Egal ob Exploitation, Gialli, Horror oder Sci-Fi...
Von Grindhouse bis Arthouse...
Besprechungen übersehener, unterbewerteter oder obskurer Werke der Filmgeschichte!

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Freitag, 18. September 2015

Fragmente von der Wutstraße

Mad Max: Fury Road
AUS/USA 2015
R.: George Miller


Worum geht's?: Reboot. Max Rockatansky (Tom Hardy) flieht vor seinen Dämonen durch eine postapokalyptische Wüstenlandschaft und wird von den unheimlichen Anhängern des größenwahnsinnigen Tyrannen Immortan Joe (Hugh Keays-Byrne) in dessen Zitadelle verschleppt, wo er als Frischblutspender für dessen bleiche Krieger dienen soll.
Als seine Gefolgsfrau Imperator Furiosa (Charlize Theron) mit seinem kostbarsten Besitz das Weite sucht, bricht der Despot mit Wasserdepot zu einer wilden Jagd auf, an der auch Max unfreiwillig teilnehmen darf.


Wie fand ich's?: Aufblende - It's Miller Time - Sand, Sonne, Schweiß - Tom Hardy statt Mad Gibson - Exposition unnötig - Story ist bekannt - Hauptfigur: Ikone des Schweißfilms - Geschwindigkeit frisst Plot - pures Adrenalin - Testosteron im Sprit - Blut auf Chrom - Wahnsinn und Wut - Charlene Theron statt Tina Turner - weniger Pop - mehr Metal - pedal to the metal - Riffs peitschen Wahnsinnige vor - Mutation und Atemnot - Krebs und Geschwür - Verfall und Schwangerschaft - Hochzeitskleider und Keuschheitsgürtel - Kaiserschnitt und Roadkill - ständiges Eigenplagiat - das Road Warrior-Finale im Director's Cut - rauschhafte Bilder - roter Sandsturm - blaue Nacht - Krähenmenschen im Sumpf - das Auto das Paris auffraß - weise Frauen - verrückte Männer - Wasser statt Öl - Muttermilch literweise - unendlicher Sand - woanders immer grüner - Messias und Erlösermythos - die Donnerkuppel lässt grüßen - Toecutter kehrt maskiert zurück - Mix aus Baron Harkonnen und Bane - Hardy besser als bei Nolan - Miller älter, aber kaum leiser - in Cannes ohne Konkurrenz - Soundtrack vom Junkie XL - Australien zu nass - Namibia schön trocken - Nicholas Hoult ausgemergelt erwachsen - schneller - weiter - goldene Nase und Nippelklemme - entfesselter Rost - auf Höchstgeschwindigkeit gebracht - Turbolader und Kompressor - survival of the fastest - sprachlose Raserei - style over substance - Rasanz über Inhalt - schneller und schneller - kann - nicht - anhalten!


Fazit: Boah...


Punktewertung: Bereits ein moderner Klassiker, der nur die Höchstnote verdient - 10/10.

Samstag, 21. März 2015

Dancing in the Moonlight

The American Astronaut
USA 2001
R.: Cory McAbee


Worum geht's?: In einer heruntergekommenen Bar auf dem Kleinplaneten Ceres sitzt Professor Hess (Rocco Sisto) allein bei einem Bier - und das an seinem Geburtstag. Er erwartet die Ankunft des freischaffenden Weltraumabenteurers Samuel Curtis (Cory McAbee), dessen todbringende Nemesis er ist.
Curtis erhält vom Bartender (Bill Buell) der Kneipe den Auftrag, einen Jugendlichen (Gregory Russel Cook), der nur unter dem Pseudonym "Der Junge, der tatsächlich eine weibliche Brust gesehen hat" bekannt ist, von der rein männlich besetzten Arbeiterkolonie auf Jupiter, zur Venus zu bringen, wo die gänzlich weiblichen Bewohnerinnen den für dessen Familie kostbaren Leichnam des letzten maskulinen Bewohners besitzen.
Nach einem Tanzturnier, das Curtis zusammen mit seinem alten Kumpel, dem Blueberry Pirate (Joshua Taylor), klar gewinnt, macht sich dieser auf dem Weg, einen in der Entstehung befindlichen weiblichen Klon gegen den jungen Mann zu tauschen, dessen Anblick einer nackten Damenbrust ihn zu einer lebenden Legende auf seinem Planeten gemacht hat.
Doch Hess ist den beiden Männern ständig auf den Fersen und hinterlässt dabei eine staubige Spur des Todes, macht er doch bei jeder Gelegenheit Gebrauch von seiner Handfeuerwaffe, die Getroffenen in Sand verwandelt.


Wie fand ich's?: Kann man einen Kultfilm planen? Reicht ein ausgefallenes Sujet allein, einen solchen entstehen zu lassen?
Natürlich nicht.
Trotzdem kann man es ja mal versuchen, und wenn das Publikum nur aufgeschlossen genug ist - wer weiß, was dann passiert?
Cory McAbee hat es probiert und sein Ergebnis kann sich sehen lassen. Als Kopf der Billy Nayer Show, einer Avantgarderockband, hatte er bereits früh seine Musik in selbst gemachte Kurzfilme eingebracht und damit mehrfach das Sundance Film Festival unsicher gemacht.
The American Astronaut sollte sein erster Langfilm werden und Publikum wie Kritiker wenn nicht glücklich, dann wenigstens verwirrt zurücklassen. Ein Sci-Fi-Western mit Tanzszenen, gezeichneten Raumflügen, bevölkert von seltsamen Charakteren? Was zum Teufel?
Hinzu kommen Anspielungen auf die latente Homosexualität der Hauptcharaktere, eine tolle Schwarz-Weiß-Fotographie und ein sonderbarer Soundtrack, angefüllt mit befremdlichen Hits der Billy Nayer Show, die wie originäre Oldies klingen.
Cory McAbee hat mit The American Astronaut etwas ganz Eigenes geschaffen - einen Film, zu dem einem kein direkter Vergleich einfällt. Mich erinnerte das Ganze stellenweise an Stanislav Lems Figur des unbekümmerten Weltraumbummlers Ijon Tichy und der tollen ersten Staffel der deutschen TV-Serie Ijon Tichy: Raumpilot (D 2007 R.: Chaoud/Jacobsen/Jahn), andere Kritiken ziehen Jim Jarmusch (ich würde sagen: zu 45% korrekt), die Rocky Horror Picture Show (na, ja: zu weniger als zu 10% schlüssig, mehr nicht...) oder mal wieder den frühen David Lynch (irgendjemand ist wohl immer der Auffassung...) zum Vergleich hinzu.
Wer also ein Herz für das Abseitige hat (wie heißt dieser Blog doch gleich noch mal?), Rockabilly nicht per se ablehnt und den Schwarz-Weiß-Film als die einzig wahre Darreichungsart feiert: Cowboyhut auf, Sessel in Startposition rücken und das Tanzbein ruhig schon mal im Takt des eigenen wilden Herzschlags einwippen lassen...


Fazit: Einzigartig, bizarr und wild. Für Personen, die auch im All den Wilden Westen vermuten und die selbst im Absonderlichen noch den Witz ausmachen können.


Punktewertung: 8,75 von 10 Punkten

Freitag, 19. Dezember 2014

Ich Boss - Du nix!

Boss Nigger
USA 1975
R.: Jack Arnold


Worum geht's?: Der Wilde Westen.
Die zwei schwarzen Kopfgeldjäger Boss (Fred Williamson) und Amos (D'Urville Martin) stolpern auf der Suche nach einem lukrativen Fang in ein weißes Städtchen, welches nicht nur einen Sheriff sucht, sondern auch vom berüchtigten Ganoven Jed Clayton (William Smith) und dessen räudiger Gang belagert wird.
Die Situation schnell ergreifend, ernennen sich Boss und Amos kurzerhand zu Sheriff und Deputy, sehr zum Unwillen des durchtriebenen Bürgermeisters (R.G. Armstrong), der mit Clayton ein zu seinen Kosten gehendes Waffenstillstandsabkommen getroffen hat.
Von wenigen Ausnahmen, wie der lebenslustigen Lehrerin Miss Pruitt (Barbara Leigh), abgesehen, machen sich die neuen Gesetzeshüter keine Freunde in dem kleinen Kaff, besonders als sie beginnen ihre eigenen Gesetze aufzustellen. So steht bald nicht nur die Benutzung des rassistischen N-Words unter Strafe, Boss beginnt auch noch die ausgegrenzte, mexikanische Bevölkerung aus den Reserven des Städtchens zu ernähren.
Die Spannungen wachsen, und als der Bandit Clayton seine Finger nach der, zuvor von Boss und Amos bei einem Banditenüberfall geretteten, Clara Mae (Carmen Hayward) ausstreckt, setzt dieses vollends Feuer an ein Dynamitfass aus Rassismus, Brutalität und Vorurteilen...


Wie fand ich's?: Schon der Titel ist pure Provakation und so unkommerziell, dass vor einigen Jahren eine US-DVD unter dem kürzeren Alternativtitel Boss veröffentlicht wurde.
Boss Nigger beginnt als eine sarkastische Parodie auf Filme wie High Plains Drifter (USA 1973 R.: Clint Eastwood dt.: Ein Fremder ohne Namen) und endet als fast realitätsnahes Drama ohne wahre Gewinner.
Regie führte Jack Arnold (*1916; †1992), der heute wohl der breiten Schicht lediglich als Meister solcher Creature Features wie Tarantula (USA 1955) oder Creature from the Black Lagoon (USA 1954 dt.: Der Schrecken vom Amazonas) im Gedächtnis ist. Dabei schuf Arnold auch knuffige Komödien, harte Western und viel TV. Sein zynischer Thriller The Swiss Conspiracy fand bereits zuvor in diesem Blog Beachtung, ein Film, der ein ebenso düsteres Ende wie Boss Nigger besitzt und der nur wenig später in die Lichtspielhäuser kommen sollte.
Das Drehbuch zu Boss Nigger verfasste Hauptdarsteller Fred Williamson persönlich. Williamson, dessen American Football Karriere ihm den Spitznamen "The Hammer" eingebracht hatte, war durch seine Rolle als Black Caesar (USA 1973 R.: Larry Cohen dt.: Der Pate von Harlem) zu einem Star des Blaxploitation-Kinos geworden und versuchte nun mit dem, von ihm auch produzierten, Film einen Western für ein schwarzes Publikum zu schaffen. Dazu nahm er bekannte Versatzstücke des Genres, stellte aber die schwarzen Protagonisten als geistig wie körperlich klar überlegen dar.
Wie Eastwood trägt auch Williamson ein Zigarillo im Mundwinkel, ein Zeichen seiner dominanten Männlichkeit, die Frauen reihenweise in die Knie zwingt.
Als Sidekick wählte man D'Urville Martin aus, der bereits viele Male mit Williamson vor der Kamera gestanden hatte und der sich mit ihm im Film ständige Wortgefechte liefert.
Da Williamson zu viel Mann für nur eine Frau ist, mussten direkt zwei Love interests her: Barbara Leigh und Carmen Hayward durften schmachten und dem Herrn zu Füßen liegen.
Angereichert mit etwas christlicher Symbolik (gerade im Italowestern immer wieder gern verwendet) entstand so ein äußerst gelungenes Spätwerk, welches den Vergleich mit Arnolds früherem Westernklassiker No Name on the Bullet (USA 1959 dt.: Auf der Kugel stand kein Name) kaum scheuen muss.


Fazit: Hinter dem provokanten Titel versteckt sich sowohl für Freunde des Westerns, wie auch für Fans des Blaxploitationfilms ein wahres Fest.



Punktewertung: 8,25 von 10 Punkten

Dienstag, 22. Juli 2014

The Twilight Blog #3 - Der Revolverheld und das Schicksal

The Twilight Zone - Staffel 1, Episode 3
Mr. Denton on Doomsday (dt.: Mr. Dentons zweite Chance)
B.: Rod Serling
R.: Allen Reisner
US-Erstausstrahlung: 16.10.1959 (BRD: 19.01.1996)


Die Story: Der Wilde Westen. Al Denton (Dan Duryea) war noch vor Jahren ein bekannter Revolverheld; heute hat der Dämon Alkohol von ihm vollends Besitz genommen. Doch nun ist das personifizierte Schicksal in Form des reisenden Händlers Henry J. Fate (Malcolm Atterbury) in die Stadt gekommen und gewährt Mr. Denton eine letzte Chance.


Das Zwielicht durchbrochen: Willkommen zur ersten Episode der Twilight Zone, die nicht in der Gegenwart (also Ende der 50er Jahre) spielt, sondern die Handlung stattdessen in die staubigen Zeiten des Wilden Westens verlegt. Dies sollte im Laufe der Serie noch öfters stattfinden (u. a. in der recht bekannten Folge A Hundred Yards Over the Rim in der nächsten, zweiten Staffel), und dies meist mit einem interessanteren Ergebnis als hier.
Tatsächlich kann ich nicht mal genau sagen, was mir an Mr. Denton on Doomsday missfällt und diese Episode in die Mitte meiner Wertungsskala rücken lässt. Die Inszenierung ist durchaus als sehr solide zu bezeichnen, ebenso die darstellerischen Leistungen. Besonders hinweisen möchte ich hier auf einen jungen Martin Landau in einer Rolle als unsympathischen Rüpel und auf einen Auftritt Doug McClures, der nicht nur der kultigen Figur des Troy McClure in der Serie The Simpsons ihren Nachnamen gab, sondern auch dessen Äußeres mitprägte.
Was ist es also, was mir an dieser Folge nicht so recht gefällt? Vielleicht ist es die bis zu ihrem finalen Plottwist doch vollkommen vorhersehbare Story. Vielleicht ist es auch Malcolm Atterbury, der mich in der Rolle des fleischgewordenen Schicksals einfach nicht genug beeindrucken kann.
In der Tat reden verschiedene Quellen davon, dass Serlings Drehbuch ursprünglich klarer als Komödie konzipiert war und die Hauptfigur in dieser Version ein schwächlicher Schullehrer gewesen sein soll. Ob dies der eher schwachen Story besser getan hätte, lasse ich hier einmal dahingestellt.
Egal, Mr. Denton on Doomsday ist sicher keine schlechte Episode und stellt lediglich einen (ersten) leichten Tiefpunkt innerhalb einer bald schon beginnenden Serie von allesamt sehr imposanten Folgen dar. Allerdings müssen wir um zu diesen zu gelangen erst noch an der nächsten Episode vorbei...
Mr. Denton on Doomsday wurde am 16. Oktober 1959 in den USA erstausgestrahlt. Die deutsche Fernseherstauswertung geschah am 19. Januar 1996 durch TV München. Dies ist außerdem eine von insgesamt nur drei Episoden, welche einen nachträglich abgeänderten Titelvorspann mit einem großen, geschminkten, weiblichen Auge aufweisen.


Episodenbewertung: ***/5

Samstag, 19. Juli 2014

The Twilight Blog #0 - Die bloßen Fakten...

The Twilight Zone (Unwahrscheinliche Geschichten / Unglaubliche Geschichten / Geschichten, die nicht zu erklären sind)
USA 1959 bis 1964 (Sechs Staffeln, insg. 156 Episoden)
erdacht und produziert von Rod Serling
diverse Regisseure


Die vom sechsmaligen Emmypreisträger Rod Serling (*1924; †1975) erschaffene Serie The Twilight Zone stellt für mich ein zeitlos schönes Stück US-Fernsehen da, welches vollkommen zu Recht über die Jahrzehnte zu einem internationalen Kultphänomen wurde.
Dies liegt zum einen an den überaus liebevollen Inszenierungen der einzelnen Episoden, zum anderen an den wirklich gelungenen Drehbüchern (über die Hälfte davon stammten von Serling selbst), welche teilweise bereits wahre Klassiker ihres Genres darstellen und von Größen wie u. a. Ray Bradbury oder Richard Matheson verfasst wurden. Die Themen reichen dabei mitunter vom düsteren Mysterythriller bis zur leichtfüßigen Science-Fiction, vom psychologisch abgründigen, urbanen Horror hin zur Dystopie in postapokalyptischer Einöde. Ist der Ton mancher Folgen sentimental bis melancholisch, so enden andere Episoden manchmal mit satirisch, ironischen Pointen, teilweise sogar mit stark makabren Untertönen.
Daneben gibt es innerhalb fast jeder Episode ein oder zwei bekannte Gesichter aus Hollywood wiederzuerkennen, was Filmfans ein ständiges "Ach, sieh mal..." entringen dürfte. Namedropping gefällig? Freuen Sie sich auf James Coburn, Jack Klugman, Peter Falk, Buster Keaton, Charles Bronson, Dennis Hopper oder William Shatner, um nur einige sehr Wenige zu nennen.


Insgesamt brachte es die Serie im Zeitraum von 1959 bis 1964 auf 156 Folgen in fünf Staffeln. Die Laufzeit der einzelnen Episoden betrug netto (also ohne TV-Werbeblöcke) in der Regel ca. 24 Minuten, eine Ausnahme bildete hier die vierte Season, deren Folgen etwa doppelt so lang waren.
Nach dem (in seiner Gestaltung schon in den einzelnen Staffeln öfters wechselnden) Vorspann, führte Rod Serling mit einem kurzen Text in die jeweilige Episode ein und moderierte auf gleiche Art am Ende der Folge diese ebenfalls kurz ab. Diese Idee wurde ebenso zum Markenzeichen der Serie, wie die ab der zweiten Staffel erklingende, berühmte Titelmelodie der Serie, welche vom französischen Komponisten Marius Constant geschrieben wurde.
Serling und die von ihm geschaffene Serie wurde bereits in den frühen 60ern für zahlreiche Preise nominiert, wovon man auch eine ganze Reihe verliehen bekam, darunter einige Emmys (der bedeutendste Fernsehpreis der USA) und zwei Hugo Awards for Best Dramatic Presentation (einer der wichtigsten Preise für Science-Fiction und Fantasy in Kino und TV).
Welchen Einfluss The Twilight Zone bis heute auf Fernsehen und Popkultur hat, zeigt sich zum einen an Serien wie The Outer Limits (USA 1963-1965) oder Beyond Belief: Fact or Fiction (USA 1997-2002 dt.: X-Factor - Das Unfassbare), welche Inhalte und den Anthologiefilmcharakter des Vorbilds übernahmen, zum anderen an den zahlreichen Zitaten, Persiflagen und Hommagen, welche über die Zeit u. a. in populären TV-Serien wie The Simpsons (USA 1989-) oder auch in Literatur, Comics und Musik Einzug hielten.
 

Eine gute Idee ist meist nur schwer totzukriegen, und so stieg auch The Twilight Zone bislang ganze zwei weitere Male wie der Phönix aus der Asche auf: erstmals zehn Jahre nach Serlings Tod von 1985 bis 1989; dann erneut von 2002 bis 2003.
1983 entstand außerdem unter dem Titel Twilight Zone: The Movie (USA 1983 dt.: Unheimliche Schattenlichter) ein recht kontrovers aufgenommener Kinofilm, bei dem sich die Herren Dante, Miller, Spielberg und Landis gemeinsam als Regisseure betätigten und bei dessen Dreharbeiten es zu einem tragischen Unfall kam, der drei Menschenleben kostete.
1994 erschien mit Twilight Zone: Rod Serling's Lost Classics (USA 1994 R.: Robert Markowitz dt.: Schrecken aus dem Jenseits) zusätzlich ein Fernsehfilm, der zwei zuvor unverfilmte Ideen Serlings mit wenig Erfolg auf die Mattscheibe brachte.
In wieweit ich auf all diese Ableger der Originalserie im Verlauf dieses Blogspecials eingehe, kann ich zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht sagen - Fakt ist jedoch, dass es nun endlich nach und nach mit den Episoden der ersten Staffel losgeht.
Viel Spaß!
That's the signpost up ahead - your next stop, The Twilight Zone!

Sonntag, 30. März 2014

Karten auf den Tisch

A Big Hand for the Little Lady (Höchster Einsatz in Laredo)
USA 1966
R.: Fielder Cook





Worum geht's?: Einmal im Jahr treffen sich die fünf reichsten Männer der Gegend in Laredo, um von der Öffentlichkeit abgeschlossen im Speisezimmer eines Saloons um höchste Einsätze zu pokern.
Nichts kann diese Männer vom Spieltisch fernhalten, weder ein laufendes Gerichtsverfahren noch die Hochzeit der eigenen Tochter.
Da ist der Frauen hassende Bestatter Tropp (Charles Bickford), der abgewichste Rinderbaron Drummond (Jason Robards), der sympathische Rechtsanwalt Otto Habershaw (Kevin McCarthy) sowie der feiste Dennis Wilcox (Robert Middleton) und der zurückhaltende Buford (John Qualen).
Doch dieses Jahr trifft Habershaw in einer Spielpause im Schankraum auf den Durchreisenden Meredith (Henry Fonda), der mit Gattin (Joanne Woodward) und Sohn (Jean-Michel Michenaud) in Laredo haltmacht.
Kaum lässt dessen Gattin beim Dorfschmied ein Wagenrad reparieren, lässt der spielsüchtige Familienvater seine Reiseersparnisse vom Wirt in Chips eintauschen und steigt mit zitternden Händen in die Pokerrunde ein.
Nach einigen verlorenen Spielen glaubt Meredith dann plötzlich das Blatt seines Lebens auf der Hand zu haben - ein Blatt so unschlagbar, dass es ihn wortwörtlich vom Stuhl haut, als seine Mitspieler versuchen ihn mit einem fiesen Trick aus dem Spiel zu halten.
Der Arzt (Burgess Meredith) wird gerufen und als dieser den japsenden Herrn im Nebenzimmer behandelt, muss seine resolute aber im Poker vollkommen ahnungslose Gattin notgedrungen in die Partie einsteigen, um die dringend benötigte Haushaltskasse zu retten.
Doch ist es ein großes Blatt für eine kleine Dame und ihre Mitspieler sind ganz durchtriebene Kerle!



Wie fand ich's?: Eigentlich bin ich ja eher ein Freund des dreckigen Spaghettiwesterns, doch hin und wieder kommt ein US-Western daher, der mich daran erinnert, wo das Genre ursprünglich geboren wurde.
Bei A Big Hand for the Little Lady trifft eine großartige Besetzung auf ein überaus gelungenes Drehbuch, dessen letzten Dreh man vielleicht schon von Anfang an kommen sieht, was aber durch die Güte des restlichen Films sofort ausgebügelt wird.
Fonda, der sowohl in US- wie auch Spaghettiwestern zu sehen war, glänzt hier zunächst als nervöses Spielerwrack, bis er den Bildmittelpunkt an Joanne Woodward übergibt. Zwei Oscarpreisträger also in den Hauptrollen, daneben ein Cast, der sich ebenfalls sehen lassen kann. Auf Jason Robards sollte Fonda zwei Jahre später wieder ebenfalls sehr gewinnbringend in C'era una volta il West (I/USA 1968 R.: Sergio Leone dt.: Spiel mir das Lied vom Tod) treffen, mit Kevin McCarthy hatte er zwei Jahre zuvor bereits für The Best Man (USA 1964 R.: Franklin J. Schaffer dt.: Der Kandidat) vor der Kamera gestanden.
Regisseur Fielder Cook war in erster Linie fürs US-Fernsehen tätig und sollte eher nebenher auch fürs Kino arbeiten. Auch A Big Hand for the Little Lady war von ihm bereits 1962 im Rahmen der The DuPont Show of the Week unter dem Titel Big Deal in Laredo (USA 1962) mit Walther Matthau als Meredith und Teresa Wright als Mary verfilmt worden. Das Drehbuch für beide Adaptionen stammte aus der Feder von Sidney Carroll, ebenfalls einem lebenslangen TV-Veteranen, der nebenbei obendrein die Drehbücher bzw. Storys zu solch Kinoknallern wie The Hustler (USA 1961 R.: Robert Rossen dt.: Haie der Großstadt) oder Gambit (USA 1966 R.: Ronald Neame dt.: Das Mädchen aus der Cherry-Bar) ablieferte.
So bietet A Big Hand for the Little Lady alles, was man von einer familientauglichen Westernkomödie erwartet. Auf Shootouts auf staubigen Gassen muss der Genrefan zwar verzichten, dafür erwarten den Zuschauer liebenswerte Antihelden, wunderbare Sets und fantastische Dialoge.
Leider harrt diese Preziose noch einer deutschen Veröffentlichung kann aber von Importwilligen mit regionalcodefreiem Equipment aus den US of A für wenig Geld bezogen werden.



Fazit: Die Nummer 117 dieses Blogs wird endlich ein Western - und was für einer! Lustig, dramatisch, toll besetzt und großartig gespielt. Hier kann der Zuschauer nur gewinnen!



Punktewertung: 8,25 von 10 Punkten