Egal ob Exploitation, Gialli, Horror oder Sci-Fi...
Von Grindhouse bis Arthouse...
Besprechungen übersehener, unterbewerteter oder obskurer Werke der Filmgeschichte!

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Sonntag, 8. März 2020

Someone to hear your prayers - Someone who cares

De komst van Joachim Stiller (eng.: The Arrival of Joachim Stiller)
B/NL 1976
R.: Harry Kümel


Worum geht's?: Antwerpen. Der Journalist Freek Groenevelt (Hugo Metsers) wird Zeuge einiger sonderbarer Vorkommnisse: seltsam gepflegte Straßenarbeiter reißen ohne erkennbaren Grund das Pflaster vor einem Café auf und schließen es direkt darauf einfach wieder, in der Straßenbahn betätigt eine scheinbar unsichtbare Person mehrfach hintereinander das Ausstiegssignal, ohne dass jemand die Bahn verlässt.
Als Groenevelt seine Beobachtungen in einem Zeitungsartikel veröffentlicht, kontaktiert ihn der Leiter des Öffentlichen Dienstes, Schepen Keldermans (Gaston Vandermeulen), der ähnliche Erfahrungen gemacht haben will und Groenevelt weiter für die mysteriösen Vorkommnisse sensibilisiert.
Kurz darauf erhält der nun verunsicherte Journalist einen geheimnisvollen Brief eines gewissen Joachim Stiller, der von Omen und Vorzeichen spricht, und muss zu seiner zusätzlichen Beklemmung feststellen, dass der Brief nicht nur eine uralte Briefmarke, sondern auch einen Poststempel von 1919, trägt.
Alles wird noch absonderlicher als Freek bei einem Besuch in der Redaktion des Magazins "Die gebrochene Faust", welches zuvor einen Schmähartikel über seine Arbeit veröffentlicht hatte, von der sympathischen Kollegin Simone (Cox Habbema) erfährt, dass auch dort ein Brief eines Joachim Stiller eingegangen ist, der darin bittet, von weiteren Nachstellungen gegenüber Groenevelt abzusehen. So glaubt man dort, dass der wütende Freek höchstselbst eben jener Joachim Stiller sei, was dieser jedoch direkt abstreitet.
In den kommenden Tagen forschen Freek und Simone verstärkt nach Stiller, und stoßen dabei auf einen antiken Folianten aus dem 16. Jahrhundert, der von einem deutschen Theologen und Wanderprediger namens Joachim Stiller stammt, und in dem es um den Weltuntergang geht, welcher bereits in allzu naher Zukunft liegen soll.
Ist Joachim Stiller somit der Herold der Apokalypse? Und was hat es mit den ständigen Erinnerungsfetzen aus Freeks Kindheit im Zweiten Weltkrieg auf sich, die immer wieder in ihm aufsteigen?

***

Wie fand ich's?: Harry Kümel ist kein Neuling in diesem Blog. Bereits im April 2013 besprach ich an dieser Stelle seine surreale Mysteryfarce Malpertuis, in der ein junger Matthieu Carrière auf einen in die Jahre gekommenen Orson Welles trifft und eine buchstäbliche Götterdämmerung einleitet. Im selben Jahr legte Kümel zudem sein bekanntestes Werk vor: Les lèvres rouges (B/F/BRD 1971 dt.: Blut an den Lippen), einen schwülen, surrealen Vampirfilm voll erotischer Albträume.
Ein halbes Jahrzehnt später dann folgte The Arrival of Joachim Stiller, eine recht werkgetreue Adaption eines Romans des belgischen Autoren Hubert Lampo, dessen Werk in großen Teilen dem Magischen Realismus zugeordnet wird, einer Literaturgattung, welche sich grob mit "Geerdeter Fantasy im Hier und Jetzt" umschreiben ließe.
So dringt in Kümels Film die mysteriöse Figur des Joachim Stiller in die geordnete und geerdete Welt des Journalisten Freek ein, und öffnet diesem die Augen für eine ihm verborgene Agenda scheinbar höherer Kräfte. Tatsächlich bedienen sich Buch und Film bei einer ganzen Reihe von christlichen Motiven, was aber selbst mir als eingefleischtem Atheisten nicht negativ aufgestoßen ist, sondern dem Gesamtbild lediglich eine wunderbar entrückte Note verleiht und bei dem selbst der etwas späthippie'eske Prolog einem noch ein Lächeln abringt.
Damit bleibt Kümel seiner surrealen Linie treu, wirkt hier aber weit weniger zynisch als in Malpertuis und Les lèvres rouges, sondern viel versöhnlicher und hoffnungsvoller. Gleichzeitig gelingt ihm ein spannender Okkult-Thriller, der über seine nicht eben geringe Laufzeit stringent zu unterhalten versteht und nebenher noch Zeit findet, eine kleine, fiese Groteske über die Vermarktung von Kunst und Kunstschaffenden gleich noch im Vorbeigehen mit abzuliefern.
Ursprünglich fürs belgische TV als Dreiteiler konszipiert, dann zu einem zweistündigen Kinofilm zusammengefasst, kann man nun Kümels Werk als belgische DVD mit einem Zusammenschnitt der drei TV-Episoden auf eine Länge von 153 Minuten auch über hiesige Online-Versender erwerben - ich kann dem nur anraten und träume derweil von einer deutschen OmU-Blu-ray-Veröffentlichung.


***

Fazit: Ein leider hierzulande gänzlich übersehenes Juwel des europäischen Fantasyfilms. 

Punktewertung: 9,5 von 10 möglichen Punkten und damit ganz knapp an der Höchstnote!

Donnerstag, 17. Oktober 2019

Flamboyante Antihelden vor grauen Ecken und Kanten

Die letzte Rache
BRD 1982
R.: Rainer Kirberg


Worum geht's?: Der Weltkenner (Erwin Leder) streift ziellos durch die Wüste und trifft dort auf das Anwesen des Herrschers (Gerhard Kittler), der den überheblichen Reisenden sogleich mit einer delikaten Aufgabe betraut: er soll für den Machtmenschen einen neuen Erben finden, sind doch dessen Sohn (Paul Adler) und Tochter (Anke Gieseke) einander in inzestuöser Liebe zugetan und mussten diesen Frevel bereits mit dem Leben bezahlen.
Keinem Abenteuer abgeneigt, macht sich der Weltkenner auf den Weg in die große Stadt, doch muss er bald erkennen, dass sich nicht nur die Suche nach einem würdigen Thronerben diffizil gestaltet, sondern auch, dass er seinem Auftraggeber nicht trauen kann, besonders, wenn man diesen in einem Rededuell gegenübertritt, um selbst nach der Macht zu greifen.
Eingekerkert dürstet es schnell dem selbstverliebten Glücksritter nach Rache, und als er in seiner Zelle überraschend auf einen verrückten Wissenschaftler (Volker Niederfahrenhorst) trifft, sieht er ein weiteres Mal seine Stunde gekommen ...

***

Wie fand ich's?: Mit "Die letzte Rache" schuf Rainer Kirberg 1982 einen wunderbar seltsamen Film, der irgendwo zwischen Augsburger Puppenkiste und Guy Maddin, zwischen Absurdismus und Caligari hin und her pendelt.
Für das ZDF seinerzeit in der weitgefassten Reihe Das kleine Fernsehspiel konzipiert, entstand der Film unter der Mitarbeit der deutschen Electro-Pioniere Der Plan, welche mit ihrem oft experimentellen Werk ebenfalls zwischen NDW und Avantgarde pendeln, und die nicht nur für die famos schräge musikalische Untermalung verantwortlich zeichneten, sondern deren Mitglieder auch kleinere Rollen übernahmen oder Kulissen entwarfen. Als ein griechischer Chor untermalen sie die Szenen in Form von drei sonderbaren Gewächsen durch meist kryptische Gesangseinlagen und tragen so zum bizarren Ton des Streifens noch weiter bei.
Im Zentrum des Films steht aber Ausnahmedarsteller Erwin Leder (* 1951), dem deutschen Publikum durch seine Rolle als "Das Gespenst" Johann in Petersens Das Boot (BRD 1981), dem wagemutigen Genrefilmfreund als namenloser Serienmörder aus Gerald Kargls Angst (AUS 1983), bekannt, der durch sein gestelztes Spiel jede Szene an sich reißt. Leder spielt, als würde er, wie in einem Stummfilm, allein durch Mimik und Gestik die Emotionen seiner Figur greifbar machen müssen, was durch seine nicht weniger aberwitzige Verwendung der Stimme einen solch skurrilen Charakter schafft, wie man ihn im deutschen Film der letzten Jahrzehnte nur selten findet.
Passend dazu bietet Kirberg Script zahlreiche Verweise auf Klassiker des deutschen Stummfilms und bedient sich bei der, teilweise sogar liebevoll (mit der Kurbel) animierten, Optik direkt beim Deutschen Expressionismus. Hier dominieren die klaren Kanten und Ecken von Wienes Das Cabinet des Dr. Caligari (D 1920), während der Mad Scientist dort gleich an Rotwang aus Langs Metropolis (D 1927) gemahnt.
Da wird der Level der Abenteuerlichkeit nur noch mehr gesteigert, wenn NDW-Ikone Andreas Dorau mal kurz ein (tatsächlich der Handlung dienliches) Duett singt oder Josef Ostendorf als Kommissar zur Waffe greift - Kirbergs Die letzte Rache hält den Zuschauer schon allein aufgrund seiner unvorhersehbaren Einfälle bei der Stange. So ist es auch wenig schlimm, dass dem Narrativ gegen Ende etwas die Luft ausgeht - mit einer Laufzeit von 85 Minuten ist der Film schön kompakt geworden, bedenkt man, dass in heutigen Zeiten selbst triviale, am Fließband produzierte Comicverfilmungen meist gern die Zweistundenmarke locker überschreiten.
Die letzte Rache ist mal wieder ein Film für all jene, die glauben bereits alles gesehen zu haben, und sich freuen, dass es in Deutschland einmal möglich war mit Geldern des ZDFs so etwas zu produzieren.
Der Film ist übrigens in einer schönen Edition als DVD-Flipper (PAL auf der einen, NTSC auf der anderen Seite) beim Kleinstlabel Monitorpop erhältlich und kann direkt über deren Webseite zu einem räsonablen Preis bezogen werden.

***

Fazit: Ein Geheimtipp für Fans des Absurden im Allgemeinen, Freunde des Stummfilms im Besonderen und Fans schräger Kreativität überall auf dem Erdenrund.


Punktewertung: 8,5 von 10 Punkten

Mittwoch, 29. Mai 2019

Der mörderische Zauber der Eitelkeit

Il siero della vanità (eng.: The Vanity Serum)
I 2004
R.: Alex Infascelli


Worum geht`s?: Italien - hier und heute. Nach und nach kidnappt ein Unbekannter mehrere C-Prominente durch das Verabreichen eines Tiersedativums, und hält diese fortan in unterirdischer Einzelhaft.
Verzweifelt versucht die, nach einem eskalierten Einsatz traumatisierte und leicht gehbehinderte, nun wieder zurück in den Dienst gezogene, Polizeibeamtin Lucia (Margherita Buy), dem Täter auf die Spur zukommen.
Alle Hinweise führen in den Dunstkreis der arroganten und skrupellosen Talkshowmasterin Sonia Norton (Francesca Neri), deren Show als ein Sammelbecken für Möchtegernprominente fungiert, die versuchen das quotenstarke Trashformat als Sprungbrett für die eigene Karriere zu benutzen.
Schon bald wird klar, dass der Entführer nicht auf bloße Lösegeldforderungen aus ist, sondern einen bizarren Plan verfolgt, der auch vor Toten nicht halt macht!

***

Wie fand ich's?: Bereits mit seinem Langfilmdebüt Almost Blue (I 2000) hatte Regisseur Alex Infascelli gezeigt, dass das Subgenre des Giallo auch noch im Jahr 2000 nicht gänzlich tot ist. Bereits dort folgte man einer Polizistin auf ihrem Weg durch die Großstadt, in der sie nach einem wahnsinnigen Serienmörder sucht, der stets die Identität seines letzten Opfers annimmt.
Vier Jahre später sollte Infascelli, der sein Handwerk an den Sets mehrerer großer Musikvideoproduktionen in den USA gelernt hatte (u. a. für Nirvana, Prince und Michael Jackson), sich erneut am Neo-Giallo versuchen, und den hier besprochenen Thriller Il siero della vanità drehen, welcher neben einer schönen Spannungskurve auch mit einem medienkritischen Subtext aufwartet, der in Zeiten des heutigen, allgegenwärtigen Trash-TVs immer noch hochaktuell daherkommt.
Wie weit Menschen gehen, um an ihre von Andy Warhol seinerzeit versprochenen 15 Minuten des Ruhms zu kommen, wird hier grotesk auf die Spitze getrieben. Kam Almost Blue noch insgesamt recht düster und verstörend daher, so herrschen diese dunklen Töne zwar auch in Il siero della vanità vor, doch bricht sich hier zeitweise auch ein ätzender Humor seinen Weg und bereichert die Erzählung um weitere Nuancen.

***

Fazit: Ein alles in allem gelungener Neogiallo, der einem von vielen geliebten Subgenre neues Blut zuführt und dessen Regisseur hierzulande bei Freunden italienischer Genrekost mehr Bekanntschaft verdient hätte.

Punktewertung: 7,5 von 10 Punkten

Freitag, 26. Dezember 2014

The Twilight Blog #12 - Was man so braucht...

The Twilight Zone - Staffel 1, Episode 12
What You Need (dt.: Der Hausierer)
B.: Rod Serling nach einer Geschichte von Lewis Padgett
R.: Alvin Ganzer
US-Erstausstrahlung: 25. Dezember 1959 (BRD: ?)


Die Story: Der freundliche Straßenhändler Pedott (Ernest Truex) zieht unglücklicherweise das Interesse des Kleinkriminellen Renard (Steve Cochran) in einer Bar auf sich, als der abgebrannte Renard verblüfft erkennt, dass der Hausierer die Bedürfnisse anderer Leute vorhersieht, noch bevor diese ihrer selbst gewahr werden. Schon bald bahnt sich eine tödliche Situation zwischen den beiden, ungleichen Männern an.


Das Zwielicht durchbrochen: Bei dieser Episode verschmilzt eine überdurchschnittlich gute Story (aus der Feder des Ehepaars Kuttner und Moore unter ihrem gemeinsamen Pseudonym Lewis Padgett) mit einer überdurchschnittlichen schauspielerischen Gesamtleistung, was diese Episode insgesamt aus dem Gros der Folgen heraushebt.
Ist es in der Kurzgeschichte noch eine Maschine, welche die Bedürfnisse der Leute erkennt, so scheint auch hier Serlings Liebe für die kleinen Leute durch, und wie in One for the Angels (S.1/E.2) steht ein grundsympathischer Hausierer im Mittelpunkt der Story, der hier zwar nicht vom Deiwel in Person bedrängt wird, aber es immerhin mit einem wahrlich bedrohlich aufspielenden Steve Cochran zu tun bekommt.
Cochran (*1917; †1965) war Zeit seiner Karriere so etwas wie der ewige Nebendarsteller, den man besonders als Fan von Western und Gangsterfilmen der 40er und 50er Jahre in zahlreichen Filmen wahrgenommen haben kann, dessen bekannteste Rolle aber die des Big Ed in Raoul Walshs Meisterwerk White Heat (USA 1949 dt.: Maschinenpistolen) war. Cochran verstarb 1965 an einer verschleppten Lungenentzündung auf seiner Jacht vor der Küste Guatemalas, wo seine Leiche in Gesellschaft dreier, weiblicher Assistenten über eine Woche lang dahinsegelte, weil keine der Damen wusste, wie man ein Segelboot navigiert. Manchmal kommt die Realität der Twilight Zone halt erschreckend nahe...


Episodenwertung: ***,75/5

Freitag, 12. September 2014

The Twilight Blog #11 - Wie weggezaubert!

The Twilight Zone - Staffel 1, Episode 11
And When the Sky Was Opened (dt.: Testflug)
B.: Rod Serling, basierend auf einer Kurzgeschichte von Richard Matheson
R.: Douglas Heyes
US-Erstaustrahlung: 11. Dezember 1959 (BRD: 5. Juni 1971 beim BR unter dem Serientitel: Geschichten, die nicht zu erklären sind)


Die Story: Drei US-Testpiloten verschwinden mit ihrer experimentellen Flugmaschine beim Eintritt ins All kurzzeitig vom Radar, bevor sie nach einem Crash in der Mojavewüste zunächst ins Krankenhaus eingeliefert werden. Während Major Gart (Jim Hutton) mit einem Bruch das Bett hüten muss, werden seine Kollegen Forbes (Rod Taylor) und Harrington (Charles Aidman) umgehend entlassen. Als jedoch Harrington in einer Bar, die er zusammen mit Forbes besucht, sich plötzlich unter seltsamen Umständen buchstäblich in Luft auflöst, wird klar, dass man in dieser Welt nicht nur spurlos vom Radar verschwinden kann...


Das Zwielicht durchbrochen: Rod Taylor erreicht seine Final Destination in dieser Episode der Twilight Zone. Taylor (*11.01.1930), der schon mit der Zeitmaschine reiste, sich einer tödlichen Schar Vögel gegenübersah und zuletzt für Tarantino Winston Churchill als unrühmlichen Bastard zum Besten gab, verliert in dieser Episode auf so wundervolle Art die Nerven, dass er die Episode praktisch im Alleingang über die Ziellinie trägt.
Die Story basiert auf einer Kurzgeschichte des schon bald zum festen Schreiberensemble der Twilight Zone gehörenden Richard Matheson (*1926; †2013), der später noch Scripts für solche legendären Episoden wie Nightmare at 20,000 Feet und Steel nachliefern sollte und dessen Romane I Am Legend und The Shrinking Man allein zahlreiche Genreklassiker beeinflussten. Die dieser Folge lose zugrunde liegende Short Story Disappering Act erreicht zwar nicht die Größe dieser Vorlagen, doch ist eine durchschnittliche Geschichte Mathesons oft bei Weitem besser als die vieler seiner Kollegen.
Tatsächlich nahm Serling nur Mathesons Grundidee einer Person, deren Menschen im Umfeld einer nach dem anderen spurlos verschwinden, und ergänzte sie um einen Science-Fiction-Aspekt. Leider wirkt gerade dieses Element heute etwas obsolet, hat doch der bemannte Raumflug längst praktisch jeglichen Schrecken verloren und sind uns allen Bilder und Aufnahmen des Weltalls durchaus geläufig. So nimmt Serlings Adaption von Mathesons Story zwar fast schon die Grundidee des Final Destination Franchise (USA/CAN 2000-2011) vorweg, lässt den Zuschauer jedoch nach dem Ende vielleicht etwas unbefriedigt zurück.
Trotzdem ist And When the Sky Was Opened ein (kleines) Highlight der ersten Staffel und eine (wohl nicht nur) von mir immer wieder gern gesehene Episode.


Episodenbewertung: ****/5

Mittwoch, 20. August 2014

The Twilight Blog #10 - Treffer, versenkt!

The Twilight Zone - Staffel 1, Episode 10
Judgment Night (dt.: Das Geisterschiff)
B.: Rod Serling
R.: John Brahm
US-Erstausstrahlung: 04. Dezember 1959 (BRD: ?)


Die Story: Der Zweite Weltkrieg. Ein britisches Passagierschiff bahnt sich seinen Weg durch die neblige Nacht.
An Bord auch eine nervöse Person (Nehemiah Persoff), der die von deutschen U-Booten verseuchten Gewässer unheimlich bekannt vorkommen - doch dessen Warnungen niemand hören will. Stattdessen wundert sich die Mannschaft, wer dieser verwirrte Mann mit ausländischem Akzent nur ist, und woher er die detaillierte Kenntnisse über die unter dem Wasser lauernde Bedrohung besitzt.


Das Zwielicht durchbrochen: Nach einem kurzen Intermezzo Charles Beaumonts kehrte Rod Serling als Drehbuchautor zurück und jagte eine Geschichte von Schuld, Vergeltung und Kriegsverbrechen durch die heimischen Kathodenstrahlröhren.
Judgment Night sollte als erste Episode ein Setting zu Kriegszeiten aufweisen, und es sollte nur neun Folgen dauern bis The Purple Testament (ebenfalls von Serling) uns erneut die Schrecken des Krieges vor Augen hielt.
Regie führte hier erstmals der deutschstämmige John Brahm (die bereits zuvor ausgestrahlte Kultepisode Time Enough at Last wurde etwas später produziert) und die Hauptrolle übernahm der in Jerusalem geborene Nehemiah Persoff, ein bis zur Jahrtausendwende viel beschäftigter Fernsehdarsteller. Persoffs (*1919; andere Quellen: 1920) bekannteste Kinofilmrolle mag die des Little Bonaparte in Wilders Meisterwerk Some Like It Hot (USA 1959 dt.: Manche mögen's heiß) sein, sein Wikipediaeintrag gibt sogar an, er sei die einzige heute noch lebende Person unter den im Abspann erwähnten Darstellern.
Hierzulande bekannter als Persoff, dürfte der durch seine Rolle des John Steed in der britischen Kultserie The Avengers (GB 1961-1969 dt.: Mit Schirm, Charme und Melone) auch in Deutschland zu enormer (mittlerweile allerdings wohl wieder verblasster) Popularität gelangte Patrick Macnee sein, der in einer Nebenrolle als Crewmitglied McLeod nur wenig Talent zeigen darf.
Inhaltlich erinnert diese überdurchschnittliche Folge ein wenig an die antifaschistischen Propagandafilme der USA, nur dass hier natürlich die obligatorischen Mysteryelemente der Twilight Zone und Serlings Moralempfinden zusätzlich in den Mix gelangten.


Episodenbewertung: ****/5

Montag, 18. August 2014

The Twilight Blog #9 - Vorsicht: Traumfrau!

The Twilight Zone - Staffel 1, Episode 9
Perchance to Dream (dt.: Die Macht der Träume)
B.: Charles Beaumont
R.: Robert Florey
US-Erstaustrahlung: 27. November 1959 (BRD: 27.11.1991 - also exakt 32 Jahre später...)


Die Story: Edward Hall (Richard Conte) hat nicht nur ein schwaches Herz, sondern auch prekäre Träume. So erzählt er dem Psychiater Dr. Rathman (John Larch), dass er in seinen Träumen seit einiger Zeit von einer animalischen Schönheit (Suzanne Lloyd) verfolgt wird und Hall davon ausgeht, dass sein nächstes Entschlafen endgültig sein könnte...


Das Zwielicht durchbrochen: Dies ist die erste Folge, deren Drehbuch nicht von Rod Serling verfasst wurde, und es fällt dem geneigten Zuschauer vermutlich zunächst nicht einmal auf.
Perchance to Dream basiert auf der exzellenten Idee die Hauptfigur den eigenen und natürlich irgendwann unumgänglichen Schlaf fürchten zu lassen; eine Idee die auch das über Jahrzehnte erfolgreich Nightmare on Elm Street Franchise verwendet, wenngleich Wes Craven angab, nicht von Charles Beaumonts Story beeinflusst worden zu sein.
Eben jener Charles Beaumont (*1929; †1967) sollte nach dieser Episode nicht nur mehr als ein Dutzend weitere Storys für The Twilight Zone abliefern, darunter auch einer der Höhepunkte der zweiten Staffel mit dem schönen Titel The Howling Man, weiterhin war er zu dieser Zeit auch maßgeblich an Drehbüchern zu Filmklassikern wie 7 Faces of Dr. Lao (USA 1964 R.: George Pal dt.: Der mysteriöse Dr. Lao) oder dem hier bereits zuvor besprochenen Night of the Eagle beteiligt, um nur zwei zu nennen.
Beaumont verstarb leider früh (mit nur 38) an einer "seltsamen Hirnerkrankung", hat aber in seinen wenigen Lebensjahren ein recht eindrucksvolles Gesamtwerk hinterlassen. Dazu gehört auch das Script zur hier besprochenen neunten Folge der Twilight Zone, welches auf einer gleich betitelten Kurzgeschichte Beaumonts basiert, die 1958 im Playboy abgedruckt worden war.
Richard Conte brilliert als nervliches Wrack, das sich von einer wahrlich animalischen Suzanne Lloyd in seinen Träumen gestalked sieht. Regie führte routiniert Robert Florey (*1900; †1979), der im zarten Alter von 29 Jahren den allerersten Film der Marx Brothers, The Cocoanuts (USA 1929 R.: Florey/Joseph Santley), aus der Taufe gehoben hatte.
Insgesamt ist diese Folge also ein erfolgreiches, erstes Zeichen dafür, dass The Twilight Zone nicht notwendigerweise die schreiberischen Talente Rod Serlings benötigte. Ob man Beaumonts Geschichte als Flucht eines Mannes vor seiner eigenen Sexualität oder Suzanne Lloyds Figur als Succubus ansieht: Perchance to Dream trifft sein Publikum mit traumwandlerischer Leichtigkeit.


Episodenbewertung: ****/5

Samstag, 9. August 2014

The Twilight Blog #8 - Wenn geschliffenes Glas bricht...

The Twilight Zone - Staffel 1, Episode 8
Time Enough at Last (dt.: Alle Zeit der Welt)
B.: Rod Serling, basierend auf einer Kurzgeschichte von Lyn(n) Venable
R.: John Brahm
US-Erstausstrahlung: 20. November 1959 (BRD: 20.11.1991)


Die Story: Henry Bemis (Burgess Meredith) ist ein scheuer Bücherwurm, der selbst an seiner Arbeitsstelle, einem Bankschalter, nur für Sekunden den Blick von den Seiten seiner Bücher nehmen kann. Gerade im Tresorraum in einem Dickens vertieft wird er unversehens der vielleicht letzte Mensch auf Erden, und während die Welt um ihn herum schon zerbrochen ist, zerbricht die Seine, als zerbricht, was nun nicht mehr zu ersetzen scheint.


Das Zwielicht durchbrochen: Dies ist vermutlich eine der international populärsten Folgen der Twilight Zone, welche es regelmäßig gleichermaßen in die Bestenlisten von Fans und Kritikern schafft. Das mag zum einen an der einprägsamen, simplen Pointe der Geschichte liegen, zum anderen liefert Hauptdarsteller Burgess Meredith eine eindrucksvolle Darbietung als ebenso liebenswerter wie verschrobener Büchernarr ab, der sich ständig beim Lesen den Ablenkungen des Alltags erwähren muss, die täglich in den Formen von Chef, Kunden und Ehefrau daherkommen.
Serlings Drehbuch basiert hier zum ersten Mal nicht auf einer eigenen Idee, sondern auf der sehr kurzen Short Story gleichen Titels aus der Feder einer Literatin namens Marylin Venable, deren (androgyner) Künstlername Lynn mal mit einem, mal mit zwei "n" geschrieben wird. Venable behauptet in einem Interview mit den San Jose Mercury News aus dem Jahr 2012, dass Serling ihre Geschichte Ende der 50er Jahre für $500 kaufte, sie aber nie Serling persönlich traf oder gar irgendwelche spätere Tantiemen für ihr berühmtes Werk erhalten hat. Ihre wenigen weiteren Geschichten sind mehr oder minder dem völligen Vergessen anheimgefallen und die sich selber als hemmungslose Leserin bezeichnende Venable freut sich im Rückblick allein über die Tatsache, dass Serling ihre Story absolut getreu adaptierte.
Regie führte John Brahm (*1893; †1982), ein bereits zu Zeiten des Film Noir viel beschäftigter, deutscher Immigrant, dessen Vornamen eigentlich Hans und Julius waren und der 1933 zusammen mit seiner Gattin vor den Nazis über Frankreich und England schließlich ins vermeintliche Land der unbegrenzten Möglichkeiten geflüchtet war. Brahm sollte in den 50er und 60er Jahren praktisch unablässig fürs US-TV arbeiten und so auch genau bei einem Dutzend Folgen von The Twilight Zone den Regiestuhl besetzen.
Ich für meinen Teil, weiß Time Enough at Last als Fan der Serie natürlich durchaus zu schätzen, doch möchte ich nur vier von fünf möglichen Punkten vergeben, da ich dieser Episode aufgrund ihrer Einfachheit über die Zeit hinweg doch etwas überdrüssig geworden bin. Darum meine eher verhaltene Wertung - Neulingen der Serie möchte ich diesen legendären Klassiker aber trotzdem ans Herz legen.


Episodenwertung: ****/5

The Twilight Blog #7 - Frust und Lust im Asteoritenknast

The Twilight Zone - Staffel 1, Episode 7
The Lonely (dt.: Gefangen in der Einsamkeit)
B.: Rod Serling
R.: Jack Smight
US-Erstausstrahlung: 13. November 1959 (BRD: keine TV-Ausstrahlung)


Die Story: James A. Corry (Jack Warden) muss wohl für eine besonders schwere Untat büßen, hat man ihn doch gleich für ein halbes Jahrhundert allein auf einem Asteroiden ausgesetzt. Hin und wieder bringt ein Versorgungsraumschiff unter der Leitung des freundlichen Captain Allenby (John Dehner) dem Häftling das Nötigste und eines Tages sogar einen weiblichen Roboter (Jean Marsh), um Corry vor dem drohenden Wahnsinn zu bewahren. Was Allenby jedoch nicht ahnt: Die Illusion einer menschlichen Partnerin kann ganz neue Probleme aufwerfen!


Das Zwielicht durchbrochen: Vollkommen allein gelassen kann der Mensch schnell an seine geistigen Grenzen gelangen - zu dieser Erkenntnis kam bereits die allererste Episode der Twilight Zone mit dem bezeichnenden Titel Where Is Everybody?, und zu dieser Einsicht gelangt auch die hier besprochene siebte Folge der ersten Staffel. Tatsächlich wurde diese Episode direkt nach dem Pilotfilm abgedreht und wohl aufgrund der inhaltlichen Gleichheit erst einige Folgen später ausgestrahlt.
Leider muss ich aber sowohl The Lonely wie auch schon der Pilotfolge zuvor eine etwas unschöne Alterung bescheinigen. The Lonely wurde, was die Außenaufnahmen betrifft, strapaziös im Death-Valley-Nationalpark gedreht und die Mojavewüste soll auch diesmal ihren Gästen nichts geschenkt haben. Leider liegt hier aber auch einer der Schwachpunkte der Episode: Neben Sand und Steinen oder dem spartanischen Inneren von Corrys Wellblechhütte gibt es ausser den Darstellern keine weiteren Schauwerte, was umso mehr ins Gewicht fällt, ist die Story von The Lonely doch in Teilen noch um einiges vorhersehbarer als die von Where Is Everybody? und wirkt insgesamt ein wenig unspektakulär.
Trotzdem ist es schön Charakterkopf Jack Warden (*1920; †2006) jede Szene an sich reißen zu sehen, da hat auch die schöne Jean Marsh (die hier etwas Yvonne De Carlo ähnelt) nur wenige Chancen einmal glänzen zu können.
Erstaunlicherweise wurde diese Folge nie im deutschen Fernsehen ausgestrahlt, ein Schicksal, welches sie mit der gesamten vierten Staffel und einigen weiteren, späteren Episoden teilt.


Episodenbewertung: ***/5

Montag, 4. August 2014

The Twilight Blog #6 - Alle Schlupflöcher gut verstopft...

The Twilight Zone - Staffel 1, Episode 6
Escape Clause (dt.: Die Rücktrittsklausel)
B.: Rod Serling
R.: Mitchell Leisen
US-Erstaustrahlung: 06. November 1959 (BRD: 09.02.1996)


Die Story: Der leidenschaftliche Hypochonder Walter (David Wayne) erbittet in einem Anflug von tiefer Larmoyanz bei seinem Schöpfer das Geschenk der Unsterblichkeit. Als ihm ausgerechnet der diabolische Herr Cadwallader (Thomas Gomez) einen teuflischen Vertrag anbietet, bedenkt Walter leider nicht alle Eventualitäten...


Das Zwielicht durchbrochen: Mit Folge Numero 6 gelangt endlich das Element der makabren Pointe in die Twilight Zone.
Wie in The Sixteen-Millimeter Shrine ist die Hauptperson nur wenig sympathisch und mit einem starken Hang zum Größenwahn gesegnet. Wo Ida Lupino jedoch noch Rückzug in ihre alten Filme nehmen konnte, bleibt Walter Bedeker nichts anderes übrig, als sein eigenes Ende zu akzeptieren. Sicher erscheint dieser Twist moralisch akzeptabel (wir reden hier immerhin von einem Deal mit dem Deibel persönlich - das kann ja gar nicht gut enden...), doch hatte man gerade nach dem sehr versöhnlichen Schluss der vorangegangen Episode Walking Distance wohl doch noch auf ein Happy End gehofft...
Pustekuchen! Serling benutzt das komödiantische Talent seines Hauptdarstellers David Wayne (*1914; †1995), der hierzulande einigen wohl lediglich aus The Andromeda Strain (USA 1971 R.: Robert Wise dt.: Andromeda - Tödlicher Staub aus dem All) bekannt sein dürfte, um einerseits beim Zuschauer Sympathien für den von Wayne verkörperten Schuft zu wecken und so andererseits der zynischen Schlusspointe noch mehr Schlagkraft verleihen zu können.
Insgesamt ist Escape Clause somit ein erster, gelungener Vorstoß in die etwas garstigeren Gefilde der Twilight Zone, in die wir uns schon bald erneut in diesem Blog begeben werden.



Episodenbewertung: ****/5

Donnerstag, 31. Juli 2014

The Twilight Blog #5 - Wege in eine bessere Vergangenheit

The Twilight Zone - Staffel 1, Episode 5
Walking Distance (dt.: Vielleicht in einer Sommernacht)
B.: Rod Serling
R.: Robert Stevens
US-Erstaustrahlung: 30. Oktober 1959 (BRD: 02.02.1996)


Die Story: Durch Zufall an einer Tankstelle nahe seiner Heimatstadt angelangt, beschließt der vom Leben ermattete Geschäftsmann Martin Sloane (Gig Young) dieser einen Besuch abzustatten. Was Martin Sloane nicht ahnt: Ein kurzer Fußmarsch wird zur Reise in seine eigene Vergangenheit.


Das Zwielicht durchbrochen: Nach nur fünf Folgen kommt es nun zur ersten Vergabe der Höchstpunktzahl. Walking Distance ist aber nicht allein eine meiner ganz persönlichen Lieblingsepisoden, sie fand auch Aufnahme auf einer kürzlich zum 55. Geburtstag in den USA veröffentlichten Doppel-DVD-Edition mit dem bezeichnenden Titel The Twilight Zone - Essential Episodes.
Wie auch in fast allen der vier vorangegangenen Folgen ist der Ton stark sentimental und nostalgisch geprägt, ja, man kann sogar sagen, dass dieser Trend in Walking Distance seinen Höhepunkt erreicht, bevor man sich danach (endlich) auch anderen Themen zuwendete. Insoweit ist Walking Distance der filmgewordene Beweis dafür, dass Serling nach fünf Storys nun seinen eigenen Stil perfektioniert hatte und es auch eigentlich längst nicht mehr nötig hatte die Ideen anderer zu plagiieren (wie direkt zuvor noch in The Sixteen-Millimeter Shrine).
Serlings Geschichte ist eine wunderbar melancholische Warnung für all jene unter uns, die lieber in der eigenen Vergangenheit als in der Gegenwart leben würden, und zeigt elegant wie man ein recht schweres Thema in nur fünfundzwanzig Minuten Laufzeit gekonnt auf den Punkt bringen kann.
Der später für seine Rolle in They Shoot Horses, Don't They? (USA 1969 R.: Sydney Pollack dt.: Nur Pferden gibt man den Gnadenschuß) mit dem Oscar ausgezeichnete Gig Young (*1913; †1978) verkörpert den disillusionierten Businessmann perfekt und sein späteres, persönliches Schicksal (Young, 1978 schon lange von Trunksucht und Depressionen heimgesucht, tötete sich und seine vierunddreißig Jahre jüngere, fünfte Gattin nach dreiwöchentlicher Ehe mit einer Schusswaffe) verstärkt heute im Rückblick nur noch mehr den tragischen Ton der Geschichte.
In einer Kinderrolle ist ein damals fünfjährige Ron Howard zu sehen, der heute große Erfolge als Regisseur, Produzent und hin und wieder immer noch als Gelegenheitsschauspieler feiert.


Episodenbewertung: *****/5

Montag, 28. Juli 2014

Wenn alles in Trümmern liegt...

Threads
GB/AUS/USA 1984
R.: Mick Jackson


Worum geht's?: Großbritannien - Mitte der 80er Jahre.
Ruth (Karen Meagher) und Jimmy (Reece Dinsdale) sind ein junges Liebespaar im nordenglischen Sheffield, deren Leben sich zu ändern beginnt, als Ruth sehr zum Unmut ihrer Eltern von Jimmy plötzlich schwanger wird und die beiden heiraten wollen.
Während Jimmy auf Wohnungssuche geht, gerät jedoch in Vorderasien langsam der Weltfrieden aus den Fugen, denn ein Konflikt der USA mit sowjetischen Streitkräften im Iran bestimmt die Nachrichten. Zwar ist die Bevölkerung verunsichert, doch geht das Leben in Nordengland für den Großteil der Leute schlicht weiter, während nur wenige Personen wie der Bürgermeister ihre Notfallpläne aus der Schublade kramen.
Als jedoch ein US-Ultimatum gegenüber den Sowjets abläuft, der Konflikt vollends zu eskalieren scheint und letztendlich der Notstand ausgerufen wird, kommt es schnell zu Unruhen und Streiks.
Bald werden Tankstellen geschlossen, Krankenhäuser geräumt und Kunstwerke aus den Museen entfernt, während die Ordnungskräfte schonmal prophylaktisch "Subversive" verhaften.
Am 26. Mai kommt es schließlich zum nuklearen Kräftemessen, was beide Seiten nur gleichermaßen verlieren können. Die Folgen sind verheerend und kommen praktisch einer andauernden Apokalypse gleich.
Schwanger und unter andauerndem Schock wandert Ruth durch die Trümmer ihrer Stadt, auf der Suche nach ihrem Jimmy, während der Bürgermeister, eingeschlossen in seinem unterirdischen Bunker, mit seinem Krisenstab versucht den Schäden auch nur im kleinsten Ansatz Herr zu werden.


Wie fand ich's?: Zum Thema Atomkrieg gibt es drei (TV-)Filme, welche das Thema ebenso realistisch wie schockierend abbilden. Zum einen den sehr bekannten, amerikanischen The Day After (USA 1983 R.: Nicholas Meyer dt.: Der Tag danach), dann den frühen, britischen The War Game (GB 1965 R.: Peter Watkins dt.: Kriegsspiel) und in der Popularität zuletzt wohl den hier besprochenen, ebenfalls britischen Threads. Während The Day After sich von allen drei Beispielen am stärksten um einen klassischen Erzählstil bemüht, ist der 1967 als bester Dokumentarfilm oscarprämierte The War Game mit seinen 48 Minuten der deutlich kürzeste Beitrag, welcher ebenso wie Threads schnell einen mehr dokumentarischen Ton anschlägt.
In der Darstellung der Folgen eines Atomkriegs auf die Bevölkerung der betroffenen Staaten, schenken sich die drei Filme nur wenig, aber man kann Threads meines Erachtens die größte (wichtige) Schockwirkung zusprechen. So zeigt dieser Film eindringlich, wie der bisherige Alltag und Lebensstil von einer Sekunde auf die nächste vollkommen zu existieren aufhört und durch eine endlose Serie von Tod, Schmerz und Entbehrung ersetzt wird. Wo The Day After nur einige Wochen nach den Nuklearschlägen bereits endet, zeigt Regisseur Mick Jackson zudem die Auswirkungen dieser gar über Jahre und Generationen, und verdeutlich überaus schockierend, was es heißt, praktisch direkt ins Mittelalter zurückgebombt zu werden. Dieser Umstand und die vollkommen ungeschönten Bilder verleihen Threads eine Schlagkraft, welche seine Zuschauer erzittern lässt und wohl große Teile direkt zum Pazifismus bekehrt.
Das man sich hier nicht nur auf Mutmaßungen verließ zeigt die lange Liste von wissenschaftlichen Beratern im Abspann, unter denen sich auch der bekannte amerikanische Gelehrte und Schriftsteller Carl Sagan befindet.
Als positive Nebenwirkung erfuhr der aufgrund seiner (auch politischen) Wirkung zunächst von der BBC zurückgehaltene The War Game mit der Ausstrahlung von Threads ganze zwanzig Jahre nach seiner Entstehung eine erneute, breitere Veröffentlichung.
Es bleibt zu hoffen, dass diese Filme, die man (gottseidank) auch dem Genre der Science-Fiction zurechnen kann, bei den richtigen Leuten einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Mich haben sie jedenfalls direkt ins Mark getroffen!


Fazit: Ebenso verstörend, wie Augen öffnend. Ein wichtiger Film über ein leider immer noch aktuelles Thema.


Punktewertung: 9,5 von 10 Punkten

Donnerstag, 24. Juli 2014

The Twilight Blog #4 - Stars zum vergessen

The Twilight Zone - Staffel 1, Episode 4
The Sixteen-Millimeter Shrine (dt.: 16 mm Traumwelt)
B.: Rod Serling
R.: Mitchell Leisen
US-Erstausstrahlung: 23.10.1959 (BRD: 26.01.1996)


Die Story: Die Glanzzeiten der Hollywooddiva Barbara Trenton (Ida Lupino) sind schon lang vorbei, ihr Ruhm ist längst verblasst. Ihre Zeit verbringt sie mit dem Anschauen ihrer alten Filme, ihre einzigen Kontakte zur Außenwelt sind das Hausmädchen und ihr Agent Danny Weiss (Martin Balsam), welche jedoch auch nicht den vergessenen Star vom ultimativen Rückzug ins Reich der Erinnerungen abhalten können.


Das Zwielicht durchbrochen: Seufz. Ich würde diese Episode wirklich gern besser besprechen, doch leider ist sie für mich der erste wahre Tiefpunkt der Serie, welche jedoch (soviel sei hier vorweg verraten) schon mit der nächsten Episode einen wahren, ersten Klassiker bietet.
Ida Lupino, eine der großen Damen des Film Noir, stand während ihrer Karriere des Öfteren nicht nur vor, sondern als Regisseurin auch mehrfach hinter der Kamera und so sollte auch ihr der Ruhm zuteilwerden, die einzige Person zu sein, welche nicht nur in einer Episode der Twilight Zone als Darsteller mitwirkte, sondern auch die Regie bei einer anderen übernahm. Dies sollte zwar erst zum Ende der Serie bei der 25. Episode der fünften Staffel mit dem Titel The Masks der Fall sein, doch sollte diese dafür inhaltlich um einiges spannender sein, als diese trotz ihrer Laufzeit von nur 25 Minuten immer noch langatmige Version von Wilders Meisterwerk Sunset Blvd. (USA 1950 dt.: Boulevard der Dämmerung), welche man um ein recht vorhersehbares, übernatürliches "Überraschungsende" aufgewertet hat.
Dass ich kein Freund von Remakes bin, mag sich unter den Lesern dieses Blogs bereits herumgesprochen haben, und ich kann mir auch bei The Sixteen-Millimeter Shrine nicht helfen - das riecht verdammt nach Kopie... Ein Vorfall, der innerhalb dieser Serie besonders sonderbar wirkt, kommen wir doch schon bald zu Folgen, welche mehr oder weniger eindeutig spätere Film- und Fernsehproduktionen beeinflusst zu haben scheinen.
Trotz des äußerst schwachen Inhalts stimmt zumindest die handwerkliche Seite. Darstellerisch hingegen würde ich mir wünschen Frau Lupino (*1918; †1995) hätte doch noch ein bisschen mehr bei Gloria Swanson abgekupfert und würde ihrem Affen etwas mehr Zucker geben...
Insgesamt also eine sehr schwache Episode, welche die folgende dafür aber nur umso mehr herausragen lässt. Man darf also gespannt sein!


Episodenbewertung: **/5

Dienstag, 22. Juli 2014

The Twilight Blog #3 - Der Revolverheld und das Schicksal

The Twilight Zone - Staffel 1, Episode 3
Mr. Denton on Doomsday (dt.: Mr. Dentons zweite Chance)
B.: Rod Serling
R.: Allen Reisner
US-Erstausstrahlung: 16.10.1959 (BRD: 19.01.1996)


Die Story: Der Wilde Westen. Al Denton (Dan Duryea) war noch vor Jahren ein bekannter Revolverheld; heute hat der Dämon Alkohol von ihm vollends Besitz genommen. Doch nun ist das personifizierte Schicksal in Form des reisenden Händlers Henry J. Fate (Malcolm Atterbury) in die Stadt gekommen und gewährt Mr. Denton eine letzte Chance.


Das Zwielicht durchbrochen: Willkommen zur ersten Episode der Twilight Zone, die nicht in der Gegenwart (also Ende der 50er Jahre) spielt, sondern die Handlung stattdessen in die staubigen Zeiten des Wilden Westens verlegt. Dies sollte im Laufe der Serie noch öfters stattfinden (u. a. in der recht bekannten Folge A Hundred Yards Over the Rim in der nächsten, zweiten Staffel), und dies meist mit einem interessanteren Ergebnis als hier.
Tatsächlich kann ich nicht mal genau sagen, was mir an Mr. Denton on Doomsday missfällt und diese Episode in die Mitte meiner Wertungsskala rücken lässt. Die Inszenierung ist durchaus als sehr solide zu bezeichnen, ebenso die darstellerischen Leistungen. Besonders hinweisen möchte ich hier auf einen jungen Martin Landau in einer Rolle als unsympathischen Rüpel und auf einen Auftritt Doug McClures, der nicht nur der kultigen Figur des Troy McClure in der Serie The Simpsons ihren Nachnamen gab, sondern auch dessen Äußeres mitprägte.
Was ist es also, was mir an dieser Folge nicht so recht gefällt? Vielleicht ist es die bis zu ihrem finalen Plottwist doch vollkommen vorhersehbare Story. Vielleicht ist es auch Malcolm Atterbury, der mich in der Rolle des fleischgewordenen Schicksals einfach nicht genug beeindrucken kann.
In der Tat reden verschiedene Quellen davon, dass Serlings Drehbuch ursprünglich klarer als Komödie konzipiert war und die Hauptfigur in dieser Version ein schwächlicher Schullehrer gewesen sein soll. Ob dies der eher schwachen Story besser getan hätte, lasse ich hier einmal dahingestellt.
Egal, Mr. Denton on Doomsday ist sicher keine schlechte Episode und stellt lediglich einen (ersten) leichten Tiefpunkt innerhalb einer bald schon beginnenden Serie von allesamt sehr imposanten Folgen dar. Allerdings müssen wir um zu diesen zu gelangen erst noch an der nächsten Episode vorbei...
Mr. Denton on Doomsday wurde am 16. Oktober 1959 in den USA erstausgestrahlt. Die deutsche Fernseherstauswertung geschah am 19. Januar 1996 durch TV München. Dies ist außerdem eine von insgesamt nur drei Episoden, welche einen nachträglich abgeänderten Titelvorspann mit einem großen, geschminkten, weiblichen Auge aufweisen.


Episodenbewertung: ***/5

Montag, 21. Juli 2014

The Twilight Blog #2 - Zeit zu gehen...

The Twilight Zone - Staffel 1, Episode 2
One for the Angels (dt.: Das Geschäft mit dem Tod)
B.: Rod Serling
R.: Robert Parrish
US-Erstausstrahlung: 09.10.1959 (BRD: 13.11.1991)


Die Story: Sommer. Die Gegenwart. Der nette Straßenhändler Lou Bookman (Ed Wynn) bekommt einen unangenehmen neuen Kunden: den Tod (Murray Hamilton)!


Das Zwililicht durchbrochen: Bereits die zweite Folge der Serie stellt einen ersten, kleineren Höhepunkt dar, stimmen hier doch Story, Inszenierung und Schauspielleistung bereits auf hohem Niveau überein.
Das von Serling selbst verfasste Drehbuch ist zugleich komisch, tragisch, spannend und zuletzt wunderbar sentimental und Regisseur Robert Parrish (der auch neben anderen an der bizarren Bondparodie Casino Royale aus dem Jahr 1967 mitgearbeitet hatte) liefert wundervolle Bilder von den stimmungsvollen (MGM-)Studiosets.
Ed Wynn (*1886; †1966) stellt sich als wahre Traumbesetzung für die Rolle des kinderlieben Straßenhändlers heraus und Murray Hamilton schafft gar das Kunststück, seiner zunächst bürokratisch-bedrohlichen Figur doch noch eine menschlich-sympathische Nuance zu verleihen.
Bereits in One for the Angels wird Serlings philanthropische, wenn nicht gar christlich-karitative Weltsicht stark deutlich, der Hauptcharakter ist ein umgänglicher Kinderfreund, der bereit ist für das durch ihn aus rein menschlichem Handeln entstandene Dilemma, unverzüglich Konsequenzen zu ziehen. Zwar erscheint mir die Lösung etwas zu einfach (was mich auch letztendlich zu meiner verhaltenen Schlussbewertung bewog), doch gelingt hier bereits ein ansonsten vollkommen rundes Einzelteil einer Serie, die damit bereits früh zu Topform aufläuft.
One for the Angels wurde am 9. Oktober 1959 von CBS in den USA ausgestrahlt; hierzulande musste man sich bis zum 13. November 1991 gedulden, bis Pro7 sie als erste Episode einer neuen Reihe von Unwahrscheinlichen Geschichten endlich auch einem deutschen Publikum zeigte.


Episodenbewertung: ****/5

Sonntag, 20. Juli 2014

The Twilight Blog #1 - So allein...

The Twilight Zone - Staffel 1, Episode 1
Where is Everybody? (dt.: Die leere Stadt)
Buch: Rod Serling
R.: Robert Stevens 
US-Erstausstrahlung: 02.10.1959 (BRD: 25.10.1961 in der ARD)


Die Story: Ein junger Mann (Earl Holliman) findet sich unvermittelt in einer vollkommen verlassenen, staubigen US-Kleinstadt wieder. Kann er einen Weg aus diesem Albtraum finden?



Das Zwielicht durchbrochen: Dieser Pilotfilm war nicht ursprünglich als solcher vorgesehen, sollte doch eigentlich zunächst an seiner Stelle ein Script namens The Time Element (USA 1958 R.: Allen Reisner) benutzt werden, mit dem Serling bereits einige Zeit hausieren war. Dieses Drehbuch sah bereits einige Trademarks der später realisierten Twilight Zone vor, wurde jedoch nach dem Kauf vom Sender CBS erst einmal zur Seite gelegt und am 24. November 1958 schließlich als sechste Folge der Reihe Westinghouse Desilu Playhouse (USA 1958-1960) ausgestrahlt, etwa ein Jahr bevor Serlings eigene Serie The Twilight Zone mit Where is Everybody? doch noch auf Sendung gehen durfte, ein Umstand den er nicht zuletzt auch der Qualität seines Drehbuchs zu The Time Element zu verdanken hatte, in welchem es ein Psychiater (Martin Balsam) mit einem scheinbar in der Zeit gefangenen Patienten (William Bendix) zu tun bekommt.
Neben dem Script zu The Time Element hatte Serling noch eine weitere seiner eigenen Storys als möglichen Serienauftakt vorgesehen. Diese hatte den Titel The Happy Place und sollte eine Dystopie im Mittelpunkt haben, in der jede Person in einem Alter von über 60 Jahren im allgemeinen Interesse der Gesellschaft getötet wird. Diese interessante Idee wurde vom Sender jedoch als zu düster abgetan, was man vielleicht später mit Blick auf den Erfolg des ähnlich gelagerten Logan's Run (USA 1976 R.: Michael Anderson dt.: Flucht ins 23. Jahrhundert) als großen Fehler ansehen durfte.
Stattdessen entschied man sich also am 2. Oktober 1959 Where is Everybody? über die Mattscheiben flimmern zu lassen, ein Pilotfilm, dessen finale Auflösung meines Erachtens stärker ist, als die simple und etwas langatmig erzählte Handlung zu Beginn des Films. In dieser läuft der in Deutschland nicht allzu bekannte Earl Holliman durch eine verlassene US-Kleinstadt, während er zunehmend mit Paranoia und Einsamkeit zu kämpfen hat. Holliman (*1928), der in seiner langen Karriere hauptsächlich in Nebenrolle glänzen durfte, gelingt das Kunststück, durch sein Spiel allein das Publikum bei der Stange zu halten, bis der obligatorische (und heute vielleicht technisch obsolete) Plottwist die Zuschauer zum Schluss immer noch zu überraschen weiß. Hier kommt bereits Serlings Hang zum Sentimentalen zu Vorschein, eine Tendenz, welche sich noch wesentlich stärker in Folgen wie Walking Distance (Staffel 1, Episode 5 dt.: Vielleicht in einer Sommernacht) zeigen sollte.
Diese erste Folge der Twilight Zone wurde im deutschen Fernsehen erstmals am 25. Oktober 1961 unter dem Titel Unglaubliche Geschichten in der ARD ausgestrahlt. Es blieb die einzige Episode, die auf diesem Sender gezeigt werden sollte. Erst sechs Jahre später sollten neue Folgen im ZDF laufen. Doch dazu bald mehr...



Episodenbewertung: ***/5

Samstag, 19. Juli 2014

The Twilight Blog #0 - Die bloßen Fakten...

The Twilight Zone (Unwahrscheinliche Geschichten / Unglaubliche Geschichten / Geschichten, die nicht zu erklären sind)
USA 1959 bis 1964 (Sechs Staffeln, insg. 156 Episoden)
erdacht und produziert von Rod Serling
diverse Regisseure


Die vom sechsmaligen Emmypreisträger Rod Serling (*1924; †1975) erschaffene Serie The Twilight Zone stellt für mich ein zeitlos schönes Stück US-Fernsehen da, welches vollkommen zu Recht über die Jahrzehnte zu einem internationalen Kultphänomen wurde.
Dies liegt zum einen an den überaus liebevollen Inszenierungen der einzelnen Episoden, zum anderen an den wirklich gelungenen Drehbüchern (über die Hälfte davon stammten von Serling selbst), welche teilweise bereits wahre Klassiker ihres Genres darstellen und von Größen wie u. a. Ray Bradbury oder Richard Matheson verfasst wurden. Die Themen reichen dabei mitunter vom düsteren Mysterythriller bis zur leichtfüßigen Science-Fiction, vom psychologisch abgründigen, urbanen Horror hin zur Dystopie in postapokalyptischer Einöde. Ist der Ton mancher Folgen sentimental bis melancholisch, so enden andere Episoden manchmal mit satirisch, ironischen Pointen, teilweise sogar mit stark makabren Untertönen.
Daneben gibt es innerhalb fast jeder Episode ein oder zwei bekannte Gesichter aus Hollywood wiederzuerkennen, was Filmfans ein ständiges "Ach, sieh mal..." entringen dürfte. Namedropping gefällig? Freuen Sie sich auf James Coburn, Jack Klugman, Peter Falk, Buster Keaton, Charles Bronson, Dennis Hopper oder William Shatner, um nur einige sehr Wenige zu nennen.


Insgesamt brachte es die Serie im Zeitraum von 1959 bis 1964 auf 156 Folgen in fünf Staffeln. Die Laufzeit der einzelnen Episoden betrug netto (also ohne TV-Werbeblöcke) in der Regel ca. 24 Minuten, eine Ausnahme bildete hier die vierte Season, deren Folgen etwa doppelt so lang waren.
Nach dem (in seiner Gestaltung schon in den einzelnen Staffeln öfters wechselnden) Vorspann, führte Rod Serling mit einem kurzen Text in die jeweilige Episode ein und moderierte auf gleiche Art am Ende der Folge diese ebenfalls kurz ab. Diese Idee wurde ebenso zum Markenzeichen der Serie, wie die ab der zweiten Staffel erklingende, berühmte Titelmelodie der Serie, welche vom französischen Komponisten Marius Constant geschrieben wurde.
Serling und die von ihm geschaffene Serie wurde bereits in den frühen 60ern für zahlreiche Preise nominiert, wovon man auch eine ganze Reihe verliehen bekam, darunter einige Emmys (der bedeutendste Fernsehpreis der USA) und zwei Hugo Awards for Best Dramatic Presentation (einer der wichtigsten Preise für Science-Fiction und Fantasy in Kino und TV).
Welchen Einfluss The Twilight Zone bis heute auf Fernsehen und Popkultur hat, zeigt sich zum einen an Serien wie The Outer Limits (USA 1963-1965) oder Beyond Belief: Fact or Fiction (USA 1997-2002 dt.: X-Factor - Das Unfassbare), welche Inhalte und den Anthologiefilmcharakter des Vorbilds übernahmen, zum anderen an den zahlreichen Zitaten, Persiflagen und Hommagen, welche über die Zeit u. a. in populären TV-Serien wie The Simpsons (USA 1989-) oder auch in Literatur, Comics und Musik Einzug hielten.
 

Eine gute Idee ist meist nur schwer totzukriegen, und so stieg auch The Twilight Zone bislang ganze zwei weitere Male wie der Phönix aus der Asche auf: erstmals zehn Jahre nach Serlings Tod von 1985 bis 1989; dann erneut von 2002 bis 2003.
1983 entstand außerdem unter dem Titel Twilight Zone: The Movie (USA 1983 dt.: Unheimliche Schattenlichter) ein recht kontrovers aufgenommener Kinofilm, bei dem sich die Herren Dante, Miller, Spielberg und Landis gemeinsam als Regisseure betätigten und bei dessen Dreharbeiten es zu einem tragischen Unfall kam, der drei Menschenleben kostete.
1994 erschien mit Twilight Zone: Rod Serling's Lost Classics (USA 1994 R.: Robert Markowitz dt.: Schrecken aus dem Jenseits) zusätzlich ein Fernsehfilm, der zwei zuvor unverfilmte Ideen Serlings mit wenig Erfolg auf die Mattscheibe brachte.
In wieweit ich auf all diese Ableger der Originalserie im Verlauf dieses Blogspecials eingehe, kann ich zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht sagen - Fakt ist jedoch, dass es nun endlich nach und nach mit den Episoden der ersten Staffel losgeht.
Viel Spaß!
That's the signpost up ahead - your next stop, The Twilight Zone!

Samstag, 22. März 2014

Lebloser Vogel auf kaltem Asphalt

Tatort: Tote Taube in der Beethovenstraße / Dead Pigeon On Beethoven Street
BRD 1973
R.: Samuel Fuller


Worum geht's?: Ein Amerikaner namens Johnson wird in der Bonner Beethovenstraße erschossen, der Täter befindet sich daraufhin in Polizeigewahrsam. Da man die Tat mit internationalem Rauschgiftschmuggel in Verbindung bringt, wird der gleichermaßen gewiefte wie leichtlebige Zollfahnder Kressin (Sieghardt Rupp) mit der Aufklärung des Falls beauftragt.
Im Leichenschauhaus trifft dieser auf Johnsons Partner, den sympathischen Privatdetektiv Sandy (Glenn Corbet), der Kressin über einen international agierenden Erpresserring in Kenntnis setzt, welche Johnsons und Sandys Auftraggeber, einen aufstrebenden, linken US-Politiker (Samuel Fuller höchstselbst), mit ebenso erotischen wie kompromittierenden Fotos zu hohen, monatlichen Geldzahlungen nötigt.
Gemeinsam macht man sich auf den Weg, den im Krankenhaus befindlichen Mörder Johnsons, Charlie Umlaut (Eric P. Caspar), befragen zu wollen, doch kann dieser kurz zuvor seinen Bewachern entfliehen und schießt auf der Flucht seinem Verfolger Kressin gleich noch eine Kugel in die Schulter.
Nun ans Krankenbett gefesselt, lässt Kressin notgedrungen den findigen Amerikaner allein ihrer einzigen Spur nachgehen, dem Aufenthaltsort einer hübschen Erpresserin (Christa Lang) mit einem erdbeerförmigen Muttermal auf dem schlanken Oberschenkel, das auf den Erpressungsfotos stets gut zu erkennen ist.
Mithilfe eines Fotografen (Hans-Christoph Blumenberg) gelingt es Sandy, sich nach und nach in die Erpresserorganisation einzuschleichen, doch ist deren Kopf Mensur (Anton Diffring) ein kriminelles Mastermind mit vorzüglichen Fechtkenntnissen, dass man nicht so leicht mit einer schlichten Finte hinters Licht führen kann.


Wie fand ich's?: Allein die Figur des Zolloberinspektors Kressin wäre interessant genug ihr einen Blogeintrag zu widmen. In nur sieben Folgen und drei Gastauftritten (von 1971-1973) durfte der Österreicher Sieghardt Rupp als hauptermittelnder Zollfahnder in Deutschland und Umland so manchen Stein umdrehen, stets auf der Suche nach dem von Ivan Desny gespielten, distinguierten Überganoven Sievers, der ihm doch noch immer in letzter Sekunde entrinnen kann. Dieses Element sowie sein leichter Lebenswandel (Alkohol und Zigaretten galore) und der Hang jedem Rock nachzulaufen (in der Debütfolge Kressin und der tote Mann im Fleet [BRD 1971 R.: Peter Beauvais] nistet er sich gleich bei zwei verheirateten, jungen Damen, gespielt von Eva Renzi und Sabine Sinjen, ein), mag an James Bond erinnern, seine antiautoritäre Haltung seinen Vorgesetzten gegenüber und die Bereitschaft auch mal die Fäuste sprechen zu lassen nimmt bereits eine Dekade zuvor die Attitüde von Götz Georges Ruhrpott-Rambo Horst Schimanski vorweg.
Doch bildet die Tatortfolge Tote Taube in der Beethovenstraße eine gravierende Ausnahme in der gesamten Fernsehreihe und ist eher als interessantes Experiment zu sehen.
Für die 25. Folge der Serie, also praktisch zum Jubiläum, holte man sich den Amerikaner Samuel Fuller auf den Regiestuhl, der auch gleich eigenhändig das Drehbuch schrieb. So wurde die Figur Kressins zum Alibicharakter degradiert, der Fullers Script halbherzig mit der Serie verbindet, allerdings tatsächlich nur eine sehr geringe Screentime innehat. Der wirkliche Hauptdarsteller sollte der aus Western bekannte Glenn Corbett (*1933; †1993; eigtl.: Glenn Rothenburg) werden, der Fuller schon sein Kinodebüt in The Crimson Kimono (USA 1959) zu verdanken hatte.
Für den musikalischen Score versicherte man sich der Krautrocklegende Can (im Abspann als The Can gelistet, obwohl die Band den Artikel im Namen bereits einige Zeit zuvor abgelegt hatte).
In der Rolle der Femme fatale Christa ist die zweite Ehefrau Fullers, Christa Lang, zu sehen, welche in mehreren von Fullers Filmen der 80er Jahre mitspielte und auch 1967 in Chabrols Le scandale (s. h. Le scandale) mitwirkte.
Tatsächlich lässt das zynische Ende Tote Taube in der Beethovenstraße starke Bezüge zum Film Noir erkennen, ebenso wie die Figur des Übergangsters Mensur an den Megabösewicht Ernst Stavro Blofeld aus den James Bond Filmen erinnert, besonders wenn dieser in einer Szene eine Videokonferenz mit seinen weltweit agierenden Untertanen abhält. Es wäre interessant zu erfahren, ob sich Fuller hier an der o . g. Figur des snobistischen Bandenchefs Sievers aus den anderen Tatortfolgen mit Kressin orientierte, oder ob diese Figur bereits im Vorhinein von ihm selbst stammte.
Das Publikum reagierte verstört auf Fullers Film. Zu konfus und an den Sehgewohnheiten vorbei soll dieser ausgefallen sein, dabei wirkt die längere Fassung des Regisseurs, welche in den USA auch unter dem Titel Dead Pigeon On Beeehenthoven Street in die Kinos kam, gar noch verspielter und zerfahrener, als die Schnittfassung für das deutsche Fernsehen.
Beide Fassungen leben letztendlich von Fullers sarkastischem, ja, im Ende gar zynischen, Humor, seinem Experimentierwillen und der Bereitschaft eine kohärente Geschichte zugunsten einer gedrückten Atmosphäre zu opfern. So wird ausgerechnet ein rheinischer Karnevalsumzug zum Ort einer gewaltsamen Rache, was sich in der Mache als schwerer als gedacht herausstellte, da Fuller sich den für den Dreh nachgestellten Event umständlich erbetteln musste. Erst eine Spende in Höhe von 5000,- DM erweichte das Herz der Karnevalsgesellschaft "Kuniberts Ritter" und ja, das war damals viel Geld...
Der damalige Misserfolg scheint die Tatortmacher bis heute davon abzuhalten erneut im Ausland nach außergewöhnlichen Regisseuren zu suchen, die der seit über 40 Jahren laufenden Serie neue Impulse, Aspekte und Ideen schenken könnten - was nun wirklich schade ist.


Fazit: Eine bemerkenswerte Ausnahmeerscheinung in über 40 Jahren Tatort. Nicht perfekt, aber aufgrund seiner Originalität hoch interessant.


Punktewertung: 7,5 von 10 Punkten

Freitag, 22. November 2013

Da pfeift man nun besser nicht drauf!

Whistle and I'll Come to You
GB 1968
R.: Jonathan Miller


Worum geht's?: Professor Parkins (Michael Hordern) verlebt die Winterferien in einem kleinen Hotel an der Ostküste Englands.
Der schrullige Akademiker verbringt seine Tage allerdings lieber mit ausgiebigen Spaziergängen, als mit geselligen Golfturnieren, weiß aber ein gutes Frühstück durchaus zu schätzen.
Eines stürmischen Mittags findet Parkins auf einem an einer Klippe gelegenem Friedhof eine aus Knochen geschnitzte Flöte, auf der etwas eingraviert ist. Zurück im Hotel gelingt es dem findigen Gelehrten auch schnell die Buchstaben zu entziffern und die lateinische Inschrift zu übersetzen: "Quis est iste qui venit", heißt natürlich "Wer ist es, der da kommt".
Nach einem neugierigen Pusten auf dem Instrument glaubt Parkins zwar etwas Sonderbares wahrzunehmen, doch ist der Intellektuelle abgeklärt genug, diesem ungewohnten Gefühl keinerlei weitere Bedeutung zuzumessen.
Ebenso lässt man sich nicht auf die unakademisch gestellte Frage eines anderen Gastes (Ambrose Coghill) beim gemeinsamen Frühstück ein, ob man denn an Geister glaube, stattdessen beginnt der Mann der Wissenschaft sofort den Fragesatz auf seine Logik und Grammatik zu überprüfen.
Was Parkins allerdings nicht ahnt: Er hat durch das Spielen auf der Flöte unlängst bereits eine Entität gerufen, der es egal ist, ob man an sie glaubt oder nicht und der das zweite Bett in Parkins Raum wie gerufen kommt.
Schon bald werden die Nächte des Professors interessanter als dessen Tage...


Wie fand ich's?: Dieser etwa 41-minütige TV-Film wurde im Rahmen der BBC-Reihe Omnibus (GB 1967-2003) produziert, einer Reihe, welche allerdings größtenteils Kunstdokumentation und Künstlerporträts präsentierte, womit Jonathan Millers Adaption einer klassischen Shortstory M. R. James (*1862; †1936) mit dem sehr ähnlichen Titel Oh, Whistle, and I'll Come to You My Lad eine eher ungewöhnliche Ausnahme innerhalb des langlebigen Programms darstellte.
Tatsächlich muss aber gerade diese Folge erfolgreich genug gewesen sein, um die BBC einige Jahre später auf die Idee einer achtteiligen, zu Weihnachten ausgestrahlten Miniserie mit dem schönen Titel A Ghost Story for Christmas (GB 1971-1978) gebracht zu haben, welche in den ersten fünf ausgestrahlten Episoden ebenfalls auf Adaptionen von James Geistergeschichten setzte.
Die akademische Vita James (er war an den Universitäten von Cambridge und Eton tätig) sowie dessen Interesse an antiquarischen Büchern und an der Altertumsforschung schlägt sich auch in seinem Werk teilweise fast autobiografisch nieder. So auch in Oh, pfeif' nur, und gleich komm' ich zu dir, mein Schatz (so der deutsche Titel der Kurzgeschichte), wenngleich das Drehbuch aus dem jungen, sauberen und "sprachlich präzisen" Protagonisten der literarischen Vorlage einen murmelnden, in ständigen Selbstgesprächen gefangenen Exzentriker macht, der kaum in der Lage ist mit seinen Mitmenschen auf einem normalen Level zu kommunizieren und im Fernsehfilm von Michael Hordern perfekt dargestellt wird.
Hordern (*1911†1995) kann man gut und gern als ein Urgestein der britischen Filmlandschaft bezeichnen, trat er doch in mehr als 160 Rollen auf, war für Film, Fernsehen und Radio tätig und wurde für sein Wirken 1983 von der Queen zum Sir geschlagen.
Regisseur Jonathan Miller wurde diese Ehre im selben Jahr zu teil, erlangte aber eher als Opernregisseur Mitte der 70er Jahre Geltung. Daneben war Miller des Öfteren für die BBC tätig und schuf für diese u. a. 1966 mit Alice in Wonderland eine der interessantesten, erwachsenen, wenngleich etwas zähen Lewis Carroll Adaptionen.
Millers eher nüchterner, unaufgeregter, teilweise kammerspielartiger Inszenierungsstil steht der klassischen Gespenstergeschichte hier sehr gut zu Gesicht und ist für ein von allzu vielen Jumpscares mittlerweile gelangweiltes Publikum vielleicht gerade zu eine Wohltat. Paranormale Aktivitäten gab es halt doch schon vor 2007...
Nun gut, Millers an Angelschnüre befestigtes Gespensternetz ist arg simpel getrickst, tat aber zumindest bei mir sehr gut seinen Dienst - manchmal ist weniger eben doch mehr und die Fantasie des Zuschauers ein stärkeres Mittel sich den angedeuteten Schrecken selber auszumalen als die Künste jedes Special-FX Designers.
Vor der schroffen Kulisse der windumtosten Küstenlandschaft und des stillen Hotels entfaltet sich so ein behagliches Grauen und ein zutiefst menschliches Drama, ist dies doch auch die Geschichte eines eingefleischten Intellektuellen, dessen Geist am Ende daran zerbricht, dass seine Logik vor dem Unbekannten, das er herbeiruft, kapitulieren muss.
Im Jahre 2005 nahm die BBC die Tradition der Ghost Stories for Christmas wieder auf und produzierte 2010 ein gleichnamiges Remake von Whistle and I'll Come to You (GB 2010 R.: Andy de Emmony). Leider konnten die Macher bei der Adaption des Stoffes mal wieder nicht an sich halten und "modernisierten" die Geschichte, in dem man ganz zeitgemäß eine etwas an japanische Horrorfilme erinnernde Nebenhandlung um Professor Parkins ins Heim abgeschobene, demente Gattin einfügte und die (immerhin titelgebende) Pfeife einfach durch einen Ring ersetzte. John Hurt ist zwar ein würdiger Nachfolger Horderns in der Hauptrolle, doch wirkt der nun sozialkritische Plot ebenso aufgesetzt wie unnötig.
Wer wie ich jedoch Gefallen an Millers 68er Version gefunden hat, dem sei stattdessen an dieser Stelle die oben genannte Miniserie im Allgemeinen und deren Folgen A Warning to the Curious (GB 1972) und Lost Hearts (GB 1973) im Besonderen ans Herz gelegt. Beide entstanden unter der Regie eines Lawrence Gordon Clark, basieren wie Whistle and I'll Come to You auf Kurzgeschichten von M. R. James und sind wunderbar gruslig. Während A Warning to the Curious erneut seinen Protagonisten mit einem unvermutet rachsüchtigen Geist konfrontiert, fährt Lost Hearts gar noch einen Kindermörder und dessen zwei untote, minderjährige Opfer auf.
Da die Serie zumindest in Großbritannien in verschiedenen DVD-Boxsets käuflich erhältlich ist, sei somit für schrecklich gute Unterhaltung in der (Vor-)Weihnachtszeit gesorgt, allerdings wären Untertitel ein tolles, zusätzliches Geschenk gewesen. Man kann halt wohl nicht leider nicht alles haben...


Fazit: Altmodischer Kurzgrusler mit schönem Slowburneffekt. Ein wahrer, britischer TV-Klassiker!

Punktewertung: 9,5 von 10 Punkten

Freitag, 18. Oktober 2013

Schimpansen, Krieg und Blasmusik

Underground (TV-Fassung: Bila jednom jedna zemlja)
YU/F/BRD/BG/CZ/H 1995
R.: Emir Kusturica


Worum geht's?: 6. April 1941. Deutsche Fliegerbomben zerstören den Belgrader Zoo und legen die Stadt in Schutt und Asche.
Kurz zuvor hatten die beiden Lebenskünstler Marko (Predrag Manojlovic) und Blacky (Lazar Ristovski) noch die Nacht zum Tag gemacht, nun liegt Blacky zu Hause im Bett neben seiner eifersüchtigen Gattin und Marko in den Armen einer drallen Dirne.
Als die ersten Bomben einschlagen und deutsche Truppen die Stadt besetzen, schließen sich die beiden Freunde als wahre Patrioten schon bald dem aktiven Untergrund an.
Blackys enormer Hass auf die Faschisten wird noch zusätzlich von seiner Eifersucht auf einen Nazi-Offizier (Ernst Stötzner) befeuert, der seiner Liebschaft, der hübschen Theatermimin Natalija (Mirjana Jokovic), seit Neustem den Hof macht.
Nach einem fehlgeschlagenen Attentat auf eben jenen Offizier fällt Blacky in die Hände der Besatzer und wird daraufhin in einer städtischen Irrenanstalt von den Nazis gefoltert und gefangengehalten. Marko gelingt es zwar ihn zu befreien, doch verletzt sich Blacky bei der unglücklichen Handhabung einer Handgranate schwer.

1961. Josip Broz Tito regiert nun über die Volksrepublik Jugoslawien. An seiner Seite: Marko, der nun an Blackys Stelle mit Natalija liiert ist und fröhlich Waffen am Regime vorbei in aller Herren Länder und auch nach Deutschland schiebt.
Jene Waffen werden seit Jahren im Keller seines Hauses hergestellt, wo eine Gruppe von Partisanen unter der Leitung des wiedergenesenen Blacky von Marko mit wüsten Schreckgeschichten und gefälschten Radioberichten im Glauben gehalten werden, der Krieg dauere immer noch an.
Zwar hat man sich über die Jahre in den Kellern häuslich eingerichtet, doch juckt es dem verbissenen Blacky in den Fingern, mit den von ihm hergestellten Waffen Rache an den für ihn immer noch existenten Nazis zu nehmen.
Als ein Schimpanse auf der Hochzeitsfeier von Blackys im Keller geborenen Sohns Jovan (Srdjan Todorovic) mit einer Panzergranate für Chaos und Zerstörung sorgt, gelingt Vater und Sohn die Flucht an die Oberfläche, wo die beiden in den für sie immer noch andauernden Krieg gegen die Deutschen eingreifen wollen.
Hat der mittlerweile zwanzigjährige Jovan zuvor noch nie das Licht der Sonne gesehen, so findet sich Blacky schon bald erneut im Kampf mit Männern in Nazi-Uniformen wieder, denn ein Filmteam verfilmt gerade in authentischen Kostümen das aufregende Leben des seit Langem für tot erklärten Petar Poparas, eines der größten Helden der Stadt zu Zeiten des letzten Weltkriegs. Freunde kannten diesen jedoch zumeist unter seinem Spitznamen: Blacky...


Wie fand ich's?: Als ebenso fröhliche wie grimmige Farce tischt uns hier der Serbe Emir Kusturica (*1954) drei bedeutende Abschnitte der Historie seiner Heimat auf.
Beginnend mit dem 2. Weltkrieg, über das Titoregime und die Zeit des Kalten Krieges, bis hin zum Bruderkrieg der Jahre 1991-1995, führt uns Kusturica durch sturmumtoste Zeiten voller Freud und Leid. Die stets erdfarbenen Bilder sind dabei bevölkert von Kusturicas gleichermaßen findigen wie originellen Helden, welche es verstehen aus jeder Not eine Tugend zu machen. Kusturicas Protagonisten sind mal lebenslustige Patrioten, mal umtriebige Kriegsgewinnler oder eben auch nur ganz normale Leute, deren Leben durch Krieg und Politik in immer abstrusere Situationen gebracht wird, bis sich der Kreis zu Letzt wieder schließt und der Krieg erneut sein widerliches, brutales Gesicht zeigt.
"Der Kommunismus war wie ein Keller", sagt der Deutsche Hark Bohm als jovialer Psychiater in einer Szene gegen Ende des monumentalen Werkes und bringt damit wohl Kusturicas relativ offensichtliche Allegorie ebenso schlicht wie treffend auf den Punkt - allerdings scheint sich dieser Vergleich primär auf die langjährige Diktatur Titos zu beziehen, da es nun mal jener Zeitraum ist, in dem die Handlung hauptsächlich in Markos unterirdischer Waffenfabrik spielt.
Veröffentlicht wurde Underground in zwei verschiedenlangen Schnittfassungen, einer gekürzten Kinoversion für den internationalen Markt mit etwa 163-minütiger Laufzeit sowie einer über 300 Minuten langen TV-Version, welche auch unter dem Titel Bila jednom jedna zemlja firmiert und wohl Kusturicas ursprünglicher Vision am nächsten kommt. Dieser Titel der sechsteiligen Fernsehserie lässt sich als "Es war einmal ein Land" ins Deutsche übersetzen und kündet sowohl vom beabsichtigten epischen Maßstab der Erzählung wie der inhaltlichen Annäherung an Volksmärchen.
Ein Märchen sahen viele Kritiker in Kusturicas Magnum Opus trotz des Gewinns der goldenen Palme in Cannes 1995 und zahlreicher weiteren Trophäen allerdings dann doch nicht. Vielmehr wurden international schnell Stimmen laut, die Kusturica der pro-serbischen Propaganda bezichtigten und mitunter bereits in der Zusammenarbeit zwischen dem Regisseur und dem Serbischen Rundfunk ein Indiz für eine allzu einseitige Betrachtungsweise der historischen Wahrheiten sahen. Kusturica bestreitet diese Vorwürfe seither und bezeichnet sich selbst, der er doch sowohl einen serbischen wie französischen Pass besitzt, schlicht als Jugoslawe.
Andere Kritiker stießen sich zudem noch an den für sie allzu hedonistischen Figuren, welche dem Ausland lediglich saufende und herumhurende Balkanbewohner vorführen würden. Ich frage mich an dieser Stelle, ob sich die Stadt Baltimore wohl je bei John Waters beschwert hat...
Einerlei, ich für meinen Teil konnte weder einen merklichen anti-bosnischen Ton erkennen, noch stieß ich mich an allzu vieler Blasmusik oder konsumierten Wodka. Vielmehr bot sich mir ein, wenn auch zugegeben teilweise schon recht naiv gezeichneter, Bilderbogen voller großer Gefühle und fantastischen Tableaus.
Für mich jedenfalls ist und bleibt Kusturica so was wie der Fellini des Balkans, dessen Filme oft von einer unbändigen Lebensfreude der Bevölkerung dieser Region sprechen und vor kreativen Einfällen regelrecht sprühen.


Fazit: Kusturicas Meisterwerk bietet (fast) alles: Liebe und Tod, Witz und Tragödie, Chaos und Blasmusik - was will man da noch mehr?

Punktewertung: 9 von 10 Punkten