Egal ob Exploitation, Gialli, Horror oder Sci-Fi...
Von Grindhouse bis Arthouse...
Besprechungen übersehener, unterbewerteter oder obskurer Werke der Filmgeschichte!

Donnerstag, 31. Mai 2018

Befreie das Tier in Dir!

Wolf (Wolf – Das Tier im Manne)
USA 1994
R.: Mike Nichols


Worum geht’s?: Auf der Heimreise von einem erfolgreichen Geschäftstermin, fährt der ausgeglichene Verlagschefredakteur Will Randall (Jack Nicholson) auf einer verschneiten einen Wolf an.
Bei der Begutachtung des angefahrenen Tiers, wird Randall in die Hand gebissen, und muss wenig später zu seiner Überraschung bemerken, dass sich zudem um die Bisswunde herum große Büschel aus Haar bilden und sich seine Sinne insgesamt verstärken.
Sein Unglück spitzt sich weiter zu, als er nach der Übernahme durch den schwer reichen Großunternehmer Alden (Christopher Plummer) seinen Job an seinen eigenen Protegé Swinton (James Spader) verlieren und praktisch stattdessen buchstäblich in die Walachei versetzt werden soll.
Doch dies scheint dem Schicksal immer noch nicht genug zu sein, muss der vom Pech verfolgte Mann doch auch noch feststellen, dass der jüngere Rivale nicht nur seine Stelle bekommen soll, sondern auch längst ein Verhältnis mit seiner Ehefrau (Kate Nelligan) hat.
Verständlicherweise erzürnt, wird der biedere Verlagsangestellte nun wortwörtlich immer mehr zum Tier, beißt er doch Swinton selbst in die Hand und fängt er eine sonderbare Affäre mit Aldens entfremdeter Tochter Laura (Michelle Pfeiffer) an, in dessen Haus er einen seltsamen Traum hat und des Morgens blutbesudelt erwacht.
Der um Hilfe ersuchte Dr. Alazeis (Om Puri) erkennt Randalls Problem auf Anhieb: Randall ist dabei zu einem Werwolf zu werden.
Mit Lauras Unterstützung versucht er fortan den Fluch unter Kontrolle zu bekommen, doch wer kann das Tier im Manne schon aufhalten, wenn es einmal entfesselt wurde?

***

Wie fand ich’s?: Gleich jedem anderen Subgenre auch, hat der Werwolffilm in den letzten Jahren und Dekaden immer wieder einige neue Beiträge auf die Leinwände gebracht.
War die Vielzahl davon der übliche, uniformierte Mittelstand, so gab es allerdings auch einige herausragende Werke, die aus der breiten, gleichgesichtigen Masse herausragen. Dies müssen nicht unbedingt Meisterwerke sein, es reicht, wenn sie den Horrorfilm um einige neue Aspekte bereichern, oder, wenn sie einfach nur „seltsam“ genug sind, um zum Beispiel in diesem Blog einen Platz zu finden.
Wolf ist auf den ersten Blick starbesetzter Hochglanzhorror aus Hollywood, doch trägt Wolf anders als viele seiner Artgenossen einen nicht allzu subtil versteckten Subtext im Herzen, der ihn zu etwas Besonderem macht.
Mike Nichols Film lässt sich nämlich auch als schwarze Komödie über einen gesetzten Geschäftsmann in der Midlife-Crisis lesen, der um seine Existenz beraubt (Job und Partnerin sind zunächst passé) buchstäblich das Tier in sich entdeckt und dem Affen in Folge immer mehr Zucker gibt.
Dieses Auffinden der Animalität im eigenen Selbst wird vom Protagonisten selbst zunächst als Fluch angesehen, doch eröffnet bereits die Figur des totkranken Volkskundlers Dr. Alazeis die Perspektive auf eine alternative Form der Existenz, die vielleicht sogar die eigene Sterblichkeit zu überwinden vermag.
Wenige Jahre nach Wolf sollte der kanadische Werwolfstreifen Ginger Snaps (CAN 2000, R.: John Fawcett, dt.: Ginger Snaps – Das Biest in Dir) die Herkunft des Monströsen nicht mit der Midlife-Crisis eines Mannes, sondern mit der Pubertät und Frauwerdung eines jugendlichen Mädchens in Zusammenhang bringen, ein Motiv, welches sich dann wiederum später auch in dessen beiden Fortsetzungen und im dänischen Horrordrama Når dyrene drømmer (DK 2014, R.: , eng.: When Animals Dream) recht ähnlich wiederfinden sollte, wobei letzterer keine „klassische“ Darstellung eines Werwolfes aufweist.
Dem seit den 60er-Jahren in Hollywood tätigen Mike Nichols (*1931; †2014; eigentlich: Michail Igor Peschkowsky), Sohn zweier jüdischer Exilrussen und bereits für sein Debüt Who’s Afraid of Virginia Woolf? (USA 1966, dt.: Wer hat Angst vor Virginia Woolf?) Oscar-nominiert, gelingt in der ersten Hälfte somit ein wunderbar stringent erzählter, äußerst angenehm erwachsener Horrorfilm, der jedoch gen Ende immer mehr in klassische „Endkampfgefilde“ abrutscht, und in einem eher unnötigen Actionfinale nach Schema F mündet, das jedoch noch einen wiederum schönen allerletzten Twist nach sich zieht.
Interessanterweise ist belegt, dass Drehbuchautor und Verfasser der gleichnamigen Romanvorlage Jim Harrison nach einem Streit mit Nichols seine Hollywoodkarriere wutentbrannt an den Nagel hing, da Nichols‘ Darstellung des zum Tier werdenden Protagonisten ihm offenbar zu bieder erschien.
Dabei ist es gerade die zu Anfang eher zurückhaltende und zunächst wenig effekthascherische Art des Films, die Wolf aus der Masse seiner behaarten, zähnefletschenden Konkurrenten heraushebt.
Natürlich sollte man nicht unterschlagen, dass der Film auch durch einen brillant aufspielenden Jack Nicholson und dessen Kollegen Pfeiffer, Plummer und Spader locker über die mehr als zweistündige Laufzeit gebracht wird und auch die Musik von Maestro Ennio Morricone tut noch ein weiteres hinzu.

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Fazit: Ein, zumindest in der ersten Hälfte, tierisches Vergnügen für vielleicht ebenfalls bereits in die besten Jahre gekommene Freunde haariger Gestaltwandler.


Punktewertung: 7,75 von 10 Punkten

Sonntag, 27. Mai 2018

Achtung: Rummelplatz-Zombie-Hippies - oder: Da hat der Arsch aber Kirmes!

Malatesta's Carnival of Blood
USA 1973
R.: Christopher Speeth


Worum geht's?: Ein runtergekommener Rummelplatz irgendwo in Pennsylvania zu Anfang der 70er.
Um heimlich nach ihrem Sohn Lucky zu suchen, heuert Familie Norris beim sinisteren Mr. Blood (Jerome Dempsey) als Schausteller an und übernimmt fortan für die Saison die örtliche Schießbude.
Blood vertritt den phantomhaften Besitzer der Kirmes, Malatesta (Daniel Dietrich), der des Nachts mit einem Cape bekleidet durch die Dunkelheit streift und seinen kannibalistischen Untertanen gern seinen Lieblingsstummfilm zeigt, wenn diese nicht gerade einen Besucher um die Ecke bringen und jenem dann das Blut abzapfen.
Zusammen mit dem jungen Budenbesitzer Kit (Chris Thomas) macht sich Vena (Janine Carazo), die Tochter der Norris', daran, das Geheimnis hinter Malatestas Rummel des Blutes zu ergründen und entdeckt eine unglaubliche Welt des Schreckens.

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Wie fand ich's?: Dies ist mal wieder ein Film, der sich mir schon nach kurzer Zeit der erstaunten Betrachtung, als geradezu idealer Kandidat für diesen Blog anbot. Schon die obige Synopsis macht klar, hier handelt es sich um bizarre Ware, Ware zudem, die drei Jahrzehnte lang praktisch vollkommen unerreichbar war, bevor sie Regisseur Speeth (*1939; †2017) höchstselbst 2003 auf DVD veröffentlichte, und sie so erstmals einem breiten Publikum zugänglich machte.
Was man vorfindet, ist ein seltsamer Mix aus psychodelischem Jahrmarktsgrusel, angefüllt mit menschenfleischfressenden Zombies, welche aus Romeros frühen Werken des Genres entliehen zu sein scheinen.
Immer wieder gelingt Speeth in seinen, mit schmutzigen Kunststofffolien angefüllten, Rummelkulissen atmosphärische Bilder dank tollen Regieeinfällen zu schaffen.
Man hat das Gefühl, das hier vieles improvisiert war, manche Darsteller sind offenkundig Laien und haben hier (wie Hauptaktrice Janine Carazo) ihren einzigen Filmauftritt.
Hervé "Nick Nack" Villechaize, der Lesern diese Blogs bereits vor Jahren ebenfalls hier untergekommen ist, hat hier eine seiner ersten Rollen und darf neben Charaktervisagen wie William Preston (bekannt als Schreckgespenst aus The Exorcist III und Gilliams The Fisher King) die Freakshow des Herren Malatesta mit seiner Präsenz beehren.
Immer wieder wirft Speeth einige verstörende Gore-Effekte mit in den Mix, welche allerdings ebenfalls etwas laienhaft daherkommen, trotzdem jedoch nicht ihre verstörende Wirkung verfehlen.
Wer sich über einen bizarren Low-Budget-Bastard aus Versatzstücken von Night of the Living Dead, dem später entstandenen The Funhouse, den Filmen eines Hershell Gorden Lewis, Herk Harveys Carnival of Souls und dem fast zeitgleich erschienenen Messiah of Evil freuen kann, ist hier also genau richtig.
Die schöne britische Medienmanufaktur Arrow Films hat Malatesta's Carnival of Blood als ersten Film seines bislang dreiteiligen American Horror Projects neben weiteren obskuren Kultklassikern wie The Premonition (USA 1976 R.: R. A. Schnitzer, dt.: Das Trauma) und The Witch Who Came from the Sea (USA 1976 R.: Matt Cimber) veröffentlicht. Kaufempfehlung!
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Fazit: Für erfahrene Freunde kranker Kost ein wilder Ritt auf der Achterbahn, für einen unvorbereiteten Zuschauer ein Test seiner Geduld und geistiger Belastungsfähigkeit.

Punktewertung: 7,25 von 10 Punkten

Mittwoch, 11. April 2018

Schweinereien vor Gericht

The Hour of the Pig aka. The Advocate (Pesthauch des Bösen)
GB/F 1993
R.: Leslie Megahey


Worum geht's?: Frankreich im 15. Jahrhundert.
Es sind dunkle Zeiten, trotzdem versucht der junge Anwalt Richard Courtois (Colin Firth) Recht und Ordnung in die abgelegene Provinz Ponthieu zu bringen.
Dort richtet man nach dem damaligen französischen Recht jedoch nicht nur über Menschen, sondern auch über Tiere, denen dieselben Taten angekreidet und auch dieselben Strafen aufgebürdet werden, wie den Leuten der Gegend.
So muss Richard schon bald nicht nur bei einem Mord aus Eifersucht und einem Fall von Hexerei die Verteidigung übernehmen, wird doch ein ausgewachsenes Schwein der Tötung eines kleinen, jüdischen Jungen bezichtigt.
Da das Tier der schönen Maurin Samira (Amina Annabi), in die sich Richard praktisch sofort Hals über Kopf verliebt, gehört, stimmt er nicht vorschnell der Absicht des abgeklärten Anklägers Pincheon (Donald Pleasence) zu, dem Tier einfach zügig dem Garaus zu machen.
Als er dann auch noch bei den Bauarbeiten zu seinem eigenen Haus auf eine weitere Kinderleiche stößt, beginnt der Advokat auf eigene Faust sogar in den höchsten Kreisen des Hinterlands zu ermitteln, stets im Kampf gegen allgegenwärtige Angst, Vorurteile, Aberglauben und Antisemitismus.

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Wie fand ich's?: Regisseur Leslie Megahey (* 1944) dürfte hierzulande nur den Wenigsten bekannt sein, ist der gebürtige Ire doch zum größten Teil seiner Karriere als Regiefachkraft für TV-Kunstdokumentationen bei der altehrwürdigen BBC tätig gewesen.
Mir persönlich viel Megahey erst vor wenigen Monaten als Regisseur der wunderbaren Künstlerporträt-Schauermär Schalcken the Painter (UK 1979) aufgefallen, welche es ebenfalls verdient hätte an dieser Stelle besprochen zu werden (was einer unbedingten Sehempfehlung für Freunde klassischen Gothic-Horrors gleichkommen soll), und die zeigt, dass Fernsehen sowohl geistreich wie unterhaltsam sein kann.
Megaheys (bislang) letzte Regiearbeit sollte jedoch The Hour of the Pig werden, eine gallige Satire um Aberglauben, Macht und das Mittelalter - oder vielmehr eine böse Geschichte um die Macht, die der Aberglaube im Mittelalter an denjenigen gab, der ihn nur richtig für sich einsetzen konnte.
Megahey zeigt eine Epoche, in der zwar immer noch Menschen des Hexenwerks beschuldigt werden, man sich jedoch unter den intellektuellen Köpfen einig ist, dass dies weniger Ausdruck eines tatsächlichen Aberglaubens, sondern vielmehr ein sozialpolitisches Instrument darstellt.
Hier brilliert der wie immer großartige Donald Pleasence als abgeklärter Ankläger Pincheon, der mit gelassener Miene auch mal ein Borstentier zum Tode verurteilt, weil sich gerade sonst kein passender Verdächtiger findet.
Neben Pleasence gibt Colin Firth eine frühe Darbietung seiner Kunst als noch von Idealen getriebenen Junganwalt. Tatsächlich basiert die von Firth verkörperte Figur auf dem französischen Juristen Barthélemy de Chasseneuz, der eines der grundlegenden Werke über das Gewohnheitsrecht seiner Zeit verfasste.
Firth und dessen Filmcharakter erden den Film, der durch die sich im Kreuzfeuer der Interessen befindlichen Mauren auch eine hochaktuelle Flüchtlings- und Migrationsthematik beibringt und nicht nur final fast auf einen bitteren Whodunit zuläuft, sondern noch ganz zuletzt mit einer besonders zynischen Endpointe aufwartet, die einen kurz schlucken lässt.
In Großbritannien unter dem ursprünglich angedachten Titel The Hour of the Pig veröffentlicht, wurde der Film in den USA von Miramax (die Weinsteins - auch so Schweinchen) umgeschnitten und unter dem Titel The Advocate veröffentlicht. Leider fehlt es noch international an einer adäquaten Blu-ray, die vielleicht sogar beide Versionen enthalten könnte ...

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Fazit: Also, was lernt man aus diesem Film? Früher war eben auch nichts besser und Schweine gibt es auch unter den belesenen Zweibeinern, nur richten sie dort weitaus mehr Schaden an!







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Punktewertung: 8,75 von 10 Punkten

Samstag, 23. Dezember 2017

Von Gangstern und Gespenstern

Hold That Ghost! (Vorsicht Gespenster!)
USA 1941
R.: Arthur Lubin


Worum geht's?: Kalifornien zu Beginn der 40er-Jahre.
Chuck (Bud Abbott) und sein Kumpel Ferdi (Lou Costello) quälen sich von Job zu Job. Mal verdingen sie sich mehr schlecht als recht mit einer eigenen Tankstelle, dann mühen sie sich als Aushilfskellner in einem Nobelrestaurant ohne Aussicht auf Besserung der eigenen Situation.
Doch unverhofft kommt oft, und eines Tages landen die beiden nach einer Reihe sonderbarer Zufälle im Wagen des Gangsterbosses Moose Matson (William B. Davidson), der jedoch, von der Polizei zusammengeschossen, auf dem Rücksitz der Karosse verreckt.
Das Testament in den Händen des abgezockten Gauners macht die beiden Pechvögel zu Erben des Vermögens des Ganoven, erbt doch der, der Moose als Letztes buchstäblich am Nächsten stand.
Nicht, dass es viel zu erben gebe - Moose soll sein Geld stets nur "im Kopf" gehabt haben, aber es gibt da eine heruntergekommene, aufgegebene Taverne irgendwo an der Landstraße, die den beiden nun gehören soll.
Zum Weg dorthin nimmt den Bus, der natürlich ebenfalls von zwielichtigen Gestalten gefahren wird, welche die Reisegesellschaft in stürmischer Nacht einfach am Ziel ohne ihr Gepäck stehen lassen.
In der Dunkelheit gestrandet, richtet man sich in der abgeranzten Spelunke halbwegs häuslich ein, neben Chuck und Ferdi, sind da noch ein junger, intellektueller Doktor (Richard Carlson), eine etwas affektierte Radio-Actrice (Joan Davis), eine sympathische Kellnerin (Evelyn Ankers) und der halbseidene Charlie Smith (Marc Lawrence), dessen Leiche schon bald allen als Erstes den Abend versaut, bevor eine schaurig-kauzige Gespensterjagd entbrennt, die kein Auge trocken lässt.
Denn nicht nur, dass der Verstorbene Moose seine Kaschemme mit allerlei versteckten Extras versehen hat, auch schleichen finstere Gestalten durch die Nacht und Ferdi wird gar Zeuge einiger wahrhaft paranormaler Aktivitäten!

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Wie fand ich's?: Das Abbott und Costello es in Deutschland nie zur gleichen Bekanntheit ihrer Kollegen gebracht haben hat mich stets verwundert. Jeder, der sich hierzulande für schwarz-weiße Comedyklassiker interessiert, kennt Laurel & Hardy, die Marx Brothers oder sogar die bereits etwas obskureren Three Stooges, doch nur Eingeweihte sind über das Duo Abbott & Costello gestolpert.
Dabei waren die Beiden so etwas wie Akkordarbeiter im Bereich der Comedy, die es als Duo auf ganze 36 Hollywood-Filme plus ein gemeinsames Cameo bringen, eigene Radio- und Fernsehshows hatten und karrieretechnisch dermaßen unter Strom standen, dass sowohl Abbott wie Costello schwerste Sucht- und Gesundheitsprobleme zu schaffen machten.
So war Bud Abbott lange Jahre ein schwerer Trinker, der mit dem Suff seine Epilepsie kurieren wollte und seinen Partner mit nur 40 % des erwirtschafteten Gewinns abspeiste, dieser hatte sich 1943 wohl aufgrund vollkommener Überarbeitung das eigene Immunsystem zerstört und musste aufgrund eines rheumatischen Fiebers ein halbes Jahr mit jeglicher Arbeit aussetzen.
Im selben Jahr verstarb dann auch noch kurz vor seinem ersten Geburtstag Costellos Sohn Butch, als dieser aus seiner Krippe kletterte und im hauseigenen Pool ertrank. Wohl unfähig anders als wie ein kaltschnäuziger Profi auf eine solche Situation zu reagieren, brach Costello trotz der Todesnachricht seines Kindes die soeben begonnene Radioshow nicht ab. Jedoch trennte er sich wenig später von seiner Frau, der er die Schuld für das Unglück gab und auch seine Beziehung zum dominanten Arbeitspartner Abbott sollte deutliche Risse bekommen.
Leiden die ersten Filme des Komikerduos über ein Zuviel an Musicalnummern, so rahmen hier zwei Auftritte von Ted Lewis und den Andrew Sisters die Haupthandlung gottseidank nur ein und hindern nicht den Fluss und das schöne Timing der Gruselklamotte.
Hold That Ghost! steht ganz in der Tradition früher Haunted house movies wie z. B. Paul Lenis Stummfilmklassiker The Cat and the Canary oder James Whales The Old Dark House (USA 1932 dt.: Das Haus des Grauens). Wie in beiden Beispielen kommen auch hier starke Kriminalfilmelemente zum Tragen, die auch (zumindest zum Teil) den Spuk erklären.
Sollten Abbott & Costello in ihrem bekanntesten (hierzulande sogar in einem schönen Mediabook von Koch Media veröffentlichten) Film, Bud Abbott & Lou Costello Meet Frankenstein (USA 1948 R.: Charles Barton), noch tatsächlich auf Dracula (in Ur-Form: Bela "Ich trinke keinen Wein" Lugosi), Frankensteins Monster (etwas befremdlich: Glenn Strange) und den Wolfmenschen (ebenfalls klassisch und Universal besetzt: Lon Chaney Jr.) treffen, so kommt Hold That Ghost! auch ganz gut ohne die geballte Starpower aus - was nur für den Film spricht!
In späteren Jahren ihrer Karriere war das Duo nämlich auf solche "Zusatzschauwerte" mehr oder weniger abonniert, und so trafen sie auch noch auf den Unsichtbaren (Bud Abbott & Lou Costello Meet the Invisible Man von 1951), der leider nicht von Claude Rains dargestellt wurde und auf Dr. Jeckyll und dessen böses Alter Ego (in Abbott & Costello Meet Dr. Jeckyll and Mr. Hyde), der diesmal von Boris Karloff dargestellt wurde, welcher sich zuvor noch zierte in ... Meet Frankenstein erneut seine stilbildende Rolle zu spielen ...

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Fazit: Noch bevor Lou und Bud auf Lugosi und Konsorten treffen sollten, waren die beide bereits vom Grauen umzingelt - ein herrlicher Spaß für die ganze Familie!










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Punktewertung: 8 von 10 Punkte!

Montag, 13. November 2017

In eigener Sache: fragwürdiger Film mit Bootleg-Text!



Heute wurde ich auf den Umstand aufmerksam gemacht, dass auf der Rückseite einer hierzulande offenbar kaum noch im Handel befindlichen (Bootleg?-)version des knuffigen, jedoch eher mittelmäßigen Jess Franco Streifens Rote Lippen, Sadisterotica nicht nur ein Zitat aus meiner Besprechung des Films gedruckt wurde, sondern dort auch noch gleich mein Name in Klammern genannt wird.
Nun bin ich unsicher, was mich trauriger macht: der Umstand, dass die Veröffentlichung eher, nun sagen wir, fragwürdiger Natur (*hüstel*) ist, oder, dass man mir dafür weder einen größeren Geldbetrag, noch ein ranziges Freiexemplar oder einen Fresskorb von Edeka hat zukommen lassen!
Ich bin enttäuscht von Euch, Great Movies (doch nicht so "great", oder?) und von der Welt im Allgemeinen sowieso ...
Besonders enttäuscht bin ich jedoch, dass es von vielen Werken des unvergessen Herrn Franco immer noch keine vernünftigen hiesigen Editionen im Handel gibt!
Ach, ich reg' mich auf ...

Samstag, 4. November 2017

Hüpf, Geistlein, hüpf!

Gui da gui bzw. 鬼打鬼 (eng.: Encounters of the Spooky Kind, aka.: Close Encounter of the Spooky Kind)
HK 1980
R.: Sammo Kam-Bo Hung


Worum geht's?: Der abergläubige Rikschafahrer Cheung (Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller in Personalunion: Sammo Hung) erwischt beinah seine untreue Freundin in flagranti bei einem frivolen Stelldichein mit Mr. Tam (Ha Huang), einem hohen Würdenträger der Stadt.
Um den vermeintlichen Skandal schnell aus der Welt zu schaffen, wendet sich Tam mit der Bitte den Mitwisser ein für alle Mal los zu werden, an einen ortsansässigen Zaubermeister namens Chin Hoi (Lung Chan).
Dieser plant das auch als "Kühnen Cheung" bekannte Opfer unter dem Vorwand einer Wette für eine Nacht in einen nahe gelegenen Tempel zu locken und eine sich dort befindliche Leiche kurzerhand zum unter Bann stehenden, mörderischen Verbündeten zu machen.
Als jedoch Chin Hois gerechtigkeitsliebender Kollege Tsui (Fat Chung) davon erfährt, springt dieser Cheung mit Rat und Tat zur Seite und gibt dem naiven Schmerbauch das Know-how an die Hand, es auch mit einem schauderhaften, verwesenden Untoten aufzunehmen.
Doch dies ist erst der Anfang eines unglaublichen Kampfes zwischen zwei Hexenmeistern, in dessen Mitte sich der pummelige Cheung schon bald wünscht, dass der Albtraum bald ein Ende nehme.

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Wie fand ich's?: Sammo Hung ist hierzulande wohl in erster Linie als der "Dicke" an der Seite des drahtigen Jackie Chan aus einer Unzahl von Martial-Arts-Komödien bekannt.
Dabei war Hung (*07.01.1952) bereits in jungen Jahren hinter den Kulissen der Shaw Brothers tätig, zunächst als Statist und Stuntman, später als Kampfchoreograf und Regieassistent.
Nur wenige Jahre später sollte Hung auch an den Sets von solch Genregrößen wie Bruce Lee und John Woo auftauchen und zu einer festen Größe im Hongkong-Kino werden.
Ab 1977 stand Hung selbst als Regisseur in Hong Kong hinter den Kameras, seine zweite Regiearbeit Fei Lung gwo gong (HK 1978) schaffte es unter dem Titel Der kleine Dicke mit dem Superschlag auch nach Deutschland und zeichnete sich bereits durch einen angenehmen Mix aus Komik und Kampfkunst aus.
Beim hier besprochenen Gui da gui (was wörtlich "Geist gegen Geist" übersetzt heißt) sollte zu diesem Mix noch zusätzlich auf chinesische Gruselthemen wie Hexer, Vampire und Dämonen zurückgreifen und durch seinen Erfolg direkt das Jiangshi-Genre begründen.
Wir erinnern uns: Bietet das Wuxia-Genre Martial-Arts im historischen Setting (die Mehrzahl der Shaw Brothers Produktionen) so beschäftigt sich Jangshi mit Schreckelementen - gern, wie in Ricky Laus weiteren stilbildenden Kinoerfolg Geung si sin sang (HK 1985 eng.: Mr. Vampire) von 1985, mit den für den chinesischen Raum üblichen, hüpfenden Vampiren, die es wie ihre westlichen Kollegen natürlich auf die Lebenden abgesehen haben. Doch haben es chinesische Vampire nicht auf Blut abgesehen, wollen sie doch lieber ihren Opfern buchstäblich den Atem rauben und ihnen das Qi, die Lebenskraft, aussaugen. Natürlich muss diese Art von Untoten außerdem hüpfen - verhindert doch die Totenstarre einen geschmeidigen Gang locker aus der Hüfte heraus!
In Encounters of the Spooky Kind trifft Hungs Charakter schon früh auf einen solchen typischen Jiangshi, doch ist genauso bemerkenswert der Umstand, dass die erste Hälfte verblüffende Parallelen zu Viy bzw Вий aufweist.
Wie in den Verfilmungen von Nikolai Gogols klassischer Gruselmär muss der Held mehrere Nächte in einer heiligen Stätte mit einer störrischen Leiche verbringen, die es auch gleich auf sein Leben abgesehen hat.
Zwar enden diese Übereinstimmungen bereits mit dem Beginn der zweiten Hälfte des Films, welche mit zunehmender Laufzeit immer wesentlicher den Schwerpunkt in Richtung furioser Martial Arts verlagert, doch ist dieses Phänomen offenbar bislang kaum zur Sprache gekommen.
Beim Humor schaute man verständlicherweise weniger in die Richtung Russlands als auf die amerikanischen Väter der Klamotte - die Herren Laurel & Hardy und deren Amtsbruder Buster Keaton durften als veritable Vorbilder für gleichsam wohlfeil getimten Slapstick dienen - hier zeigt Sammo Hung einmal mehr, dass Körperfülle nicht gleichbedeutend mit Bewegungsarmut ist.
Immerwieder blitzen auch kleine, blutige Splattereinsprengsel auf, was dem Geschehen noch eine zusätzliche Schärfe verleiht.
Wer zudem eine der unglaublichsten Schlussszenen des Genres sehen möchte, ist hier vollkommen richtig. Ohne auch nur etwas verraten zu wollen: der Schreiber dieser Zeilen bekam einige Sekunden den Mund nicht mehr zu und glaubt nicht, dass ein solches Ende in den heutigen Zeiten von political correctness noch möglich wäre.
Also bedenke: Auch nach Halloween sind die Nächte noch lang und Dunkel, da bietet sich ein Gruseltrip in fernöstliche Gefilde zur Abwechslung und abendlichen Erheiterung gerade zu an!

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Fazit: Ein wahrhaft geist(er)voller Spaß, bei dem einen das eigene verwesende und madendurchzogene Pumporgan im Thorax ganz warm wird.



 
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Punktewertung: 9 von 10 Punkten!

Montag, 2. Oktober 2017

Unheilvolle Inselbegabung

Le démon dans l'île (Der Dämon der Insel)
F 1983
R.: Francis Leroi

Worum geht's?: Die Ärztin Gabrielle (Anny Duperey) tritt eine neue Stellung auf einer kleinen französischen Insel als Allgemeinmedizinerin an.
Ihr einziger Kollege dort ist Dr. Marshall (Jean-Claude Brialy), der jedoch bei Teilen der Inselbevölkerung einen üblen Ruf genießt.
Schon bald nach der Ankunft Gabrielles bekommt diese auch schon alle Hände voll zu tun, kommt es doch ständig unter den Anwohnern zu sonderbaren Unfällen mit Alltagsgegenständen.
Zusammen mit einigen Freunden macht sich Gabrielle daran, dem Geheimnis hinter den blutigen Unglücken auf den Grund zu gehen und stößt dabei auf eine seit Jahren vertuschte Bedrohung für jeden, der das Eiland besucht.

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Wie fand ich's?: Dieser obskure und hierzulande eher unbekannte Horrorfilm mischt gekonnt mehrere bekannte Genreelemente zusammen, um am Ende mit einem ungewöhnlich stimmigen Gesamtwerk aufzuwarten.
Hier finden sich nicht nur Ideen aus Jack Golds wenige Jahre zuvor veröffentlichten The Medusa Touch (GB 1978 dt.: Der Schrecken der Medusa) und aus einem weiteren britischen Klassiker von 1960 (wer es genauer wissen möchte: bitte!), nein, er nimmt auch in einigen Szenen die Spannungsinszenierung des gesamten Final Destination-Franchises (USA ab 2000 R.: James Wong u. a.) vorweg.
Wie dort bekommt der Zuschauer immer wieder eine von verschiedenen Gegenständen ausgehende Gefahr suggeriert, nur um von einer unvorhergesehenen Todesart schließlich kalt erwischt zu werden.
Zwar kommt es hier meist nicht zum Tod, doch sind die Effekte in diesen Szenen zum Teil so grafisch, dass die gegen der 90er-Jahre vom Bayrischen Rundfunk ausgestrahlte deutsche Fernsehfassung einige Federn lassen musste.
Insgesamt bekommt man hier also einen Mysterythriller mit kleinen Splatter-Einsprengseln und einer verkappten Mad-Scientist-Story geboten, wie man ihn nicht alle Tage sieht.
Dass Regisseur Francis Leroi (*1942, 2002) verstärkt im Erotik- und Hardcoregenre tätig war, zeigt sich zudem auch noch in einer Szene, in der nicht nur eine junge Dame, sondern auch deren männlicher Begleiter, kurz blankziehen darf.

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Fazit: Ein ungewöhnlicher Gruselschocker für frankophile Feinschmecker mit einem Näschen für Abseitiges. Und auch die Schlussszene weiß noch mit einem letzten bizarren Einfall zu überzeugen!

Punktewertung: 7,25 von 10