soeben der junge Arbie (Jason Yachanin) einen Job als Thekenbedienung ergattert, um es seiner Exfreundin Wendy (Kate Graham) zu zeigen, welche nun Seite an Seite mit ihrer neuen Freundin und deren militante Lesbenbewegung C.L.A.M draußen lautstark mitdemonstriert.
Doch kaum sind die Fritteusen auf Betriebstemperatur gebracht, beginnen sondebare Eier, angefüllt mit grünem Schleim, die Kunden zu vergiften und in gefährliche Hühnerzombies zu verwandeln.
So nehmen Arbie und Kollegen den Kampf gegen die untoten Federviecher auf und rammen auch schon mal Besenstiele in Därme um das Böse aufzuhalten.


Wie fand ich's?: Dass es eine dumme Idee ist, auf einem Indianerfriedhof einen Neubau zu errichten, wissen wir spätestens seit Stephen Spielbergs, tschuldigung, Tobe Hoopers Meisterwerk Poltergeist (USA 1982), bei dem sich Tromachef Lloyd Kaufman auch mal kurz beim Titel bedient hat.
Hier enden aber auch bereits die Ähnlichkeiten beider Filme und stat einem stringenten Horrorfilm bekommt man bei Poultrygeist einen krassen Mix aus Splatter, Komödie, Coming-of-Age-Drama, Konsumkritik, Erotikfilm und Musical geliefert.
Musical? Ja, gesungen und getanzt wird hier auch noch, gleich mehrfach, und wer glaubt, dass man das alles kaum unter einen Hut bekommt, sieht sich getäuscht.
Lloyd Kaufman, Mitbegründer der US-Trashschmiede #1 namens Troma, gab bereits 1984 mit seinem Kultwerk The Toxic Avenger (USA dt.: Atomic Hero) die grobe Marschrichtung vor, und mit Poultrygeist wird diese auch nach mehr als 20 Jahren noch stringent weiterverfolgt.
So ist auch Poultrygeist ein infantiler Spaß, welcher seine Gags besonders aus seiner political incorrectness (Witze über Homosexuelle, Moslems, Juden und Christen, über Billiglöhner und Fettsüchtige sind halt nicht jedermanns Sache...) und zahlreichen Geschmacklosigkeiten (wobei man auch vor extremen Fäkalhumor nicht halt macht) generiert.
Ob einem diese Form von Humor gefällt, bleibt am Ende natürlich jedem selbst überlassen und nichts ist mitunter so individuell wie das eigene Spaßzentrum.
Kaufman legt bei seinen Büchern wenig Wert auf Subtilität und arbeitet im übertragenen Sinn eher mit Brechstange und Schrotflinte - doch wie bei einer Ladung Schrot üblich: eine Kugel trifft meist immer doch das Ziel...
Handwerklich ist der Film, wie auch praktisch alle anderen Troma Produktionen, als recht solide zu bezeichnen, wenn man auch das geringe Budget an jeder Ecke deutlich durchscheinen lässt.
Troma hat halt schon immer seinen ganz eigenen Charme gehabt - also ich hab' sehr gelacht...


Fazit: Witzischkeit kennt keine Grenzen - und bei Troma schon mal gar nicht! Wer andere Werke der bekloppten Amis mag und kennt, macht auch hier nix verkehrt.

Punktewertung: 7,25 von 10 Punkten

Mittwoch, 22. August 2012

Ich bin Dein Vater, Murat!

The Man Who Saves the World (Dünyayi kurtaran adam)
TR 1982
R.: Çetin Inanç
 
Worum geht's?:
Murat (Cüneyt Arkin) und Ali (Aytekin Akkaya) stürzen auf einem unwirtlichen Wüstenplaneten ab.
Hier herrscht der "Zauberer" (Hikmet Taşdemir), ein unsterblicher, bärtiger Weltraumdespot mit Nagelkappe auf der Rübe, der die ohnehin seit einem Atomkrieg zersprengte Menschheit endgültig vernichten will.
Ganz der Hobby-Sadist veranstaltet der Zauberer blutige Gladiatorenkämpfe und befehligt ganze Armeen an seltsamen Viechern. Da gibt es neben Mumien, Zombies und Zylonen auch komische Stoffmonster, mal mit, mal ohne Buckel, aber immer mit riesigen Klauen an den Pfoten.
Unterwegs verliebt sich der knallharte Murat in eine ihm natürlich sofort vollkommen verfallene (d. h.: ihn ständig debil angrinsende) Einheimische (Füsün Uçar), deren Vater die beiden später über zwei unglaubliche Reliquien aufklärt: ein blitzförmiges Schwert und ein goldenes Gehirn, in dem das Wissen von 1000 Jahren gespeichert ist.
In einer Höhle kann Murat auch tatsächlich beide Schätze trotz des Angriffs zweier goldener Ninja-Wachen bergen, jedoch wird sein dem Feind in die Hände gefallener Freund gerade einer Gehirnwäsche unterzogen und muss, bevor es endlich zum großen Finale kommen kann, nun erst mal bezwungen und aus dem Griff des Bösewichts befreit werden.
Obwohl sich der "böse" Ali nach seiner Tötung als eine Sinnestäuschung herausstellt, bleibt der aus den Klauen des Zauberers befreite "echte" Ali aufgrund seiner Arroganz schließlich doch noch auf der Strecke.
Kurzerhand schmilzt sein gramgebeugter Kumpel Murat das goldene Wunderschwert ein und taucht seine Griffel einfach mal in die blubbernde Masse.
Simsalabim - nun mit goldenen Panzerhandschuhen bewaffnet, tritt der Weltraumosmane gegen die Armeen des Tyrannen an und schlägt wohlwörtlich alles in Stücke, was sich ihm in den Weg stellt.
Und während die Jagdflieger des Zauberers die Erde angreifen, kommt es zum blutigen, letzten Showdown unter gleißenden Sonnen... 


Wie fand ich's?: Den besten Film bis dato zu benennen, fällt ebenso schwer, wie den schlechtesten aufzuzeigen. Einige Titel fallen jedoch in Diskussionen um den bisher absoluten cineastischen Tiefpunkt praktisch immer; z. B. Ed Woods legendärer Plan 9 from Outer Space (USA 1959).Wenn Kenner am Werk sind, wird auch gern der unvergesslich groteske Manos: The Hand of Fate (USA 1966 R.: Harold P. Warren) genannt, oder der ebenso unglaubliche Troll 2 (I 1990) von Claudio Fragrasso.
Mit Dünyayi kurtaran adam hat aber auch die Türkei einen starken Anwärter auf den Thron im Rennen um, ähm, Ruhm und Ehre.
Nicht nur, dass der Film hemmungslos Originalfilmmaterial aus Star Wars (USA 1977 R.: George Lucas dt.: Krieg der Sterne) und The Magic Sword (USA 1962 R.: Bert I. Gordon dt.: Ascalon, das Zauberschwert) klaut und diese in der Form von Rückprojektionen oder kurzen hineingeschnittenen Szenen als eigene verkauft (bei den Star Wars-Szenen musste man hier etwas "zaubern" - da das Original in Widescreen war, sah man sich gezwungen die Ränder des Bildes so abzudunkeln, dass dies im Vollbild nicht auffällt), auch der Soundtrack ist wiedermal komplett zusammengeklaubt.
So wird jede Actionszene kurzerhand mit John Williams Indiana Jones-Thema unterlegt, was aufgrund der unglaublichen Popularität dieses Stückes nicht nur bei Fans für Stirnrunzeln sorgen sollte.
Ebenso für Stirnrunzeln sorgt die legendäre Trainingssequenz, in der unsere beiden Helden in höchster Anspannung auf wehrlose Felsen einprügeln und sich kopfgroße Steine an die Waden binden, um damit froh gelaunt über die Berge zu joggen.
Das die Macher Star Wars zumindest gesehen haben müssen, beweist die abgekupferte Cantina-Szene, in der man auch neben originalem Star Wars-Material, die Kunst der türkischen Effekt-Crew bewundern kann.
Diese setzt ihren "Aliens" einfach simple Pappmascheemasken aus dem letzten Karneval auf, was dann auch genauso billig aussieht, wie es sich anhört und auch budgetmäßig sicher war.
Auch sollte man unbedingt die roten Plüschmonster erwähnen, die wie eine wild gewordene Kreuzung zwischen Samson und Elmo aus der Sesamstraße aussehen und im finalen Kampf um die Erde schon mal mit Tritten und Handkantenschlägen in zwei Hälften geteilt werden.
Sehenswert ist auch das sagenhafte Blitzschwert, welches offenkundig aus ca. zwei Centimeter dickem Sperrholz gefertigt wurde, bevor man es mit goldenem Autolack besprüht hat.
Trotz des extremen Trashgehalts muss ich persönlich allerdings bekennen, dass mir doch etwas der naive Charme gefehlt hat, der z. B. bei den Werken eines Ed Wood durchaus vorhanden ist.
Trotzdem: für Trashfans ein veritabler Kultfilm!


Fazit: Legendäres Trash-Kleinod aus der Türkei. Mit einem Döner (extrascharf) und Dosenbier durchaus gut goutierbar!

Punktewertung: ein absolut verdienter Punkt von zehn möglichen! Trashfanatiker addieren bitte ruhig recht großzügig weitere Punkte, mithin je nach Laune, Gutdünken oder Alkoholspiegel... 

Freitag, 17. August 2012

Operation "Schnell Absahnen"

Operation "Kleiner Bruder" (OK Connery)
I 1967
R.: Alberto de Martino

Worum geht's?: Die internationale Verbrecherorganisation THANATOS unter der Leitung des teuflischen "Alpha" (Anthony Dawson) greift nach der Weltherrschaft.
Sie haben eine Maschine entwickelt, die durch einen elektromagnetischen Impuls alle Technik sofort lahmlegt.
Ein weiteres Detail dieser Operation bedarf der Herstellung von Teppichen aus radioaktiven Material, die der mondäne Bösewicht Mr. Thai (Adolfo Celi), oder einfach "Beta", von einer Horde Blinder in Marokko fertigen lässt.
Da der Top-Spion Ihrer Majestät mit der Doppelnull im Moment nicht zur Verfügung steht und soeben ein Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes bei einem von "Beta" herbeigeführten Flugzeugunglück ums Leben gekommen ist, ergreifen Commander Cunningham (Bernard Lee) und seine Assistentin Miss Maxwell (Lois Maxwell) eine ungewöhnliche Maßnahme: sie engagieren einfach den Zwillingsbruder ihres besten Mannes - Dr. Neil Connery (Neil Connery)!
Dieser ist Chirurg, Hypnotiseur, Karatekämpfer, geübter Lippenleser und Hobby-Bogenschütze und damit ja wohl mehr als offensichtlich geeignet für den Job.
Der Kampf gegen THANATOS führt den guten Doktor von Monaco nach Malaga, von dort nach Marokko und zum Finale direkt ins schöne Bayern.
Doch die Verbrecherorganisation hat noch ein As im Ärmel: die schöne Maya (Daniela Bianchi). Und ein Connery kann einfach einer schönen Frau nicht widerstehen...

Wie fand ich's?: Neil Connery spielt Neil Connery, den Bruder des besten Agenten seiner Zeit, dessen Name offensichtlich Sean Connery lautet und nicht, wie manche angenommen haben, James Bond...
Man umgeht die Nennung des urheberrechtlich geschützten Namens äußerst geflissentlich, was nicht heißt, dass man ansonsten nicht alle Möglichkeiten ausnutzt, um dem Zuschauer klar zu machen, worum es sich hier handelt.
Dazu verpflichtet man neben Connerys kleinem Bruder eben erst mal so viele Darsteller aus Bond-Filmen, wie man bekommen kann.
Man kann wohl mit Recht davon ausgehen, dass die Gagen von Bernard Lee (der in der offiziellen Reihe elfmal Bonds Chef "M" spielte) und Lois Maxwell (Miss Moneypenny in nicht weniger als vierzehn Bond-Filmen) genug der Verlockung waren, um beide für dieses Projekt zu gewinnen; zumal Sean Connery wenig angetan davon gewesen sein soll, die beiden beim "Mitausbeuten" seines Bruders zu sehen.
Weiterhin konnte man Daniela Bianchi (Tatiana Romanova aus From Russia with Love [UK 1963 R.: Terence Young dt.: Liebesgrüße aus Moskau]) und Adolfo Celi gewinnen, wobei Letzterer in Thunderball (UK 1965 dt.: Terence Young dt.: Feuerball) einen eher blassen Bond-Bösewicht gab und dem es in OK Connery tatsächlich gelingt, seine ursprüngliche Performance durch verstärktes Overacting noch zu verbessern und neben der Präsenz eines Anthony Dawson, der auch schon im Ur-Bond Dr. No (UK 1962 R.: Terence Young) und dessen Nachfolger From Russia with Love dabei war, behaupten kann.
Auch Lois Maxwell sieht man teilweise eine gewisse Spielfreude an, darf sie doch hier ordentlich Sperrfeuer aus einer Maschinenpistole geben, während Soldaten mit Flammenwerfern um sie herum fröhlich Palmen abfackeln.
Der Score an dem Ennio Morricone mit seinem Kollegen und Stammdirigigenten Bruno Nicolai zusammenarbeitete, erinnert zeitweise so stark an John Barrys Kompositionen, dass der Geruch des Plagiats auch auf musikalischer Ebene geradezu schwer durch den Film weht.
Auch Regisseur Alberto de Martino (s. a. http://dieseltsamefilme.blogspot.de/2012/06/kein-schwein-ruft-mich.html) gelingt es überraschend gut den Stil eines Terence Young nachzuempfinden und das ihm anvertraute Budget sinnvoll einzusetzen. Die Sets wirken nur wenig preiswerter als bei einer regulären Bondproduktion dieser Zeit und die Locations in Monaco, Spanien und Nordafrika sind gut ausgewählt worden.
Was hingegen dem Film nicht nur bei der seriösen Filmkritik den Gnadenschuss gibt, ist das unglaublich dahingeschusterte Drehbuch, welches zwar fast alle Bond-Klischees schön abklappert, aber diese fast stetig zu toppen versucht, dabei selbst die ungezügelte Erfindungskunst der Autoren der Originalreihe in den Schatten stellt und damit in ihrer Wirkung schon eher mit der im gleichen Jahr entstandenen, ebenfalls inhaltlich viel zu überfrachteter Bond-Parodie Casino Royale (UK/USA 1967 R.: Val Guest u.a.) zu vergleichen ist.
Eine Idee wie die der radioaktiven Bettvorleger, würde halt in jedem Film etwas strange wirken...
Neil Connery hingegen macht seine Sache besser als erwartet - soll heißen: er stört nicht. Als direkt von der Straße weg unter Vertrag genommener Ex-Stuckateur ohne jegliche Schauspielerfahrung (vielleicht war er allerdings ja der zweite Baum von rechts in der Weihnachtsaufführung seines Kindergartens in Edinburgh...), konnte man auch nicht allzu viel von dem Guten verlangen; mit seinem Bart und seinen hypnotischen Kräften erinnerte er mich aber stark an einen jungen Vincent Price...

Fazit: Für echte Bond-Fans unentbehrlich - allen anderen Freunden italienischer (Trash-)Feinkost sei an dieser Stelle aber auch eine klare Sehempfehlung gegeben.

Punktewertung: 6,75 von 10 Punkten

Sonntag, 12. August 2012

Süpermänner am Bosporus

3 Mighty Men (3 dev adam)
T 1973
R.: T. Fikret Uçak



Worum geht's?: Der Superganove Spider (ein Typ mit buschigen Augenbrauen im grün/roten Spidermankostüm) bedroht Istanbul.
Sein Plan beinhaltet solche feinen Elemente wie: Falschgeld, illegalen Kunsthandel, das Betreiben von Stripbars und das Berauben der Reichen bei Nacht.
Wer sich der Spinne in den Weg stellt, bezahlt mit seinem Leben; in der ersten Szene des Films wird einer jungen Dame mit einem Außenbootmotor nicht nur der Damenbart äußerst unsanft abrasiert...
Somit ist eines klar: Hilfe tut not!
Und wer könnte besser helfen als Captain America (Aytekin Akkaya) und El Santo (Yavuz Selekman)?
Zusammen mit der schönen Julia schlagen die beiden mondänen Träger kugelsicherer Unterwäsche in der Metropole auf, um der Polizei bei der Jagd nach dem Sadisten im Spinnenoutfit zur Hand zu gehen.
Es gelingt ihnen letztendlich das Netz der Verbrecher zu sprengen und Spidey samt Doppelgänger in die ewigen Jagdgründe zu schicken.


Wie fand ich's?: Spiderman, Captain America und Mexikos Nationalheld El Santo in einem Film? Aber ja!
Der Score des Streifens kommt zum Großteil von einem Diamonds Are Forever (UK 1971 R.: Guy Hamilton dt.: Diamantenfieber) Soundtrack? Sicher!
Keiner der drei Supermänner hat irgendwelche nennenswerte Superkräfte? Jau!
Einem Typen werden die Augen von zwei Hamstern rausgebissen, die durch eine am Kopf angebrachte Röhre scheu auf ihn zu tapsen? Klar!
Bierbäuche über Gürteln waren '73 bei Superhelden und -bösewichten durchaus aktuell? Auch das!
In einer Zeit und Gegend, in der das Urheberrecht noch keine Bedeutung hatte und weder Stan Lee noch Jack Kirby, geschweige denn der echte Santo namens Rodolfo Guzmán Huerta auch nur eine türkische Lira gesehen haben, konnte ein Film wie 3 dev adam entstehen.
Die ganze Action des Films besteht aus wilden (Kneipen-)Schlägereien, Herumgerenne und gelegentlichem an Autotüren während der Fahrt Rumhängen - da bietet selbst Alarm für Cobra 11 mehr!
Nicht, dass das alles keinen höchst absurden Charme hätte, aber man fragt sich, ob auch nur einer der Macher je einen Spidermancomic auch nur in der Hand gehabt hat.
Und was ausgerechnet Superwrestler El Santo hier zu suchen hat, ist mir auch ein Rätsel... Mich würde wirklich interessieren, ob diese Kunstfigur aus einem vollkommen anderen Teil der Welt in den frühen 70ern
irgendwelche Bedeutung für ein türkisches Kinopublikum gehabt hat.
Egal, hier wird geklaut, bis die Polizei kommt - selbst die Idee mit den Doppelgängern Spidermans stammt, neben dem bereits genannten Score, ebenfalls aus Diamantenfieber und man wundert sich, warum die Produzenten nicht auch noch einen James Bond Charakter eingebaut haben...


Fazit: Für Liebhaber von ganz schrägem Nah-Ost-Trash! Sagt nicht, ihr seit nicht gewarnt worden...

Punktewertung: Objektiv: 2 von 10 Punkten / Subjektiv: 5 von 10 - das Ganze hat eben doch extrem kultigen Unterhaltungswert...

Mittwoch, 18. Juli 2012

Der wilde, wilde Westen fängt gleich hinter Manila an...

D'Wild Wild Weng
PH 1982
R.: Eddie Nicard


Worum geht's?: Mr. Weng (Weng Weng) und sein getreuer Gefolgsmann Gordon (Max Laurel) reisen im Auftrag der Regierung incognito nach Santa Monica, welches verblüffend an die mexikanische Provinz erinnert, wo die Leute Sombreros zum Poncho tragen und die Ninjas im Unterholz lauern.
Moment mal... Ninjas? Ja, neben einem gediegenen, lateinamerikanischen Ambiente findet man in Santa Monica nämlich auch das Hauptquartier des unmenschlichen Tyrannen Senor Sebastian (Romy Diaz), dessen General auf den ebenso schönen, wie aussagekräftigen Namen Ku Manchu (Ernie Ortega) hört und eine ganze Armee der vermummten Bösewichter befehligt, die mithilft, die Bevölkerung zu knechten.
Nun, genau hier liegt der Grund für die Anwesenheit des 84 cm großen Geheimagenten, der seine Gegner mit einem gezielten Karatekick gegen das Schienbein oder, noch effektvoller, mit einem Tritt direkt in die Weichteile auf die Matte, bzw. den harten Wüstenboden schickt.
Unterstützt von der Dorfbevölkerung, einem ebenfalls kleinwüchsigen Indianer und einem geistig behinderten Hausmeister, dem man zu seinem Unglück auch noch die Zunge herausgeschnitten hat, stellen sich unsere Helden den Bösewichtern mit wahrer Tapferkeit und unglaublichem Erfindungsgeist.


Wie fand ich's?: Ein Actionheld, der kaum mehr als achtzig Zentimeter misst. Ein Spaghettiwesternszenario, gemixt mit Ninjaaction. Zwergenweitwurf. Ein nur aus kleinwüchsigen Personen bestehender Indianerstamm. Gut choreografierte Schießereien. Schöne Frauen und Rüschenhemd zur Schlaghose. Ein Showdown mit Maschinengewehrmassaker à la The Wild Bunch (USA 1969 R.: Sam Peckinpah). Unzählige Tritte ins männliche Zentralmassiv. Ein Ständchen zur Gitarre.
All das und tatsächlich noch mehr findet sich in: D'Wild Wild Weng!
Um den Hauptdarsteller des Films ranken sich zahlreiche Legenden. Fakt ist, dass Weng Weng als Ernesto de la Cruz am 7. September 1957 in Baclaran auf den Philipinen geboren wurde. Mit seinen etwa 83 - 84 cm Körpergröße hält er den Eintrag im Guiness-Buch der Rekorde als kleinster, erwachsener Hauptdarsteller in einem Kinofilm. Der Darsteller des Mini-Me aus den Austin Powers Filmen, Verne Troyer, ist zwar tatsächlich kleiner, hat aber nie eine Hauptrolle besetzt.
Bereits in seiner Kindheit soll er mehrere Kampfkünste gemeistert haben und so muß wohl auch das Interesse von Filmproduzenten in seine Person geweckt worden sein.
Nach einigen kleineren Rollen wurde er der Sidekick des extrem erfolgreichen Filmkomikers Dolphy (bürgerlich: Rodolfo Vera Quizon, Sr.), mit dem er den Film The Quick Brown Fox (PH 1980 R.: Jett C. Espiritu) drehte, welcher so erfolgreich war, dass man dem kleinen Star nun die Bondparodie For Y'ur Height Only (PH 1981 dt.: Agent 003 1/2 in geheimer Mission) auf den zierlichen Leib schrieb. Regie führte hier bereits der eigentlich als Stuntman bzw. Stunt Director tätige Eddie Nicart, der auch bei D'Wild Wild Weng das Ruder in der Hand hielt und dessen Erfahrung in den für eine Low-Budget-Produktion mehr als soliden Actionszenen resultierte.
For Y'ur Height Only machte Weng endgültig zum Star und zog eine ganze Reihe von weiteren Filmen nach sich, wobei sich selbst ernannte Experten uneinig sind, wie viele vergessene Werke mit Mr. Weng noch in den Archiven der philippinischen Fernsehgesellschaft vor sich hin faulen.
Aufgrund seiner massiven Popularität war Weng Weng selbstverständlicherweise ein Liebling von Diktatorin Imelda Marcos und wurde auf dem Höhepunkt seiner Karriere zum Geheimagenten ehrenhalber ernannt, samt eines für ihn speziell angefertigten Püsters des Kalibers .25.
Wer heutzutage einen von Weng Wengs Filmen sieht, wendet sich entweder kopfschüttelnd aufgrund des totalen Trashoverkills ab oder zeigt sich begeistert über die unglaublich unterhaltsame Anhäufung von kuriosen Szenen und wahnwitzigen Einfällen.
Dabei findet der Zuschauer neben durchaus blutiger Action auch eindeutige sexuelle Anspielungen, sowie die andauernde Einstellung sich über alle Arten von körperlichen Behinderungen lustig machen zu dürfen.
Manche mögen dies geschmacklos finden, ich persönlich mochte gerade diesen in der heutigen Zeit so vermissten Gegenentwurf zur Political Correctness im Actionkino.


Fazit: Alles andere, als ein kleiner Spaß! Hier kommt kein Trashfan zu kurz und es bleibt kein Auge trocken!

Punktewertung: 8,25 von 10 Punkten (nennt mich verrückt...)

Freitag, 13. Juli 2012

Von Weltraummaden und glühenden Meistern

Planet des Schreckens (Galaxy Of Terror)
USA 1981
R.: Bruce D. Clark


Worum geht's?: Der Meister, ein Weltraumtyrann mit rot glühendem Kopf, schickt das Raumschiff Quest samt Besatzung (darunter 'Stars' wie Robert Englund, Ray Walston, Sid Haig und Zalman King) zum unwirtlichen Planeten Morganthus, wo es das Verschwinden eines anderen Teams aufklären soll.
Auf dem Steinbrocken notgelandet (die Pilotin ist nämlich eine obsessiv-neurotische Draufgängerin mit Todeswunsch und Kriegstrauma - glotzäugig gespielt von Twin Peaks-Nebendarstellerin Grace Zabriskie), entdeckt die insgesamt etwas angespannt daherkommende Meute die Leichen ihrer Vorgänger und eine sonderbare Pyramide, welche die Scanner der Quest lahmlegt und das Zentrum alles Bösen zu sein scheint.
Schon auf dem Weg zum Bauwerk wird die Mannschaft von seltsamen Viechern zahlenmäßig reduziert, ein weibliches Mitglied wird von einer riesigen Made vergewaltigt und in der Pyramide angekommen läuft's auch nicht besser.
Langsam dämmert es dem Zuschauer und den Protagonisten, dass sich auf Morganthus die schlimmsten Ängste manifestieren, um jeden Reisenden den Zugang zum Innersten der Pyramide zu versperren, in dem, dem letzten Überlebenden eine unvorhergesehene Enthüllung erwartet.


Wie fand ich's?: Roger Corman gilt als eine der geizigsten Personen im US-Showbiz. Nun, auch der von ihm produzierte Galaxy Of Terror wird nicht besonders teuer gewesen sein, hält doch die erste Person, die ins Bild kommt, einen als (Strahlen-)Waffe verkleideten Mopedauspuff unterm Arm.
Ebenso günstig: der aus schwarz angepinseltem Styropor bestehende Planet Morganthus, dessen Gestaltung mich doch sehr an die klassischen Star Trek Episoden mit Kirk und Spock erinnerte, wo immer die Felsen wackelten, wenn einer pupste...
Auch die berühmt-berüchtigte Madenvergewaltigung ist natürlich wohl berechnet gewesen, genau wie der für einen Sci-Fi-Streifen ungewöhnlich hohe Blood'nGuts-Faktor, der den Film auch für Gorehounds interessant werden lässt.
Die oben bereits fast vollständig genannte Besetzung ist sicherlich innerhalb der Möglichkeiten der Produktion wohlausgewählt, allerdings neigen mir die Darsteller zu stark zum Overacting - weniger aufgerissenen Augen und Münder wären hier vielleicht doch mehr gewesen...
Ebenfalls preiswert - weil, wie bei Corman beileibe nicht unüblich, zusammengeklaut: die Story. Der Film war sicherlich zunächst konzipiert das Publikum von Ridley Scotts Alien (USA 1979) weiter abzufischen. Um dann jedoch nicht ins 100%ige Plagiat abzurutschen, baute man Elemente eines Sci-Fi-Klassikers ein, der in Wirkung, Atmosphäre und Ursprung einem nicht unbedingt sofort in den Sinn kommt: dem auf einem Roman von Stanislav Lem basierenden Tarkovsky-Opus Solyaris (SU 1972 R.: Andrei Tarkovsky dt.: Solaris), der oft als russisches Gegenstück zu 2001: A Space Odyssey (GB/USA 1968 R.: Stanley Kubrick dt.: 2001: Odyssee im Weltall) bezeichnet wird - nicht zu Unrecht, wenn man mich fragt.
Allerdings wirkt das Motiv der sich in der Realität manifestierenden Ängste hier extrem aufgesetzt, hätte man es innerhalb der Auflösung bei vorsätzlich arrangierten Fallen (oder durch Drogen etc. ausgelöste Halluzinationen) belassen, wäre die Story auf diese Weise angenehm vereinfacht worden; so wirkt das Finale viel zu sehr aufgesetzt und gegenüber dem restlichen Film geradezu überintellektualisiert, was bei Corman-Produktionen aber ja auch wieder nicht allzu oft vorkommt...
Trotzdem muss man sagen, dass Galaxy Of Terror durchaus Spaß macht - wenn man nicht zuviel erwartet. Gutes Handwerk hinter der Kamera kann oft schon die halbe Miete sein und auch hier waren keine Laien am Werk.
Besondere Erwähnung verdient hier der heutige Schwerverdiener James Cameron, welcher am Production Design beteiligt war und auch Second Unit Director gewesen ist. Fünf Jahre später sollte er dann dem Zuschauer in Aliens (USA 1986 dt.: Aliens - Die Rückkehr) zeigen, was er bei Bruce Clark gelernt hatte. Wo er in Galaxy Of Terror noch echte Maden auf Knopfdruck sich winden ließ, führte er nun beim Sequel zur Hauptinspirationsquelle Regie.
1981 hatte er dies noch zusammen mit dem Produzenten Ovidio G. Assonitis bei Piranha Part Two: The Spawning (USA dt.: Fliegende Killer - Piranha II) getan, wiederum ein Sequel, diesmal von einem Werk Joe Dantes namens Piranha (USA 1978 dt.: Piranhas), den seinerzeit (na wer wohl? Genau!) Roger Corman produziert hatte.
So. Fertig. Alles Roger?

Fazit: Alles in allem: solides Mittelmaß - leider nicht mehr, aber auch eben nicht weniger...

Punktewertung: 5 von 10 Punkten (bei dem Fazit auch nur logisch, oder ?)

Sonntag, 8. Juli 2012

Lynkanthrop trifft Schneemensch

The Werewolf and the Yeti (La maldición de la bestia)
E 1975
R.: Miguel Iglesias


Worum geht's?: Hobby-Abenteurer und Gelegenheits-Globetrotter Waldemar Daninsky (Paul Naschy) reist mit einer Forschungsgruppe nach Tibet, um dort die Existenz des Yeti zu beweisen.
Im verschneiten Hochland angekommen trennt sich Waldemar mit einem Kollegen von der Truppe und kommt prompt vom Weg ab. Statt auf seine Kameraden trifft er, völlig entkräftigt nach Hilfe suchend, auf zwei schöne, junge Frauen, welche nicht nur Menschenfleisch goutieren, sondern auch durch einen Biss den Fluch der Lykanthropie an den guten Waldi weitergeben.
Von nun an muss sich unser Held bei Vollmond an den nächsten Baum ketten, um nicht seine Freunde oder ahnungslose Wanderer bei des Nachts anzufallen.
Die Truppe sieht sich in Waldemars Abwesenheit jedoch der Bedrohung einiger tibetanischer Banditen ausgesetzt, denen es gelingt den Kopf des Teams Professor Lacombe (Josep Castillo Escalona) in den Palast des Warlords Sekkar Khan (Luis Induni) zu verschleppen, nachdem man alle anderen Begleiter kurzer Hand ins Jenseits befördert hat.
Währenddessen erfährt Waldemar, nun begleitet von Silvia (Mercedes Molina), der hübschen Tochter des Professors, in einem buddhistischen Kloster von einer roten Blume, welche dort irgendwo in den Bergen wachsen soll und die, mit dem Blut der ihn (natürlich...) liebenden Silvia vermischt, ein wirksames Mittel gegen seinen Fluch abgeben soll.
Heilung erwartet indessen auch der unter einer unschönen Hautkrankheit leidende Khan, der unter dem Einfluss einer machtgierigen Hexe (Silvia Solar) steht, welche mal eben einer Gefangenen die Haut am Rücken abzieht, um sie dann dem Kriegsherrn wieder an gleicher Stelle anzukleben.
Es kommt, wie es kommen muss - Waldemar gerät samt Liebster zunächst ebenfalls in Gefangenschaft, kann sich aber befreien, kämpft erfolgreich gegen die Bösewichte und...
...trifft noch schnell in den letzten Minuten des Films auf den Yeti! Gut, dass der Mond helle am Himmel steht und Waldemar nicht nur in Sachen Körperbehaarung dem Schneemenschen gerade das Wasser reichen kann!


Wie fand ich's?: Dies ist der achte bzw. siebte Teil einer Reihe von Werwolffilmen, in denen Paul Naschy den stetig vom Unglück verfolgten Waldemar Daninsky gab. Die Zählweise ist in soweit unklar, dass der zweite Teil der Serie mit dem Titel Las Noches del Hombre Lobo (E/F 1968 R.: René Govar) entweder verschollen ist bzw.nie existiert hat.
Die Reihe erzählt zudem keine durchgehende Geschichte, sondern wird lediglich durch den von Naschy verkörperten Protagonisten zusammengehalten, der auch mal gerne am Ende des Films das Zeitliche segnet, nur um im nächsten Teil der Serie wieder frohlockend durch die Haine zu schlendern.
Traf Daninsky in früheren Teilen schon auf Vampire, Außerirdische, die Mumie, Frankensteins Monster oder den Enkel des berühmten Dr. Jekyll, so sollte es nun das Auftauchen des Yeti sein, der die Leute in die Lichtspielhäuser locken sollte. Wie in der Synopsis bereits angedeutet, kann man die Szenen mit dem unglaublichen Schneemenschen allerdings an zwei Fingern abzählen, sodass man hier getrost von dreistem Etikettenschwindel sprechen kann. Tatsächlich wurde Waldemar bereits im vierten (bzw. dritten...) Teil der Serie, La furia del Hombre Lobo (E 1972 R.: José Maria Zabalza) von einem Yeti gebissen (wie oft passiert einem das wohl...), der, um die Verwirrung nun komplett zu machen, laut manchen Quellen Szenen aus dem als verschollen geltenden zweiten Teil enthalten soll...
Egal, jetzt ist es doch noch an der Zeit, zu gestehen: jawoll, mir hat La maldición de la bestia riesen Spaß gemacht!
Sicher, wenn man einen klassisch inszenierten Gruselfilm rund um den Yeti sehen will, sollte der interessierte Leser vielleicht doch besser zunächst zu Hammer Films The Abominable Snowman (GB R.: Val Guest) von 1957 mit Charakterkopf Peter Cushing greifen...
Aber, wenn Sie letztens beim Besuch einer Tapasbar das Gefühl hatte, Spanien im Winter könne auch seine Reize haben, Banditen müssen stinken und ein Mann solle sich nicht seiner Haarpracht schämen, dann ist dies hier IHR Film!
Die Mischung aus Abenteuer- und Gruselfilm mag bei den Fu Manchu-Streifen geklaut sein - doch besser gut geklaut als... Sie wissen schon.
Also mir hat's gefallen und der Rasierer wird erst mal verbannt!


Fazit: Schundige Schönheit mit sprödem Charme - garniert mit etwas tibetanischen Ziegenkäse!

Punktewertung: 6,75 von 10 Punkten

Freitag, 6. Juli 2012

Menschenfresser in Betonschluchten

Asphalt-Kannibalen (Apocalypse domani)
I/E 1980
R.: Antonio Margheriti


Worum geht's?: Der Ex-Soldat Norman Hopper (John Saxon) hat zusammen mit zwei seiner früheren Kameraden nicht nur böse Erinnerungen, sondern auch einen seltenen Virus aus Vietnam mitgebracht.
Während seine ihm damals untergebenen Armeegenossen in der Psychiatrie gelandet sind, hat sich Hopper mit seiner Frau Jane (Elizabeth Turner) in einem typischen, amerikanischen Suburb niedergelassen.
Dort plagen ihn böse Albträume des Nachts und Fleischeslust des Tags, wobei man den Begriff so und so auslegen kann.
Nicht nur das frische, bluttriefende Fleisch im Kühlschrank zieht ihn an, nein, er geht auch mit der äußerst jungen Nichte der Nachbarin fremd!
Als einer seiner Kameraden aus der Klinik entlassen wird und in der Innenstadt prompt ein Blutbad anrichtet, sind die stillen Tage in der Vorstadt gezählt.
Bald befindet sich Hopper in den Abwasserkanälen auf der Flucht vor der Polizei und der Virus kann sich immer weiter ausbreiten...


Wie fand ich's?: Anders als der deutsche Titel uns glauben machen will, handelt es sich bei Apocalypse domani (der italienische Originaltitel erinnert eher an ein Endzeitszenario - was auch nicht wirklich zutrifft...) eher um einen von George A. Romeros Schaffen beeindruckten Zombiefilm und nicht um einen klassischen Kannibalenstreifen wie z. B. Umberto Lenzis Il Paese de sesso Selvaggio (I 1972 dt.: Mondo Cannibale).
Was den Film neben seiner virusinfizierten, nach Menschenfleisch hungernden Protagonisten in die Tradition von Streifen wie Dawn Of The Dead (USA 1978 dt.: Zombie) stellt, sind die gesellschaftskritischen Untertöne, ebenso wie die Konnotation, dass jeder Krieg den Menschen wie einen innewohnenden, schwelenden Virus verzehrt.
Dass Hauptdarsteller John Saxon den Film trotzdem hasste ist somit schwer nachzuvollziehen, dass der Film allerdings auf der berüchtigten Liste der britischen Video nasties  landete und in Groß-Britannien bis heute nicht ungeschnitten veröffentlicht wurde, ist aufgrund seines zeitgemäßen Gehalts an Blut und Gekröse weniger verwunderlich; aus heutiger Sicht ist der Film gegenüber anderen Veröffentlichungen, wie z. B. Lucio Fulcis ein Jahr nach Apocalypse domani erschienen, deftigen ...E tu vivrai nel terrore! L'aldilà (I 1981 dt.: Die Geisterstadt der Zombies), aber eher als etwas zahmer zu erachten.
Dabei stammen die Drehbücher zu beiden Werken vom gleichen Autor: Dardano Sacchetti. Dieser hat zu praktisch fast jedem zweiten berüchtigten Italo-Klassiker das Buch geschrieben, darunter Scripts für Maestros wie Dario Argento, Lucio Fulci, Sergio Martino sowie für Mario Bava und dessen Sohn Lamberto (so auch für dieses "Meisterwerk" von Bava, jr: http://dieseltsamefilme.blogspot.de/2012/07/sohnchen-wildert-im-action-dschungel.html).
Die ungewöhnlich jazzig ausgefallene, das Geschehen oftmals fast absurd kontrapunktierende Musik geht auf das Konto eines fast unbekannten Komponisten namens Alexander Blonksteiner, der scheinbar einfach in einigen angesagten, verrauchten Jazzklubs mehrere Platten entwendete, um diese dann bei Margheriti gegen Honorar abzuliefern - dies ist natürlich nur rein hypothetisch... Sein einziger anderer Beitrag als Komponist ist die Musik zu einem amerikanischen Sexploitationstreifen von 1975 mit dem schönen Titel The Erotic Adventures of Robinson Crusoe (R.: Ken Dixon dt.: Die Sex-Abenteuer des Robinson Crusoe), der es damit soeben auf die Must-See-Liste des Rezensenten geschafft hat - aus purem Masochismus.


Fazit: Wer die Klassiker eines George A. Romero mag oder neben seiner Pasta gerne mal ein blutiges Steak liegen hat, kann hier wenig falsch machen und einen im Genre etwas übergangenen Eintrag für sich entdecken.

Punktewertung: 7,5 von 10 Punkten

Im Untergrund des Big Apple

C.H.U.D. - Panik in Manhattan (C.H.U.D.)
USA 1984
R.: Douglas Cheek


Worum geht's?: Im Big Apple geht es nicht mit rechten Dingen zu. Immer mehr Obdachlose, welche ihre Heimat in den unterirdischen Teilen der Stadt gefunden haben, verschwinden spurlos oder werden von glotzäugigen, reptilienhaften Monstern furchtbar verletzt.
Auch die Ehefrau von Police-Captain Bosch (Christopher Curry) muss einer dieser Bestien zum Opfer gefallen sein und A. J. (Daniel Stern), dem Betreiber einer Suppenküche für Obdachlose, schwant nach dem Fund eines Geigerzählers und einem Teil einer Ganzkörperpanzerung in der Kanalisation Böses.
Zusammen stellen beide die Honorationen der Stadt und Vertreter der Industrie zur Rede, welche scheinbar nur bemüht sind, einen großen Skandal zu vertuschen - koste es, was es wolle.
Ein von Polizisten mit Flammenwerfern unterstütztes Kamerateam der Nuklearbehörde wird schnell von den Bestien übermannt und auch der Journalist Murphy (J. C. Quinn), der mit dem Fotografen Cooper (John Heard) in die Gänge unter der Stadt nach einer Ursache für die Vorkommnisse forscht, wird zu ihrem Futter erkoren.
Als Ultima Ratio soll ein Umleiten der Gasleitungen in das Kanalsystem dienen, um den verseuchten Wesen endgültig den Garaus zu machen.
Für alle Seiten beginnt ein verzweifelter Kampf ums Überleben, in dem auch noch korrupte Funktionäre eine besondere Rolle spielen...


Wie fand ich's?: C.H.U.D. wirkte auf mich wie der weniger distinguierte Vorgänger von Guillermo del Toros wunderbarem Monsterstreifen Mimic (USA 1997). In beiden Filmen dreht sich alles um im Untergrund von New York herangewachsenen Mutanten, welche nun ihre Nahrungskette auf den Menschen erweitern und dabei zuerst auf die sozial schwächsten Schichten der Großstadt treffen.
Wo del Toro mit einem großen Budget auch Großes vollbrachte, da kocht Douglas Cheek auf wesentlich kleinerer Flamme, macht jedoch das Beste aus seinen Möglichkeiten.
Die erste Hälfte des Films lebt aufgrund der Dialoglastigkeit in erster Linie von den guten Leistungen der Darsteller, von denen besonders der aus Mainstreamproduktionen wie Home Alone (USA 1990 dt.: Kevin - Allein zu Haus) und City Slickers (USA 1991 dt.: City Slickers - Die Großstadthelden) bekannte Daniel Stern durch seine große Spielfreudigkeit heraussticht. John Heard, der hier einen desillusionierten Fotografen spielt, war ebenfalls Home Alone zusehen und ist ein viel beschäftigter Schauspieler, der jedoch nie den Sprung zum großen Star geschafft hat.
Regisseur Douglas Cheek hingegen arbeitet in erster Linie im Bereich der Fernsehdokumentation und als Cutter, dies zuletzt bei einem Thriller namens Claustrophobia (USA 2011), wo man auch Christopher Curry in einer Hauptrolle wiedersehen kann, der ebenfalls in erster Linie fürs US-Fernsehn arbeitet.
Insgesamt bezieht C.H.U.D. also Cast & Crew eher aus der zweiten Reihe, doch ist diese Liga immer noch meilenweit entfernt von dem Personal anderer Trash-Produktionen, mit denen Cheeks Film aber zwei andere Probleme teilt.
Zum einen wäre da das unbefriedigende Ende des Films, welches wohl wiederum dem niedrigen Budget zuzuschreiben ist und den deutschen Videoverleih gar bewog eine Szene, in der ein Diner von den Monstern überfallen wird, aus der zweiten Hälfte des Films an das Ende zu schneiden, was den Film in meinen Augen tatsächlich aufwertet, wird doch in der eigentlichen Fassung, das Sterben der C.H.U.D.s nicht hinreichend gezeigt, um die Story hier hinreichend zu beenden.
Zum anderen pendelt die Qualität der Spezialeffekte ständig zwischen "solide" und "unfreiwillig komisch", Letzteres besonders, wenn sich arg wabbelnde Gummikrallen unter Gullideckeln hervorschieben.
Dies fällt noch etwas schwerer ins Gewicht, da die Story doch größtenteils ziemlich bierernst daherkommt, was für eine Genreproduktion dieser Zeit ebenso ungewöhnlich wie angenehm ist, allerdings wäre deshalb auch eine etwas düsterere Atmosphäre benötigt gewesen, was Cheek nicht wirklich gelingt.
So wirkt C.H.U.D. am Ende eher wie Sci-Fi-Action und weniger wie ein Horror-Film.


Fazit: Unterschätzter Gummimonster-Streifen mit dem Charme der 80er. Für Nostalgiker bestens geeignet.

Punktewertung: 6,75 von 10 Punkten

Montag, 2. Juli 2012

Weltuntergang jetzt!

Fireflash - Der Tag nach dem Ende (2019 - Dopo la caduta die New York)
I/F 1983
R.: Sergio Martino

 
Worum geht's?: Nach einem Nuklearkrieg mit den despotischen Eurakern ist Amerika ein radioaktiv verseuchtes Trümmerfeld.
Die letzten Überbleibsel der Pan-Amerikanischen-Konföderation haben sich heimlich nach Alaska abgesetzt und planen eine neue Zivilisation im Weltraum zu gründen.
Dazu würde man jedoch eine gebärfähige Frau brauchen, welche nach dem Fallout jedoch praktisch absolute Mangelware geworden ist.
Dennoch schickt man auf ein Gerücht hin den schneidigen Abenteurer Flash (Michael Sopkiw) zusammen mit zwei Begleitern (Rumano Puppo und Paolo Maria Scalondro) in den nur noch aus Ruinen bestehenden Big Apple.
Dort treffen sie auf rattenfressende Freaks mit eitriger Killerakne, einer Horde im Untergrund lebender Kleinwüchsiger und die schönen Giara (Valentine Monnier), die sich aufgrund mangelnder Optionen kurzerhand dem Team anschließt.
Nach kurzer Gefangenschaft im Hauptquartier der Euraker stoßen unsere Helden in einem Theater auf Big Ape (George Eastman) und seine Mannen, eine Gruppe von Mutanten, welche sich scheinbar zurück zum Affen entwickeln.
Zusammen findet man letztendlich einen toten Forscher, der seine junge Tochter in einem künstlichen Winterschlaf hält, um sie so vor der Verstrahlung zu schützen (was jetzt nicht sooo logisch ist...)
Die Flucht in einem mit Metallplatten selbst gepanzertem Kombi gestaltet sich aufgrund der schwer bewaffneten Eurakertruppen etwas difizil und ein Verräter muss auch noch überwältigt werden, doch dann steht der Reise zu neuen Welten nichts mehr im Wege...


Wie fand ich's?: Dass das gesamte internationale Exploitationkino praktisch nur aus Plagiaten und preisgünstigen Rip-Offs besteht, ist kein Geheimnis und auch hier wurde bei allem geklaut, was an den Kinokassen bereits Bares eingefahren hatte.
Einen solch gewaltigen Kassenschlager wie Mad Max 2 (AUS 1981 R.: George Miller) findet man somit genauso unter den Vorbildern, wie, sogar noch wesentlich zentraler, John Carpenters zwei Jahre zuvor gedrehter Hit Escape from New York (USA 1981 dt.: Die Klapperschlange).
Selbst der gerade eben noch in den Kinos anwesende Blade Runner (USA 1982 R.: Ridley Scott) wird durch die Verwendung des Begriffs Replikant zeitnah "zitiert".
Wenn Italo-Ikone George Eastman (der unter seinem bürgerlichen Namen Luigi Montefiori auch zahlreiche Drehbücher verfasst hat) dann mit einer Horde Primaten um die Ecke kommt, lässt auch noch der Planet der Affen (USA 1968 R.: Franklyn J. Schaffner, Originaltitel: Planet of the Apes) schön grüßen.
Dass sich der Film jedoch trotz (oder gerade wegen) aller geklauter Puzzlestücke zu einem unterhaltsamen Ganzen zusammenfügt, ist sicherlich Sergio Martino zuzurechnen, der in praktisch jedem Genre gearbeitet hat und dem es fast immer gelang, aus wenig Budget ein sehenswertes Ergebnis zusammenzuschustern.
Sicher, die Miniaturaufnahmen sind klar als solche ersichtlich und man hätte sich vielleicht auch hie und da gute zehn Minuten insgesamt sparen können, aber solche "Highlights" wie das Ausstechen von Augen mithilfe einer als Handprotese dienenden Zange oder die Flucht durch Minenfelder und Sperrfeuer in einem PKW der späten 70er machen solche Mängel am Ende wett.


Fazit: Unterhaltsamer Italo-Endzeit-Trash mit solidem Goregehalt und abstrusen Einfällen.

Punktewertung: 6,5 von 10 Punkten

Montag, 25. Juni 2012

Fun & More im Styropordekor

Dracula und seine Opfer (Blood of Dracula's Castle)
USA 1969
R.: Al Adamson/Jean Hewitt

Worum geht's?: Graf Dracula (Alexander D'Arcy) unterhält mit seiner Angetrauten (Paula Raymond) seit 60 Jahren ein als Hotel fungierendes Schloss im sonnigen Kalifornien. Sein Diener George (John Carradine) und ein entstellter Hüne namens Mango (Ray Young), dessen Name Rückschlüsse auf seinen IQ zulässt, entführen für die beiden Erzvampire junge Frauen, welche zur ständigen Blutabnahme im rattenverseuchten Keller angekettet herumhängen.
Um die Effizienz dieser Aktionen zukünftig zu steigern, bedarf es jedoch weiteren Fachpersonals und so sorgt der Graf, welcher unter dem wohlklingenden Namen Townsend firmiert, für den Anstaltsausbruch des sadistischen Johnny (Robert Dix), der vielleicht ein Werwolf ist, möglicherweise aber auch nur wie jeder Andere, bei Vollmond gänzlich am Rad dreht.
Nach dem Tod ihres Verpächters kommt jedoch dessen Neffe Glen (Gene Otis Shayne) mitsamt seiner bezaubernde Freundin Liz (Jennifer Bishop) ins Biotop der Blutsauger und Psychopathen, um die Townsends nun wieder auf die Straße zu setzen und fort an selbst im Traumschloss zu wohnen.
Ganz der gewiefte Geschäftsmann bietet Dracula dem Pärchen zunächst ein stattliches Sümmchen für den Wohnsitz an, als die Verhandlungen jedoch nach wenigen Minuten bereits scheitern, greift das Ehepaar Townsend einfach auf die Erfahrung ihrer Angestellten im Umgang mit lästigen Personen zurück - gelernt ist gelernt.
Bei einem Feueropfer zu Ehren des Gottes Luna, läuft dann aber leider fast alles schief und mithilfe eines gut gefüllten Benzinkanisters und einer, ja praktischerweise in Kalifornien überall herumliegender Axt, wird letztendlich sogar der mächtige Mango flambiert.

Wie fand ich's?: Selten habe ich einen so sonnengebräunten Grafen Dracula gesehen, wie den öligen Alex D'Arcy - gut, George Hamilton in Love At First Bite (USA 1979 R.: Stan Dragoti dt.: Liebe auf den ersten Biss) kommt mir doch noch in den Sinn.
Auch Paula Raymond scheint eher einer Folge vom Denver Clan oder Falcon Crest entsprungen zu sein, als bei Tageslicht in einem Erdmöbel zu nächtigen und tatsächlich war für ihre Rolle der Gräfin ursprünglich Jayne Mansfield vorgesehen, welche jedoch vor Drehbeginn bei einem Autounfall ums Leben kam.
Urvieh John Carradine hingegen macht einfach "business as usual" und liefert wie immer eine solide Darbietung.
Wesentlich bemerkenswerter ist da Robert Dix als Johnny, dessen Grinsen jedem Hobbysadisten gut zu Gesicht stehen würde. Überhaupt ist der Trick einen Charakter in einem Horrorfilm nur mehrfach andeuten zu lassen, er könnte ein echter Werwolf sein, dann jedoch letztendlich auf eine teure Transformationsszene zu verzichten und die Kosten für die Special-FX zu sparen, nie so gut vollzogen worden wie hier.
Apropos Sparen: gedreht wurde das Ganze Ding äußerst ökonomisch von US-Trashpapst Al Adamson (und einer Person namens Jean Hewitt, zu der ich jedoch keinerlei Informationen bieten kann), der 1995 das Mordopfer eines Fliesenlegers wurde. Adamson ist der Schöpfer solcher Kultfilme wie z. B. Dracula Vs. Frankenstein (USA 1971 dt.: Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein), welche ihr Publikum entweder zu manischen Lachsalven oder schweren Gehirnschäden (manchmal sogar zu beidem) verleiten.
Ich muss hier gestehen, dass ich seit längerer Zeit nicht mehr so viel Spaß an einem Schundfilm der untersten Schublade hatte, wie bei Blood Of Dracula's Castle. Das Drehbuch mixt so viel Irrsinn zu einem unterhaltsamen, bunten Brei zusammen, dass die Laufzeit von 84 Minuten im Flug vergeht. Der ganze Film erinnert mithin eher an eine garstige, aus Gründen des Jugendschutzes unterschlagene Folge der Munsters, die von Anfang an ihrer ganz eigenen Logik folgt.

Fazit: Spaß für die (fast) ganze Familie!

Punktewertung: 6 von 10 Punkten bei voll ausschlagender Schundskala!

Sonntag, 24. Juni 2012

Das Golden Girl vom Zuckerhut

Die sieben Männer der Sumuru (The Girl From Rio)
BRD/E/USA 1969
R.: Jess Franco


Worum geht's?: Jeff Sutton (Richard Wyler) landet in Rio und gibt vor 10 Mio. Dollar aus einem Bankraub mit sich herumzutragen. Dies zieht sowohl die Aufmerksamkeit des lokalen Gangsterbosses Masius (George Sanders), wie auch die Sumitras (Shirley Eaton), der Führerin einer Sekte von militanten Frauen auf ihn.
Als Sutton mithilfe einer Agentin Sumitras (welche, wie der deutsche Titel andeutet in anderen Schnittfassungen Sumuru heißt) namens Leslye (Maria Rohm), nach Femina, dem Reich der Männerhasserinnen entführt wird, kommt jedoch Suttons wahrer Plan ans Licht: das Geld war als Köder gedacht, um in Rio die ebenfalls entführte Ulla (Marta Reves) ausfindig zu machen.
Diese befindet sich mit weiteren Opfern Sumitras in Glaszellen und wird durch Drogendämpfe sowohl gefügig gemacht wie langsam dahingerafft.
Doch Sutton und Ulla gelingt trotz der, bis an die weißen Zähne bewaffneten, Amazonen-Armee Sumitras die Flucht mit einer Passagiermaschine aus dem Betonpalast.
Nun stehen die beiden zwischen den Interessen des mächtigen Masius, der sich schon lange Sumitras legendären Goldschatz unter den Nagel reißen will und Sumitra, die nun Rache für Suttons gelungene Flucht nehmen möchte.
Ein unglaublicher Kampf entbrennt, als alle im Palast zusammentreffen, während dieser von Masius Helikoptern mit Giftgas angegriffen wird.


Wie fand ich's?: Ja, der große Schlusskampf ist wirklich unglaublich, fällt doch die gleiche junge Frau gleich mehrfach tot um, während zwei Helikopter ständig das gleiche Gebäude überfliegen. Gefilmt wird das Ganze aus immer neuen Schusswinkeln, was zumindest dem Kameramann Abwechslung im Job bescherte.
Auch die selbst gemachte, handbestickte SS-Uniform von Francos Ensemble-Darstellerin Elisa Montéz ist sehenswert, ebenso wie ein ständig absolut gelangweilt wirkender Herbert Fleischmann (bekannt aus Folgen der TV-Serien Derrick, Der Alte, Tatort etc., sowie Jürgen Rolands tollem Euro-Crime-Knaller Zinksärge für die Goldjungs [BRD 1973]), der zumindest den Gratisurlaub genossen haben muss.
Produziert wurde Francos Film mal wieder von Harry Alan Towers, dessen Gattin Maria Rohm somit erneut eine größere Nebenrolle sicher hatte und der schon den Vorgängerfilm The Million Eyes Of Sumuru (GB 1967 R.: Lindsay Shonteff dt.: Sumuru - Die Tochter des Satans) mit ebenfalls Shirley Eaton in der Titelrolle realisiert hatte.
Beide Filme basieren auf Sax Rohmers Sumuru-Charakter, welcher das weibliche Äquivalent zu dem von ihm geschaffenen Dr. Fu Manchu ist, der in der Gestalt Christopher Lees wiederum auch in zwei Filmen Jess Francos sein Unwesen treiben durfte, natürlich produziert von Harry Allan Towers und mit dessen Ehefrau in leicht bekleideten Nebenrollen.
Shirley Eaton hatte 1964 durch ihre Rolle als vergoldetes Opfer Jill Masterson im Bond-Klassiker Goldfinger (GB 1964 R.: Guy Hamilton) Berühmtheit erlangt und widmete sich nach dem hier besprochenem The Girl From Rio nur noch ihrer Familie. Ein Entschluss, der nach Sichtung des Werks nur noch um einiges verständlicher wird. Da sie jedoch unter Franco bereits ein Jahr zuvor im oben erwähnten The Blood Of Fu Manchu (BRD/GB/E/USA 1968) mitgewirkt hatte, hätte sie ahnen können, dass dieser Opus nicht unbedingt als krönender Abschluss einer Karriere angesehen werden könnte.
Insgesamt muss man feststellen, dass Fans des Regisseurs bessere bzw. unterhaltsamere Filme sehen könnten (Trashgranaten wie Die Säge des Todes [BRD/E 1981], die beiden besseren Fu Manchu Streifen oder tatsächlich Atmosphärisches wie El Conde Drácula [BRD/GB/I/E 1970 dt.: Nachts, wenn Dracula erwacht] und Faceless [E/F 1982] böten sich u. a. an) und The Girl From Rio leider im Ouevre des Meisters (hüstel...) äußerst vernachlässigbar ist. Weder Gore- noch Sleazegehalt sind bemerkenswert und auch die Besetzung mag höchstens Shirley Eaton Fans locken, welchen ich eher Ten Little Indians (GB 1965 R.: George Pollock dt.: Geheimnis im Schloss) empfehlen würde.
Wie bereits erwähnt, gibt es von diesem Film, wie bei Jess Franco üblich, mehrere Schnittfassungen. Mein Review bezieht sich auf den längeren US-Cut, der von Blue Underground vertrieben wird.


Fazit: Für Masochisten, Komplettisten, verirrte Franquisten, sowie francophilen Fetischisten!

Punktewertung: 3 von 10 Punkten