Egal ob Exploitation, Gialli, Horror oder Sci-Fi...
Von Grindhouse bis Arthouse...
Besprechungen übersehener, unterbewerteter oder obskurer Werke der Filmgeschichte!

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Donnerstag, 17. Oktober 2019

Flamboyante Antihelden vor grauen Ecken und Kanten

Die letzte Rache
BRD 1982
R.: Rainer Kirberg


Worum geht's?: Der Weltkenner (Erwin Leder) streift ziellos durch die Wüste und trifft dort auf das Anwesen des Herrschers (Gerhard Kittler), der den überheblichen Reisenden sogleich mit einer delikaten Aufgabe betraut: er soll für den Machtmenschen einen neuen Erben finden, sind doch dessen Sohn (Paul Adler) und Tochter (Anke Gieseke) einander in inzestuöser Liebe zugetan und mussten diesen Frevel bereits mit dem Leben bezahlen.
Keinem Abenteuer abgeneigt, macht sich der Weltkenner auf den Weg in die große Stadt, doch muss er bald erkennen, dass sich nicht nur die Suche nach einem würdigen Thronerben diffizil gestaltet, sondern auch, dass er seinem Auftraggeber nicht trauen kann, besonders, wenn man diesen in einem Rededuell gegenübertritt, um selbst nach der Macht zu greifen.
Eingekerkert dürstet es schnell dem selbstverliebten Glücksritter nach Rache, und als er in seiner Zelle überraschend auf einen verrückten Wissenschaftler (Volker Niederfahrenhorst) trifft, sieht er ein weiteres Mal seine Stunde gekommen ...

***

Wie fand ich's?: Mit "Die letzte Rache" schuf Rainer Kirberg 1982 einen wunderbar seltsamen Film, der irgendwo zwischen Augsburger Puppenkiste und Guy Maddin, zwischen Absurdismus und Caligari hin und her pendelt.
Für das ZDF seinerzeit in der weitgefassten Reihe Das kleine Fernsehspiel konzipiert, entstand der Film unter der Mitarbeit der deutschen Electro-Pioniere Der Plan, welche mit ihrem oft experimentellen Werk ebenfalls zwischen NDW und Avantgarde pendeln, und die nicht nur für die famos schräge musikalische Untermalung verantwortlich zeichneten, sondern deren Mitglieder auch kleinere Rollen übernahmen oder Kulissen entwarfen. Als ein griechischer Chor untermalen sie die Szenen in Form von drei sonderbaren Gewächsen durch meist kryptische Gesangseinlagen und tragen so zum bizarren Ton des Streifens noch weiter bei.
Im Zentrum des Films steht aber Ausnahmedarsteller Erwin Leder (* 1951), dem deutschen Publikum durch seine Rolle als "Das Gespenst" Johann in Petersens Das Boot (BRD 1981), dem wagemutigen Genrefilmfreund als namenloser Serienmörder aus Gerald Kargls Angst (AUS 1983), bekannt, der durch sein gestelztes Spiel jede Szene an sich reißt. Leder spielt, als würde er, wie in einem Stummfilm, allein durch Mimik und Gestik die Emotionen seiner Figur greifbar machen müssen, was durch seine nicht weniger aberwitzige Verwendung der Stimme einen solch skurrilen Charakter schafft, wie man ihn im deutschen Film der letzten Jahrzehnte nur selten findet.
Passend dazu bietet Kirberg Script zahlreiche Verweise auf Klassiker des deutschen Stummfilms und bedient sich bei der, teilweise sogar liebevoll (mit der Kurbel) animierten, Optik direkt beim Deutschen Expressionismus. Hier dominieren die klaren Kanten und Ecken von Wienes Das Cabinet des Dr. Caligari (D 1920), während der Mad Scientist dort gleich an Rotwang aus Langs Metropolis (D 1927) gemahnt.
Da wird der Level der Abenteuerlichkeit nur noch mehr gesteigert, wenn NDW-Ikone Andreas Dorau mal kurz ein (tatsächlich der Handlung dienliches) Duett singt oder Josef Ostendorf als Kommissar zur Waffe greift - Kirbergs Die letzte Rache hält den Zuschauer schon allein aufgrund seiner unvorhersehbaren Einfälle bei der Stange. So ist es auch wenig schlimm, dass dem Narrativ gegen Ende etwas die Luft ausgeht - mit einer Laufzeit von 85 Minuten ist der Film schön kompakt geworden, bedenkt man, dass in heutigen Zeiten selbst triviale, am Fließband produzierte Comicverfilmungen meist gern die Zweistundenmarke locker überschreiten.
Die letzte Rache ist mal wieder ein Film für all jene, die glauben bereits alles gesehen zu haben, und sich freuen, dass es in Deutschland einmal möglich war mit Geldern des ZDFs so etwas zu produzieren.
Der Film ist übrigens in einer schönen Edition als DVD-Flipper (PAL auf der einen, NTSC auf der anderen Seite) beim Kleinstlabel Monitorpop erhältlich und kann direkt über deren Webseite zu einem räsonablen Preis bezogen werden.

***

Fazit: Ein Geheimtipp für Fans des Absurden im Allgemeinen, Freunde des Stummfilms im Besonderen und Fans schräger Kreativität überall auf dem Erdenrund.


Punktewertung: 8,5 von 10 Punkten

Samstag, 24. November 2018

Notas Cinematic 2: So cool, dass der Schnee schmilzt

Schneeflöckchen
BRD 2017
R.: Adolfo J. Kolmerer

In aller Kürze: Mit Schneeflöckchen wurde ein weiterer längst überfälliger Versuch gestartet, so etwas wie einen eigenständigen deutschen Genrefilm zu schaffen. Zuletzt konnte in dieser Hinsicht besonders Der Bunker (BRD 2015) bei mir punkten, wurde hier doch etwas für unsere Filmlandschaft vollkommen Neues versucht: ein surreales Sci-Fi-Märchen, mit bizarrer Atmosphäre und ebensolchem Witz, welches hierzulande beinah ohne Vergleichspunkte ist. 
Nun versucht sich Schneeflöckchen auch am wilden Genremix, bedient sich ebenfalls der märchenhaften Fantasy und einer leicht (post-)apokalyptischen Stimmung, aber noch viel mehr greift man auf Versatzstücke des US-amerikanischen Buddymovies zurück und dies mit zwei äußerst auf cool getrimmten Gangsterfiguren, die mordend und sprücheklopfend durch die Szenerie stolpern. Wer also geglaubt hat, anno 2017 würde niemand mehr sich am Frühwerk eines Herrn Tarantino orientieren, da dies mittlerweile schon lange zu einem überstrapazierten, abgeschmackten Klischee verkommen sei, der sieht sich hier eines Besseren belehrt: Schneeflöckchen bemüht zunächst mal tatsächlich wieder das Konzept vom coolen, sich ständig neckenden Killerpärchen, bevor es selbiges in den angesprochenen Pudding aus Fantasy, Sci-Fi wirft und dann schnell ein wenig subtiles Spiel mit Metaebenen beginnt, in dem es das Pärchen erkennen lässt, dass es nur ein Element im Drehbuch eines anderen ist.
Was folgt, ist eine Story über zahlreiche Killer, die unsere, eigentlich stets äußerst unsympathisch daherkommenden, Antihelden verfolgen (hatte ich schon Tarantino erwähnt ..?), ein leider eher nur kurzes Zusammentreffen mit dem titelgebenden Engel Schneeflöckchen (was im Prinzip zu netten Bildern führt, welche aber nur wenig Konsequenzen für den übrigen Film haben) und ein Finale bei dem eklige (Neo-)Nazis ihr Fett wegbekommen (was nie eine schlechte Idee ist, man frage Indiana Jones ...)
Tatsächlich sind es gerade die Szenen mit den in einem dunklen Bunker hausenden Neonazis, die am besten Funktionieren, kommt hier doch noch am meisten eine düstere Atmosphäre auf, welche jedoch durch das Auftauchen eines Superheldencharakters namens Hyper Electro Man, dann auch schnell wieder mit dem Hintern eingerissen wird.
Was unterm Strich bleibt, ist ein Versuch, der ehrt, und ein oft ein wenig holperiger und zu lang geratener Film, der aber in großen Teilen durchaus zu unterhalten weiß, was auch an der erstaunlich gelungenen Fotografie liegen mag.
Wenn man zudem bedenkt, dass es sich hier um ein über Jahre hin realisiertes Langfilmdebüt handelt, kann man ohnehin aus Respekt über einige Schwächen hinwegsehen, und gespannt sein, was von seinen Machern in Zukunft wohl noch zu erwarten sein mag.
Man kann also dem Schneeflöckchen gerade in der kommenden, kalten Winterzeit ruhig mal eine Chance geben (und den Film dann vielleicht auch weit weniger kritisch sehen als ich) - das Mediabook von Capelight ist ohnehin wiedereinmal über allen Zweifel erhaben.
Meine Endnote: 6 von 10 Punkten

Mittwoch, 29. August 2018

Die Untätigkeit der Verschwörer

Out 1: noli me tangere
F 1971
R.: Jacques Rivette


Worum geht's?: Paris nach den Studentenunruhen von '68.
Zwei Theatergruppen proben unabhängig voneinander ihre griechischen Dramen, während zwei junge Trickbetrüger (Juliet Berto und Jean-Pierre Léaud) ebenso unabhängig auf die Spur der Verschwörung der "Dreizehn" gebracht werden.
Darin verwickelt scheint zum einen der Chef der einen Theatergruppe, Thomas (Michael Lonsdale), ein zurückhaltender Intellektueller, der - ganz Libertin - Verhältnisse zu gleich mehreren Frauen pflegt, und zum anderen die junge Marie (Hermine Karagheuz), die in der anderen Gruppe unter der Leitung von Thomas' früherer Partnerin Lili (Michèle Moretti) spielt.
Marie ist es, die dem introvertierten Colin (Léaud) kryptische Texte zusteckt, während dieser in Cafés als vermeintlich Taubstummer den Gästen mit seiner Mundharmonika so lange auf den Geist geht, bis diese etwas Kleingeld rausrücken. In seiner übersichtlichen Behausung entschlüsselt Colin den aus Fragmenten von Balzacs "Die menschliche Komödie" und Carrols "The Hunting of the Snark" zusammengesetzten Code und stromert fortan auf der Suche nach den obskuren "Dreizehn" durch die Straßen der Hauptstadt, bis er in einem kleinen Ladencafé namens L'Angle du Hasard (dt.: Der Winkel des Zufalls), dass auch als Jugendtreffpunkt dient, einen der Treffpunkte der Verschwörer zu erkennen glaubt.
Nebenbei entwendet seine "Kollegin" Frédérique (Berto) bei einer ihrer, dem "Beischlafdiebstahl" nahekommenden Betrügerei, eine Reihe von Briefen, die ebenfalls auf die "Dreizehn" schließen lassen und worin sogar "weltzerstörerische" Absichten geäußert werden.
Die verspielte, junge Diebin versucht, mehr als stylishes Statement denn mit Ernst dabei als Mann verkleidet, die Briefe den darin genannten Personen zurückzuverkaufen.
Das Leben, die Kunst und die Liebe nehmen derweil natürlich weiterhin ungebremst ihren Lauf, und am Ende ist ein Menschenleben auf der Strecke geblieben, während andere weiterhin auf der Stelle treten oder Entscheidungen getroffen haben, die ihr Leben grundsätzlich verändern werden.

***

Wie fand ich's?: Welch ein Vorhaben - welch eine filmische Großtat! Beinah zwölfeinhalb Stunden Zeit nimmt sich Jacques Rivette (*1928; 2016), um seine Vision eines zum Großteil an jedem Drehtag frei dahin improvisierten Films zu verwirklichen.
Gedreht wurde in nur sechs Wochen in Paris und im 14. Departément Calvados mit Blick auf den Ärmelkanal. Oft starren unvorbereitete Passanten einfach in die Kamera - einmal wird Jean-Pierre Léaud, das all umjubelte, von Truffaut entdeckte, Wunderkind der Nouvelle Vague, von spielenden Kindern durch die Straßen der Seine-Metropole verfolgt, während er wie besessen aus einem Buch zitiert und durch die Gegend stapft.
Die Gegend: das ist das Paris, wie man es zu Beginn der 70er vorfand, ungeschönt und realistisch. Insgesamt lässt sich sagen, dass Rivette die Sets hier nie groß ausstattet, die meisten Innenräume wirken eher karg und pragmatisch, lediglich beim Set des L'Angle du Hasard kommen vermehrt einige Farben und Details stärker zur Geltung. Bei Außenaufnahmen scheut sich Rivette jedoch nicht seine Darsteller vor einigen Postkartenmotiven zu platzieren, an denen jedoch stets auch das urbane Leben klar zur Geltung kommt.
Erneut finden sich auch hier Rivettes bereits seit seinem Filmdebüt Paris nous appartient (Paris gehört uns) behandelte Lieblingsthemen, die da wären: seine Liebe zum Theater und die Ahnung von einer im Untergrund dräuenden Verschwörung, deren Sinn und Vorhaben allerdings nie wirklich klar wird.
Daneben spielt er mit Doppelungen und Spiegelungen: es gibt jeweils zwei Theatergruppen, zwei Trickbetrüger, (anscheinend) zwei im Verborgenen tätige kriminelle (?) Organisationen und Bulle Ogiers Figur trägt für die einen den Namen Pauline und für die anderen die Bezeichnung Emilie.
Out 1 schwankt ständig zwischen (neo-)realistischem Gesellschaftsporträt, dokumentarischem Ansatz bei den  improvisierten Theaterproben, modernem Großstadtmärchen, paranoidem Verschwörungsthriller und gibt das Zeitgefühl eines (jugend-)gesellschaftlichen Aufbruchs auf der einen und einen Verfall in Starre und Untätigkeit auf der Anderen wieder.
Inwieweit Out 1 dabei auch direkt von den Auswirkungen des Pariser Mais und dem Zusammenbruch der studentischen und proletarischen Protestbewegungen beeinflusst ist, lässt sich von außen im Nachhinein dezidiert wohl kaum mehr sagen, es bietet sich jedoch stark auch die Interpretationsebene an, die Verschwörer in den bei der Zerschlagung der Aufstände tätigen Personen zu sehen, zumal im Film explizit darauf hingewiesen wird, dass die "Dreizehn" zum Handlungszeitpunkt seit zwei Jahren bereits inaktiv dahindämmern. Ebenfalls nicht ohne Reiz ist es, die ehemaligen Verschwörer als die nun demotivierten Exprotestler zu begreifen, welche nach den Unruhen in eine Art der Stockstarre verfallen sind.
So ist Out 1 ein filmisches Puzzle aus vielen unterschiedlichen Elementen von beachtlicher Länge, welches in der mit dem Zusatz Noli Me Tangere (ein lateinisches Bibelzitat aus Joh 20,17, welches man mit "Rühre mich nicht an" übersetzen kann) versehenen Urfassung nahezu dreizehn (die Zahl des Films) Stunden Lauflänge erreicht.
Bereits ein Jahr später sollte Rivette, frustriert von den Möglichkeiten zur Aufführung der Ursprungsfassung, das opulente Gesamtwerk radikal auf vier Stunden herunterkürzen, und dieser Version den Zusatz Spectre (dt.: Spektrum aber auch: Phantom, Geist, Schattenerscheinung) geben.
Beide Schnittfassungen sind sowohl in der deutschen, wie auch in der (vom Preis-/Leistungsverhältnis her besseren) britischen Blu-ray-/DVD-Veröffentlichung enthalten.

***

Fazit: Ein üppiges Fest für alle Freunde der Nouvelle Vague. Locker leicht trifft hier Anspruch auf spielerische Experimentierfreude - c'est si bon!


Punktewertung: 8,75 von 10 Punkten

Dienstag, 10. Juli 2018

Liszt und Tücke

Lisztomania
GB 1975
R.: Ken Russell


Worum geht’s?: Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wird der Komponist Franz Liszt (Roger Daltrey) wie ein pianospielender Messias verehrt.
Auf Konzerten fordern seine größtenteils minderjährigen Fans lautstark den Flohwalzer, während der Star das Publikum während der Performance nach ebenso willigen, wie finanziell wohlgestellten, Groupies absucht.
Doch nicht nur Frauen und Fans suchen die Nähe des flamboyanten Künstlers, auch der deutsche Nachwuchskomponist Richard Wagner (Paul Nicholas) rückt Liszt backstage auf die Pelle und schiebt diesem eigene Kompositionen zur freien Verwendung zu. Allerdings verprellt der nassforsche Liszt den zunächst noch wie Donald Duck im Matrosenanzug passiv-aggressiv umherwuselnden Wagner, der mit seiner Komposition das deutsche Volk einen will und auf die Ankunft eines übermächtigen (An-)Führers vorbereiten möchte.
Da gibt sich der Pazifist Liszt doch lieber den Damen hin, verliebt sich im fernen Russland (wo Pete Townsend als Ikone zu Recht in jeder guten Stube hängt) in eine Prinzessin (Sara Kestelman) und pilgert wenig später nach Rom um beim Papst (Ringo Starr - wer sonst?) seine Ehe mit Marie d'Agoult (Fiona Lewis) anulieren zu lassen.
Liszt verfällt dort der sakralen Musik, treibt es bunt mit einer Nonne (Nell "Columbia" Campbell) und muss vom Heiligen Vater persönlich erfahren, dass sein Kollege Wagner, nun Ehemann seiner Tochter Cosima (Veronica Quilligan), der Antichrist persönlich ist und an der Erschaffung einer Herrenrasse arbeitet.
Besorgt macht sich Franz zur Feste Wagners auf, um das Schlimmste zu verhindern, doch hat der Deutsche bereits mit der Arbeit an einem künstlichen Menschen (Rick Wakeman) begonnen und zahlreiche Kinder zu seinem fanatischen Gefolge gemacht ...

***

Wie fand ich’s?: Direkt im Anschluss an seine opulente Verfilmung des Kultalbums Tommy (GB 1975) von und mit The Who, griff sich Regisseur Ken Russell deren exaltierten Star und Frontmann Roger Daltrey um ein gänzlich auf eigene Ideen fußendes Projekt umzusetzen.
Wie bereits der Vorgänger ist auch Lisztomania – der Titel bezieht sich auf ein von Heinrich Heine noch zu Lebzeiten des Künstlers geschaffenes Kunstwort – eine wilde, episodenhafte Ansammlung von skurrilen Szenen und aberwitzigen Ideen, welche anscheinend einem langen LSD-Rausch entstammen zu scheinen, und auch während und nach Ansicht des Films den Zuschauer einen solchen direkt nachempfinden lässt.
War Tommy eine auf Townsends Kompositionen und Texte basierende fiktionale Rockoper, die, wenn auch in durchaus surrealen Bildern, ein kohärentes Melodram erzählt, so hebt Lisztomania mit seinen historischen Figuren bereits im infantilen Prolog (Liszt wird vom Gatten seiner Geliebten und späteren Mutter seiner Kinder im Boudoir slapstickhaft herumgejagt) in absurde Sphären ab und kommt auch bis zum Abspann nicht mehr herunter.
Auf den chaplinesken Witz des Prologs folgt ein Bühnenauftritt Liszts, der direkten Bezug zur Beatlemania herstellt, eine Episode auf der Krim artet in einen bunten Sexrausch aus, bei welchem ein überdimensionierter Phallus als Reitgerät für mehrere Personen dient und gen Ende begibt man sich gar in die Gefilde von Gothic-Horror und Mad-Scientist-Story.
Wenn dann Liszt per Orgelsteuerung aus einem durch Liebe angetriebenen Jet, der primärfarbene Kondensstreifen hinter sich herzieht, ein Mischwesen zwischen Frankenstein und Hitler aus der Luft beschießt, welches gerade selbst dabei ist, ein jüdisches Getto mit einer Flammen verschießenden Gitarre (Mad Max: Fury Road, anyone?) in Schutt und Asche zulegen, fragt sich der geistig gesunde Rezipient, was da vor und besonders hinter den Kameras für Unmengen an bewusstseinserweiternden Stoffen in den Blutkreisläufen gewesen sein müssen.
So ist Lisztomania vielleicht Russells wildestes Werk: eine gänzlich entfesselte Vision, welche wohl nicht zuletzt Wagnerfans vor die Köpfe stößt, sondern für ein nüchternes, unvorbereitetes  Mainstreampublikum beinah einer Zumutung gleichkommen muss.
Gerüchte besagen, dass Russell Pete Townsend um einen Soundtrack gebeten hatte, dieser allerdings nach der Arbeit an Tommy  eine Auszeit nehmen wollte, sodass Rick Wakeman, der stets Glitzerumhang bewehrte Keyboarder der Progrocker Yes erstmals für Russell tätig wurde und als künstlicher Übermensch Thor auch mit Umhang eine kleinere Rolle im Film übernehmen durfte. Fast ein ganzes Jahrzehnt später konnte Wakeman dann noch mal bei Russells Crimes of Passion (USA 1984 dt.: China Blue bei Tag und bei Nacht) Hand anlegen und den mir immer noch im Gehörgang steckenden Ohrwurm It's a Lovely Live zum Soundtrack beisteuern.
Dass allerdings Hauptdarsteller Roger Daltrey nicht unbedingt zum Schauspieler geboren wurde, kann wohl jeder bestätigen, der seine buchstäblich blutleere Darbietung eines Vampirs in Jim Wynorskis ohnehin verko(r)kster Vampirella-Adaption (USA 1996) gesehen hat. Traumwandelte Daltrey noch irgendwie durch Tommy, so muss man jedoch bei Lisztomania eingestehen, dass er hier seinem Affen mitunter durchaus Zucker gibt und mit sichtbarem Spaß bei der Sache ist.

***

Fazit: Wer sich mal fühlen will wie Obelix, der gerade kopfüber in einen großen Topf voll LSD gefallen ist, kommt hier voll auf seine Kosten. Alle anderen dürfen sich kopfschüttelnd wundern, was einmal im Kino möglich war - so etwas (wie Russell) kommt vermutlich erst mal nicht so schnell wieder ...


Punktewertung: 7,25 von 10 Punkten

Donnerstag, 31. Mai 2018

Befreie das Tier in Dir!

Wolf (Wolf – Das Tier im Manne)
USA 1994
R.: Mike Nichols


Worum geht’s?: Auf der Heimreise von einem erfolgreichen Geschäftstermin, fährt der ausgeglichene Verlagschefredakteur Will Randall (Jack Nicholson) auf einer verschneiten einen Wolf an.
Bei der Begutachtung des angefahrenen Tiers, wird Randall in die Hand gebissen, und muss wenig später zu seiner Überraschung bemerken, dass sich zudem um die Bisswunde herum große Büschel aus Haar bilden und sich seine Sinne insgesamt verstärken.
Sein Unglück spitzt sich weiter zu, als er nach der Übernahme durch den schwer reichen Großunternehmer Alden (Christopher Plummer) seinen Job an seinen eigenen Protegé Swinton (James Spader) verlieren und praktisch stattdessen buchstäblich in die Walachei versetzt werden soll.
Doch dies scheint dem Schicksal immer noch nicht genug zu sein, muss der vom Pech verfolgte Mann doch auch noch feststellen, dass der jüngere Rivale nicht nur seine Stelle bekommen soll, sondern auch längst ein Verhältnis mit seiner Ehefrau (Kate Nelligan) hat.
Verständlicherweise erzürnt, wird der biedere Verlagsangestellte nun wortwörtlich immer mehr zum Tier, beißt er doch Swinton selbst in die Hand und fängt er eine sonderbare Affäre mit Aldens entfremdeter Tochter Laura (Michelle Pfeiffer) an, in dessen Haus er einen seltsamen Traum hat und des Morgens blutbesudelt erwacht.
Der um Hilfe ersuchte Dr. Alazeis (Om Puri) erkennt Randalls Problem auf Anhieb: Randall ist dabei zu einem Werwolf zu werden.
Mit Lauras Unterstützung versucht er fortan den Fluch unter Kontrolle zu bekommen, doch wer kann das Tier im Manne schon aufhalten, wenn es einmal entfesselt wurde?

***

Wie fand ich’s?: Gleich jedem anderen Subgenre auch, hat der Werwolffilm in den letzten Jahren und Dekaden immer wieder einige neue Beiträge auf die Leinwände gebracht.
War die Vielzahl davon der übliche, uniformierte Mittelstand, so gab es allerdings auch einige herausragende Werke, die aus der breiten, gleichgesichtigen Masse herausragen. Dies müssen nicht unbedingt Meisterwerke sein, es reicht, wenn sie den Horrorfilm um einige neue Aspekte bereichern, oder, wenn sie einfach nur „seltsam“ genug sind, um zum Beispiel in diesem Blog einen Platz zu finden.
Wolf ist auf den ersten Blick starbesetzter Hochglanzhorror aus Hollywood, doch trägt Wolf anders als viele seiner Artgenossen einen nicht allzu subtil versteckten Subtext im Herzen, der ihn zu etwas Besonderem macht.
Mike Nichols Film lässt sich nämlich auch als schwarze Komödie über einen gesetzten Geschäftsmann in der Midlife-Crisis lesen, der um seine Existenz beraubt (Job und Partnerin sind zunächst passé) buchstäblich das Tier in sich entdeckt und dem Affen in Folge immer mehr Zucker gibt.
Dieses Auffinden der Animalität im eigenen Selbst wird vom Protagonisten selbst zunächst als Fluch angesehen, doch eröffnet bereits die Figur des totkranken Volkskundlers Dr. Alazeis die Perspektive auf eine alternative Form der Existenz, die vielleicht sogar die eigene Sterblichkeit zu überwinden vermag.
Wenige Jahre nach Wolf sollte der kanadische Werwolfstreifen Ginger Snaps (CAN 2000, R.: John Fawcett, dt.: Ginger Snaps – Das Biest in Dir) die Herkunft des Monströsen nicht mit der Midlife-Crisis eines Mannes, sondern mit der Pubertät und Frauwerdung eines jugendlichen Mädchens in Zusammenhang bringen, ein Motiv, welches sich dann wiederum später auch in dessen beiden Fortsetzungen und im dänischen Horrordrama Når dyrene drømmer (DK 2014, R.: , eng.: When Animals Dream) recht ähnlich wiederfinden sollte, wobei letzterer keine „klassische“ Darstellung eines Werwolfes aufweist.
Dem seit den 60er-Jahren in Hollywood tätigen Mike Nichols (*1931; †2014; eigentlich: Michail Igor Peschkowsky), Sohn zweier jüdischer Exilrussen und bereits für sein Debüt Who’s Afraid of Virginia Woolf? (USA 1966, dt.: Wer hat Angst vor Virginia Woolf?) Oscar-nominiert, gelingt in der ersten Hälfte somit ein wunderbar stringent erzählter, äußerst angenehm erwachsener Horrorfilm, der jedoch gen Ende immer mehr in klassische „Endkampfgefilde“ abrutscht, und in einem eher unnötigen Actionfinale nach Schema F mündet, das jedoch noch einen wiederum schönen allerletzten Twist nach sich zieht.
Interessanterweise ist belegt, dass Drehbuchautor und Verfasser der gleichnamigen Romanvorlage Jim Harrison nach einem Streit mit Nichols seine Hollywoodkarriere wutentbrannt an den Nagel hing, da Nichols‘ Darstellung des zum Tier werdenden Protagonisten ihm offenbar zu bieder erschien.
Dabei ist es gerade die zu Anfang eher zurückhaltende und zunächst wenig effekthascherische Art des Films, die Wolf aus der Masse seiner behaarten, zähnefletschenden Konkurrenten heraushebt.
Natürlich sollte man nicht unterschlagen, dass der Film auch durch einen brillant aufspielenden Jack Nicholson und dessen Kollegen Pfeiffer, Plummer und Spader locker über die mehr als zweistündige Laufzeit gebracht wird und auch die Musik von Maestro Ennio Morricone tut noch ein weiteres hinzu.

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Fazit: Ein, zumindest in der ersten Hälfte, tierisches Vergnügen für vielleicht ebenfalls bereits in die besten Jahre gekommene Freunde haariger Gestaltwandler.


Punktewertung: 7,75 von 10 Punkten

Mittwoch, 11. April 2018

Schweinereien vor Gericht

The Hour of the Pig aka. The Advocate (Pesthauch des Bösen)
GB/F 1993
R.: Leslie Megahey


Worum geht's?: Frankreich im 15. Jahrhundert.
Es sind dunkle Zeiten, trotzdem versucht der junge Anwalt Richard Courtois (Colin Firth) Recht und Ordnung in die abgelegene Provinz Ponthieu zu bringen.
Dort richtet man nach dem damaligen französischen Recht jedoch nicht nur über Menschen, sondern auch über Tiere, denen dieselben Taten angekreidet und auch dieselben Strafen aufgebürdet werden, wie den Leuten der Gegend.
So muss Richard schon bald nicht nur bei einem Mord aus Eifersucht und einem Fall von Hexerei die Verteidigung übernehmen, wird doch ein ausgewachsenes Schwein der Tötung eines kleinen, jüdischen Jungen bezichtigt.
Da das Tier der schönen Maurin Samira (Amina Annabi), in die sich Richard praktisch sofort Hals über Kopf verliebt, gehört, stimmt er nicht vorschnell der Absicht des abgeklärten Anklägers Pincheon (Donald Pleasence) zu, dem Tier einfach zügig dem Garaus zu machen.
Als er dann auch noch bei den Bauarbeiten zu seinem eigenen Haus auf eine weitere Kinderleiche stößt, beginnt der Advokat auf eigene Faust sogar in den höchsten Kreisen des Hinterlands zu ermitteln, stets im Kampf gegen allgegenwärtige Angst, Vorurteile, Aberglauben und Antisemitismus.

***

Wie fand ich's?: Regisseur Leslie Megahey (* 1944) dürfte hierzulande nur den Wenigsten bekannt sein, ist der gebürtige Ire doch zum größten Teil seiner Karriere als Regiefachkraft für TV-Kunstdokumentationen bei der altehrwürdigen BBC tätig gewesen.
Mir persönlich viel Megahey erst vor wenigen Monaten als Regisseur der wunderbaren Künstlerporträt-Schauermär Schalcken the Painter (UK 1979) aufgefallen, welche es ebenfalls verdient hätte an dieser Stelle besprochen zu werden (was einer unbedingten Sehempfehlung für Freunde klassischen Gothic-Horrors gleichkommen soll), und die zeigt, dass Fernsehen sowohl geistreich wie unterhaltsam sein kann.
Megaheys (bislang) letzte Regiearbeit sollte jedoch The Hour of the Pig werden, eine gallige Satire um Aberglauben, Macht und das Mittelalter - oder vielmehr eine böse Geschichte um die Macht, die der Aberglaube im Mittelalter an denjenigen gab, der ihn nur richtig für sich einsetzen konnte.
Megahey zeigt eine Epoche, in der zwar immer noch Menschen des Hexenwerks beschuldigt werden, man sich jedoch unter den intellektuellen Köpfen einig ist, dass dies weniger Ausdruck eines tatsächlichen Aberglaubens, sondern vielmehr ein sozialpolitisches Instrument darstellt.
Hier brilliert der wie immer großartige Donald Pleasence als abgeklärter Ankläger Pincheon, der mit gelassener Miene auch mal ein Borstentier zum Tode verurteilt, weil sich gerade sonst kein passender Verdächtiger findet.
Neben Pleasence gibt Colin Firth eine frühe Darbietung seiner Kunst als noch von Idealen getriebenen Junganwalt. Tatsächlich basiert die von Firth verkörperte Figur auf dem französischen Juristen Barthélemy de Chasseneuz, der eines der grundlegenden Werke über das Gewohnheitsrecht seiner Zeit verfasste.
Firth und dessen Filmcharakter erden den Film, der durch die sich im Kreuzfeuer der Interessen befindlichen Mauren auch eine hochaktuelle Flüchtlings- und Migrationsthematik beibringt und nicht nur final fast auf einen bitteren Whodunit zuläuft, sondern noch ganz zuletzt mit einer besonders zynischen Endpointe aufwartet, die einen kurz schlucken lässt.
In Großbritannien unter dem ursprünglich angedachten Titel The Hour of the Pig veröffentlicht, wurde der Film in den USA von Miramax (die Weinsteins - auch so Schweinchen) umgeschnitten und unter dem Titel The Advocate veröffentlicht. Leider fehlt es noch international an einer adäquaten Blu-ray, die vielleicht sogar beide Versionen enthalten könnte ...

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Fazit: Also, was lernt man aus diesem Film? Früher war eben auch nichts besser und Schweine gibt es auch unter den belesenen Zweibeinern, nur richten sie dort weitaus mehr Schaden an!







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Punktewertung: 8,75 von 10 Punkten

Samstag, 23. Dezember 2017

Von Gangstern und Gespenstern

Hold That Ghost! (Vorsicht Gespenster!)
USA 1941
R.: Arthur Lubin


Worum geht's?: Kalifornien zu Beginn der 40er-Jahre.
Chuck (Bud Abbott) und sein Kumpel Ferdi (Lou Costello) quälen sich von Job zu Job. Mal verdingen sie sich mehr schlecht als recht mit einer eigenen Tankstelle, dann mühen sie sich als Aushilfskellner in einem Nobelrestaurant ohne Aussicht auf Besserung der eigenen Situation.
Doch unverhofft kommt oft, und eines Tages landen die beiden nach einer Reihe sonderbarer Zufälle im Wagen des Gangsterbosses Moose Matson (William B. Davidson), der jedoch, von der Polizei zusammengeschossen, auf dem Rücksitz der Karosse verreckt.
Das Testament in den Händen des abgezockten Gauners macht die beiden Pechvögel zu Erben des Vermögens des Ganoven, erbt doch der, der Moose als Letztes buchstäblich am Nächsten stand.
Nicht, dass es viel zu erben gebe - Moose soll sein Geld stets nur "im Kopf" gehabt haben, aber es gibt da eine heruntergekommene, aufgegebene Taverne irgendwo an der Landstraße, die den beiden nun gehören soll.
Zum Weg dorthin nimmt den Bus, der natürlich ebenfalls von zwielichtigen Gestalten gefahren wird, welche die Reisegesellschaft in stürmischer Nacht einfach am Ziel ohne ihr Gepäck stehen lassen.
In der Dunkelheit gestrandet, richtet man sich in der abgeranzten Spelunke halbwegs häuslich ein, neben Chuck und Ferdi, sind da noch ein junger, intellektueller Doktor (Richard Carlson), eine etwas affektierte Radio-Actrice (Joan Davis), eine sympathische Kellnerin (Evelyn Ankers) und der halbseidene Charlie Smith (Marc Lawrence), dessen Leiche schon bald allen als Erstes den Abend versaut, bevor eine schaurig-kauzige Gespensterjagd entbrennt, die kein Auge trocken lässt.
Denn nicht nur, dass der Verstorbene Moose seine Kaschemme mit allerlei versteckten Extras versehen hat, auch schleichen finstere Gestalten durch die Nacht und Ferdi wird gar Zeuge einiger wahrhaft paranormaler Aktivitäten!

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Wie fand ich's?: Das Abbott und Costello es in Deutschland nie zur gleichen Bekanntheit ihrer Kollegen gebracht haben hat mich stets verwundert. Jeder, der sich hierzulande für schwarz-weiße Comedyklassiker interessiert, kennt Laurel & Hardy, die Marx Brothers oder sogar die bereits etwas obskureren Three Stooges, doch nur Eingeweihte sind über das Duo Abbott & Costello gestolpert.
Dabei waren die Beiden so etwas wie Akkordarbeiter im Bereich der Comedy, die es als Duo auf ganze 36 Hollywood-Filme plus ein gemeinsames Cameo bringen, eigene Radio- und Fernsehshows hatten und karrieretechnisch dermaßen unter Strom standen, dass sowohl Abbott wie Costello schwerste Sucht- und Gesundheitsprobleme zu schaffen machten.
So war Bud Abbott lange Jahre ein schwerer Trinker, der mit dem Suff seine Epilepsie kurieren wollte und seinen Partner mit nur 40 % des erwirtschafteten Gewinns abspeiste, dieser hatte sich 1943 wohl aufgrund vollkommener Überarbeitung das eigene Immunsystem zerstört und musste aufgrund eines rheumatischen Fiebers ein halbes Jahr mit jeglicher Arbeit aussetzen.
Im selben Jahr verstarb dann auch noch kurz vor seinem ersten Geburtstag Costellos Sohn Butch, als dieser aus seiner Krippe kletterte und im hauseigenen Pool ertrank. Wohl unfähig anders als wie ein kaltschnäuziger Profi auf eine solche Situation zu reagieren, brach Costello trotz der Todesnachricht seines Kindes die soeben begonnene Radioshow nicht ab. Jedoch trennte er sich wenig später von seiner Frau, der er die Schuld für das Unglück gab und auch seine Beziehung zum dominanten Arbeitspartner Abbott sollte deutliche Risse bekommen.
Leiden die ersten Filme des Komikerduos über ein Zuviel an Musicalnummern, so rahmen hier zwei Auftritte von Ted Lewis und den Andrew Sisters die Haupthandlung gottseidank nur ein und hindern nicht den Fluss und das schöne Timing der Gruselklamotte.
Hold That Ghost! steht ganz in der Tradition früher Haunted house movies wie z. B. Paul Lenis Stummfilmklassiker The Cat and the Canary oder James Whales The Old Dark House (USA 1932 dt.: Das Haus des Grauens). Wie in beiden Beispielen kommen auch hier starke Kriminalfilmelemente zum Tragen, die auch (zumindest zum Teil) den Spuk erklären.
Sollten Abbott & Costello in ihrem bekanntesten (hierzulande sogar in einem schönen Mediabook von Koch Media veröffentlichten) Film, Bud Abbott & Lou Costello Meet Frankenstein (USA 1948 R.: Charles Barton), noch tatsächlich auf Dracula (in Ur-Form: Bela "Ich trinke keinen Wein" Lugosi), Frankensteins Monster (etwas befremdlich: Glenn Strange) und den Wolfmenschen (ebenfalls klassisch und Universal besetzt: Lon Chaney Jr.) treffen, so kommt Hold That Ghost! auch ganz gut ohne die geballte Starpower aus - was nur für den Film spricht!
In späteren Jahren ihrer Karriere war das Duo nämlich auf solche "Zusatzschauwerte" mehr oder weniger abonniert, und so trafen sie auch noch auf den Unsichtbaren (Bud Abbott & Lou Costello Meet the Invisible Man von 1951), der leider nicht von Claude Rains dargestellt wurde und auf Dr. Jeckyll und dessen böses Alter Ego (in Abbott & Costello Meet Dr. Jeckyll and Mr. Hyde), der diesmal von Boris Karloff dargestellt wurde, welcher sich zuvor noch zierte in ... Meet Frankenstein erneut seine stilbildende Rolle zu spielen ...

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Fazit: Noch bevor Lou und Bud auf Lugosi und Konsorten treffen sollten, waren die beide bereits vom Grauen umzingelt - ein herrlicher Spaß für die ganze Familie!










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Punktewertung: 8 von 10 Punkte!

Samstag, 4. November 2017

Hüpf, Geistlein, hüpf!

Gui da gui bzw. 鬼打鬼 (eng.: Encounters of the Spooky Kind, aka.: Close Encounter of the Spooky Kind)
HK 1980
R.: Sammo Kam-Bo Hung


Worum geht's?: Der abergläubige Rikschafahrer Cheung (Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller in Personalunion: Sammo Hung) erwischt beinah seine untreue Freundin in flagranti bei einem frivolen Stelldichein mit Mr. Tam (Ha Huang), einem hohen Würdenträger der Stadt.
Um den vermeintlichen Skandal schnell aus der Welt zu schaffen, wendet sich Tam mit der Bitte den Mitwisser ein für alle Mal los zu werden, an einen ortsansässigen Zaubermeister namens Chin Hoi (Lung Chan).
Dieser plant das auch als "Kühnen Cheung" bekannte Opfer unter dem Vorwand einer Wette für eine Nacht in einen nahe gelegenen Tempel zu locken und eine sich dort befindliche Leiche kurzerhand zum unter Bann stehenden, mörderischen Verbündeten zu machen.
Als jedoch Chin Hois gerechtigkeitsliebender Kollege Tsui (Fat Chung) davon erfährt, springt dieser Cheung mit Rat und Tat zur Seite und gibt dem naiven Schmerbauch das Know-how an die Hand, es auch mit einem schauderhaften, verwesenden Untoten aufzunehmen.
Doch dies ist erst der Anfang eines unglaublichen Kampfes zwischen zwei Hexenmeistern, in dessen Mitte sich der pummelige Cheung schon bald wünscht, dass der Albtraum bald ein Ende nehme.

***

Wie fand ich's?: Sammo Hung ist hierzulande wohl in erster Linie als der "Dicke" an der Seite des drahtigen Jackie Chan aus einer Unzahl von Martial-Arts-Komödien bekannt.
Dabei war Hung (*07.01.1952) bereits in jungen Jahren hinter den Kulissen der Shaw Brothers tätig, zunächst als Statist und Stuntman, später als Kampfchoreograf und Regieassistent.
Nur wenige Jahre später sollte Hung auch an den Sets von solch Genregrößen wie Bruce Lee und John Woo auftauchen und zu einer festen Größe im Hongkong-Kino werden.
Ab 1977 stand Hung selbst als Regisseur in Hong Kong hinter den Kameras, seine zweite Regiearbeit Fei Lung gwo gong (HK 1978) schaffte es unter dem Titel Der kleine Dicke mit dem Superschlag auch nach Deutschland und zeichnete sich bereits durch einen angenehmen Mix aus Komik und Kampfkunst aus.
Beim hier besprochenen Gui da gui (was wörtlich "Geist gegen Geist" übersetzt heißt) sollte zu diesem Mix noch zusätzlich auf chinesische Gruselthemen wie Hexer, Vampire und Dämonen zurückgreifen und durch seinen Erfolg direkt das Jiangshi-Genre begründen.
Wir erinnern uns: Bietet das Wuxia-Genre Martial-Arts im historischen Setting (die Mehrzahl der Shaw Brothers Produktionen) so beschäftigt sich Jangshi mit Schreckelementen - gern, wie in Ricky Laus weiteren stilbildenden Kinoerfolg Geung si sin sang (HK 1985 eng.: Mr. Vampire) von 1985, mit den für den chinesischen Raum üblichen, hüpfenden Vampiren, die es wie ihre westlichen Kollegen natürlich auf die Lebenden abgesehen haben. Doch haben es chinesische Vampire nicht auf Blut abgesehen, wollen sie doch lieber ihren Opfern buchstäblich den Atem rauben und ihnen das Qi, die Lebenskraft, aussaugen. Natürlich muss diese Art von Untoten außerdem hüpfen - verhindert doch die Totenstarre einen geschmeidigen Gang locker aus der Hüfte heraus!
In Encounters of the Spooky Kind trifft Hungs Charakter schon früh auf einen solchen typischen Jiangshi, doch ist genauso bemerkenswert der Umstand, dass die erste Hälfte verblüffende Parallelen zu Viy bzw Вий aufweist.
Wie in den Verfilmungen von Nikolai Gogols klassischer Gruselmär muss der Held mehrere Nächte in einer heiligen Stätte mit einer störrischen Leiche verbringen, die es auch gleich auf sein Leben abgesehen hat.
Zwar enden diese Übereinstimmungen bereits mit dem Beginn der zweiten Hälfte des Films, welche mit zunehmender Laufzeit immer wesentlicher den Schwerpunkt in Richtung furioser Martial Arts verlagert, doch ist dieses Phänomen offenbar bislang kaum zur Sprache gekommen.
Beim Humor schaute man verständlicherweise weniger in die Richtung Russlands als auf die amerikanischen Väter der Klamotte - die Herren Laurel & Hardy und deren Amtsbruder Buster Keaton durften als veritable Vorbilder für gleichsam wohlfeil getimten Slapstick dienen - hier zeigt Sammo Hung einmal mehr, dass Körperfülle nicht gleichbedeutend mit Bewegungsarmut ist.
Immerwieder blitzen auch kleine, blutige Splattereinsprengsel auf, was dem Geschehen noch eine zusätzliche Schärfe verleiht.
Wer zudem eine der unglaublichsten Schlussszenen des Genres sehen möchte, ist hier vollkommen richtig. Ohne auch nur etwas verraten zu wollen: der Schreiber dieser Zeilen bekam einige Sekunden den Mund nicht mehr zu und glaubt nicht, dass ein solches Ende in den heutigen Zeiten von political correctness noch möglich wäre.
Also bedenke: Auch nach Halloween sind die Nächte noch lang und Dunkel, da bietet sich ein Gruseltrip in fernöstliche Gefilde zur Abwechslung und abendlichen Erheiterung gerade zu an!

***

Fazit: Ein wahrhaft geist(er)voller Spaß, bei dem einen das eigene verwesende und madendurchzogene Pumporgan im Thorax ganz warm wird.



 
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Punktewertung: 9 von 10 Punkten!

Samstag, 10. Juni 2017

In die Pfanne gehauen!

Eating Raoul
USA 1982
R.: Paul Bartel

Worum geht's?: Jeder hat einen Traum. So auch der frisch arbeitslos gewordene Weinverkäufer Paul Bland (Paul Bartel) und dessen Gattin Mary (Mary Woronov), die als Krankenschwester Schichten in einem Hospital schiebt.
Beide träumen von einem eigenen Gourmetrestaurant, doch ist leider kaum das Kapital dafür vorhanden, und während ihre Nachbarn fröhlich eine Swingerparty nach der anderen werfen, zählen die Blands im 50er-Jahre-Dekor ihres Appartments die wenigen Ersparnisse.
Da kommt es sehr gelegen, dass eines Abends der heimkehrende Paul einen enthemmten Swinger dabei erwischt, wie dieser sich gerade an seiner Mary vergreifen will und ihn kurzerhand mit einer gusseiserenen Pfanne erschlägt - in der Tasche des ekligen Perverslings findet sich nämlich eine gesunde Menge Bargeld!
Schnell wird die Leiche im hauseigenen Müllschlucker entsorgt, doch lösen die paar Scheine nicht die finanzielle Situation des Ehepaars, dass sich derweil erfolglos um einen Kredit bemüht.
Als ein zweiter Swinger in der Wohnung der Blands aufläuft und Paul erneut beherzt zur Pfanne greift, nur um in der Brieftasche des Toten auf ein weiteres schönes Sümmchen zu stoßen, fasst man den Entschluss, aus der mittlerweile gewonnenen Routine ein dauerhaftes Einkommen zu machen.
Mit der Hilfe einer örtlichen Domina (Susan Saiger) und einer Annonce in einem Sexmagazin locken von nun an die Blands gezielt frivole Freier in die biedere Wohnung der beiden, wo Paul schon die Bratpfanne im Anschlag hält.
Schnell kommt man so zu einigem Reichtum und diesen möchte man schützen - mit einem neuen Türschloss!
Dass sich der herbeibestellte Schlosser Raoul (Robert Beltran) ebenso schnell als kleinkriminelles Element herausstellt, konnte ja keiner ahnen, schon eher, dass es keine gute Idee sein würde ihm die Entsorgung der Leichen anzuvertrauen, die sich schon bald in der Wohnung der Swingerkiller zu stapeln drohen.

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Wie fand ich's?: Gute Komödien sind selten.
Noch seltener sind gute Komödien, die nicht nur lustig sind, sondern die auch ein gelungenes Bild von ihrer Entstehungszeit abgeben, toll gespielt sind und dem Zuschauer geschmackvoll eine Geschmacklosigkeit nach der anderen unter die Nase reibt, ohne jedoch je wirklich geschmacklos zu werden.
Regisseur und Hauptdarsteller Paul Bartel (* 1938; † 2000) gelingt in Eating Raoul dieses Kunststück scheinbar mühelos.
Bartel, der, genau wie seine Kodarstellerin Mary Woronov, lange Zeit im Umfeld Roger Cormans tätig war, kurbelte de, von einer kleinen Kultgemeinde mittlerweile stark verehrten Film in etwas mehr als drei Wochen für das relativ geringe Budget von nur 350.000 $ herunter.
Das Ergebnis: eine luftig-lockere Komödie mit galligem, gesellschaftskritischem Unterton, die thematisch durchaus ihresgleichen sucht.
Bartel war ein ähnlicher Coup bereits zuvor mit dem von Corman produzierten Death Race 2000 (USA 1975) gelungen, in dem auch Mary Woronov schon eine größere Rolle innehatte. Ebenfalls oberflächlich ein klassischer Exploitationfilm, findet sich auch hier bereits ein ätzender, zeitkritischer Subtext, der sich mit dem zunehmenden Einfluss von Massenmedien und Großkonzernen, dem Wegfall von Moral und der allgemeinen Konsumsucht auseinandersetzt.
Einige dieser Motive hielt Bartel auch bei Eating Raoul bei, hinzu kommt ein gesteigertes Interesse für die zunehmende Übersexualisierung der US-Gesellschaft, anschaulich dargestellt am Beispiel der seit den 60er-Jahren immer stärker aufkommenden Swingerbewegung.
Demgegenüber stellt das Drehbuch das Ehepaar Bland, die zunächst als sympathische Verlierer daherkommen, aber im Grunde nichts anderes als recht langweilige Spießer sind, die in getrennten Betten schlafen und sich dort neben Kuscheltieren oder, im Falle des weinsammelnden Ehemanns, übergroßen Plüschflaschen zum Schlafen legen.
Bartels wunderbar relaxte Satire platzt nur so vor tollen Details und wird dadurch auch selbst nach mehrmaligem Sehen kaum langweilig. Im Gegenteil; sie gewinnt nur an Größe - wie ein guter Wein.
Ach, ja - Paul und Mary Bland sollten noch einmal zurückkehren, für ein Cameo in einem gänzlich anderen Film. Ein Bildbeweis findet sich im unteren Teil des verlinkten Posts!

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Fazit: Bitterböse, ätzend, aber prickelnd im Abgang - eine Satire, die man sich zusammen mit einem edlen Tropfen oder einer schönen Dose Bier zur Brust nehmen sollte.








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Punktewertung: 8,25 von 10 Punkten

Donnerstag, 11. Februar 2016

Ausdrücklich fraglich?!

Interrabang
I 1969
R.: Giuliano Biagetti


Worum geht's?: Eine schnittige Jacht, drei schöne Damen, klares Wasser, ein gewitzter Fotograf und heller Sonnenschein.
Fabrizio (Umberto Orsini) sucht einen möglichst pittoresken Hintergrund für die geplanten Aufnahmen von seinem attraktiven Model Margerita (Shoshana Cohen), das zugleich seine Geliebte ist - was seine Frau Anna nicht weiter zu stören scheint.
Während diese sich dem Sonnenbaden widmet und Fabrizio mit Margerita an Land geht, hängt Fabrizios intellektuelle Schwester Valeria (Haydée Politoff) gelangweilt ihren misanthropen Gedanken nach.
Niemand scheint der Radiomeldung von einem flüchtigen Schwerverbrecher Aufmerksamkeit zu schenken, lediglich ein defekter Vergaser zwingt Fabrizio dazu, seine Gefährtinnen kurz zurückzulassen, um in Gesellschaft einer anderen Schönen Rat und Hilfe zu suchen.
Auf sich allein gestellt treffen die drei Grazien an Land auf den sonderlichen Streuner Marco (Corrado Pani), der es nur zu schnell schafft, jede der Damen um den Finger zu wickeln - und dies in unmittelbarer Nähe eines toten Polizisten.
Ist Marco der gesuchte Killer, nachdem auch die kurz auftauchende Wasserpolizei sucht? Warum scheint Valeria vom Anblick einer dahinverwesenden Leiche kaum beeindruckt zu sein? Ist Margerita nur auf Fabrizios Geld aus? Wird Fabrizio je zurückkommen? Und was zur Hölle ist ein Interrabang?!

Wie fand ich's?: Nun, zumindest letzte Frage lässt sich hier direkt spoilerfrei auflösen. Ein Interrobang (wieso der Film den Ausdruck mit a statt o schreibt - weiß der Teufel‽) ist ein obskures Sondersatzzeichen, welches 1962 von einem amerikanischen Werbetexter erfunden wurde und einem Satz sowohl unterstreichenden, wie fragenden Charakter geben sollte.
Hierzu erschuf Martin K. Spekter eine Verbindung aus Frage- und Ausrufezeichen; geboren war das Interrobang. Dieses ‽ war also quasi der Vorgänger des heute so oft im Internet verwendeten WTF-Kürzels (entstanden in einer Zeit, in der noch Stil und Kreativität über reine sprachliche Profanität regierten).
Tatsächlich trägt im Film nicht nur die hübsche Haydée Politoff dieses Kunstzeichen als Goldschmuck um den Hals, es gibt auch genau das Gefühl wieder, das man in den Augen der meisten Rezipienten nach dem Ansehen dieses Filmes erahnen kann.
Giuliano Biagetti gelingt nämlich hier das Bravourstück, einen Film mit einer unglaublich relaxten und entschleunigten Atmosphäre zu entwerfen, dessen Figuren offenbar recht eindeutig gestrickt sind - bis, ja, bis der Film anfängt mit zunehmender Laufzeit zunächst subtil, später eindeutig, einen Plottwist nach dem anderen aufs Parkett zu legen.
Wird man also zunächst durch das sonnendurchflutete Ambiente und die klischeehaften Protagonisten wunderbar eingelullt (ja, man könnte schon fast von gediegener Langeweile sprechen), so verschlägt einem spätestens die oben erwähnte Szene eines plötzlichen Leichenfundes die Sprache (oder reißt einen aus dem bereits eingetretenen Dämmerzustand zwischen Wachen und Träumen).
Wer also glaubt Interrabang würde am Ende seiner (angenehmen, 93-minütigen) Laufzeit alle Fragen befriedigend beantwortet haben, der schaue sich das formschöne Satzzeichen noch einmal genau an.
Regisseur Giuliano Biagetti (* 1925; †1998) hat es laut IMDb in einer mehr als vierzigjährigen Karriere auf nur vierzehn Filme gebracht, ein Großteil davon waren seichte Erotikkomödien, für die er sich wohl teilweise so sehr schämte, dass er sich hinter dem Pseudonym Pier Giorgio Ferretti versteckte.
Mit Interrabang hat er auf jeden Fall einen für Genrefans sehr interessanten Bastard aus der geschaffen, der irgendwo zwischen galliger Satire und froschfröhlichem Sommerthriller hin und her pendelt, nur, um mit seiner Schlussszene dem Ganzen noch die Krone aufsetzen, auf deren Zacken nur ein Zeichen prangen kann:


Fazit: So luftig, locker ist man noch nie filmisch an der Nase herumgeführt worden. Mehr Strandurlaubsfeeling findet man in kaum einem anderen Genrefilm dieser Ära.


Punktewertung: 7 von 10 Punkten

Montag, 2. November 2015

Von Dampfplauderern und Modeopfern

My Cousin Vinny (Mein Vetter Winnie)
USA 1992
R.: Jonathan Lynn



Worum geht's?: Die New Yorker Großstadt-Buddys Billy (Ralph Macchio) und Stan (Mitchell Whitfield) machen auf der Durchfahrt kurz Stopp im kleinen Nest Beechum, einem unscheinbaren Dörfchen im ländlichen Alabama.
Doch statt mit den schnell an der Tanke getätigten Einkäufen wieder weiterzureisen, werden die beiden des Mordes am Kassierer jener Lokalität bezichtigt.
Mit der Aussicht auf zwei Plätze in der örtlichen Todeszelle entsinnt sich Billy seines entfernten Vetters (Joe Pesci), der doch unlängst noch an der juristischen Fakultät des Big Apples eingeschrieben war.
Tatsächlich eilt dieser auch umgehend mit seiner feschen Verlobten Mona Lisa (Marisa Tomei) dem Verwandten zur Hilfe, doch muss er zum Schrecken der beiden Jungs schon früh gestehen, dass er erst gerade im sechsten Anlauf seine Anwaltszulassung ergattern konnte und bis auf einige Schmerzensgeldklagen keinerlei Erfahrungen aufweisen kann.
Doch was ein echter New Yorker nicht im Kopf hat, macht er durch Attitüde wett und auch das attraktive Fashion Victim Mona Lisa hat im Gerichtssaal vor den Augen des gestrengen Richters Haller (Fred Gwynne) mehr zu bieten, als nur ein hübsches Äußeres...

***

Wie fand ich's?: Es gab eine Zeit, da war Marisa Tomei eine der schönsten Frauen der Welt. Und es gab eine Zeit, da war Ralph Macchio der Schwarm aller Teenie-Girls. Woran sich aber wohl die wenigsten erinnern, ist die Zeit, als Joe Pesci nicht der härteste Gartenzwerg auf dem Rasen Hollywoods war.
Pesci war durch Auftritte in Filmen der Herren Scorsese, Leone und Stone zu einem dieser ewigen Nebendarsteller geworden, die trotz ihrer eher untergeordneten Rolle im Drehbuch die Massen begeisterten und in die Lichtspielhäuser lockten. Auch beruflich wie im Privatleben als der Choleriker bekannt, den er so oft vor der Kamera gespielt hatte, soll er nicht nur Meisterregisseur Martin Scorsese den Riechkolben gebrochen, sondern auch Robert De Niro am Set von Scorseses Casino (USA 1995) vermöbelt haben.
Drei Jahre zuvor sollte er jedoch in der kleinen, feinen Gerichtsaalkomödie My Cousin Vinny nicht nur dem Image als harter Unsympath entfliehen können, sondern auch nach langer Zeit die Titelrolle spielen.
Dabei verlässt sich das Drehbuch weniger darauf die vermeintlichen Hinterwäldler des sogenannten Bible Belt vorzuführen, man denke nur an die ein Jahr später erschienene Remake The Beverly Hillbillies (USA 1993 dt.: Die Beverly Hillbillies sind los) von Penelope Spheeris, als vielmehr den Blick auf die ebenso überheblichen wie oberflächlichen, wenn auch hier stets sympathischen Großstädter zu fokussieren - besonders die extraordinären Outfits Frau Tomeis fallen sofort ins Auge und wirken heute wieder ebenso befremdlich auf den Zuschauer, wie zu Anfang der 90er Jahre auf einen Einwohner eines einsiedlerischen Südstaatenkaffs.
Fred Gwynne, heute wohl am meisten für seine ikonografische Rolle als Familienvorstand Herman Munster in der kultigen TV-Serie The Munsters (USA 1964-1966) bekannt, bildet das ebenso strenge, wie ruhig besonnene Gegenstück zum stets nervösen Pesci und es wirkt damit umso betrüblicher, dass dies Gwynnes letzter Kinofilm sein sollte. Der 1,96 Meter große Mann mit dem Charakterkopf verstarb im Alter von 67 Jahren an einer Bauchspeicheldrüsenkrebserkrankung.

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Fazit: Ein extrem kurzweiliger Mix aus klassischer Comedy of Errors und Gerichtssaalthriller - schön besetzt und gut gespielt - das macht auch ein Vierteljahrhundert später (ja, so lang ist das schon wieder her...) noch Laune!







Punktewertung: 7,75 von 8 Punkten

Freitag, 23. Oktober 2015

Die Rückkehr der Klassiker #5: Wie kommt denn das Arsen in den Wein, Tantchen?

Arsenic And Old Lace (Arsen und Spitzenhäubchen)
USA 1944
R.: Frank Capra

Worum geht's?: Mortimer Brewster (Cary Grant), ein erfolgreicher Theaterkritiker und Schriftsteller von Büchern, die den Schrecken der Ehe thematisieren, befindet sich zu Anfang dieses Films eben dort, wo der Schrecken oft seinen Anfang nimmt: in der Warteschlange eines Standesamts. Und tatsächlich heiratet der Autor der Junggesellenbibel „Die Ehe: ein Betrug und eine Falle“ seine Freundin Elaine Harper (Priscilla Lane) unter den wachsamen Augen der anwesenden Skandalpresse.
Nun bleibt Mortimer noch ein Abschiedsbesuch bei seinen lieben Tantchen Abby und Martha (Josephine Hull und Jean Adair), welche zusammen mit seinem geistigverwirrten Vetter Teddy (John Alexander), welcher sich für Theodor Roosevelt hält, in einem idyllischen Haus in Brooklyn leben.
Das Idyll täuscht jedoch, denn die beiden alten Damen „erlösen“ mit vergifteten Hollunderbeerwein allein stehende, ältere Herren, welche auf der Suche nach einem Zimmer auf ein Schild im Fenster der netten Damen hereinfallen. Als Mortimer im Haus seiner Tanten auf eine Männerleiche in der Fenstertruhe stößt, fällt sein Verdacht zunächst auf Teddy, welcher gern mal ins Horn stößt und die Treppe erstürmt, ganz im Gedächtnis an Roosevelts Sturm auf den Hügel von San Juan, oder im Keller „Schleusen für den Panamakanal“ gräbt. Zu seinem Schrecken muss Mortimer von seinen geständigen Tanten erfahren, dass sie hinter der Leiche stecken.
Mortimers Probleme verdichten sich, als sein zweiter Vetter Jonathan (Raymond Massey) zusammen mit dem versoffenen und sonderbar paranoiden Dr. Einstein (Peter Lorre) Zuflucht im Hause der Tanten sucht. Jonathan, ein flüchtiger Gewaltverbrecher, weist nach einiger, von Dr. Einstein ausgeführter, plastischer Chirurgie verblüffende Ähnlichkeit mit Frankensteins Monster auf; ein Umstand, den auch Mortimer ebenso zur Kenntnis nehmen muss, wie den, dass er nun noch mindestens ein weiteres Problem zu lösen hat...

***

Wie fand ich's?: Screwball-Comedy trifft auf den klassischen Gruselthriller. So lässt sich Frank Capras Meisterwerk in kurzen Worten fast exakt beschreiben. 
Die übermütige Screwball-Komödie feierte in den 30er Jahren große Erfolge mit heutigen Klassikern wie My Man Godfrey (USA 1936 R.: Gregory La Cava dt.: Mein Mann Godfrey) oder Bringing Up Baby (USA 1938 R.: Howard Hawks dt.: Leoparden küsst man nicht) und bot sich somit zeitnah zur Verschmelzung mit anderen Genres geradezu an.
Meisterregisseur Capra, der zwei Jahre später mit It´s A Wonderful Life (USA 1946 dt.: Ist das Leben nicht schön?) den ultimativen Weihnachtsfilm schaffen sollte, gelang mit Arsenic and Old Lace eine wunderbare Umsetzung des gleichnamigen Theaterstücks von Joseph Kesselring, in dem bereits Boris Karloff die Rolle des Jonathan übernommen hatte. So kommen die mehrfachen Anspielungen auf Raymond Masseys „monströses“ Aussehen nicht von Ungefähr und sorgen nebenbei für einen netten Insidergag.
Sicherlich merkt man dem für heutige Verhältnisse recht statisch inszenierten Film das zugrundeliegende Theaterstück an; so spielen große Teile des Films im gleichen Raum, welcher nur sehr selten zur Straßenkulisse verlassen wird. Doch macht das übermütige Spiel aller Akteure, besonders das des hibbeligen, hypernervösen Cary Grants, dieses verzeihliche Manko schnell wett. Capra soll sich sehr eng an die Vorlage gehalten haben und nur hier und da Szenen oder Text gegenüber des zugrundeliegenden Theaterstücks abgeändert haben. Dabei bot sich diesmal kaum Platz für Capras sonst obligatorischen sozial-kritischen Inhalt, wie er z. B. in Mr. Deeds Goes To Town (USA 1936 dt.: Mr. Deeds geht in die Stadt) oder in Meet John Doe (USA 1941 dt.: Hier ist John Doe) vorhanden ist.
Was heute bleibt, ist eine liebenswürdige, witzige und wunderschön altmodische Gruselkomödie, deren Anteil an Horror in Zeiten von Harry Potter, Hunger Games durchaus als kindertauglich anzusehen ist.
Greift man zur schönen deutschen DVD von Warner, so fallen einem zunächst die drei enthaltenen, unterschiedlichen Filmfassungen auf. Da wäre die, dem Capra-Fan aus dem Fernsehen wohlbekannte, TV-Fassung von 1962, welche eine von der Berliner Synchron GmbH vollkommen neugestaltete Titelsequenz aufweist, in der ein animierter Totenkopf die einzelnen Credits pantomimisch kommentiert. Daneben findet man jedoch auch die etwa drei Minuten längere Originalfassung, wahlweise im Originalton oder mit der deutschen Kinosynchro von 1957, welche interessanterweise den Film direkt von Anfang an dem Halloweenfest zuordnet, in dem dessen Titelsequenz mehrere Karten mit gezeichneten Hexen, Kürbissen, Katzen und Fledermäusen zeigt. Aufmerksamen Betrachtern mag jedoch, auch in der alten deutschen Fernsehfassung, vermutlich nicht die Szene entgangen sein, in der Mortimers Tanten einigen verkleideten Kindern aus der Nachbarschaft Süssigkeiten durchs Küchenfenster schenken. Das macht Arsenic And Old Lace für mich nur umso mehr zum ultimativen Halloweenfilm, Puristen dürfen natürlich trotzdem weiterhin einen Tag zuvor den Klassiker von Carpenter anschauen.
In diesem Sinne: A Happy Halloween!

Fazit: Nicht nur zu Halloween ein Filmfest für die ganze Familie - vielleicht nicht Capras bester aber einer seiner liebenswertesten Filme.

Punktewertung: 10 von 10 - Ein wahrer Klassiker!

Sonntag, 6. September 2015

Die Rückkehr der Klassiker #2: Frisch aus dem Kokon

Spider Baby, or the Maddest Story Ever Told 
USA 1964 
R.: Jack Hill



Worum geht's?: Das Merrye-Syndrom ist eine seltene, vererbbare Krankheit, welche bislang lediglich bei Nachfahren der Merryefamilie nachgewiesen worden ist. Die Krankheit führt zu einem stetigen Verfall des Hirns und verursacht auf diese Weise einen Rückfall zu tierischen Verhaltensformen, inklusive fortschreitendem Schwachsinn und sogar auftretenden Kannibalismus. Die letzten direkten Nachkommen des Familienvaters Merrye leben in einem verfallenen Haus irgendwo in Amerika wo der ebenso gütige wie nachsichtige Familienchauffeur Bruno (Lon Chaney, jr.) sich rührend um die Geschwister Virginia (Jill Banner), Elisabeth (Beverly Washburn) und Ralph (Sid Haig) kümmert, welche ihm von deren Vater anvertraut worden sind.
Während die zarte Virginia die Angewohnheit hat eine Spinne zu imitieren und zufällig vorbeikommende Besucher mit Messern zu töten, nachdem sie die Unglücklichen mit einem Netz bewegungslos gemacht hat – sehr zum Verdruss ihrer leicht paranoiden Schwester Elisabeth – ist Ralph ein scheinbar komplett zurückgebliebener junger Mann, der in seinen Bewegungen eher einem Tier ähnelt und nicht mal fähig zu sprechen ist.
Als sich zwei entfernt verwandte Familienmitglieder in Form von Onkel Peter (Quinn Redeker) und Tante Emily (Carol Ohmart) ankündigen und mit dem zwielichtigen Rechtsanwalt Schlocker (Karl Schanzer) und dessen Sekretärin Ann (Mary Mitchel) in den Lebensraum dieser Sonderlinge eindringen, um sich des Grundbesitzes zu bemächtigen, sieht sich das fürsorgliche Faktotum Bruno gezwungen in jeder Form Schadensbegrenzung zu betreiben.
Doch als der nachts herumschleichende Anwalt auf einen geheimen Kellerraum stößt, in dem einige Familienangehörige hausen, welche besser nicht der Außenwelt bekannt gemacht werden sollten, und die Geschwister die Neuankömmlinge nach und nach ins Jenseits befördern wollen, greift Bruno zum scheinbar letzten Wundermittel: Dynamit! Aber ist dies tatsächlich ein probates Mittel um eine seltene Erbkrankheit auszuradieren?


Wie fand ich's?: Jack Hill ist ein sicherlich leicht zu übersehener Regisseur, bestand doch ein Großteil seines filmischen Werkes darin, Szenen für im Ausland gedrehte B-Movies beizusteuern, wie zum Beispiel bei den vier mexikanischen Low-Budget-Produktionen der Parasolstudios Ende der 60er Jahre mit dem in die Jahre gekommenen Boris Karloff namens La Muerte Vivente (MEX 1968 dt.: Todeskult), La Invasión Sinestra (MEX 1968 R.: Juan Ibanez dt.: Invasion der Aliens), Serenata Macabra (MEX 1968 R.: Juan Ibanez dt.: Todestanz im Schreckensschloss) und La Cámara Del Terror (MEX 1968 R.: Juan Ibanez dt.: Folter). Hill drehte in Hollywood die spärlichen Szenen mit dem bereits schwer krankem Karloff, während Ibanez den gesamten Rest der Handlung preiswert in Mexiko herunterkurbelte und an Karloffs Stelle einfach ein Lichtdouble einsetzte.
Seine späteren Filme sind u. a. die beiden bekannteren Blaxploitation-Krimis Coffy (USA 1973) und Foxy Brown (USA 1974) mit der Filmikone Pam Grier, welche durch Quentin Tarantinos Jackie Brown (USA 1997) wieder ins Gedächtnis ihres Publikums zurückgelangt ist, was Hill wohl auf diesem Weg auch einen kleineren Popularitätsschub gab. 
So ist es auch nicht sehr verwunderlich das Hills außergewöhnliches Horrordebüt Spider Baby (der ursprünglich Cannibal Orgy, or he maddest story ever known betitelt war) nie ein größeres Publikum fand und lange Zeit in Deutschland fast gänzlich unbekannt war. Nichtsdestotrotz hat der Film in den USA mittlerweile längst Kultstatus erlangt, den er gar durch seine kuriose Mixtur von schwarzer Komödie und Haunted-House-Sujet auch voll und ganz verdient hat. 
Der Film ist inhaltlich und in seiner Wirkung mit Arsenic And Old Lace trifft auf The Texas Chainsaw Massacre ebenso kurz wie prägnant zu beschreiben. TV-Veteran Quinn Redeker gibt hier den sympathischen aber leicht dümmlichen Helden á la Cary Grant, der sich bald in den Fängen seiner ebenso mörderischen wie eigentlich sonderbar putzigen Verwandten wiederfindet. Sid Haig brilliert allein durch seine physische Präsenz und ist eine Idealbesetzung als debiler Bestandteil einer jeden Familie von degenerierten Underdogs.
Eine seiner letzten Darbietungen seines Könnens gibt hier Lon Chaney, jr. - Sohn des großen Stummfilmdarstellers Lon Chaney, der mit Filmen wie The Phantom Of The Opera (USA 1925 R.: Julian/Chaney/Laemmle/Sedgwick dt.: Das Phantom der Oper) und The Unknown (USA 1927 R.: Tod Browning dt.: The Unknown - Der Unbekannte) das Werk seines Sohns stets überschattete. Tatsächlich gibt Hill an, bereits während der Dreharbeiten ein Drehbuch für ein Sequel zu Spider Baby namens Vampire Orgy geschrieben zu haben, das er mit Chaney und den weiblichen Darstellerinnen realisieren wollte, welches jedoch leider nie aus dem Kokon schlüpfen durfte. Schade.


Fazit: Wie eine Fahrt mit der monochromen Hillbillygeisterbahn - schrill, trocken und zunehmend derangiert!

Punktewertung: Klassiker! (Eine genaue Wertung entfällt in diesem Fall!)

 

Sonntag, 30. August 2015

Die Rückkehr der Klassiker #1: Dunkles Haus in stürmischer Nacht

The Cat And The Canary (Spuk im Schloß) 
USA 1927
R.: Paul Leni


Worum geht's?: Exakt um Mitternacht will der ältliche Notar Roger Crosby (Tully Marshall) im alten Herrenhaus der Familie West das Testament des genau vor zwanzig Jahren verstorbenen Patriarchen Cyrus West verlesen, wozu sich nach und nach die geldgierige Verwandtschaft in dem unheimlichen Gemäuer in merklicher Vorfreude einfindet. Diese hatte für den alten Exzentriker Cyrus zeit seines Lebens größtenteils nur Spott über und hielt den Mann offensichtlich für verrückt, allerdings würden sie nach dessen Ableben nun doch nur allzu gern in den Besitz seines Vermögens und der legendären Westdiamanten gelangen, welche Teil des beträchtlichen Vermächtnis sein sollen.
Überraschenderweise vererbt Cyrus alles der jungen Annabelle (Laura La Plante), welche als Letzte zu der illustren Runde gestoßen war und wohl kaum mit dem plötzlichen Segen gerechnet hatte, ganz im Gegensatz zu den anderen enttäuschten Möchtegernerben. Allerdings verlangt der Wille des alten Herrn, dass die Erbin durch einen sachverständigen Doktor im Nachhinein als zurechnungsfähig eingestuft wird; sollte dies nicht der Fall sein, fällt das gesamte Erbe doch noch einer zweiten Person zu, welche in einem separat versiegelten Umschlag genannt wird, den der Notar erst bei Eintritt des Ausnahmefalls öffnen darf.
Nun sitzt die junge Annabelle wie ein Vogel im goldenen Käfig - misstrauisch beäugt von den geldgierigen Anverwandten, die sie wie gefräßige Katzen umzingeln. 
Tatsächlich überschlagen sich schon bald die Ereignisse. Ein Irrenhauswärter auf der Suche nach einem mörderischen Verrückten, der sich für eine Katze halten soll, betritt die Szenerie und versetzt die Gemeinschaft vor dem geplanten Zubettgehen in Angst und Schrecken. Direkt darauf wird Rechtsanwalt Crosby von einer Person mit einer Raubtierklaue anstelle der Hand hinter dem Rücken Annabelles in einen Geheimgang gezogen, just in dem Moment, als der Notar der jungen Dame unter vier Augen die Identität der Person nennen wollte, an welche das Erbe fällt, sollte Annabelle bei Eintreffen des Arztes als verrückt erklärt werden.
Eine kurze Suche bleibt ergebnislos und man zieht sich auf sein zugeteiltes Zimmer zurück, wo Annabelle aufgrund eines Briefes von Cyrus West in einem versteckten Fach ein kostbares Halsband mit den sagenhaften Westdiamanten findet, welches allerdings eine aus der Wand kommende Krallenhand vom Hals der Schlafenden reißt. Natürlich glaubt man das Geschehene der nun panischen Annabelle nicht so recht, doch findet die Erbgemeinschaft schließlich den hinter einer falschen Wandtäfelung versteckten Leichnam des Notars.
Ein erster Versuch die Polizei zu informieren scheitert an gekappten Telefondrähten, Tante Susan (Flora Finch) besteigt einen vorbeikommenden Pferdekarren, um mit einem Milchmann Hilfe zu holen, Dr. Ira Lazar (Lucien Littlefield) trifft ein, um die nervöse Annabelle zu untersuchen, und der liebenswerte Tollpatsch Paul Jones (Creighton Hale) begegnet im Keller dem katzenähnlichen Bösewicht, den er zusammen mit der nun endlich eintreffenden Polizei zur Strecke bringt, und so eine teuflische Verschwörung aufdeckt.


Wie fand ich's?: Der deutsche Paul Leni wurde von Universal-Chef Carl Laemmle Mitte der 20er Jahre in die USA geholt, nachdem Leni bereits zuvor in Deutschland erfolgreich als Filmausstatter, -architekt, Regisseur und Kunstmaler tätig war. 
Dem deutschen Filmexpressionismus stark zugeneigt, hatte der Jude Leni im Weimarer Kino bereits mit den beiden Wiener Produzenten und Filmemachern Richard Oswald (eigentlich: Richard W. Ornstein) und Joe May (eigtl. Julius Otto Mandl, bzw. Joseph Otto Mandl, bzw. Joseph Mandl - da sind sich die Quellen heute leider nicht mehr einig...) zusammengearbeitet, bevor er sich in Hollywood neuen Filmen zuwandte. Der 1924 noch in Deutschland realisierte Episodenfilm Das Wachsfigurenkabinett, welcher drei Horrorgeschichten in einer auf einem Rummelplatz spielenden Rahmenhandlung um einen jungen Schriftsteller einfasste, war Universal Beweis genug, dass Leni das geeignete Rüstzeug für eine erfolgreiche Filmadaption des zur gleichen Zeit entstandenen Theaterstücks The Cat and The Canary von John Willard mitbrachte. Und wenn man sich nun bald 80 Jahre nach seiner Entstehung Lenis Film ansieht, so stellt man fest, dass The Cat And The Canary weit weniger angestaubt wirkt als ähnliche zeitgenössische Werke.
Ein Faktor seiner Qualität ist unverkennbar Lenis künstlerisches Können in fast allen filmischen Disziplinen. Von den fantastisch in Szene gesetzten, spinnwebverhangenen Kulissen Charles D. Halls, über innovative Kameratricks wie die assoziative Überblendung am Anfang des Films, in der das Herrenhaus in dem der alte Cyrus West sitzt, erst einer Ansammlung von hochaufragenden Medizinflaschen und dann mehreren fauchenden schwarzen Katzen weicht, hin zu animierten Zwischentexten, welche eine zusätzlich unterstrichene Darstellung von panischen Ausrufen oder ängstlichem Flüstern auch in einem Stummfilm möglich machten. 
Der weitere Faktor, der den Film so frisch erscheinen lässt, ist die temporeiche Inszenierung Lenis, der in die relativ kurze Laufzeit von ca. 80 Minuten (dies betrifft die restaurierte Fassung von 2004, eine mir ebenfalls vorliegende US-DVD läuft zähere 110 Minuten) alles hineinpackte, was heute mithin zum Allgemeingut des Haunted-House-Thrillers gehört: lange düstere Korridore, knarrende Geheimtüren, versteckte Schätze, mörderische Psychopathen. Aber auch der Humor kommt in Lenis Film nicht zu kurz. So erinnert die von Paul Jones verkörperte Figur des trotteligen Creighton Hale, der im Laufe des Films vom Tolpatsch zum Helden mutiert, nicht nur auf optischer Ebene an Harold Lloyd, welcher in seinen Komödien auch oft eben jene Wandlung „from zero to hero“ vollzieht.
Leni verstarb bereits 1929 im Alter von 44 Jahren an den Folgen einer Blutvergiftung. Es bleibt leider nur zu vermuten welche großen weiteren Klassiker dieses Allround-Genie der (Film-)Welt geschenkt hätte. Sein Hollywooddebüt hinterließ jedenfalls solch großen Eindruck, dass bis zum heutigen Tag eine ansehnliche Anzahl von Remakes und Rip-Offs über die Leinwände der Lichtspielhäuser hereinbrach. Da wäre zunächst The Cat Creeps (USA 1930 R.: Rupert Julian und John Willard) zu nennen, eine Tonfilmvariante des gleichen Theaterstücks von der es auch (wie auch im Falle von Tod Brownings Dracula) eine spanisch-sprachige Version namens La Volundat Del Muerto gab, leider gelten jedoch beide Filme als verschollen (so check your attic!)
1939 konnte man The Cat And The Canary erneut als Bob-Hope-Vehikel zu bewundern (USA 1939 R.: Elliot Nugent dt.: Erbschaft um Mitternacht), 1974 nahm sich Vielfilmer Jess Franco des Stoffes an und schuf mit La Noche De Los Asesinos (E 1974 R.: Jess Franco dt.: Im Schatten des Mörders) einen eher unbedeutenderen Eintrag innerhalb seiner über 100 Machwerke nennenden Filmographie. Im Jahre 1979 kam man erneut auf den Originaltitel zurück: The Cat And The Canary (GB 1979 R.: Radley Metzger dt.: Die Katze und der Kanarienvogel) wartete nun mit Honor Blackman in der Hauptrolle auf, welche dem deutschen Filmpublikum besser als Pussy Galore aus Goldfinger (GB 1964 R.: Guy Hamilton) bekannt ist.


Fazit: Der Stoff wurde unzählige Male adaptiert, doch Lenis stummes Meisterwerk von 1927 bleibt bislang unerreicht - ein perfekter Einstand in zur Rückkehr der Klassiker in diesem Blog!


Punktewertung: Klassiker! (Eine Wertung entfällt in diesem Fall.)

Freitag, 21. August 2015

Der Weg war das Ziel

Bis ans Ende der Welt
BRD 1991
R.: Wim Wenders


Worum geht's?: 1999. Ein indischer, nukleargetriebener Satellit droht auf die Erde zu stürzen.
Währenddessen lässt sich die attraktive Französin Claire (Solveig Dommartin) durch ein selbstmörderisches Leben voller substanzloser Partys und illegaler Substanzen treiben.
Auf einer Landstraße führt ein bizarrer Unfall ihren Weg mit dem zweier Bankräuber zusammen, welche ihr kurzer Hand ihre mit einem Sender versehene Beute zum Weitertransport nach Paris anvertrauen.
Mit neuer Motivation und der Aussicht auf 30 % der nicht unerheblichen Beute, lernt sie wenig später auch noch einen seltsamen Herrn (William Hurt) kennen, welcher sich ihr als Trevor McPhee vorstellt, und offenbar von einem anderen, bewaffneten Afroamerikaner (Ernie Dingo) verfolgt wird.
Claire verliebt sich praktisch sofort in den Neugier erweckenden Mann, den sie in ihrem Auto in die Seine-Metropole mitnimmt, und der während der Fahrt einer Aufnahme von Pygmäengesängen lauscht.
Bei ihrem Ex Eugene (Sam Neill), einem sympathischen Schriftsteller, der Claire immer noch sehr liebt, angekommen, sehnt sich die junge Frau, nun Besitzerin einer stolzen, wenngleich gestohlenen, Geldsumme, nach der interessanten Reisebekanntschaft und setzt nach etwas hin und her den Berliner Detektiv und Kopfgeldjäger Winter (Rüdiger Vogler) auf Trevor McPhee an.
In Moskau finden Claire, Winter und der ebenfalls anwesende Eugene heraus, dass die Person, der sie folgen, gar nicht der von einer Opalmine gesuchte Trevor McPhee ist, sondern es sich bei dem Herrn, um Sam Farber, Sohn des genialen Henry Faber (Max von Sydow), handelt, dem bereits ebenfalls die CIA in Form des schwarzen Beschatters auf der Spur ist.
Claire nimmt keine Kosten und Mühen auf sich ihrer Liebe durch fast alle Kontinente bis nach Australien zu folgen, wo ein elektromagnetischer Impuls das Flugzeug in dem sie und Sam sitzt zum Absturz bringt - und dies ist erst die Hälfte der Geschichte!


Wie fand ich's?: Das größte Roadmovie aller Zeiten sollte es wohl werden. Einmal rund um die Welt, durch alle Kontinente und zuletzt ins Reich der Träume. Wenn Deine Produktionsfirma Road Movies Filmproduktion heißt und Du Deine größten Erfolge hauptsächlich in eben diesem Genre feiertest - wer wenn nicht Du ist berufen den ultimativen Film-Trip auf Zelluloid zu bannen?
Ähnliches muss sich Wim Wenders gedacht haben, als er mit seiner damaligen Muse Solveig Dommartin (* 1961; † 2007) die Story zu Bis ans Ende der Welt ersann, der der australische Autor Peter Carey und Drehbuchautor und Regiekollege Michael Almereyda zusätzlichen Schliff geben sollten. So kamen zum Grundaufbau eines klassischen Roadmovies noch Elemente des Science-Fiction- und Spionagefilms, des Familiendramas und des Katastrophenfilms dazu, eine Szene in einem japanischen Sarghotel erinnert gar an eine Slapstick- oder Screwballkomödie. Angereichert wird der epische Plot dazu ständig durch Szenen in den musiziert wird, was Wenders Werk ebenfalls in die Nähe des Musikfilms rückt, ein Genre, welches Wenders ebenfalls zahlreich bediente (vgl. Buena Vista Social Club von 1999 oder Pina - ein Tanzfilm in 3D von 2011). So viel auch der Soundtrack zu Bis ans Ende der Welt mehr als opulent aus und sollte u. a. mit U2, R.E.M., Peter Gabriel und Depeche Mode Songs zahlreicher Größen des gehobenen Mainstreams enthalten, welche den Film atmosphärisch auch stringent weiter aufwerten und die bis auf den Track der mit Wenders befreundeten U2 eigens für den Film komponiert wurden.
Bis ans Ende der Welt wurde zunächst in einer 158 minütigen Schnittfassung veröffentlicht und floppte kläglich an den Kassen der Filmtheater, wohingegen sich der Soundtrack weit besser verkaufte. 2001 stellte Wenders einen knapp 280 Minuten laufenden, finalen Director's Cut her, der den Film in drei Teile von jeweils etwas mehr als 90 Minuten Länge bricht (was allerdings nicht für die TV-Ausstrahlungen gilt, welche den Film praktisch am Stück darbieten).
Doch ist das Scheitern an den Kinokassen auch nach Ansicht der vom Regisseur abgesegneten Fassung noch zu verstehen oder ist sein Vorhaben von epischer Größe tatsächlich am Ende noch aufgegangen?
Leider lautet die Antwort auf diese Frage meiner Meinung nach: nein. Wenders Film ähnelt einem schlaffen Händedruck - man erkennt vielleicht die gute Absicht, doch bleibt das Erlebnis im Ergebnis unbefriedigend.
Der Film schickt sein Publikum zunächst recht gekonnt durch zahlreiche Szenerien, baut hier und da interessante Sci-Fi-Elemente ein und die Darsteller geben durch die Bank eine solide Leistung ab. Rüdiger Vogler kehrt als Stammschauspieler Wenders in der Rolle eines Privatdetektivs unter seinem wiederkehrenden Charakternamen Winter zurück, Solveig Dommartin ist hübsch anzuschauen und Sam Neill und William Hurt geben dem Film fast ein Hollywoodambiente. Doch je länger der Film läuft, je mehr stößt man auf Szenen, welche stark aufgesetzt oder sehr schwülstig wirken, als Beispiel sei nur die oben bereits erwähnte Slapstickszene in Tokio, welche in diesem Kontext einfach fehl wirkt, zumal daraufhin ein eher ruhiger, emotionaler Moment bei einem japanischen Heiler folgt, deren übermäßiger Pathos durch diesen Kontrapunkt noch mehr hervorgehoben wird. Dagegen wundert es, dass ausgerechnet eine Szene mit, der mir lediglich als Bondgirl aus dem ebenfalls eher mäßigen Moonraker (GB/F 1979 R.: Lewis Gilbert) bekannten, Lois Chiles als absoluter, emotionaler Höhepunkt heraussticht, trägt Chiles diese doch ganz allein.
Kann man der ersten Hälfte des Films noch eine luftige, abwechslungsreiche Erzählweise bescheinigen, so kommen die Charaktere doch leider irgendwann am Ziel ihrer Reise in Australien an. Dort warten zwar die beiden Filmlegenden Max von Sydow und Jeanne Moreau, doch nimmt dieser letzte Akt einen viel zu großen Teil des Gesamtwerks ein und man hat das Gefühl als wären die ersten zwei Stunden nur ein infantiles, überlanges Vorspiel für die eigentlich zu erzählen beabsichtigte Hauptstory gewesen.
Nun, mutmaßlich am Ende der Welt sowohl räumlich wie zeitlich angekommen, bekommt man ein etwas plumpes Familien- bzw. Vater/Sohn-Drama geliefert. Hier wartet doch tatsächlich ein Mad-Scientist auf die Protagonisten und Zuschauer, der zwar zunächst hehre Absichten (Eye-, no, Mindsight to the Blind!) hat, aber nicht nur ein grober Unsympath ist, sondern auch Grenzen überschreitet, die man besser in Ruhe lassen sollte.
Grenzen kannte man bei der Produktion dieses Filmes leider anscheinend nur bedingt und man würde sich wünschen, man hätte direkt aus dem im Mittelteil auseinanderbrechenden Film zwei eigenständige Werke geschaffen. So wäre der Ton beider Erzählungen besser zu wahren gewesen und die erste Hälfte würde gegenüber der mit Drama und (familiäre) Düsternis beschwerten zweiten nicht so arg langsam und überfrachtet wirken.
So ist Bis ans Ende der Welt wohl weniger im Ergebnis als rein aufgrund seines epischen Konzepts filmhistorisch interessant.


Fazit: Mehr Economy als Business Class - leider insgesamt mehr Pauschalreise statt eines großen Abenteuertrips.


Punktewertung: 5,5 von 10 Punkten

Donnerstag, 4. Juni 2015

Auf der dunklen Seite des Monds verscharrt

Nothing Lasts Forever (Alles ist vergänglich)
USA 1984
R.: Tom Schiller


Worum geht's?: Vom verzweifelten Wunsch ein Künstler zu werden getrieben, kehrt der junge Adam Beckett (Zach Galligan) von einem Europa-Aufenthalt in den Big Apple zurück, nur um erschreckt feststellen zu müssen, dass nach einer Katastrophe nun die Hafenbehörde über die Stadt herrscht und strenge, bizarre Einreiseverordnungen erlassen hat.
So muss Adam einen mehrere Sekunden langen Test im Schnellzeichnen mit einem kecken Aktmodel absolvieren, bei dem er prompt scheitert und daraufhin sein weiteres Berufsleben als uniformierte Verkehrsaufsicht in einem kleinen Häuschen am Eingang des Holland Tunnels unter der Aufsicht eines pedantischen Chefs (Dan Aykroyd) verbringen.
Zu seiner Verblüffung findet Adam in den folgenden Tagen nicht nur heraus, dass das fesche Aktmodel Mara (Appolonia van Ravenstein) vom Eignungstest eine seiner Kolleginnen ist, sondern dass Obdachlose weltweit die Geschicke der Menschen leiten und man wahre Liebe nur auf dem Mond findet...


Wie fand ich's?: Mitte der 80er Jahre sah es finanziell recht unsicher aus im Hause Metro-Goldwyn-Mayer. Die epochale Pleite von Michael Ciminos unverstandenen Meisterwerks Heaven's Gate (USA 1980) hatte Geldnot und Angst im Herzen des Unternehmens hinterlassen. So verwundert es wenig, dass Nothing Lasts Forever nach einigen desolaten Testscreenings erst mal ins Regal gestellt wurde - und dort bis heute beinah in Vergessenheit geriet.
Da Regisseur Tom Schiller zudem immer wieder seine warmherzige, sozialkritische Komödie mit zahlreichem, historischen Stock Footage anreicherte, steht weiterhin die starke Vermutung im Raum, dass Rechtsquerelen aufgrund von ungeklärten Urheberrechtsansprüchen, die Auswertung des Films verhindern.
Woran es auch immer liegen mag, Warner Bros. (bei welchen heute die Rechte liegen), weigert sich auch im Jahr 2015 weiterhin beharrlich Nothing Lasts Forever außerhalb einiger seltener internationaler TV-Ausstrahlungen (laut OFDb 2001 auf VOX, dann 2007 im Pay-TV bei Turner Classic Movies, in letzter Zeit in den USA wiederholt bei TCM Underground) auch auf DVD oder gar Blu Ray verfügbar zu machen.
Dabei wartet Schillers bislang einziger Kinofilm neben einer, für ein Mainstreampublikum vermutlich tatsächlich zu bizarren, ungewöhnlichen Story, auch mit namhaften Darstellern und einer famosen Optik auf.
Zach Galligan (*1964) war 1984 durch Joe Dantes Megaerfolg Gremlins (USA 1984) zu kurzem, aber wie sich heute zeigt auch schnell vergänglichen, Starruhm gelangt. Daneben unterschrieben auch Bill Murray und Dan Aykroyd für weitere Rollen in Schillers Film, was die Besetzung zusätzlich aufwertet und für einige gut gefüllte Kinosäle gesorgt hätte.
Schiller hatte jahrelang für die legendäre, amerikanische Comedyshow Saturday Night Live gearbeitet, wo er zahlreiche kurzfilmhafte Sketche schuf, welche heute bei Fans Kultcharakter besitzen und die in einem Segment der Show namens Schiller's Reel ausgestrahlt wurden. So verwundert es nicht, dass auch John Belushi, ebenfalls durch SNL zu erster Berühmtheit erlangt, eine Rolle in Nothing Lasts Forever bekommen sollte, Belushi aber an den Folgen seines Drogenkonsums 1982 bereits im Alter von 33 Jahren tragischerweise verstarb.
Nothing Lasts Forever bedient sich einer an Filme der zwanziger, dreißiger, vierziger und fünfziger Jahre erinnernde Optik, welche zum einen durch die bis auf zwei Szenen konsequente Gestaltung in Schwarz-Weiß, auch durch die Kostüme und das Setdesign zum Ausdruck gebracht wird. Dies erinnert an die Filme eines Guy Maddin, wie Tales from the Gimli Hospital (CAN 1988) oder an Lars von Triers Europa (D/DK/F/S/CH 1991), die auch Schillers Hang zum Absurden teilen.
Nothing Lasts Forever führt den Zuschauer durch eine nostalgische Alternativwelt: Von der brummenden Großstadt zu einer unerwarteten und im wahrsten Sinne des Wortes bunten Unterwelt, schließlich direkt zur Shoppingfalle auf dem Mond. Die Fahrt dorthin findet in einem großen Reisebus statt, dessen Geräumigkeit beinah an ein Kreuzfahrtschiff oder die TARDIS eines Doctor Who erinnert.
Dass Schillers Film gen Ende auch noch eine romantische Gesangsszene auffährt, kann leider allerdings nicht über den Fakt hinwegtäuschen, dass Nothing Lasts Forever insgesamt etwas unausgewogen wirkt und besonders das Finale geradezu überstürzt und kurz angebunden daher kommt.
Trotzdem kann mein Plädoyer schlussendlich natürlich nur das endgültige Release dieses Werkes fordern, natürlich als formvollendete Blu Ray mit Audiokommentar des Regisseurs, einer räumlichen, scharfen Bildauflösung, Featurette über die Entstehungsgeschichte und Interviews mit Galligan, Murray und Aykroyd.
Man wird ja wohl noch träumen dürfen...


Fazit: Eine groteske, romantische Großstadtkomödie für Mondsüchtige.


Punktewertung: 8 von 10 Punkten