Egal ob Exploitation, Gialli, Horror oder Sci-Fi...
Von Grindhouse bis Arthouse...
Besprechungen übersehener, unterbewerteter oder obskurer Werke der Filmgeschichte!

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Dienstag, 4. August 2020

Auf dem Highway ist der Nixon los!

Horror House on Highway 5
USA 1985
R.: Richard Casey


Worum geht's?: Los Angeles zu Beginn der 80er. Drei Studenten bekommen von ihrem Professor den Arbeitsauftrag dem Nazi Frederick Bartholomew (ein typischer Name für deutsche Wissenschaftler) in dessen (neuer) Heimatstadt Littletown nachzuspüren, der seinerzeit wohl an der V2 mitgearbeitet hatte.
Dieser hat jedoch gerade ein junges Ehepaar blutig daniedergemetzelt und trägt nun eine Richard-Nixon-Maske über der Mördervisage.
Als Studentin Louise (Susan Leslie) in ihrem roten Polka Dot-Dress wenig später beim seltsamen Dr. Marbuse (ein schon weit typischer deutscher Familienname ... - Phil Therrien) aufschlägt, um diesen nach Bartholomew zu befragen, ahnt diese noch nicht, dass dieser sie schon bald kidnappen und sie daraufhin nach einem bizarren Teufelsritual seinem zurückgebliebenen, ihm hündisch untergebenen Mitbewohner Gary (Max Manthey) als Spiel- und Tanzgefährtin dienen wird.
Und ihren Kommilitonen Mike und Sally ergeht es auch nicht besser, geraten diese mit ihrem eher kläglichen Modellnachbau der V2 praktisch umgehend ins Blickfeld des wahnsinnigen Gummi-Gesicht-Nixons (Ronald Reagen - ehrlich, so steht es in den Credits!), der zwischendurch noch ein unschönes, fatales Intermezzo mit einem Pärchen auf dem Highway hatte ...

***

Wie fand ich's?: Es gibt Filme, bei denen man sich als erfahrener Zuschauer nur wundern kann, wie diese jemals das Licht der Projektoren erblicken konnten. Horror House on Highway 5 ist genau so ein Fall, reiht er doch eine unglaubliche Szene an die nächste. Wo sonst gibt es schwarze Messen, bei denen jemand dem Opfer ein Bügeleisen auf die (immerhin) bedeckte Brust drückt? Wo fallen einem der Bösewichte Maden auf den Tisch, welche dieser als ihn befallende Hirnparasiten identifiziert, worauf er sich wenig später wohl zum Schutz einen DIY-Helm aus Pappmaschee aufsetzt, den ein krummes Hakenkreuz ziert? Wo fällt jemand mit dem Kopf auf eine Harke, welche mit zwei Forken in der Stirn stecken bleibt, woraufhin diese Person mit dem Gartenutensil vorm Gesicht durch die Gegend scharwenzelt, bis seine Kollegin ihm das Gerät gegen seinen Willen entfernt und er direkt tot umfällt?
Und dies sind nur wenige Beispiele für einen offenbar mal eben in einer Nacht aus dem speckigen Ärmel geschüttelten Streifen. Tatsächlich berichtet Regisseur Casey jedoch, dass der Film über Jahre hinweg an Wochenenden gedreht wurde und es sich hier damit wohl um ein Herzensprojekt handelt, ähnlich eines Bad Taste, der unter gleichen Bedingungen, wenn auch mit mehr Können, entstand.
Doch ist es vielleicht ebenfalls falsch Horror House on Highway 5 als reine filmische Freakshow zu betrachten (den Reizbegriff Trash möchte ich hier erst gar nicht bemühen), gelingen doch immer wieder stimmige Szenen, welche durchaus (mehr als nur einen unfreiwillig komischen) Eindruck hinterlassen. Da wäre die seltsame, peitschende Geräusche verbreitende, unsichtbare (und dafür produktionstechnisch unglaublich preiswerte) Waffe, mit der Bartholemew in seinen Kellerräumen seine Opfer mürbe macht. Und da ist das äußerst enervierende Ende, welches an einen anderen Klassiker des Slashers gemahnt und so nicht von mir erwartet wurde. Dazwischen gibt es in jeder Szene des Films, in dem ohnehin kaum Leerlauf aufkommt, zahlreiche schräge Details zu entdecken: man achte nur auf die schundigen, gern auf pinken Papier gedruckten, Nazi-Printmedien, welche die Wände im Haus der Bösewichte zieren.
Als Untermalung des Ganzen fungiert ein Score, der britischen Postpunk mit US-Surfpop und (noch passender) Psychodelic-Rock verbindet. Regisseur Casey selbst hatte übrigens 1981 das Video zum Blue Öyster Cult Hit Burnin' for You gedreht - drei Jahre nach dem von ihm höchstselbst verbürgten Beginn der Dreharbeiten zu Horror House on Highway 5 und vier Jahre vor dessen Veröffentlichung anno 1985.
So darf man sich schlussendlich fragen, wie viele und welche Drogen am Set des Streifens die Runde machten, und warum dieser Film eine solch sonderbare Anziehungskraft hat, die ihm bis dato eine kleine Kultgemeinde beschert hat.

***

Fazit: Ganz sicher kein großes Kino (wenn man überhaupt von solchem sprechen will), aufgrund seines Unterhaltungswertes und der einzigartigen Stimmung ist meine

Punktewertung: allerdings ganze 7 von 10 möglichen Punkten. Spießige Spaßbremsen und AFD-Wähler sollten die Wertung vielleicht a priori halbieren ...

Dienstag, 25. Juni 2019

Blutbrüder in Preiselbeersauce

Blood Rage
USA 1987
R.: John Grissmer


Worum geht's?: Als Kind hat Terry (Keith Hall) in einem Autokino einen Besucher während des Liebesakts mit dem Beil massakriert, und sofort danach seinem traumatisierten Bruder Todd (der Bruder des Erstgenannten: Russell Hall) die grausige Tat in die Schuhe geschoben.
Zehn Jahre später, flüchtet der unschuldige Todd (nun: Mark Soper in einer Doppelrolle) aus der Anstalt, in der er ein Jahrzehnt verbracht hat, um, wie Michael Myers, verfolgt von der ihn in der Psychiatrie behandelnden Person (Marianne Kanter - Produzentin des Films), nach Hause zurückzukehren, wo sein Bruder bislang ein ruhiges, normales Leben bei seiner Mutter (Louise Lasser) verbracht hat.
Als diese jedoch bei einer Festlichkeit das Vorhaben äußert, ihre neue Liebe zu ehelichen, erwacht im bösen Zwilling gleichzeitig wieder der Drang zu morden.
So trifft Todd genau zu dem Zeitpunkt daheim ein, als die ersten Leichen bereits zerteilt die pittoreske Gegend verschandeln, und die sympathische Karen (Julie Gordon) mit perfektem Timing gedenkt, ihrem geheimen Schwarm Terry endlich ihre Liebe gestehen zu wohlen; natürlich nicht ahnend, dass dieser mehr Interesse an seiner bluttriefenden Machete, als an ihr hat.

***

Wie fand ich's?: Als man Blood Rage 1987 veröffentlichte, hatte das Slashergenre bereits seinen Zenit seit etwa drei Jahren überschritten. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Film allerdings bereits vier Jahre im Regal gelegen, und erst jetzt gedachte man, mit dem Streifen noch eine schnelle Mark machen zu wollen.
Es muss also den Produzenten des Films durchaus klar gewesen sein, dass man es hier mit einem leicht devianten Vertreter seiner Art zu tun hat.
Blood Rage ist nämlich ein sich scheinbar vollkommen seines Genres und seiner Schublade bewusster Film, der absolut weiß, was sein junges Publikum fordert: blutige Gewalt und schwüle Sexualität. Auf beides greift Regisseur Grissmer in aller Regelmäßigkeit im Minutentakt zurück, sprenkelt eine ordentlich Portion Alkohol darüber - die Rotweingläser sind hier gern bis zum Rand gefüllt - und wirft noch nebenher Videogames, Swimmingpools und Babysitting mit in den Topf - eben alles, was die Boys und Girls so umtreibt.
Dazu drehte man die Gore-Regler auch noch kurz auf zwölf (zumindest in den späteren Uncutfassungen, die ersten Veröffentlichungen waren noch stark zensiert), liefert dem Publikum in der Mitte durchtrennte Köpfe und Leiber und jede Menge Kunstblut, welches nun wirklich keine Preiselbeersauce ist, wie es der Hauptdarsteller auch mehrfach während des Films wiederholt.
Hier zeigt sich auch schon der höchst sonderbare Hang zu einem bizarren, obskuren Humor, bei dem nie sicher ist, ob er es nun freiwillig oder tatsächlich unfreiwillig ins Drehbuch geschafft hat. In einer besonders bemerkenswerten Szene, fordert Mutti ihren noch unverdächtigten Killersohn so zum Beispiel auf, dort draußen nicht nur vorsichtig zu sein, sondern sich auch wegen der Kälte einen Pulli anzuziehen, am besten den blauen!
Persönlich tendiere ich dazu, dass man hier sehr wohl wusste, was man tat, und der Streifen von einem wunderbar unterschwelligen Tongue-in-cheek-Witz durchdrungen ist, der zeigt, dass man das Genre bereits nicht mehr ernst nehmen wollte und konnte. Es kommt also bereits ein Gefühl einer latenten Parodie auf, was sich auch im Overacting einer so erfahrenen Schauspielerin wie Louise Lasser zeigt.
Natürlich hatte es auf diesem Gebiet bereits 1981 und 1982 erste eindeutige Versuche mit Student Bodies (USA 1981 R.: M. Rose / M. Ritchie dt.: Was macht der Tote auf der Wäscheleine?) und Wacko (USA 1982 R.: Greydon Clark) gegeben, welche jedoch ihre Hauptbetonung auf wenig feinsinnigen Brechstangenhumor setzten und qualitativ eher im unteren Bereich der Liga anzusiedeln sind (es sei hier noch angemerkt, dass der 1981 ebenfalls erschienene Saturday the 14th [USA 1981 R.: Howard R. Cohen dt.: Samstag, der 14.] zwar vom Titel her eine Slasherparodie vorgaukelt, es sich hier allerdings um ein Haunted-House-Movie mit Vampirfilmmotiven handelt).
So nimmt Blood Rage eine kleine Sonderstellung innerhalb seiner Gattung ein und sollte einem größeren Publikum bekannt gemacht werden - denn der Slasher ist ebenso wenig tot zu bekommen wie seine ewig populären Antagonisten Jason, Michael, Chucky und Freddy - um nur die Größten von ihnen zu nennen ...

***

Fazit: Sicher kein echter Klassiker seines Genres, aber durchaus eine kleine Perle in einem Meer an Mittelmäßigkeiten. Wer sein Adoleszentengemetzel nicht nur ernst und humorlos mag, findet hier eine süffisante Alternative.

Punktewertung: 7/10 Punkten

Sonntag, 25. September 2016

Der Schinken von Morgen

Roadgames (Truck Driver - Gejagt von einem Serienkiller)
AUS 1981
R.: Richard Franklin


Worum geht's?: Jeden Tag ist es derselbe Trott auf den staubigen Straßen der australischen Nullarbor-Ebene.
Man begegnet abwechselnd den gleichen Wagen, welche mal an einem vorbeiziehen, mal von einem überholt werden. Zerstreuung und Unterhaltung bietet nur das Radio, der Reisegenosse oder ein vom Wegesrand aufgegriffener Anhalter.
Pat Quid (Stacey Keach) nimmt nur aus Prinzip keine "Hitchs" mit, denn er hat seinen treuen Dingo Boswell stets dabei, den er während der Fahrt mit ausgedehnten Monologen über seine ganz eigene Weltsicht bedenkt.
Pat fährt einen Truck, was jedoch nicht bedeutet, dass er seiner eigenen Selbstwahrnehmung nach ein Trucker wäre - doch Pat ist auch ein aufmerksamer Beobachter seiner Umwelt und so fällt ihm auch der dunkelgrüne Transporter und dessen Fahrer auf, der ihm erst mit einer jungen Anhalterin in einem Motel das letzte Zimmer vor der Nase wegnimmt und am nächsten Morgen die Müllabfuhr von seinem Zimmerfenster aus persönlich dabei beäugt, wie diese mehre sonderbare Plastiksäcke vom Straßenrand mitnimmt, an denen Boswell bereits aufgeregt herumschnupperte.
Radiomeldungen von einem scheinbar in der Region sein Unwesen treibenden Serienkiller scheinen Pats Vermutungen zu verdichten und zusammen mit der von Zuhause ausgerissenen Diplomatentochter Pamela (Jamie Lee Curtis) macht sich der Kühllasterfahrer daran, dem behandschuhten Killer (Grant Page) das Handwerk legen zu wollen, nur gestaltet sich dieses gefährlicher als die beiden es zunächst wahrhaben wollen - möchte sich doch kein Jäger gern selbst zum gejagten Wild machen lassen.



Wie fand ich's?: Das Horrorgenre auf die staubige Autobahn zu verfrachten ist nichts wirklich Neues. Man denke z. B. an Spielbergs famoses TV-Frühwerk Duel (USA 1971 dt.: Duell), Rutger Hauers grandios böse Titelfigur im grimmigen The Hitcher (USA 1986 R.: Robert Harmon dt.: Hitcher, der Highway Killer) oder an einen in die Jahre gekommenen Kurt Russel auf der panischen Suche nach seiner entführten Frau im viel zu unbekannten Breakdown (USA 1997 R.: Jonathan Mostow).
1981 war Spielbergs vielleicht stilbildend zu nennendes Duell schon vor einer Dekade entschieden worden (ja, das Gute hat gesiegt, Kinder!), doch war im fernen Australien die seit den frühen 70er Jahren in Fahrt gekommene Welle von preiswert inszenierten Genrestreifen - von Kritikern zunächst Aussieploitation, später knapper Ozploitation benannt - auf ihrem Zenit angekommen und dusty roads findet man im und ums Outback herum ja auch genug.
Um der geplanten Produktion eine bessere globale Verwertbarkeit zu ermöglich, suchte man nach gut verkaufbaren (Hollywood-)Stars und stiess zunächst auf einen wenig begeisterten Sean Connery und auf die durch John Carpenters Halloween (USA 1978) und dessen Nachfolger The Fog (USA 1980) sowie Prom Night (CAN 1980 R.: P. Lynch) und Terror Train (CAN/USA 1980) bereits zum Genrestar und zur Scream-Queen gekürten Jamie Lee Curtis. Connery sprang frühzeitig ab, da ihm die angebotene Gage wohl zu gering war (manche Quellen sprechen lediglich davon, dass Connery nur als Vorbild für die Rolle diente und tatsächlich wohl nie angefragt wurde) und dies bei dem mit einem Budget von etwa 1,8 Mio. australischen Dollars zu seiner Zeit bis dahin teuersten Film, der den Filmschmieden Down Unders entsteigen sollte.
Frau Curtis zeigte sich weit zugänglicher bzw. preiswerter als der grummelige Schotte, doch muss man wohl beachten, dass sie erst in der zweiten Hälfte des Films so richtig in Erscheinung tritt und wohl auch nur dementsprechend wenig Drehtage hatte. Das mag ihr allerdings auch nur recht gewesen sein, beklagte sie sich doch später von der australischen Crew als amerikanische "Gastarbeiterin" angefeindet worden zu sein.
Borgte Carpenter für Halloween den Namen Sam Loomis noch bei Hitchcocks Psycho (USA 1960), so macht Franklins Road Games zahlreiche "Anleihen" bei des Meisters Rear Window (USA 1954 dt.: Das Fenster zum Hof). Tatsächlich sollte Franklin zwei Jahre nach Road Games mit dem in den USA entstandenen Psycho II (USA 1983) erneut dem Master of Suspense huldigen und eines der oft zu Unrecht verschmähtesten Sequels der Horrorfilmhistorie schaffen.
Setzt Franklin dort auf Twists und eine dem Vorgänger angemessene Atmosphäre, so beginnt auch Road Games zwar zunächst mit zwei suspensevollen Szenen, doch präsentiert der Film dann erst einmal eine ganze Reihe von komischen Alltagstypen, die sich mit dem Helden den australischen Highway teilen. Im Falle der von Marion Edward dargestellten, nörgelnden Hausfrau Frita teilt sich jene sogar gleich mehrere Minuten lang mit Keach dessen Fahrerkabine und dies anstelle der vom Publikum längst erwarteten Jamie Lee Curtis, welche von Quids Truck stattdessen mehre Male am Straßenrand mit erhobenem Daumen stehen gelassen wird.
Wenig später zerlegt der, zumindest in Deutschland titelgebende, Truck Driver - Gejagt von einem Serienkiller noch fröhlich das Boot eines ihm den Weg versperrenden Verkehrsteilnehmers in bester Ben-Hur-Manier mit den Radnaben seines Trucks - eine Szene, welche es wohl nur aufgrund ihrer Schauwerte in den Film geschafft hat, ist diese doch für den eigentlichen Plot absolut nicht notwendig.
Letztendlich gelingt Franklin hier also ein höchst verspielter, bodenständiger Slasher mit grundsympathischen Figuren, von denen alle - von der damals mal gerade zweiundzwanzigjährigen Jamie Lee Curtis einmal abgesehen - die Vierzig bereits überschritten haben.
Wer also jeden US-Slasher der Goldenen Ära von 1978 bis 1984 bereits gesehen hat, wem nervige Teenies grundsätzlich in Filmen ein Dorn im Auge sind und wer Dingos für die besseren Haushunde zählt - dem sei dieser Film wärmstens an Herz gelegt!

***


Fazit: Ein spritziger Ozploitationklassiker, der kein Sand im Getriebe, sondern den Dingo im Tank hat.









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Punktewertung: 7,5 von 10 Punkten

Freitag, 19. Juni 2015

Es riecht nach Katze im Staate Dänemark

Sette scialli di seta gialla (eng.: The Crimes of the Black Cat)
I 1972
R.: Sergio Pastore


Worum geht's?: Kopenhagen. Von seiner Freundin (Isabelle Marchall) gerade verlassen und im Restaurant frisch versetzt worden, muss der blinde Filmkomponist Peter (Anthony Steffen) ein sonderbares und beunruhuigendes Gespräch am Tisch hinter ihm mit anhören. Da er aufgrund lauter Musik und zahlreicher Nebengeräusche leider nur Bruchstücke aufschnappen kann, glaubt er zwar von einem verabredeten Verbrechen erfahren zu haben, kann aber weder genau auf die beteiligten Personen noch auf sonstige hilfreiche Details schließen.
Als er am nächsten Tag vom ungewöhnlichen Tod seiner Liebschaft erfährt, macht sich der selbst ernannte Mörderschreck mit seinem loyalen Faktotum Burton (Umberto Raho) auf die Suche nach dem Täter, der auch weiterhin seinen pausbackigen, rothaarigen Todesengel im weißen Cape (Giovanna Lenzi - die Ehefrau des Regisseurs) ausgeschickt, um ein Opfer nach dem anderen in der Modewelt der dänischen Hauptstadt zu fordern.


Wie fand ich's?: Als Genrefan besitzt man so etwas wie einen ganz eigenen Fahrplan, den man bei den anstehenden Sichtungen in seinem Lieblingsunterhaltungsfach anwendet. So hat man meist eine ideelle Liste, welche man - mehr oder weniger - Punkt für Punkt vom ersten Platz an abarbeiten möchte.
Der hier besprochene Sette scialli di seta gialla (dt.: Sieben Schals aus gelber Seide) stand auf meiner solchen, persönlichen Liste jahrelang weit unten, wird er doch häufig eher als Marginalie im Genre besprochen und wurde zudem hierzulande bislang nicht veröffentlicht.
Nach Ansicht des Films muss ich beide letztgenannten Punkte als äußerst ungerecht tadeln, da es sich bei Sergio Pastores Werk zwar um einen dreisten, aber für genreerfahrene Zuschauer recht unterhaltsamen Best-Of-Mix des Italo-Thrillers der vorangegangenen Jahre handelt.
So nimmt Pastore den blinden Helden aus Dario Argentos gerade in den Kinos gelaufenen Il gato a nove code (I/F/BRD 1971 dt.: Die neunschwänzige Katze) und wirft diesen ins Milieu der Mode und Mannequins, wie man es schon in Bavas stilbildenden Sei donne per l'assassino (I/F/MCO 1964 dt.: Blutige Seide) begutachten durfte. Hinzu kommen Morde durch ein seltsames Gift - s.h. den ebenfalls ein Jahr zuvor erschienenen La tarantola dal ventre nero (I/F 1971 R.: Paolo Cavara dt.: Der schwarze Leib der Tarantel), einen mit unheimlicher, flüsternder Stimme drohenden Killer der an Argentos meisterhaftes Debüt L'uccello dalle piume di cristallo (I 1970 dt.: Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe) erinnert und eine Meuchelei unter der Dusche, welche gar Hitchcocks legendärem Urvater des Slashers und des Giallo, Psycho (USA 1960), bluttriefend Hommage erweist.
Diese äußerst explizite Szene bildet den gorigen Höhepunkt des Streifens, welcher sich insgesamt sehr langsam in seiner Gewaltdarstellung steigert, um sich in den letzten zehn Minuten praktisch blutig in Richtung der Zuschauer zu erbrechen.
Diese Explosion der Härte trifft einen noch unvermittelter, setzt man zuvor inhaltlich eher auf eine amüsante Mörderhatz durch die Straßen Kopenhagens und auf ein ganzes Ensemble aus exzentrischen Individuen. Da ist der blinde Hobbyschnüffler mit treuem Diener, der windige Geschäftsmann (Giacomo Rossi-Stuart - der schon 1966 in Bavas Operazione Paura dabei war und zahlreiche Genrebeiträge mit seiner Anwesenheit beglückte), dessen Gattin (Sylva Koscina - war im selben Jahr noch in Di Leos La mala ordina und eins später in Bavas Lisa e il diavolo zu begutachten) und besagte, rothaarige Dame mit dem tödlichen Katzenkorb.
Dass man die Handlung im kühlen Dänemark angesiedelt hat, gibt dem Film in meinen Augen noch zusätzlichen Reiz, kann man doch den üblichen Schauplätzen in bella Italia oder dem Nebel von London (oder Italien, dass sich dreist als Groß-Britannien ausgibt) irgendwann mal überdrüssig werden.
Insgesamt reicht Pastores Destillat allerdings nicht an die absoluten Klassiker des Genres heran, doch gilt auch hier, dass gut geklaut manchmal besser als schlecht selbst erfunden ist.
Meines Erachtens nach wird es also Zeit, dass dieser Film ein ordentliches Release an den heimischen Gestaden erfährt - dies geht jetzt an Euch: Camera Obscura und FilmArt!


Fazit: Ein eher unterschätzter Giallo aus dessen früher Hochzeit oder vielmehr ein bunt zusammengeklautes Pasticcio aus allen lieb gewonnenen Klischees des Genres.


Punktewertung: 7,75 von 10 Punkten

Donnerstag, 28. Mai 2015

Ein ängstliches Rascheln im Unterholz

Welp (Camp Evil)
B 2014
R.: Jonas Govaerts


Worum geht's?: Eine Gruppe junger, belgischer Pfadfinder begibt sich in ein Waldgebiet, um dort ein Feriencamp zu errichten. Angeleitet werden die Jungs von zwei Gruppenführern (Stef Aerts und Titus De Voodgt), die um die Gunst der jungen Köchin Jasmijn (Evelien Bosmans) wetteifern.
"Unterhalten" werden sollen die Knaben von einer frei erfundenen Legende über einen im Buschwerk lauernden Werwolfjungen, was dem stets etwas eigenbrötlerisch wirkenden Sam (Maurice Luijten) zusätzlich den Anstrich eines wirren Außenseiters gibt, als dieser behauptet, eben jenem Wesen im Gehölz begegnet zu sein und dessen Unterschlupf in einer Baumkrone gefunden zu haben.
Von den anderen Wölflingen (so nennt man Pfadfinder im Alter von 6 - 11 Jahren) verspottet und von den Heranwachsenden misstrauisch beäugt, weiß Sam zunächst nur allein von dem animalisch wirkenden Knaben mit der seltsamen Gesichtsmaske, der jede Bewegung im Pfadfinderlager überwacht.
Dabei sind Sams Warnungen erste Indizien für eine beinah unsichtbare Gefahr im idyllischen Wald, die schon bald ein Opfer nach dem anderen fordert und auch vor Minderjährigen nicht haltmacht.


Wie fand ich's?: Finanziell unterstützt durch das mittlerweile schwer in Mode gekommene Phänomen Crowdfunding, beweist Jonas Govaerts, dass eine gute Idee schnell reihenweise Unterstützer finden kann und ein neuer Kopf frischen Wind in ein etwas ausgelutschtes Genre bringen kann.
Begnügte sich die Gattung des Slasher-Films in den den letzten Jahren (wenn nicht gar Jahrzehnten) größtenteils damit, erfolgreiche Serien totzutreten, zu rebooten oder zu remaken, so bestätigten nur wenige kreative Ausnahmen die Regel und erschufen wiederum in Folge neue, mithin langlebige Franchises.
Ob auch Govaerts sehenswertes Regiedebüt diesen Weg einschlagen wird, bleibt abzuwarten, das Potenzial für weitere Trips in den dunklen Wald ist in jedem Fall gegeben, mit der Gefahr natürlich, dass die unheimlichen Bedrohungen des belgischen Forst mehr und mehr durchleuchtet und damit leider wohl auch gänzlich entmystifiziert würden.
Inhaltlich lässt sich der Film allein durch sein Setting in der Nähe des (meist in den Vereinigten Staaten lokalisiertem) Backwood Slasher Genres verorten, manche sehen Bezüge zum Friday the 13th Franchise, woran wohl auch der (wieder einmal äußerst dümmliche) deutsche Titel gemahnen möchte.
Vollkommen neu ist das was Welp dem Zuschauer bietet wahrlich nicht, selbst das zentrale Element des minderjährigen Jungen im Griff grausamer Bestien findet man ebenfalls in Filmen wie Bereavement (USA 2010 R.: Stevan Mena) wieder.
Was Govaerts Film jedoch von ähnlichen Genrebeiträgen deutlich abhebt, ist das hohe Gefühl für Atmosphäre, das Schaffen eindrucksvoller Bilder und die faszinierende, neue Figur des tierhaften Jungen mit der unheimlichen Baumrindenmaske. Die sich kontinuierlich anziehende Spannungsschraube steigert den eher langsam beginnenden Film außerdem immerweiter zu einem deutlichen Sympathisanten mit dem klassischen Terrorkino, wie es Tobe Hooper und Wes Craven in ihren Anfangszeiten geschaffen haben. Ein hinzukommender, zunächst seltener, dafür umso effektiverer, Einsatz von Splattereffekten steht dem Film ebenso gut zu Gesicht, wie seine Darsteller, die ihre Sache ebenfalls überaus gut machen und sich fast alle, ebenso wie der Regisseur, noch am Anfang ihrer Karriere befinden.
Es bleibt abzuwarten, ob Govaerts mit seinem nächsten Projekt seinen bemerkenswerten Einstand noch übertreffen kann, oder er schon sein ganzes Pulver in Welp verschossen hat. Ich bleibe Optimist und hoffe auf Ersteres.


Fazit: Ein eindrucksvolles Langfilmdebüt, das Großartiges für die Zukunft verspricht und zugleich einer der besten Slasher der letzten Jahre.


Punktewertung: 7,5 von 10 Punkten

Montag, 18. März 2013

Was zum Teufel...

Blood Puzzle (Skullduggery)
USA 1983
R.: Ota Richter


Worum geht's?: Unvorteilhafterweise sind Adams (Thom Haverstock) royale Vorfahren im Jahre 1283 in ihrer britischen Feste im schönen Canterbury von einem mächtigen Hexer (David Calderisi) über alle Generationen verflucht worden.
So muss Adam nun 600 Jahre später, verhext einem Job in einem Kostümverleih in Toronto, Kanada nachgehen und des Abends mit seiner Kollegin Barbara (Wendy Crewson), die einen bösen, juckenden Ausschlag am Bein hat, und anderen Nerds an einem Rollenspiel im Hinterzimmer des Ladens teilnehmen.
In letzter Zeit fühlt Adam jedoch seinen Realitätssinn schwinden und tötet bei einer Unifete mit Talentabend sein erstes Opfer.
Schnell fordert der Adam auferlegte Fluch weitere Tote, dieser sucht derweil Hilfe bei einer Wahrsagerin und landet schließlich auf dem frivolen Maskenball des unheimlichen Dr. Evel (nein, kein Schreibfehler...), wo sich nun niemand mehr sicher fühlen kann.
Die Polizei steht währenddessen vor einem Rätsel, denn jedes von Adams Opfern scheint an Herzversagen gestorben zu sein...

Wie fand ich's?: So...
Was soll ich sagen? 
Skullduggery ist wohl einer der bizarrste Slasher, die je das Licht des Filmprojektors gesehen haben.
Das Drehbuch (sollte eines bei der Produktion dieses Werkes tatsächlich vorhanden gewesen sein) scheint unter immensem Drogeneinfluss geschrieben worden zu sein. Fröhlich mischt man hier Okkultismus, Fantasy, Rollenspiel a la Dungeons & Dragons, homoerotische Symbole und allerlei bizarre Episoden (ein Arzt im Gorillakostüm (!) macht sich Zigarre rauchend (!) über eine Krankenschwester her; auf dem Rücken eines Hausmeisters findet über die gesamte Laufzeit ein Tic Tac Toe Spiel statt; in einer Kirche spielt Liberace des Nachts auf einem Spinett Orgel etc.) mit den Elementen des 80er Jahre Slashers, s. h.: junger Mann tötet fröhlich junge Damen.
Wer auch immer auf die Idee gekommen sein muss, einen solchen Film kommerziell erfolgreich veröffentlichen zu können, muss ebenso verwirrt gewesen sein, wie der Protagonist des Streifens. So soll Skullduggery nach seiner Fertigstellung Ende der 70er Jahre noch einige Jahre auf dem Regal der Produzenten gelegen haben, bevor man sich doch noch entschloss, das Ungetüm auf die Menschheit loszulassen.
Zeitweise glaubt man, den bunten Fiebertraum eines betrunkenen John Waters zu erleben, der gerade vor dem Fernseher eingeschlafen ist, auf dem immer noch David Lynchs Mullholland Drive (USA/F 2001) läuft. Waters hatte zuvor an einem Rollenspielabend teilgenommen, fühlte sich aber gar nicht gut und hätte die Anwesenden am liebsten gleich umgebracht...
Tatsächlich stammt die Story von einem gewissen Peter Wittman, der selbst bei zwei obskuren Genrefilmen anfang der 80er Regie führte und in hier auch noch besagten Hausmeister mit Spielfläche auf dem Kittelrücken gab.
Wie Wittman verschwand auch Regisseur Ota Richter bereits einige wenige Jahre nach Veröffentlichung von Skullduggery wieder von der Bildfläche. Die IMDb listet für Richter mit Oklahoma Smugglers (USA 1987) noch eine weitere Regiearbeit, welche allerdings zum Zeitpunkt des Verfassens dieser Zeilen noch keine fünf Bewertungen erhalten hatte, danach verlieren sich die Spuren beider.
Was von beiden bleibt, ist dieser kuriose Film, der irgendwo zwischen (unfreiwilliger) Komödie und (relativ unblutigem) Slasher pendelt, trotzdem besonders für Jäger verlorenen Trashs eine lohnenswerte Entdeckung! 

Fazit: Wer glaubt, ein Slasher könnte ihm nichts Neues mehr bieten - versuchen Sie's mal hier mit! Dieser Film ist praktisch ein einziger 95-minütiger What-the-fuck-Moment!

Punktewertung: 6,25 von 10 Punkten (wer jedoch einen nachvollziehbaren, klassischen Slasher erwartet, darf ca. 3 bis 5 Punkte abziehen...)

Montag, 3. September 2012

Der Sinn hinterm Wahn

Curtains - Wahn ohne Ende (Curtains)
CND 1983
R.: Richard Ciupka/Peter Simpson

 
Worum geht's?: Um sich für ihre nächste Rolle vorzubereiten, begibt sich die gestandene Diva Samantha Sherwood (Samantha Eggar) freiwillig in eine geschlossene Anstalt.
Eingeliefert wird sie dort vom Regisseur des Projekts, Jonathan Stryker (John Vernon), dessen Plan allerdings von Anfang an vorsieht, die gute Sam endgültig loszuwerden und die Titelrolle in "Audra" mit einer jüngeren, unbekannteren Schauspielerin zu besetzen.
Doch dem alten Bühnenhasen gelingt die Flucht aus der Klapsmühle, und als Stryker tatsächlich in einer abgelegenen Villa ein großes Vorsprechen abhält taucht auch seine alte Muse mit unverhohlener Wut auf.
Unter den vorsprechenden Aktricen befinden sich auch die erfahrene, ältere Brooke (Linda Thorson), sowie die nervöse Stand-up-Comedian Patti O'Connor (Lynne Griffin).
Unwissend, dass bereits zwei Kolleginnen bereits zuvor einem Killer mit Hexenmaske zum Opfer gefallen sind, beginnen die Frauen sich dem Auswahlverwahren und Strykers entnervende Psychospielchen zu stellen.
Nachdem die Jüngste der Schar (Lesleh Donaldson) beim Eislaufen vom Hexen-Killer mit einer Sense enthauptet wurde und auch der sexy Hausboy Matthew (Michael Wincott) nirgendswo mehr zu finden ist, leert sich langsam das Herrenhaus und der Vorhang hebt sich für einen blutigen letzten Akt.
Es werden auftreten: zwei Damen mit definitiven Tötungsabsichten, ein klassisches Final-Girl auf der Flucht durch den Requisitenfundus und ein Kopf in Linda Thorsons Toilettenschüssel!
Was will man mehr?


Wie fand ich's?: Wenn eine Filmproduktion so viele Probleme wie in diesem Fall in sich vereint, kann das Ergebnis in der Regel meist wenig begeistern.
Nachdem Regisseur Richard Ciupka 1980 seine Version des Films fertiggestellt hatte, und dies obwohl er bereits die ursprünglich für die Rolle der Brooke vorgesehene Céline Lomez durch Linda Thorson ersetzen musste, welche man heute vielleicht noch als Emma Peels wenig glückliche Nachfolgerin Tara King im Hinterkopf hat. Lomez erzählte mehrfach, dass sie das Handtuch wegen einer geforderten Nacktszene geworfen hätte - eine Aussage, die der Produzent des Films Peter Simpson vehement verneint und Lomez' Ausscheiden ihrem mangelnden Talent zuschreibt.
Doch dann schmiss der Belgier Ciupka selbst hin, da er mit der geforderten Ausrichtung des Films nicht zufrieden war.
Ciupka schwebte ein künstlerisch wertvoller Psychothriller für ein erwachsenes Publikum vor; sein Produzent Simpson bestand jedoch auf einen weit kommerzielleren Ansatz und wünschte sich einen eher klassische Slasher, welcher auch eine junge Zuschauerklientel in die Lichtspielhäuser locken sollte.
Nach Ciupkas vorzeitigem Abgang stand Simpson als Produzent nun mit einem etwa zu 50 Prozent fertiggestellten Film da, und es blieb ihm nichts weiter übrig, als selbst Szenen nachzudrehen, um das Produkt einerseits endlich fertigzustellen, andererseits dem Streifen das von ihm favorisierte Slasherfeeling doch noch aufzudrücken.
Nachträglich muss man den Erfolg und kleinen Kultstatus des Films, den er bei Fans des Genres durchaus besitzt, der erstklassigen Arbeit des im Schneideraum tätig gewesenen Michael MacLaverty zurechnen, der aus einem regelrechten Chaos ein unterhaltsames Ganzes zusammenschnitt und dem Film nach fast drei Jahren  doch noch ein Release im Jahre 1983 bescherte.
So kann man den Film trotz seiner Mängel, insbesondere was die zum Teil etwas wirsch erzählte Story und deren konfuse Logik betrifft, doch noch sehr gut ansehen; ja, der Film gewinnt gerade durch seinen sehr erwachsenen Ton besonders im Reich des Slashers ein Alleinstellungsmerkmal, das nicht von der Hand zuweisen ist.
Wer also die ständig kichernden Teenies in den sonstigen Produktionen der 80er satthat und nicht rein auf Blood 'n Gore aus ist, sollte hier durchaus einen Blick riskieren!


Fazit: Ein übersehenes Slasherhighlight, das endlich eine vernünftige DVD-Veröffentlichung (auch im Ausland) verdient!

Punktewertung: 7,75 von 10 Punkten

Montag, 23. Juli 2012

Der Tod kommt auf geölten Ketten

Shopping (Chopping Mall)
USA 1986
R.: Jim Wynorski




 
Worum geht's?: Im Einkaufszentrum Park Plaza versehen neuerdings Roboter mit Kettenantrieb die Aufgaben des Sicherheitsdienstes.
Diese Protector genannten Blechkameraden, besitzen nicht nur dünne Greifärmchen und Elektroschockpfeile, sie besitzen sogar tödliche Laser um potenzielle Unruhestifter fernzuhalten. Außerdem sollen sie aber durch einen eingebauten Scanner auch Mitarbeiter problemlos erkennen können, um diese dann in Frieden ihrer Tätigkeit nachgehen zu lassen.
Ausgerechnet natürlich an jenem Abend, an dem acht Teenager kurz nach Ladenschluss im Möbelgeschäft Furniture King eine launige Party mit Wein, Weib und Gesang schmeißen, bringt ein Gewitter die Schaltkreise der Droiden gehörig durcheinander und lässt diese Amok laufen.
Ihre ersten beiden Opfer sind ausgerechnet die Techniker, welche zu ihrer Überwachung und Wartung abgestellt sind; als nächstes muß ein Choleriker vom Reinigungsdienst (Dick Miller) dran glauben, der sich einem Protector dummerweise nur mit einem nassen Wischmob bewaffnet in den Weg stellt.
Bald geraten natürlich auch die Teens ins Blickfeld der Sensoren und zu ihrem Schrecken haben sich bereits die Türen des Malls elektrisch verschlossen.
Es entbrennt eine mörderische Hetzjagd durch alle Etagen, bei der man wortwörtlich schon mal den Kopf verliert (Susee Slaters Rübe wird von einem Laser vom Hals gesprengt) und man sich erstmal in einem Waffengeschäft (spätestens seit Dawn Of The Dead in jedem guten Einkaufszentrum zu finden) mit Schrotflinten und Sturmgewehren eindeckt.
Modernste Technik trifft somit auf menschlichen Überlebenswillen und Kreativität - wer wird am Ende wohl triumphieren?


Wie fand ich's?: Bei Chopping Mall handelt es sich um eine weitere Roger Corman-Produktion, welche zuerst unter dem Titel Killbots in die Kinos kam.
Als der Erfolg an den Kinokassen jedoch ausblieb, entschloss man sich, den Film um ca. 20 Minuten zu kürzen und ihn unter dem heutigen Titel wieder zu veröffentlichen.
Der Film eröffnet mit dem Ende eines anderen Films, nämlich eines Werbefilms für die Protector-Droiden, was ein netter Einfall ist und zeigt den Regisseur Paul Bartel und die Schauspielerin Mary Woronov als genervte Zuschauer bei einer Promoveranstaltung zur Einführung der neuen Sicherheitsroboter. Sowohl Bartel wie Woronov haben ihre Karrieren (wie so viele heutige Hollywood-Größen) bei Corman begonnen und wiederholen hier ihre Rollen aus Bartels Kultfilm Eating Raoul (USA 1982), welcher seinerzeit tatsächlich mal nicht von Corman produziert wurde.
Chopping Mall ist der zweite Film von Jim Wynorski, der es bis heute auf 90 Regiearbeiten in 24 Jahren bringt und sich nicht gerade den Ruf eines Künstlers erarbeit hat. Wynorski ist vielmehr berüchtigt für seine schnell heruntergekurbelten Low- bis No-Budget Streifen, welche mitunter so amüsante Titel wie The Devil Wears Nada (USA 2009) oder The Hills Have Thighs (USA 2010) tragen. Diese oft Direct-to-Video oder für's Fernsehen produzierten Erotik-Klamotten sind Parodien erfolgreicher Blockbuster und zeigen Frauen mit großen Oberweiten in Haupt- und Nebenrollen, welche durch billige Sets hetzen - was eigentlich per se nichts Schlechtes bedeuten muss, wenn der Regisseur Russ Meyer heißt...
Was Chopping Mall betrifft, so werden auch hier einige nackte Tatsachen gezeigt, allerdings muss man, im Gegensatz zu Wynorskis späterem Output, den Machern hier insgesamt noch Liebe zum Detail und ein gewisses Verständnis für die Regeln des anvisierten Subgenres bescheinigen.
So verbinden die Macher hier einigermaßen stimmig Sci-Fi mit dem Aufbau eines klassischen Slashers - bis hin zum obligatorischen Showdown mit dem Final-Girl.
Die Roboter erinnern an die kettengetriebenen Droiden Gog und Mangog aus dem amerikanischen Sci-Fi-Klassiker Gog (USA 1954 R.: Herbert L. Strock), einen ebenso großen Einfluss mag aber auch der im selben Jahr in die Kinos gekommene Kassenschlager Short Circuit (USA 1986 R.: John Badham dt.: Nummer 5 lebt!) auf das Design der Protectoren gehabt haben.
Am Ende bleibt ein angenehm unterhaltsamer Streifen mit einigen netten Effekten, aber einer stets vorhersehbaren Story. Dass das Waffengeschäft den Namen Peckinpah's trägt, sollte mir eigentlich 'nen Bonuspunkt wert sein... Ist es dann aber doch nicht...


Fazit: Stimmungsvoller 80er Jahre Sci-Fi-Slasher - ohne Botschaft aber mit Scanner-Gedächtnis-Kopfsprennung!

Punktewertung: 6,5 von 10 Punkten

Freitag, 20. Juli 2012

April April!

Die Todesparty (Slaughter High)
GB/USA 1986
R.: George Dugdale/Mark Ezra/Peter Mackenzie Litten

Worum geht's?: Marty (Simon Scuddamore) ist das, was man heute gemeinhin einen Nerd nennt. Unbeliebt bei seinen Mitschülern und mit der Notwendigkeit einer dicken Hornbrille geschlagen zieht er ständig die Aggressionen seiner Schulkollegen auf sich.
So auch am Morgen des ersten April, an dem Marty nicht nur Geburtstag hat, sondern an dem man (nicht nur) in den USA den April Fool's Day feiert.
Es hätte ihm deshalb doch eigentlich dämmern müssen, dass die scharfe Carol (Caroline Munro) nicht tatsächlich eine schnelle Nummer mit ihm in der Mädchenumkleide schieben will, sondern das er auserkoren ist, wieder mal das Opfer eines Streiches zu werden.
So kommt, was kommen musste: Marty endet zunächst gedemütigt von einer Gruppe seiner Mitschüler splitternackt mit dem Kopf im Klo.
Doch der April Fool's Day ist traditionell erst um 12.00 Uhr zu Ende und so landet später auch noch ein Pülverchen in Martys Chemieexperiment, welches dazu führt, dass der Chemieraum von einer Gasexplosion in Flammen gesetzt wird und Schwefelsäure das halbe Gesicht des Geeks für alle Zeiten entstellt.
Zehn Jahre später erhalten Martys Peiniger unvermutet Einladungen zu einem Klassentreffen in ihrer alten Penne.
Begeistert machen sich nicht nur Carol und der frühere Klassenclown Skip (Carmine Iannaccone) auf, ihre früheren Kameraden wiederzutreffen.
Wer allerdings auch im mittlerweile abbruchreifen Gebäude lauert, ist jedem Kenner des Slasherfilms vermutlich sonnenklar...
Und auch Marty ist mittlerweile sehr einfallsreich dabei, tödliche Streiche zu entsinnen!

Wie fand ich's?: Drei Regisseure sind meistens das Todesurteil für einen Film, man denke nur an das von fünf Regisseuren in den Sand gesetzte Projekt Casino Royale (GB 1967 R.: Val Guest/Ken Hughes/John Huston u. a.)
Komischerweise jedoch kann man Slaughter High seine vielen Köche zu keiner Zeit anmerken.
Sicher, Caroline Munro war zu der Zeit der Dreharbeiten eigentlich deutlich zu alt, um eine Schülerin zu spielen und lediglich ihre Läsion mit Regisseur George Dugdale hat ihr am Ende den Job besorgt.
Doch spielen gerade bei einem Film, der sich sowieso zu keiner Sekunde ernst nimmt, solche Ungereimtheiten kaum eine Rolle.
Schon allein das absolut klischeehafte Aüßere des Vollnerds Marty, samt Hornbrille mit Glasbausteinen, kariertem Hemd und schlaksigen Bewegungen, die doch sehr an Goofy erinnern, lässt den Zuschauer recht schnell wissen, dass hier nur auf eins abgezielt wird: Spaß zu haben.
Zunächst spielt man noch sehr schön mit der Erwartungshaltung des Zuschauers, der sich minutenlang fragt, wann denn Marty nun auf der Strecke bleibt und sich in den unbarmherzigen Rächer mit der Jokermaske verwandelt.
Das der ausgedehnte erste Streich, den der Schultrottel gar relativ unbeschadet übersteht, eigentlich nur zur Exposition dient und den Ton des Films etablieren soll, ist ein schönes Detail in einem Slasher, der preisgünstig in Großbritannien gedreht wurde, aber ständig vorgeben muss in den Staaten zu spielen.
So sind die amerikanischen Akzente der Schauspieler (in der Originalfassung) teilweise arg aufgesetzt und die Dialoge im Allgemeinen selbst für Slasherverhätnisse arg simpel gehalten, doch am Ende erfüllt alles seinen Zweck.
Auch der Goregehalt ist beachtlich und für das geringe Budget gut umgesetzt. Die Kills sind einigermaßen kreativ ausgefallen und der Bodycount ist ebenfalls mit 13 Zählern ziemlich hoch.
Produziert wurde Slaughter High von Produzentenlegende Dick Randall, der auch schon für Juan Piquer Simóns kultigen Slasher Pieces (E/PR 1982) verantwortlich zeichnete.

Fazit: Leider gern übersehener Spät-Slasher, der sich nicht ganz ernst nimmt, aber ernst zu nehmend unterhält.

Punktewertung: 7,5 von 10 Punkten

Samstag, 23. Juni 2012

Segeltörn in den Schlaf

Blood Moon (Moon In Scorpio)
USA 1987
R.: Gary Graver

 
Worum geht's?: Ein Wahnsinniger sticht bei seiner Flucht aus der Anstalt zwei Personen nieder.
Zwei Wochen später: Linda (Britt Eckland) und Allan (John Phillip Law) verbringen ihre Flitterwochen auf einem Segelboot; sehr zu Lindas Unbehagen befinden sich während des geplanten Trips nach Acapulco auch zwei Ex-Vietnamkameraden (William Smith und Lewis Van Bergen) und deren Freundinnen (Jillian Kesner sowie April Wayne) an Bord.
Der unter einem schweren Kriegstrauma leidende Allan dreht schon auf der Hinfahrt ziemlich am Rad, die Freundinnen der Kameraden entpuppen sich als Nervtöter und eine von ihnen plappert ständig vom "Mond im Haus des Skorpions", was wohl keine gute Zeit für eine nette, ruhige Segelpartie bedeutet.
Als plötzlich ein Passagier nach dem anderen das Zeitliche segnet, wird auch dem Dümmsten klar, dass man die Flitterwochen besser in Disneyland hätte verbringen sollen...


Wie fand ich's?: Also die Cover der VHS-Veröffentlichungen sind hübsch - Geisterschiff mit Skorpionschatten, toll gemacht.
Doch kommen wir direkt zum Punkt: dies ist einer der schlechtesten Slasher, die je das Licht der Projektoren erblickt haben.
Regisseur Graver hat mit Orson Welles gedreht. Wer hat das andererseits nicht? Selbst Jess Franco kann das mit Fug und Recht behaupten.
Doch neben Kunst mit Welles holte Graver die Kamera auch mehrfach für Fred Olen Ray (der bei Moon In Scorpio als Co-Producer fungierte) raus und führte, oft unter dem Pseudonym Robert McCallum, bei mehr als hundert Pornofilmen Regie.
Wie man preisgünstig einen No-Budget-Movie stemmt, muss Graver also aus dem Eff-Eff beherrscht haben, doch wenn man sich Moon In Scorpio so anschaut, kann man ihm sämtliche anderen Fähigkeiten direkt absprechen.
Die dämliche 08/15-Story wird durch ständige Vor- und Rückblenden so unnötig kompliziert erzählt, dass man fast Kopfschmerzen bekommt. Eckland und Law spielen ihre Rollen auf Autopilot geschaltet, mehr als gequält gucken müssen beide eh' nicht. Allgemein herrscht hier die Ästhetik von miesen 80er-Jahre US-Hardcore-Videoproduktionen vor, inklusive dem unvermeidbaren Mikrofon im Bild.
Praktisch die gesamte und mit einer lächerlichen, schlecht ausgestatteten Vietnamkrieg-Rückblende unterfütterte Nebenhandlung vom Kriegstrauma der drei Kameraden, stellt sich am Schluss als völlig unnötige Finte heraus; warum man zudem seine Flitterwochen mit Leuten (die man zum Teil auch nicht ausstehen kann und ständig psychisch mit erlebten Kriegsgräueln verbindet) auf einem kleinen Segelschiff verbringen will, hat sich mir nicht erschlossen.
Auch wird schon zu Beginn des Filmes Britt Eckland als Final-Girl präsentiert, so das auch bei der Frage, wer zuletzt das Schiff lebend verlassen konnte, keine Spannung entstehen kann.
Auf der offiziellen Webseite (http://www.garygraver.com/) des 2006 verstorbenen Gary Graver, wird seine Karriere im Porn-Biz komplett verschwiegen, dafür spricht man bei Moon In Scorpio von einem Thriller mit übernatürlichen Motiven (auch ein Vampir wird erwähnt...) und davon, dass der Film vor seiner Direct-to-video-Auswertung mehrfach umgeschnitten wurde.
Inwieweit umschneidefreudige Produzenten am Wrack des Films schuldig sind, kann man heute nur mehr vermuten, ich mutmaße aber, dass dieser Film nie einen beissfreudigen Vampir enthielt und sich das Übernatürliche, auf den auf der Webseite ebenfalls beschriebenen, kommerziellen Erfolg dieser Stümperei bezieht.


Fazit: Es gibt schlechte Filme und es gibt schlechte Filme - dieser ist einfach nur grottenschlecht!

Punktewertung: 1,75 von 10 Punkten

Dienstag, 12. Juni 2012

Kopfjäger in Boston

Terror Eyes - Der Frauenköpfer (Night School)
USA 1981
R.: Ken Hughes


Worum geht's?: Im Umfeld des an einer Abendschule unterrichtenden Anthropologie-Dozenten Vincent Millett (Drew Snyder) werden mehrere enthauptete Frauen aufgefunden.
Lt. Judd Austin (Leonard Mann) untersucht den Fall und stößt auf des Professors schöne Assistentin Eleanor (Rachel Ward), einen linkischen Spanner und eine lesbische Lehrerin.
Was ist das Motiv des Mörders in der schwarzen Motorradmontur? Warum landen alle Köpfe seiner Opfer Unterwasser? Und wie kann man ihn aufhalten?


Wie fand ich's?: Wenn sich jemand mit den mächtigen Köpfen der EON-Productions, Albert R. Broccoli und Harry Saltzman, anlegte, so konnte er sich danach eine weitere Mitarbeit in der Regel abschminken.
Nicht so Ken Hughes, der als einer von fünf Regisseuren, die extrem unausgegorene James-Bond-Parodie Casino Royale (GB 1967) mitverbrochen hatte. War Broccoli zunächst "not amused", so nahm er doch bereits ein Jahr später den von dem Projekt wenig begeisterten Hughes für die Ian-Fleming-Adaption Chitty Chitty Bang Bang (GB 1968) selbst unter Vertrag. Ob es dabei hauptsächlich an Hughes Talent oder Preis lag, kann heute dabei nur spekuliert werden.
Fakt ist, dass der Film zu einem immensen kommerziellen Erfolg wurde und Hughes sich nun vermutlich nur noch Wunschprojekten widmen musste. Nach einer Verfilmung des Leben Oliver Cromwells unter dem schlichten Titel Cromwell (GB 1970 dt.: Cromwell - Der Unerbittliche) und einigen weiteren Filmen in verschiedenen Genres (daneben unzählige Drehbücher für's britische TV), sollte Hughes letzter Kinofilm jedoch ausgerechnet der Slasher Night School werden.
1981 war die Slasher-Welle praktisch auf ihrem (kommerziellen) Zenit angelangt und Sequels wie Halloween II (USA 1981) und Friday The 13.th II (USA 1981) wurden an den Kinokassen trotz relativ bescheidener Budgets extrem erfolgreich.
Wenn man sich Night School anschaut, kann man ebenfalls kaum von einem erkennbaren Budget sprechen und das in praktisch allen  Bereichen.
Die Darsteller sind, na ja, so eben noch als Darsteller zu bezeichnen, die Locations in Boston nicht der Rede wert und das Drehbuch lässt entweder, den Versuch einer offensichtlichen frühen Parodie des Genres (man vergleiche den ebenfalls 1981 erschienen Klopper Pieces (E/USA 1981 Originaltitel: Mil gritos tiene la noche) von Juan Piquer Simon) oder das Unvermögen bzw. völlige Desinteresse der Beteiligten, erkennen.
Trotzdem (oder gerade deshalb) macht der Film tatsächlich richtig Spaß.
Sieht man von dem für einen Slasher zu dieser Zeit sehr geringen Gore-Gehalt ab, erwartet den Zuschauer ein solider Genrebeitrag, der einige Klischees sicher bedient und den Mörder relativ offensichtlich erscheinen lässt, durch eine amüsante Pointe am Ende (die ich hier freilich nicht verraten möchte) aber doch noch eine interessante Wendung erfährt.


Fazit: Ein unterbewerteter, kleiner Film, der zu Unrecht in Vergessenheit geraten ist.

Punktewertung: 6,25 von 10 Punkten

Mittwoch, 9. Mai 2012

Lost in France

Tödliche Ferien (And Soon The Darkness)
GB 1970
R.: Robert Fuest

Worum geht's?: Die britischen Freundinnen Jane (Pamela Franklin) und Cathy (Michele Dotrice) befinden sich auf einer Fahrradtour durch die beschauliche französische Provinz. In einem Café am Rande der Strasse fällt der blonden Cathy der stattliche, junge Paul (Sandor Elès) an einem der Nebentische auf.
Als Jane nach einem Streit mit Cathy, ihre Freundin wenig später nicht wieder antrifft - Cathy war gegen Janes Intentionen, mit der Absicht auf den Motorroller fahrenden Paul zu treffen, am Straßenrand zurückgeblieben - beginnt für sie ein regelrechter Alptraum.
Allein, in einem fremden Land und ohne reale Sprachkenntnisse muss Jane sich auf die verzweifelte Suche nach ihrer Begleiterin begeben.
Als sie durch eine Zufallsbekanntschaft mit einer Landsmännin (Clare Kelly) von einem Mord, der sich vor wenigen Jahren an einer blonden Frau in der selben Region ereignete, hört, scheinen sich ihre schlimmsten Befürchtungen zu bewahrheiten.
Wem kann die junge Frau in der Fremde noch trauen?

Wie fand ich's?: Wenn ein Film von seinem Verleih mit der Tagline "Remember the way Hitchcock kept you on the edge of your seat..." beworben wird, handelt es sich entweder um absolutes Vertrauen ins fertige Produkt, oder bloße Anmassung.
Wenn die Drehbuchautor jedoch Brian Clemens und Terry Nation heißen, welche beide für die immens erfolgreiche Kult-TV-Serie Mit Schirm, Charme und Melone (The Avengers GB 1961 - 1969) verantwortlich zeichnen und dort auch der Regisseur seine Erfahrungen sammeln konnte; ja, dann kann man davon ausgehen, dass es sich nicht vollkommen um eine hohle Phrase handelt.
Als Fan der obengenannten Serie (und ihrer Spin-Offs), war ich gespannt auf diesen kleinen Thriller; zumal ich mir dann noch erneut ins Gedächtnis rufen sollte, dass Clemens vier Jahre später auch Drehbuch und Regie zu dem von mir extrem geschätztem Vampir-Freibeuter-Gothic-Horror-Abenteuer Captain Kronos - Vampire Hunter (GB 1974) beigesteuert hatte.
Und siehe da: ich sollte nicht enttäuscht werden.
And Soon The Darkness ist ein wunderbar unprätentiöser, simpler Psychothriller, welcher gerade durch seine einfache und stets nachvollziehbare Geschichte überzeugt. Die Story darf man getrost in die Kategorie Proto-Slasher einordnen, wobei bemerkt werden sollte, dass es der Bodycount nur knapp über die Null schafft und es auch nur in einer Szene ein wenig Blut zu begutachten gibt.
Gerade in diesen von Torture-Porn-Movies übersättigten Zeiten tut es gut einen Film zu sehen, der seinen Thrill mehr aus glaubhaften Darstellern zieht, als aus der übertriebenen Darstellung von Grausamkeiten.
Den Twist mag der genreerfahrene Zuschauer schon von Weitem sehen kommen, aber dies ist durchaus zu verschmerzen.

Fazit: Ein für lange Zeit vergessenes Brit-Juwel - bis die Remakewelle uns wie ein Tsunami überschwemmte...

Punktewertung: 8 von 10 Punkte