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Von Grindhouse bis Arthouse...
Besprechungen übersehener, unterbewerteter oder obskurer Werke der Filmgeschichte!

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Sonntag, 8. März 2020

Someone to hear your prayers - Someone who cares

De komst van Joachim Stiller (eng.: The Arrival of Joachim Stiller)
B/NL 1976
R.: Harry Kümel


Worum geht's?: Antwerpen. Der Journalist Freek Groenevelt (Hugo Metsers) wird Zeuge einiger sonderbarer Vorkommnisse: seltsam gepflegte Straßenarbeiter reißen ohne erkennbaren Grund das Pflaster vor einem Café auf und schließen es direkt darauf einfach wieder, in der Straßenbahn betätigt eine scheinbar unsichtbare Person mehrfach hintereinander das Ausstiegssignal, ohne dass jemand die Bahn verlässt.
Als Groenevelt seine Beobachtungen in einem Zeitungsartikel veröffentlicht, kontaktiert ihn der Leiter des Öffentlichen Dienstes, Schepen Keldermans (Gaston Vandermeulen), der ähnliche Erfahrungen gemacht haben will und Groenevelt weiter für die mysteriösen Vorkommnisse sensibilisiert.
Kurz darauf erhält der nun verunsicherte Journalist einen geheimnisvollen Brief eines gewissen Joachim Stiller, der von Omen und Vorzeichen spricht, und muss zu seiner zusätzlichen Beklemmung feststellen, dass der Brief nicht nur eine uralte Briefmarke, sondern auch einen Poststempel von 1919, trägt.
Alles wird noch absonderlicher als Freek bei einem Besuch in der Redaktion des Magazins "Die gebrochene Faust", welches zuvor einen Schmähartikel über seine Arbeit veröffentlicht hatte, von der sympathischen Kollegin Simone (Cox Habbema) erfährt, dass auch dort ein Brief eines Joachim Stiller eingegangen ist, der darin bittet, von weiteren Nachstellungen gegenüber Groenevelt abzusehen. So glaubt man dort, dass der wütende Freek höchstselbst eben jener Joachim Stiller sei, was dieser jedoch direkt abstreitet.
In den kommenden Tagen forschen Freek und Simone verstärkt nach Stiller, und stoßen dabei auf einen antiken Folianten aus dem 16. Jahrhundert, der von einem deutschen Theologen und Wanderprediger namens Joachim Stiller stammt, und in dem es um den Weltuntergang geht, welcher bereits in allzu naher Zukunft liegen soll.
Ist Joachim Stiller somit der Herold der Apokalypse? Und was hat es mit den ständigen Erinnerungsfetzen aus Freeks Kindheit im Zweiten Weltkrieg auf sich, die immer wieder in ihm aufsteigen?

***

Wie fand ich's?: Harry Kümel ist kein Neuling in diesem Blog. Bereits im April 2013 besprach ich an dieser Stelle seine surreale Mysteryfarce Malpertuis, in der ein junger Matthieu Carrière auf einen in die Jahre gekommenen Orson Welles trifft und eine buchstäbliche Götterdämmerung einleitet. Im selben Jahr legte Kümel zudem sein bekanntestes Werk vor: Les lèvres rouges (B/F/BRD 1971 dt.: Blut an den Lippen), einen schwülen, surrealen Vampirfilm voll erotischer Albträume.
Ein halbes Jahrzehnt später dann folgte The Arrival of Joachim Stiller, eine recht werkgetreue Adaption eines Romans des belgischen Autoren Hubert Lampo, dessen Werk in großen Teilen dem Magischen Realismus zugeordnet wird, einer Literaturgattung, welche sich grob mit "Geerdeter Fantasy im Hier und Jetzt" umschreiben ließe.
So dringt in Kümels Film die mysteriöse Figur des Joachim Stiller in die geordnete und geerdete Welt des Journalisten Freek ein, und öffnet diesem die Augen für eine ihm verborgene Agenda scheinbar höherer Kräfte. Tatsächlich bedienen sich Buch und Film bei einer ganzen Reihe von christlichen Motiven, was aber selbst mir als eingefleischtem Atheisten nicht negativ aufgestoßen ist, sondern dem Gesamtbild lediglich eine wunderbar entrückte Note verleiht und bei dem selbst der etwas späthippie'eske Prolog einem noch ein Lächeln abringt.
Damit bleibt Kümel seiner surrealen Linie treu, wirkt hier aber weit weniger zynisch als in Malpertuis und Les lèvres rouges, sondern viel versöhnlicher und hoffnungsvoller. Gleichzeitig gelingt ihm ein spannender Okkult-Thriller, der über seine nicht eben geringe Laufzeit stringent zu unterhalten versteht und nebenher noch Zeit findet, eine kleine, fiese Groteske über die Vermarktung von Kunst und Kunstschaffenden gleich noch im Vorbeigehen mit abzuliefern.
Ursprünglich fürs belgische TV als Dreiteiler konszipiert, dann zu einem zweistündigen Kinofilm zusammengefasst, kann man nun Kümels Werk als belgische DVD mit einem Zusammenschnitt der drei TV-Episoden auf eine Länge von 153 Minuten auch über hiesige Online-Versender erwerben - ich kann dem nur anraten und träume derweil von einer deutschen OmU-Blu-ray-Veröffentlichung.


***

Fazit: Ein leider hierzulande gänzlich übersehenes Juwel des europäischen Fantasyfilms. 

Punktewertung: 9,5 von 10 möglichen Punkten und damit ganz knapp an der Höchstnote!

Mittwoch, 29. August 2018

Die Untätigkeit der Verschwörer

Out 1: noli me tangere
F 1971
R.: Jacques Rivette


Worum geht's?: Paris nach den Studentenunruhen von '68.
Zwei Theatergruppen proben unabhängig voneinander ihre griechischen Dramen, während zwei junge Trickbetrüger (Juliet Berto und Jean-Pierre Léaud) ebenso unabhängig auf die Spur der Verschwörung der "Dreizehn" gebracht werden.
Darin verwickelt scheint zum einen der Chef der einen Theatergruppe, Thomas (Michael Lonsdale), ein zurückhaltender Intellektueller, der - ganz Libertin - Verhältnisse zu gleich mehreren Frauen pflegt, und zum anderen die junge Marie (Hermine Karagheuz), die in der anderen Gruppe unter der Leitung von Thomas' früherer Partnerin Lili (Michèle Moretti) spielt.
Marie ist es, die dem introvertierten Colin (Léaud) kryptische Texte zusteckt, während dieser in Cafés als vermeintlich Taubstummer den Gästen mit seiner Mundharmonika so lange auf den Geist geht, bis diese etwas Kleingeld rausrücken. In seiner übersichtlichen Behausung entschlüsselt Colin den aus Fragmenten von Balzacs "Die menschliche Komödie" und Carrols "The Hunting of the Snark" zusammengesetzten Code und stromert fortan auf der Suche nach den obskuren "Dreizehn" durch die Straßen der Hauptstadt, bis er in einem kleinen Ladencafé namens L'Angle du Hasard (dt.: Der Winkel des Zufalls), dass auch als Jugendtreffpunkt dient, einen der Treffpunkte der Verschwörer zu erkennen glaubt.
Nebenbei entwendet seine "Kollegin" Frédérique (Berto) bei einer ihrer, dem "Beischlafdiebstahl" nahekommenden Betrügerei, eine Reihe von Briefen, die ebenfalls auf die "Dreizehn" schließen lassen und worin sogar "weltzerstörerische" Absichten geäußert werden.
Die verspielte, junge Diebin versucht, mehr als stylishes Statement denn mit Ernst dabei als Mann verkleidet, die Briefe den darin genannten Personen zurückzuverkaufen.
Das Leben, die Kunst und die Liebe nehmen derweil natürlich weiterhin ungebremst ihren Lauf, und am Ende ist ein Menschenleben auf der Strecke geblieben, während andere weiterhin auf der Stelle treten oder Entscheidungen getroffen haben, die ihr Leben grundsätzlich verändern werden.

***

Wie fand ich's?: Welch ein Vorhaben - welch eine filmische Großtat! Beinah zwölfeinhalb Stunden Zeit nimmt sich Jacques Rivette (*1928; 2016), um seine Vision eines zum Großteil an jedem Drehtag frei dahin improvisierten Films zu verwirklichen.
Gedreht wurde in nur sechs Wochen in Paris und im 14. Departément Calvados mit Blick auf den Ärmelkanal. Oft starren unvorbereitete Passanten einfach in die Kamera - einmal wird Jean-Pierre Léaud, das all umjubelte, von Truffaut entdeckte, Wunderkind der Nouvelle Vague, von spielenden Kindern durch die Straßen der Seine-Metropole verfolgt, während er wie besessen aus einem Buch zitiert und durch die Gegend stapft.
Die Gegend: das ist das Paris, wie man es zu Beginn der 70er vorfand, ungeschönt und realistisch. Insgesamt lässt sich sagen, dass Rivette die Sets hier nie groß ausstattet, die meisten Innenräume wirken eher karg und pragmatisch, lediglich beim Set des L'Angle du Hasard kommen vermehrt einige Farben und Details stärker zur Geltung. Bei Außenaufnahmen scheut sich Rivette jedoch nicht seine Darsteller vor einigen Postkartenmotiven zu platzieren, an denen jedoch stets auch das urbane Leben klar zur Geltung kommt.
Erneut finden sich auch hier Rivettes bereits seit seinem Filmdebüt Paris nous appartient (Paris gehört uns) behandelte Lieblingsthemen, die da wären: seine Liebe zum Theater und die Ahnung von einer im Untergrund dräuenden Verschwörung, deren Sinn und Vorhaben allerdings nie wirklich klar wird.
Daneben spielt er mit Doppelungen und Spiegelungen: es gibt jeweils zwei Theatergruppen, zwei Trickbetrüger, (anscheinend) zwei im Verborgenen tätige kriminelle (?) Organisationen und Bulle Ogiers Figur trägt für die einen den Namen Pauline und für die anderen die Bezeichnung Emilie.
Out 1 schwankt ständig zwischen (neo-)realistischem Gesellschaftsporträt, dokumentarischem Ansatz bei den  improvisierten Theaterproben, modernem Großstadtmärchen, paranoidem Verschwörungsthriller und gibt das Zeitgefühl eines (jugend-)gesellschaftlichen Aufbruchs auf der einen und einen Verfall in Starre und Untätigkeit auf der Anderen wieder.
Inwieweit Out 1 dabei auch direkt von den Auswirkungen des Pariser Mais und dem Zusammenbruch der studentischen und proletarischen Protestbewegungen beeinflusst ist, lässt sich von außen im Nachhinein dezidiert wohl kaum mehr sagen, es bietet sich jedoch stark auch die Interpretationsebene an, die Verschwörer in den bei der Zerschlagung der Aufstände tätigen Personen zu sehen, zumal im Film explizit darauf hingewiesen wird, dass die "Dreizehn" zum Handlungszeitpunkt seit zwei Jahren bereits inaktiv dahindämmern. Ebenfalls nicht ohne Reiz ist es, die ehemaligen Verschwörer als die nun demotivierten Exprotestler zu begreifen, welche nach den Unruhen in eine Art der Stockstarre verfallen sind.
So ist Out 1 ein filmisches Puzzle aus vielen unterschiedlichen Elementen von beachtlicher Länge, welches in der mit dem Zusatz Noli Me Tangere (ein lateinisches Bibelzitat aus Joh 20,17, welches man mit "Rühre mich nicht an" übersetzen kann) versehenen Urfassung nahezu dreizehn (die Zahl des Films) Stunden Lauflänge erreicht.
Bereits ein Jahr später sollte Rivette, frustriert von den Möglichkeiten zur Aufführung der Ursprungsfassung, das opulente Gesamtwerk radikal auf vier Stunden herunterkürzen, und dieser Version den Zusatz Spectre (dt.: Spektrum aber auch: Phantom, Geist, Schattenerscheinung) geben.
Beide Schnittfassungen sind sowohl in der deutschen, wie auch in der (vom Preis-/Leistungsverhältnis her besseren) britischen Blu-ray-/DVD-Veröffentlichung enthalten.

***

Fazit: Ein üppiges Fest für alle Freunde der Nouvelle Vague. Locker leicht trifft hier Anspruch auf spielerische Experimentierfreude - c'est si bon!


Punktewertung: 8,75 von 10 Punkten

Dienstag, 10. Juli 2018

Liszt und Tücke

Lisztomania
GB 1975
R.: Ken Russell


Worum geht’s?: Mitte des neunzehnten Jahrhunderts wird der Komponist Franz Liszt (Roger Daltrey) wie ein pianospielender Messias verehrt.
Auf Konzerten fordern seine größtenteils minderjährigen Fans lautstark den Flohwalzer, während der Star das Publikum während der Performance nach ebenso willigen, wie finanziell wohlgestellten, Groupies absucht.
Doch nicht nur Frauen und Fans suchen die Nähe des flamboyanten Künstlers, auch der deutsche Nachwuchskomponist Richard Wagner (Paul Nicholas) rückt Liszt backstage auf die Pelle und schiebt diesem eigene Kompositionen zur freien Verwendung zu. Allerdings verprellt der nassforsche Liszt den zunächst noch wie Donald Duck im Matrosenanzug passiv-aggressiv umherwuselnden Wagner, der mit seiner Komposition das deutsche Volk einen will und auf die Ankunft eines übermächtigen (An-)Führers vorbereiten möchte.
Da gibt sich der Pazifist Liszt doch lieber den Damen hin, verliebt sich im fernen Russland (wo Pete Townsend als Ikone zu Recht in jeder guten Stube hängt) in eine Prinzessin (Sara Kestelman) und pilgert wenig später nach Rom um beim Papst (Ringo Starr - wer sonst?) seine Ehe mit Marie d'Agoult (Fiona Lewis) anulieren zu lassen.
Liszt verfällt dort der sakralen Musik, treibt es bunt mit einer Nonne (Nell "Columbia" Campbell) und muss vom Heiligen Vater persönlich erfahren, dass sein Kollege Wagner, nun Ehemann seiner Tochter Cosima (Veronica Quilligan), der Antichrist persönlich ist und an der Erschaffung einer Herrenrasse arbeitet.
Besorgt macht sich Franz zur Feste Wagners auf, um das Schlimmste zu verhindern, doch hat der Deutsche bereits mit der Arbeit an einem künstlichen Menschen (Rick Wakeman) begonnen und zahlreiche Kinder zu seinem fanatischen Gefolge gemacht ...

***

Wie fand ich’s?: Direkt im Anschluss an seine opulente Verfilmung des Kultalbums Tommy (GB 1975) von und mit The Who, griff sich Regisseur Ken Russell deren exaltierten Star und Frontmann Roger Daltrey um ein gänzlich auf eigene Ideen fußendes Projekt umzusetzen.
Wie bereits der Vorgänger ist auch Lisztomania – der Titel bezieht sich auf ein von Heinrich Heine noch zu Lebzeiten des Künstlers geschaffenes Kunstwort – eine wilde, episodenhafte Ansammlung von skurrilen Szenen und aberwitzigen Ideen, welche anscheinend einem langen LSD-Rausch entstammen zu scheinen, und auch während und nach Ansicht des Films den Zuschauer einen solchen direkt nachempfinden lässt.
War Tommy eine auf Townsends Kompositionen und Texte basierende fiktionale Rockoper, die, wenn auch in durchaus surrealen Bildern, ein kohärentes Melodram erzählt, so hebt Lisztomania mit seinen historischen Figuren bereits im infantilen Prolog (Liszt wird vom Gatten seiner Geliebten und späteren Mutter seiner Kinder im Boudoir slapstickhaft herumgejagt) in absurde Sphären ab und kommt auch bis zum Abspann nicht mehr herunter.
Auf den chaplinesken Witz des Prologs folgt ein Bühnenauftritt Liszts, der direkten Bezug zur Beatlemania herstellt, eine Episode auf der Krim artet in einen bunten Sexrausch aus, bei welchem ein überdimensionierter Phallus als Reitgerät für mehrere Personen dient und gen Ende begibt man sich gar in die Gefilde von Gothic-Horror und Mad-Scientist-Story.
Wenn dann Liszt per Orgelsteuerung aus einem durch Liebe angetriebenen Jet, der primärfarbene Kondensstreifen hinter sich herzieht, ein Mischwesen zwischen Frankenstein und Hitler aus der Luft beschießt, welches gerade selbst dabei ist, ein jüdisches Getto mit einer Flammen verschießenden Gitarre (Mad Max: Fury Road, anyone?) in Schutt und Asche zulegen, fragt sich der geistig gesunde Rezipient, was da vor und besonders hinter den Kameras für Unmengen an bewusstseinserweiternden Stoffen in den Blutkreisläufen gewesen sein müssen.
So ist Lisztomania vielleicht Russells wildestes Werk: eine gänzlich entfesselte Vision, welche wohl nicht zuletzt Wagnerfans vor die Köpfe stößt, sondern für ein nüchternes, unvorbereitetes  Mainstreampublikum beinah einer Zumutung gleichkommen muss.
Gerüchte besagen, dass Russell Pete Townsend um einen Soundtrack gebeten hatte, dieser allerdings nach der Arbeit an Tommy  eine Auszeit nehmen wollte, sodass Rick Wakeman, der stets Glitzerumhang bewehrte Keyboarder der Progrocker Yes erstmals für Russell tätig wurde und als künstlicher Übermensch Thor auch mit Umhang eine kleinere Rolle im Film übernehmen durfte. Fast ein ganzes Jahrzehnt später konnte Wakeman dann noch mal bei Russells Crimes of Passion (USA 1984 dt.: China Blue bei Tag und bei Nacht) Hand anlegen und den mir immer noch im Gehörgang steckenden Ohrwurm It's a Lovely Live zum Soundtrack beisteuern.
Dass allerdings Hauptdarsteller Roger Daltrey nicht unbedingt zum Schauspieler geboren wurde, kann wohl jeder bestätigen, der seine buchstäblich blutleere Darbietung eines Vampirs in Jim Wynorskis ohnehin verko(r)kster Vampirella-Adaption (USA 1996) gesehen hat. Traumwandelte Daltrey noch irgendwie durch Tommy, so muss man jedoch bei Lisztomania eingestehen, dass er hier seinem Affen mitunter durchaus Zucker gibt und mit sichtbarem Spaß bei der Sache ist.

***

Fazit: Wer sich mal fühlen will wie Obelix, der gerade kopfüber in einen großen Topf voll LSD gefallen ist, kommt hier voll auf seine Kosten. Alle anderen dürfen sich kopfschüttelnd wundern, was einmal im Kino möglich war - so etwas (wie Russell) kommt vermutlich erst mal nicht so schnell wieder ...


Punktewertung: 7,25 von 10 Punkten

Sonntag, 27. Mai 2018

Achtung: Rummelplatz-Zombie-Hippies - oder: Da hat der Arsch aber Kirmes!

Malatesta's Carnival of Blood
USA 1973
R.: Christopher Speeth


Worum geht's?: Ein runtergekommener Rummelplatz irgendwo in Pennsylvania zu Anfang der 70er.
Um heimlich nach ihrem Sohn Lucky zu suchen, heuert Familie Norris beim sinisteren Mr. Blood (Jerome Dempsey) als Schausteller an und übernimmt fortan für die Saison die örtliche Schießbude.
Blood vertritt den phantomhaften Besitzer der Kirmes, Malatesta (Daniel Dietrich), der des Nachts mit einem Cape bekleidet durch die Dunkelheit streift und seinen kannibalistischen Untertanen gern seinen Lieblingsstummfilm zeigt, wenn diese nicht gerade einen Besucher um die Ecke bringen und jenem dann das Blut abzapfen.
Zusammen mit dem jungen Budenbesitzer Kit (Chris Thomas) macht sich Vena (Janine Carazo), die Tochter der Norris', daran, das Geheimnis hinter Malatestas Rummel des Blutes zu ergründen und entdeckt eine unglaubliche Welt des Schreckens.

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Wie fand ich's?: Dies ist mal wieder ein Film, der sich mir schon nach kurzer Zeit der erstaunten Betrachtung, als geradezu idealer Kandidat für diesen Blog anbot. Schon die obige Synopsis macht klar, hier handelt es sich um bizarre Ware, Ware zudem, die drei Jahrzehnte lang praktisch vollkommen unerreichbar war, bevor sie Regisseur Speeth (*1939; †2017) höchstselbst 2003 auf DVD veröffentlichte, und sie so erstmals einem breiten Publikum zugänglich machte.
Was man vorfindet, ist ein seltsamer Mix aus psychodelischem Jahrmarktsgrusel, angefüllt mit menschenfleischfressenden Zombies, welche aus Romeros frühen Werken des Genres entliehen zu sein scheinen.
Immer wieder gelingt Speeth in seinen, mit schmutzigen Kunststofffolien angefüllten, Rummelkulissen atmosphärische Bilder dank tollen Regieeinfällen zu schaffen.
Man hat das Gefühl, das hier vieles improvisiert war, manche Darsteller sind offenkundig Laien und haben hier (wie Hauptaktrice Janine Carazo) ihren einzigen Filmauftritt.
Hervé "Nick Nack" Villechaize, der Lesern diese Blogs bereits vor Jahren ebenfalls hier untergekommen ist, hat hier eine seiner ersten Rollen und darf neben Charaktervisagen wie William Preston (bekannt als Schreckgespenst aus The Exorcist III und Gilliams The Fisher King) die Freakshow des Herren Malatesta mit seiner Präsenz beehren.
Immer wieder wirft Speeth einige verstörende Gore-Effekte mit in den Mix, welche allerdings ebenfalls etwas laienhaft daherkommen, trotzdem jedoch nicht ihre verstörende Wirkung verfehlen.
Wer sich über einen bizarren Low-Budget-Bastard aus Versatzstücken von Night of the Living Dead, dem später entstandenen The Funhouse, den Filmen eines Hershell Gorden Lewis, Herk Harveys Carnival of Souls und dem fast zeitgleich erschienenen Messiah of Evil freuen kann, ist hier also genau richtig.
Die schöne britische Medienmanufaktur Arrow Films hat Malatesta's Carnival of Blood als ersten Film seines bislang dreiteiligen American Horror Projects neben weiteren obskuren Kultklassikern wie The Premonition (USA 1976 R.: R. A. Schnitzer, dt.: Das Trauma) und The Witch Who Came from the Sea (USA 1976 R.: Matt Cimber) veröffentlicht. Kaufempfehlung!
***

Fazit: Für erfahrene Freunde kranker Kost ein wilder Ritt auf der Achterbahn, für einen unvorbereiteten Zuschauer ein Test seiner Geduld und geistiger Belastungsfähigkeit.

Punktewertung: 7,25 von 10 Punkten

Samstag, 4. November 2017

Hüpf, Geistlein, hüpf!

Gui da gui bzw. 鬼打鬼 (eng.: Encounters of the Spooky Kind, aka.: Close Encounter of the Spooky Kind)
HK 1980
R.: Sammo Kam-Bo Hung


Worum geht's?: Der abergläubige Rikschafahrer Cheung (Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller in Personalunion: Sammo Hung) erwischt beinah seine untreue Freundin in flagranti bei einem frivolen Stelldichein mit Mr. Tam (Ha Huang), einem hohen Würdenträger der Stadt.
Um den vermeintlichen Skandal schnell aus der Welt zu schaffen, wendet sich Tam mit der Bitte den Mitwisser ein für alle Mal los zu werden, an einen ortsansässigen Zaubermeister namens Chin Hoi (Lung Chan).
Dieser plant das auch als "Kühnen Cheung" bekannte Opfer unter dem Vorwand einer Wette für eine Nacht in einen nahe gelegenen Tempel zu locken und eine sich dort befindliche Leiche kurzerhand zum unter Bann stehenden, mörderischen Verbündeten zu machen.
Als jedoch Chin Hois gerechtigkeitsliebender Kollege Tsui (Fat Chung) davon erfährt, springt dieser Cheung mit Rat und Tat zur Seite und gibt dem naiven Schmerbauch das Know-how an die Hand, es auch mit einem schauderhaften, verwesenden Untoten aufzunehmen.
Doch dies ist erst der Anfang eines unglaublichen Kampfes zwischen zwei Hexenmeistern, in dessen Mitte sich der pummelige Cheung schon bald wünscht, dass der Albtraum bald ein Ende nehme.

***

Wie fand ich's?: Sammo Hung ist hierzulande wohl in erster Linie als der "Dicke" an der Seite des drahtigen Jackie Chan aus einer Unzahl von Martial-Arts-Komödien bekannt.
Dabei war Hung (*07.01.1952) bereits in jungen Jahren hinter den Kulissen der Shaw Brothers tätig, zunächst als Statist und Stuntman, später als Kampfchoreograf und Regieassistent.
Nur wenige Jahre später sollte Hung auch an den Sets von solch Genregrößen wie Bruce Lee und John Woo auftauchen und zu einer festen Größe im Hongkong-Kino werden.
Ab 1977 stand Hung selbst als Regisseur in Hong Kong hinter den Kameras, seine zweite Regiearbeit Fei Lung gwo gong (HK 1978) schaffte es unter dem Titel Der kleine Dicke mit dem Superschlag auch nach Deutschland und zeichnete sich bereits durch einen angenehmen Mix aus Komik und Kampfkunst aus.
Beim hier besprochenen Gui da gui (was wörtlich "Geist gegen Geist" übersetzt heißt) sollte zu diesem Mix noch zusätzlich auf chinesische Gruselthemen wie Hexer, Vampire und Dämonen zurückgreifen und durch seinen Erfolg direkt das Jiangshi-Genre begründen.
Wir erinnern uns: Bietet das Wuxia-Genre Martial-Arts im historischen Setting (die Mehrzahl der Shaw Brothers Produktionen) so beschäftigt sich Jangshi mit Schreckelementen - gern, wie in Ricky Laus weiteren stilbildenden Kinoerfolg Geung si sin sang (HK 1985 eng.: Mr. Vampire) von 1985, mit den für den chinesischen Raum üblichen, hüpfenden Vampiren, die es wie ihre westlichen Kollegen natürlich auf die Lebenden abgesehen haben. Doch haben es chinesische Vampire nicht auf Blut abgesehen, wollen sie doch lieber ihren Opfern buchstäblich den Atem rauben und ihnen das Qi, die Lebenskraft, aussaugen. Natürlich muss diese Art von Untoten außerdem hüpfen - verhindert doch die Totenstarre einen geschmeidigen Gang locker aus der Hüfte heraus!
In Encounters of the Spooky Kind trifft Hungs Charakter schon früh auf einen solchen typischen Jiangshi, doch ist genauso bemerkenswert der Umstand, dass die erste Hälfte verblüffende Parallelen zu Viy bzw Вий aufweist.
Wie in den Verfilmungen von Nikolai Gogols klassischer Gruselmär muss der Held mehrere Nächte in einer heiligen Stätte mit einer störrischen Leiche verbringen, die es auch gleich auf sein Leben abgesehen hat.
Zwar enden diese Übereinstimmungen bereits mit dem Beginn der zweiten Hälfte des Films, welche mit zunehmender Laufzeit immer wesentlicher den Schwerpunkt in Richtung furioser Martial Arts verlagert, doch ist dieses Phänomen offenbar bislang kaum zur Sprache gekommen.
Beim Humor schaute man verständlicherweise weniger in die Richtung Russlands als auf die amerikanischen Väter der Klamotte - die Herren Laurel & Hardy und deren Amtsbruder Buster Keaton durften als veritable Vorbilder für gleichsam wohlfeil getimten Slapstick dienen - hier zeigt Sammo Hung einmal mehr, dass Körperfülle nicht gleichbedeutend mit Bewegungsarmut ist.
Immerwieder blitzen auch kleine, blutige Splattereinsprengsel auf, was dem Geschehen noch eine zusätzliche Schärfe verleiht.
Wer zudem eine der unglaublichsten Schlussszenen des Genres sehen möchte, ist hier vollkommen richtig. Ohne auch nur etwas verraten zu wollen: der Schreiber dieser Zeilen bekam einige Sekunden den Mund nicht mehr zu und glaubt nicht, dass ein solches Ende in den heutigen Zeiten von political correctness noch möglich wäre.
Also bedenke: Auch nach Halloween sind die Nächte noch lang und Dunkel, da bietet sich ein Gruseltrip in fernöstliche Gefilde zur Abwechslung und abendlichen Erheiterung gerade zu an!

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Fazit: Ein wahrhaft geist(er)voller Spaß, bei dem einen das eigene verwesende und madendurchzogene Pumporgan im Thorax ganz warm wird.



 
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Punktewertung: 9 von 10 Punkten!

Samstag, 3. September 2016

Die Rückkehr der Klassiker #6: Ihr toten Kinderlein, kommet ...

The Changeling (Das Grauen)
CAN 1980
R.: Peter Medak


Worum geht's?: Nach einem tragischen Unfall, bei dem seine Frau und Tochter ums Leben kamen, zieht der nun alleinstehende Komponist und Hochschuldozent John Russell (George C. Scott) in ein altes Haus in Seattle, welches ihm von der Historical Society vermietet wird.
Schon bald darauf sieht sich der immer noch von schmerzlichen Erinnerungen geplagte Mann mit seltsamen Begebenheiten in seinem neuen Heim konfrontiert.
Morgens um 6.00 Uhr hört er ein ohrenbetäubendes Hämmern aus den Räumen über ihm und Türen öffnen sich ohne erkennbaren Grund. Als er die Dachräume genauer untersucht, findet er einen zugenagelten Zugang zu einem Spinnweb verhangenen Raum.
In diesem stößt er auf einen sonderbaren, kleinen Rollstuhl und ein Heft mit den Initialen C. S. B. Außerdem öffnet er eine alte Spieluhr, welche das gleiche Schlaflied spielt, welches er nach seiner Ankunft selbst am Klavier zu komponieren glaubte. 
John zieht tief verunsichert ein Medium hinzu, welches in einer Séance den Namen des Spuks herausfindet: Joseph Carmichael. Als er sich nach der spiritistischen Sitzung einen selbst erstellten Tonbandmitschnitt der selbigen anhört, nimmt er sogar eine gespenstische Kinderstimme wahr, die dem Medium antwortet.
Russell versteht, dass der Geist ihn auffordert, einem furchtbaren Mord nachzugehen, den jemand vor 70 Jahren in seiner neuen Behausung an einem körperbehinderten Kind begangen hat und er muss schnell am eigenen Leibe erfahren, was es heißt zum Instrument einer Geistererscheinung zu werden, welche sich endlich nach Genugtuung sehnt ...

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Wie fand ich's?: Das Spukhausgenre hat nüchtern betrachtet insgesamt nur wenige Titel zu bieten, denen es gelingt ihre Geschichte wirklich glaubhaft und ohne plumpe Schocks - die heute im Subgenre längst zum Klischee verkommenen, überpräsenten Jump scares - zu vermitteln. The Changeling bietet hier eine wunderbare Ausnahme dieser Machart und reiht sich hinter Robert Wises The Haunting (GB/USA 1963 dt.: Bis das Blut gefriert) als einer der bestgelösten Haunted-House-Movies ein.
Das Drehbuch von Peter Medaks Film bezieht seine Wirkung auch aus der Tatsache, dass das Verbrechen, welches den Geist ruhelos zurückgelassen hat, ebenso schockierend ist, wie die Geistererscheinung selbst.
So wird der Auslöser des Spuks zum Mittelpunkt der Handlung und ist das eigentliche Motiv, welches die Handlung vorantreibt. Dieser, eher einem Kriminalfilm ähnliche Aufbau, ist neben der hohen handwerklichen Qualität, das größte Plus des Films, der sich so weitaus geschlossener gibt, als z. B. Tobe Hoopers Polstergeist (USA 1982), welcher eher episodenhaft die Szenen aneinanderreiht.
Hollywoodveteran George C. Scott bietet eine glaubhafte Darstellung eines von seinen eigenen Albträumen verfolgten Witwers, der zum Spielball einer unheimlichen Nemesis wird, welche nach Jahren ihre wohlverdiente Rache nehmen will.
Dazu benötigt der Regisseur keine teuren Effekte oder blutige Szenen; Medak gelingt es vielmehr, durch ruhige Kamerafahrten und wohldurchdachten Soundeffekten den Zuschauern das Gruseln zu lernen. So bleibt z. B. die sehr glaubhaft gestaltete Séanceszene im Gedächtnis des Zuschauers haften oder die schaurige Vision eines schlafwandelnden Mädchens.
Wer dann noch nach Parallelen zu anderen Horrorfilmen sucht, dem fallen vielleicht die Ähnlichkeiten zu Hideo Nakatas Ringu (J 1998; dt.: Ring - Das Original) auf. Hier wie dort finden die Protagonisten die Leiche des kindlichen Rachegeistes in einem alten, versteckten und nicht mehr genutzten Brunnen.
The Changeling ist einer der vielen, vergessenen Horrorfilmen, der endlich seinen Platz unter den Besten seiner Art einfordern sollte.

Fazit: Ein wahrer Klassiker, der auch heute noch für schlaflose Nächte zu sorgen vermag und nichts von seiner Schockwirkung verloren hat.








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Punktewertung: 10 von 10 möglichen Punkten - Höchstnote!



Freitag, 16. Oktober 2015

Die Rückkehr der Klassiker #4: Die Untoten des Krieges

Dead of Night aka. Deathdream
CAN/GB 1972
R.: Bob Clark
 
Worum geht's?: Vietnam zu Beginn der 70er Jahre.
Im chaotischen Dschungelkrieg lässt der junge Soldat Andy Brooks (Richard Backus) sein Leben. Doch ein verzweifelter Ruf seiner Mutter (Lynn Carlin) in der Heimat holt den Toten wieder ins irdische Dasein zurück. Schon auf der letzten Etappe seiner Heimreise zeigt Andy jedoch ein neues Gesicht; er tötet den Lastwagenfahrer, der ihn auf seiner Route mitnimmt – der Krieg hat Andy im wahrsten Sinne zu einem aggressiven Zombie gemacht.
So kehrt er trotz einer bereits zugestellten Beileidsbekundung der US-Regierung heim und die Freude seiner Mutter und Schwester (Anya Ormsby) ist groß, nur sein Vater (John Marley) scheint über seinen apathischen Sohn und dessen plötzliche Heimkehr verwundert zu sein.
Bei einem Besuch der Kinder der Nachbarschaft entlädt sich der Hass des Kriegsheimkehrers erneut in grausamer Weise, er stranguliert den Familienhund vor den Augen der bestürzten Kinder. Als auch Dr. Allman (Henderson Forsythe), der Hausarzt der Brooks, misstrauisch gegenüber Andys Zustand und dem Tod des Lastwagenfahrers wird, nimmt sich Andy des besorgten Mediziners auf seine Weise an. „Ich bin für Sie gestorben, nun können Sie auch das für mich tun!“, ist sein zynischer Kommentar, bevor er den Doktor in dessen Praxis mit einer Spritze ersticht und dann dessen Blut zu seiner eigenen Regeneration benutzt.
Andy kämpft nämlich bereits mit dem langsamen Verfall seines Körpers und benötigt den Lebenssaft anderer, um der Fäulnis vorübergehend zu entgehen. Derweil ertränkt sein Vater seine Zweifel im Alkohol und hadert mit dem Schicksal, während seine Frau Andys Taten mit der krankhaften Liebe einer besorgten Mutter gegenübersteht. 


Wie fand ich's?: Leid und Tod, die verkümmerten Seelen der Kriegsheimkehrer, eine innerlich zerstörte Familie: kein anderer Horrorfilm zeigt die Folgen des Vietnamkriegs anhand einer amerikanischen Durchschnittsfamilie auf solch eindringliche, klare Weise, wie es Bob Clarks zweiter Genrebeitrag Deathdream tut. 1990 lieferte Adrian Lyne mit Jacob´s Ladder ein ähnlich schockierendes Psychogramm eines Vietnamveteranen ab, doch ist Clarks Film mit seinen einfachen Metaphern wesentlich zugänglicher als Lynes grandioses Spiel mit Realität und Wahn. 
Clark griff für Deathdream auf ein Drehbuch seines Schulfreundes und Weggefährten Alan Ormsby zurück, welcher bereits an Clarks erstem Horrorfilm Children Should´nt Play With Dead Things (USA 1972) maßgeblich beteiligt war und dort auch die Hauptrolle des exzentrischen Laientheaterregisseurs Alan übernommen hatte. Ormsbys damalige Ehefrau Anya ist in Deathdream in der Rolle von Andys Schwester zu sehen, er selbst und sein kleiner Sohn sind in Cameos zu begutachten. 
Für die Special-FX waren einerseits Alan Ormsby wie auch (erstmals in den Credits namentlich erwähnt) der junge Vietnamkriegsheimkehrer Tom Savini zuständig, letzterer gilt heute als lebende Legende und einer der besten Schöpfer unglaublicher Splatter-Effekte und hat u. a. an George A. Romeros Dawn Of The Dead (USA/I 1978 dt.: Zombie) und William Lustigs Maniac (USA 1981) mitgearbeitet.
Jedoch hat Bob Clark mit Deathdream keineswegs einen bluttriefenden Gorestreifen gedreht, sondern einen kritischen Kommentar auf die Nachwirkungen des Vietnamkriegs abgeliefert, der seine Kraft vor allem aus dem durchwegs brillanten Spiel seiner Darsteller schöpft. 
John Marley ist vor besonders durch seine Rolle in Francis Ford Coppolas The Godfather (USA 1971 dt.: Der Pate) bekannt geworden, wo er in einer berühmten Szene neben einem abgeschnittenen Pferdekopf erwacht. In Deathdream verkörperte er nun einen zwischen Vaterliebe und Rechtschaffenheit hin und hergerissenen Familienvater, der schliesslich an der eigenen Entscheidungslosigkeit gänzlich zerbricht.
Richard Backus Filmdebüt als Andy ist geprägt von einem sehr ruhigen und zurückhaltenden Spiel, welches Andys brutale Wutausbrüche noch stärker zur Geltung kommen lässt.
Inhaltlich bedient sich der Film bei der 1902 veröffentlichten Kurzgeschichte The Monkey's Paw (dt.: Die Affenpfote) des Briten William Wymark Jacobs. Deren düstere Prämisse hat von Heinz Erhardt bis Joss Whedeon eine ganze Menge kreativer Köpfe inspiriert und wurde von Drehbuchautor Ormsy nur geringfügig abgeändert und um die Antikriegsaussage erweitert.
Regisseur Bob Clark schuf bemerkenswerte Beiträge zu zahlreichen (Sub-)Genres; so auch den großartigen Protoslasher Black Christmas (CAN 1972 dt.: Jessy - Die Treppe in den Tod), das Oscar-nominierte Drama Tribute (CAN 1980 dt.: Ein Sommer in Manhattan) mit Jack Lemmon und die warmherzige, nostalgische Weihnachtskomödie A Christmas Story (USA/CAN 1983 dt.: Fröhliche Weihnachten), welche, mir unbegreiflicherweise, ebenfalls immer noch keine deutsche Veröffentlichung auf VHS, DVD oder gar Blu Ray erleben durfte. Daneben wurde er jedoch auch für die Musikkomödie Rhinestone (USA 1984 dt.: Der Senkrechtstarter) mit Dolly Parton und ausgerechnet Sylvester Stallone, sowie für Superbabies: Baby Geniuses 2 (USA/GB/BRD 2004) zweimal für die Goldene Himbeere als "schlechtester Regisseur" nominiert.
Bob Clark, der am Ende von Deathdream ein Cameo als scharf schießender Polizist hat, verstarb an der Seite seines erst 22-jährigen Sohns bei einer Frontalkollision mit einem, von einem Betrunkenen gefahrenen Fahrzeug, am 04. April 2007 im Alter von 67 Jahren. 



Fazit: Nicht nur George A. Romero verband gekonnt lebende Tote mit beissender Gesellschaftskritik!


Punktwertung: 8,5 von 10 Punkten 

Freitag, 9. Oktober 2015

Die Rückkehr der Klassiker #3: Vorsicht an den Türen!

Death Line aka. Raw Meat (Tunnel der lebenden Leichen)
GB 1972
R.: Gary Sherman
 

Worum geht's?: London in den frühen 70er Jahren.
Ein junges Pärchen findet des Nachts in einer menschenleeren U-Bahn-Station einen bewusstlosen Herrn. Obwohl der Amerikaner Allen (David Ladd) seine Freundin Patricia (Sharon Gurney) davon überzeugen will, dass es sich bei der gut gekleideten Person lediglich um eine Schnapsleiche handelt, gelingt es dieser jedoch Allen dazu zu überreden Hilfe zu holen.
Als man jedoch in Begleitung eines Polizeibeamten an den Fundort zurückkehrt, ist der Körper von den Treppenstufen des U-Bahnhofes verschwunden. Als einziger Anhaltspunkt über die Identität des Vermissten dient eine von Allen aus dessen Brieftasche genommene Karte, welche die Person als den Staatsbeamten James Manfred (James Cossins) ausweist.
Dem misanthropen Inspektor Calhoun (Donald Pleasence) gefällt die Affäre gar nicht, gab es doch an gleicher Stelle bereits mehrere sonderbare Vermisstenfälle, die man jedoch als Aktenleichen bisher unbeachtet gelassen hatte. Aufgrund des gesellschaftlichen Standes des letzten Opfers sieht Calhoun sich nun erst mal zur Handlung gezwungen und macht bei einer Untersuchung der Privaträume des Staatsdieners auch gleich Bekanntschaft mit einem grimmigen Geheimdienstler (Christopher Lee in einem Kurzauftritt), der dem Inspektor von weiteren Ermittlungen über den im Rotlichtmilieu sehr umtriebigen Manfred auf seine Weise dringend abrät.
Calhoun bohrt weiter, und erfährt von einem tragischen Unglück bei Bauarbeiten an den U-Bahn-Schächten im Jahre 1892.
Doch wie kann ein so lang zurückliegendes Drama noch achtzig Jahre später Opfer fordern?


Wie fand ich's?: Dem damals 27-jährigen Amerikaner Gary Sherman gelang mit seinem Spielfilmdebüt Death Line in Großbritannien etwas, wovon viele seiner Kollegen nur träumen konnten.
Während sich z. B. die im Genre etablierten Hammer-Studios bereits seit Jahren mehr oder weniger im Kreis drehten, schuf Sherman einen funktionierenden Mix aus Horrorfilm und Gesellschaftskritik, angereichert mit nie in Richtung Kitsch abdriftendes Pathos und viel Gefühl für seine Figuren.
Death Line (der in den USA unter dem Alternativtitel Raw Meat veröffentlicht wurde) zeigt das London der 70er Jahre als ein tristes Umfeld für Menschen, welche eigentlich kaum noch miteinander kommunizieren und ihre Werte scheinbar fast gänzlich verloren haben. So ist der Student Allen sofort bereit eine offenbar hilfsbedürftige Person sich selbst zu überlassen, seine Angst vor Verantwortung führt fast zu einem Zerwürfnis mit seiner Freundin, welche als Einzige noch so was wie Mitgefühl besitzt. Auch der teesüchtige Inspektor legt Arbeit zunächst lieber erst mal zur Seite, hat er doch seinen Glauben an so etwas wie Gerechtigkeit lange verloren.
Im Kontrast zu diesen „Helden“ steht bei Sherman nun das „Monster“, ein durch seine Lebensumstände zur Existenz als Kannibale gezwungener Nachfahre der zu „Wegwerfutensilien“ ernannten Opfer der Industriellenrevolution. Diese Person kümmert sich rührend um seine sterbende Liebe und bringt auch die Ermordung seines letzten Opfers nicht übers Herz. Immer wieder stammelt er seine einzigen artikulierten Worte „Vorsicht an den Türen!“, und dem Zuschauer wird klar, dass die junge Studentin von ihm vielleicht weniger als Nahrung, sondern eher zur neuen Lebensgefährtin auserkoren worden ist.
Dem gegenüber steht die „Freizeitgestaltung“ des biederen Staatsbeamten Manfred, den man zu Beginn des Films in der Umgebung von Stripklubs und Peepshows sieht, bis er in der U-Bahn eine Prostituierte anspricht. In einem Kurzauftritt als MI5-Agent tritt Christopher Lee auf, eine Rolle, welche wohl nur zu einem werbewirksamen Zweck eingebaut wurde und der man ansieht, das Pleasence und Lee wohl nicht tatsächlich zur gleichen Zeit im Studio waren.
Donald Pleasence gibt den grummeligen Polizisten mit merklicher Spielfreude, sechs Jahre später sollte auch er sich als Dr. Loomis in John Carpenters Halloween allgemeiner Bekanntheit bei Fans des Horrorgenres erfreuen.
Für Regisseur Gary Sherman sollten hingegen ganze neun Jahre ins Land gehen, bis er mit dem ebenfalls bemerkenswerten Zombiefilm Dead & Buried (USA 1981 dt.: Tot & Begraben) zu den lebenden Leichen zurückkehren sollte. Danach folgten vermehrt Arbeiten fürs TV und die Regie beim misslungenen dritten Teil der Poltergeist-Reihe: Poltergeist III (USA 1988 dt.: Poltergeist III – Die dunkle Seite des Bösen), der sich leider weit größerer Popularität als Shermans wesentlich gelungeneres Frühwerk erfreut.



Fazit: Diese kleine Perle des Horrorfilms ist hierzulande immer noch nur als Bootleg erhältlich und auch im Ausland ist keine feine Blu Ray in Sicht... *seufz*


Punktwertung: 8 von 10 Punkten

Freitag, 31. Juli 2015

All that Jess... oder: die Franco-Variationen

Vampyros Lesbos
BRD/E 1971
R.: Jesús Franco


Worum geht's?: Istanbul zu Beginn der siebziger Jahre.
Bereits bei ihrem reinen Anblick in einer frivolen Show auf der Bühne eines schummerigen Klubs verfällt die sensible Rechtsanwältin Linda (Ewa Strömberg) einer jungen Schönheit (Soledad Miranda).
Anscheinend kein völliger Zufall, trifft Linda doch die zarte Dame schon wenig später als Klientin in deren Landhaus wieder, wo sich diese als Gräfin Carody vorstellt, Erbin des Vermögens keines Geringeren, als des Grafen Dracula (von dem freilich die etwas naive Linda nie etwas gehört hat).
Immer tiefer gerät die Juristin in den Sog der unheimlichen Adeligen, deren stummer Diener Morpho (José Martinez Blanco), der einzige Mann ist, den die tödliche Venus in ihrer Nähe duldet und der Ausschau hält nach Störenfrieden, wie sie zum Beispiel in den Gestalten von Lindas Liebsten (Andrea Montchal) oder des sonderbaren Leiters mit einem Faible für Vampirismus eines benachbarten Sanatoriums namens Dr. Seward (Dennis Price) nahen.
Oder ist Linda am Ende doch nur eine sexuell frustrierte Frau, wie es Lindas quacksalbernder Analytiker Dr. Steiner (Paul Muller) behauptet, der während der gemeinsamen Therapiestunden gelangweilt Strichmännchen auf seinen Block kritzelt?


Wie fand ich's?: In einer amerikanischen Rezension zum ebenfalls sehr schönen Franco-Werk Paroxismus (UK/BRD/I 1969) habe ich unlängst einen wunderbaren Vergleich gelesen, den ich hier kurzerhand klauen und um eigene Gedanken erweitern möchte. So meint Scott Ashlin aka. El Santo auf seiner Webseite 1000 Misspent Hours and Counting, dass sich Francos Liebe zum Jazz auch auf seine Art des Filmemachens niederschlug. Franco variierte Ashlins Meinung nach größtenteils immer nur die gleichen Themen und Standards, die mitunter längst Traditionals waren (man denke an Dracula, Frankenstein, Mabuse oder Fu Manchu) und warf seine immer gleichen Figuren namens Linda, Lorna, Irina oder Morpho mit in den Mix. Nicht nur finde ich persönlich dieses Bild mit Blick auf Francos riesiges Gesamtwerk ungemein passend, er lässt sich auch wunderbar auf den hier besprochenen Vampyros Lesbos anwenden, der nicht nur mit einer Linda und einem Morpho, sondern auch mit einem großartigen Score aufwartet.
Schon in dem oben bereits erwähnten Paroxismus spielte Franco uns das Lied von dem, einer anderen, unheimlichen und todbringenden Person verfallenen Liebhaber, der durch ein traumartiges Istanbul (und dort auch Rio) wandelt und am Ende an seinem eigenen Dasein und seiner Realität zweifeln muss.
In Vampyros Lesbos erweiterte Franco das Grundmotiv um den bekanntesten Horrorfilmstandard überhaupt: Bram Stokers Figur des Grafen Draculas oder noch genauer dessen (bislang doch eher unbekannten) lesbischer Erbin.
Diese wird von Francos damaliger Muse Soledad Miranda (hier unter ihrem Pseudonym Susann Korda firmierend) mit vollem Körpereinsatz gegeben, welche nicht nur mit Franco im gleichen Jahr 1970 noch mehrere weitere Filme fertigstellte, sondern auch nach einem tragischen Autounfall im selben Jahr nur siebenundzwanzigjährig verstarb.
Neben ihr spielt die Schwedin Ewa Strömberg, die nach einigen Filmauftritten in ihrer Heimat in drei späten Edgar-Wallace-Reissern der Rialto Film unter der Leitung von Alfred Vohrer (vgl. Perrak) hierzulande Fuß fasste, bevor sie ab Der Teufel kam aus Akasava (BRD/E 1971) für fünf Filme zum Ensemble Jess Francos gehörte, die dieser maßgeblich für Artur "Atze" Brauners CCC-Film oder die ebenfalls deutsche Tele-Cine Film und Fernsehproduktion drehte. Die letzte dieser fünf praktisch im selben Jahr entstandenen deutsch/spanischen Coproduktionen in der die Strömberg mitwirkte war der unglaubliche Dr. M schlägt zu (BRD/E 1972), ein Film, den man schon allein wegen seiner offenbar noch vom letzten Kinderkarneval übrig gebliebenen Kostüme sehen sollte.
Insgesamt ist Vampyros Lesbos einer der deutlich besten Filme dieser (mittleren) Phase im Gesamtwerk Francos - wenn man so will, fügen sich alle Elemente recht harmonisch zu einer gelungenen, verträumt erotischen Gesamtmelodie zusammen. Dass Franco handwerklich Besseres gemacht hat, wurde in diesem Blog bereits bezeugt (s.h. Rififí en la Ciudad), er gern bloßes Mittelmaß ablieferte auch (s.h. Rote Lippen, Sadisterotica) dass er jedoch gern auch mal daneben griff allerdings ebenfalls (vgl. Die sieben Männer der Sumuru).


Fazit: Schwül, verträumter Erotikhorror für heiße Sommerabende. Auf ins Istanbul der 70er, wo die Vampire sexy und alle Hoteldiener gefährliche Psychopathen waren.


Punktewertung: 7,75 von 10 Punkten

Sonntag, 5. Juli 2015

Das aufmerksame Auge des Betrachters

Eyewitness (USA: Sudden Terror)
UK 1970
R.: John Hough


Worum geht's?: Malta bei strahlendem Sonnenschein. Zusammen mit seiner Schwester Pippa (Susan George) sieht sich der ebenso aufgeweckte wie phantasiebegabte Knirps Ziggy (Mark Lester) in einer pulsierenden Menschenmenge einen Staatsempfang an. Um einen besseren Blick zu haben, begibt sich der Kleine in ein anliegendes Haus, nur um dort einem Attentäter in Polizeiuniform zu begegnen, der soeben dem Staatsgast eine Kugel ins Hirn gejagt hat und nun mit einem Helfershelfer die Jagd auf den Knirps eröffnet.
Von seiner Schwester getrennt, flüchtet Ziggy durch die Straßen, die beiden Verfolger stets auf den Fersen. Mithilfe des sympathischen Tom (Tony Bonner) gelingt es Pippa den Jungen auf einer Landstraße aufzugreifen und zurück zu seinem Großvater (Lionel Jeffries) in den heimischen Leuchtturm zu bringen.
Doch die Verfolger in Uniform geben nicht auf und schrecken auch nicht vor weiteren Morden zurück...


Wie fand ich's?: Augen, immer wieder Augen. In John Houghs vergessenem Langfilmdebüt Eyewitness wird man nicht nur zum titelgebenden Augenzeugen des Augenblicks eines Verbrechens, sondern auch zum Zeugen einer Vielzahl von in die Kamera blickenden Augen. Manche blicken in Furcht, anderen sieht man in der Nahaufnahme die Zwietracht an, die sich auf der Retina abzuzeichnen scheint.
Dabei beginnt alles so hell im gleißenden Sonnenlicht auf der schönen Insel Malta, wenngleich der Name der Insel im Film selbst nie genannt wird.
Ein Attentat findet am helllichten Tag statt, ein Kind allein kann den Täter in Polizeiuniform identifizieren und nur der feste Zusammenhalt seiner Familie kann zum Schluss die Übeltäter stoppen. Das erinnert irgendwo an Elemente aus Hitchcocks The Man Who Knew Too Much (USA 1956), ist aber in erster Linie eine weitere Adaption der klassischen Kurzgeschichte The Boy Cried Murder (später unter dem Titel Fire Escape wiederveröffentlicht), welche bereits 1949 von Ted Tetzlaff als The Window (USA 1949 dt.: Das unheimliche Fenster) und später von George P. Breakston unter dem ursprünglichen Titel der Short Story, The Boy Cried Murder (UK/BRD/YU 1966 dt.: Ein Junge schrie Mord), verfilmt worden war.
Weitere Parallelen gibt es zu Peter Weirs Witness (USA 1985 dt.: Der einzige Zeuge), in welchem ebenfalls ein Kind, hier Mitglied einer Gemeinde von Amischen, Zeuge eines Mordes durch Ordnungshüter wird.
Kommt Weirs Film fünfzehn Jahre nach Eyewitness ohne jegliches Comic relief daher, so lockerte Hough seine Handlung mit der Figur des exzentrischen Großvaters, brillant verkörpert von Lionel Jeffries, auf und schafft so einen interessanten Kontrast zum ansonsten todernsten Plot. Jeffries (* 1926; † 2010) war mir persönlich besonders durch seine Rolle als Kapitän in George Pollocks putzigem, letzten Teil seiner Miss-Marple-Trilogie Murder Ahoy (UK 1964 dt.: Mörder Ahoi!) im Kopf geblieben und er ist es, der mit seinem Schauspiel die meisten Szenen in Eyewitness deutlich dominiert. So spielt er als heimlicher Star des Films selbst die kumpelhaft-jugendlich wirkende Susan George locker an die Wand, während Tony Bonner mich irgendwie ständig an einen jungen Ray Lovelock erinnerte.
Zu der interessanten Besetzung gesellen sich tolle Regieeinfälle und ein superber Score, wobei ich auch das (atmosphärisch etwas unpassende) Titellied der legendären, britischen Progrockband Van der Graaf Generator hier nicht unerwähnt lassen möchte.
Alles in allem also ein feiner, sommerlicher Thriller für lauschige Fernsehabende am offenen Fenster - oder so.


Fazit: Ein hierzulande total untergegangener, wenig gesehener Thriller, welcher es verdient hätte, endlich wieder an die Sonne geholt zu werden.


Punktewertung: 8 von 10 Punkten

Freitag, 19. Juni 2015

Es riecht nach Katze im Staate Dänemark

Sette scialli di seta gialla (eng.: The Crimes of the Black Cat)
I 1972
R.: Sergio Pastore


Worum geht's?: Kopenhagen. Von seiner Freundin (Isabelle Marchall) gerade verlassen und im Restaurant frisch versetzt worden, muss der blinde Filmkomponist Peter (Anthony Steffen) ein sonderbares und beunruhuigendes Gespräch am Tisch hinter ihm mit anhören. Da er aufgrund lauter Musik und zahlreicher Nebengeräusche leider nur Bruchstücke aufschnappen kann, glaubt er zwar von einem verabredeten Verbrechen erfahren zu haben, kann aber weder genau auf die beteiligten Personen noch auf sonstige hilfreiche Details schließen.
Als er am nächsten Tag vom ungewöhnlichen Tod seiner Liebschaft erfährt, macht sich der selbst ernannte Mörderschreck mit seinem loyalen Faktotum Burton (Umberto Raho) auf die Suche nach dem Täter, der auch weiterhin seinen pausbackigen, rothaarigen Todesengel im weißen Cape (Giovanna Lenzi - die Ehefrau des Regisseurs) ausgeschickt, um ein Opfer nach dem anderen in der Modewelt der dänischen Hauptstadt zu fordern.


Wie fand ich's?: Als Genrefan besitzt man so etwas wie einen ganz eigenen Fahrplan, den man bei den anstehenden Sichtungen in seinem Lieblingsunterhaltungsfach anwendet. So hat man meist eine ideelle Liste, welche man - mehr oder weniger - Punkt für Punkt vom ersten Platz an abarbeiten möchte.
Der hier besprochene Sette scialli di seta gialla (dt.: Sieben Schals aus gelber Seide) stand auf meiner solchen, persönlichen Liste jahrelang weit unten, wird er doch häufig eher als Marginalie im Genre besprochen und wurde zudem hierzulande bislang nicht veröffentlicht.
Nach Ansicht des Films muss ich beide letztgenannten Punkte als äußerst ungerecht tadeln, da es sich bei Sergio Pastores Werk zwar um einen dreisten, aber für genreerfahrene Zuschauer recht unterhaltsamen Best-Of-Mix des Italo-Thrillers der vorangegangenen Jahre handelt.
So nimmt Pastore den blinden Helden aus Dario Argentos gerade in den Kinos gelaufenen Il gato a nove code (I/F/BRD 1971 dt.: Die neunschwänzige Katze) und wirft diesen ins Milieu der Mode und Mannequins, wie man es schon in Bavas stilbildenden Sei donne per l'assassino (I/F/MCO 1964 dt.: Blutige Seide) begutachten durfte. Hinzu kommen Morde durch ein seltsames Gift - s.h. den ebenfalls ein Jahr zuvor erschienenen La tarantola dal ventre nero (I/F 1971 R.: Paolo Cavara dt.: Der schwarze Leib der Tarantel), einen mit unheimlicher, flüsternder Stimme drohenden Killer der an Argentos meisterhaftes Debüt L'uccello dalle piume di cristallo (I 1970 dt.: Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe) erinnert und eine Meuchelei unter der Dusche, welche gar Hitchcocks legendärem Urvater des Slashers und des Giallo, Psycho (USA 1960), bluttriefend Hommage erweist.
Diese äußerst explizite Szene bildet den gorigen Höhepunkt des Streifens, welcher sich insgesamt sehr langsam in seiner Gewaltdarstellung steigert, um sich in den letzten zehn Minuten praktisch blutig in Richtung der Zuschauer zu erbrechen.
Diese Explosion der Härte trifft einen noch unvermittelter, setzt man zuvor inhaltlich eher auf eine amüsante Mörderhatz durch die Straßen Kopenhagens und auf ein ganzes Ensemble aus exzentrischen Individuen. Da ist der blinde Hobbyschnüffler mit treuem Diener, der windige Geschäftsmann (Giacomo Rossi-Stuart - der schon 1966 in Bavas Operazione Paura dabei war und zahlreiche Genrebeiträge mit seiner Anwesenheit beglückte), dessen Gattin (Sylva Koscina - war im selben Jahr noch in Di Leos La mala ordina und eins später in Bavas Lisa e il diavolo zu begutachten) und besagte, rothaarige Dame mit dem tödlichen Katzenkorb.
Dass man die Handlung im kühlen Dänemark angesiedelt hat, gibt dem Film in meinen Augen noch zusätzlichen Reiz, kann man doch den üblichen Schauplätzen in bella Italia oder dem Nebel von London (oder Italien, dass sich dreist als Groß-Britannien ausgibt) irgendwann mal überdrüssig werden.
Insgesamt reicht Pastores Destillat allerdings nicht an die absoluten Klassiker des Genres heran, doch gilt auch hier, dass gut geklaut manchmal besser als schlecht selbst erfunden ist.
Meines Erachtens nach wird es also Zeit, dass dieser Film ein ordentliches Release an den heimischen Gestaden erfährt - dies geht jetzt an Euch: Camera Obscura und FilmArt!


Fazit: Ein eher unterschätzter Giallo aus dessen früher Hochzeit oder vielmehr ein bunt zusammengeklautes Pasticcio aus allen lieb gewonnenen Klischees des Genres.


Punktewertung: 7,75 von 10 Punkten

Sonntag, 29. März 2015

Und Häuser ohne Hühnerbein...

Baba Yaga (Foltergarten der Sinnlichkeit 2)
I/F 1973
R.: Corrado Farina


Worum geht's?: Auf dem nächtlichen Heimweg nach einer Party trifft die junge Fotografin Valentina (Isabelle De Funès) scheinbar zufällig auf eine sonderbare Frau (Carroll Baker) in einem prunkvollen Rolls.
Die in schwarze Spitze gewandete, blässliche Dame stellt sich Valentina als Baba Yaga vor, ringt der schönen Künstlerin einen metallenen Strumpfhalter ab und entlässt diese in eine Nacht voll kurioser Albträume von bodenlosen Löchern und wortlosen Nazis.
Bei einem Besuch in Valentinas Heimstudio am nächsten Tag, versucht sich Baba Yaga Valentina erneut zu nähern und es gelingt ihr sogar aufgrund ihrer übernatürlichen Anziehungskraft in ihre düstere Behausung zu locken.
Bald danach findet sich Valentina als Mittelpunkt einer Reihe seltsamer Ereignisse wieder, welche auch mit einer verwünschten Kamera und einer kuriosen, in nietenbesetztes Leder gekleideten Porzellanpuppe zusammenzuhängen scheinen, die Valentina im Haus der Hexe erhalten hatte.
Zusammen mit ihrem Freund Arno (George Eastman), einem kernigen Regisseur, nimmt die junge Frau einen verzweifelten Kampf gegen die Zaubererin und ihr Netz aus Hexerei und Verführung auf.


Wie fand ich's?: Irgendwo zwischen dem mysteriös, meditativen Blowup (GB/I/USA 1966 R.: Michelangelo Antonioni dt.: Blow Up) und Harry Kümels schwülem Vampirdamenzauber Les lèvres rouges (B/F/BRD 1971 dt.: Blut an den Lippen) lässt sich Corrado Farinas kunstvolle Comicverfilmung Baba Yaga verorten.
Dies sollte Farinas zweite und bislang letzte Arbeit fürs Kino sein (die erste war 1971 die ebenfalls höchst sehenswerte, satirische Vampirallegorie Hanno cambiato faccia [dt.: Wettlauf gegen den Tod]), bevor der nette Herr ausschließlich fürs TV seiner italienischen Heimat tätig wurde.
Mit Baba Yaga wollte Farina die höchst erfolgreiche Comicreihe Valentina des Italieners Guido Crepax verfilmen. Crepax thematisierte in seiner einflussreichen Arbeit solche Tabus wie Sadomasochismus, Fetisch und Bisexualität und verband diese zudem mit einer traumartigen, psychodelischen Atmosphäre, welche gleichwohl von Sigmund Freund als auch von Albert Hofmann geprägt zu sein schien.
Mithilfe von schwarz-weißen Standbildern und eines rhythmischen Bildschnitts versuchte Farina in einigen Szenen das Gefühl von Comicpanels beim Zuschauer aufkommen zu lassen, was auch mitunter gelang, aber meines Erachtens nach leider nicht stringent genug durchgehalten wurde.
So schuf Farina einen kühlen, surrealen Erotikgrusler mit jeder Menge kurioser Ideen, der allerdings erst im letzten Drittel so richtig in Fahrt kommt und schneller vorbei ist, als man sich versieht.
Wer ein Faible für bizarres 70er-Jahre Ambiente besitzt und zudem ausgerechnet den stets etwas monströs wirkenden George Eastman (Mr. Anthropophagus himself) als sympathischen Liebhaber sehen möchte, wird hier fündig und wär hätte gedacht, dass die Nichte unseres aller Lieblingscholeriker Louis De Funès ein sexy Louise-Brooks-Lookalike abgeben könnte?
Carroll Baker hat ihren Status als Sexsymbol und Giallo-Ikone in langjähriger Arbeit auf jeden Fall erworben - zu Beginn ihrer Karriere in Giant (USA 1956 R.: George Stevens dt.: Giganten) an der Seite von Dean, Hudson und Taylor, später als Marilyn Monroe Surrogat angedacht, Oscar nominiert für Baby Doll (USA 1956 R.: Elia Kazan), als Verführerin in Ferreris L'harem (I/F 1967), dann in zahlreichen Gialli wie Lenzis Orgasmo (I 1969), Guerrieris Il dolce corpo di Deborah oder La última señora Anderson. Wie man sieht, ist Frau Baker bereits zuvor in diesem Blog erschienen, und ich habe so eine Ahnung, dass da in Zukunft noch was folgen mag...


Fazit: Stylish, anders und eigen - atmosphärisches Genrekino für schwül-regnerische Frühsommerabende.


Punktewertung: 7,75 von 10 Punkten

Sonntag, 15. März 2015

Zwischen Rotlicht und Müllkippe

Perrak
BRD 1970
R.: Alfred Vohrer


Worum geht's?: Hamburg. Auf einer Müllhalde wird ein junger Transvestit von einem Landstreicher tot aufgefunden. Inspektor Perrak (Horst Tappert) nimmt unverzüglich die Ermittlungen auf und stößt auf den halbseidenen Klubbesitzer Kaminski (Hubert Suschka) und einem als Kloster getarnten Puff, in dem der harte Bulle mit dem guten Herzen auf eine alte Berufsbekanntschaft namens "Trompeten-Emma" (Judy Winter) trifft, welche als Mutter Oberin das Etablissement für den schmierigen Vermieter Bottke (Werner Peters) betreibt und dort auch noch unbemerkt kompromittierende Aufnahmen von ihrer Klientel macht.
Als dann auch noch russische Spione ins Spiel kommen und Perraks Sohn Joschi (Georg Michael Fischer) von den Ganoven entführt wird, ist für Perrak die Zeit zu handeln gekommen.


Wie fand ich's?: Neben dem bereits zuvor in diesem Blog besprochenen Das Stundenhotel von St. Pauli ist Alfred Vohrers im selben Jahr entstandener Reißer Perrak einer der absoluten Höhepunkte des deutschen Exploitationfilms.
Hatte Vohrer dem deutschen Kinopublikum zuvor 14 Edgar-Wallace-Streifen geschenkt und mit diesen ein völlig eigenes Subgenre mit aus der Taufe gehoben, so wurde Anfang der 70er der Ton rauer und die Bilder wesentlich blutiger. Wurde die Wallace-Serie der Rialto Film gegen Ende der 60er Jahre von den italienischen Koproduzenten übernommen und bilden diese Filme die klar erkennbare Schnittstelle zwischen deutschem Gruselkrimi und dem italienischen Giallo, so wirkt Vohrers Perrak wie eine deutsche Adaption zahlreicher, später nur aus italienischen Produktionen bekannten, Motiven und Figuren. Vohrer nahm die brutalen, mafiösen Gangster des italienischen Poliziottesco (der sich wiederum ab 1971 an Don Siegels Dirty Harry orientieren sollte) praktisch vorweg und schuf einen deutschen Vorläufer dieser Serie, noch bevor diese eigentlich richtig begonnen hatte. Sind nicht nur Vohrers Wallace-Filme also Vorläufer des italienischen Giallos gewesen, man denke besonders an Harald Reinls Zimmer 13 von 1964, der bereits viele der späteren Leitmotive des Giallo beinhaltet, so ist Perrak ein Hybrid aus Giallo und Poliottesco, noch bevor beide Genres ihren endgültigen Höhepunkt erreicht hatten.
Inhaltlich setzt Vohrers Film auf möglichst skandalträchtige Themen: Prostitution, Drogenhandel, Transvestiten, Spionage, Päderastie und kaltblütigen Mord unter Zuhilfenahme eines exotischen Gifts. Hinzu kommt der abgeklärte, deutsche Sittenpolizist, der sympathischerweise ein alleinerziehender Vater eines etwas leichtlebigen, erwachsenen Sohnes ist und dessen Erfahrung mit dem Schmutz der Unterwelt und dem Verbrechen zur Auflösung des Rätsels beiträgt.
Darstellerisch setzt der Film zunächst auf Hauptdarsteller Horst Tappert (*1923; †2008). Tappert hatte bereits zuvor mit Vohrer vier Filme (darunter drei Wallace-Verfilmungen und das Krimidrama Sieben Tage Frist aus dem Jahr 1969) gedreht und sollte Vohrer praktisch bis ans Ende seiner Karriere immer wieder begleiten, da Vohrer u.a. auch bei einigen Folgen der legendären Erfolgsserie Derrick (BRD 1974-1998) Regie führte, die Tappert zu einem internationalen Fernsehstar machte.
Vor dem (Fernseh-)Starruhm stand jedoch nicht nur für Tappert der Gang übers deutsche Bahnhofskino. So auch für Jochen Busse, heute ein bekannter Fernsehkomödiant, der seine frühen Karrierejahre in Filmen von Hans Bilian und Franz Josef Gottlieb verbrachte.
Werner Peters (*1918; †1971) hingegen hatte bereits in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg eine verheißungsvolle Kinokarriere bei der ostdeutschen DEFA hingelegt und sollte ab den frühen 60er Jahren vermehrt bis ausschließlich in westdeutschen Genrestreifen feinster Ausartung zu sehen sein. Seine Paraderolle als korpulenter, schmieriger Drecksack mit schütterem Haupthaar gab er dann ein Jahr vor seinem Tod noch einmal in dem hier besprochenen Perrak. Peters verstarb leider viel zu früh im Alter von nur 52 Jahren auf einer Premierentour zum Edgar-Wallace-Film Die Tote aus der Themse (BRD 1971 R.: Harald Philipp) am Tag der Uraufführung des 36. Wallace-Streifens an einem Herzinfarkt.



Fazit: Schmierig, blutig, dreckig und unangepasst, den Schal aber korrekt gebunden - die beginnenden 70er Jahre sind selten spannender und siffiger abgebildet worden als hier.


Punktewertung: 9 von 10 Punkten

Freitag, 19. Dezember 2014

Ich Boss - Du nix!

Boss Nigger
USA 1975
R.: Jack Arnold


Worum geht's?: Der Wilde Westen.
Die zwei schwarzen Kopfgeldjäger Boss (Fred Williamson) und Amos (D'Urville Martin) stolpern auf der Suche nach einem lukrativen Fang in ein weißes Städtchen, welches nicht nur einen Sheriff sucht, sondern auch vom berüchtigten Ganoven Jed Clayton (William Smith) und dessen räudiger Gang belagert wird.
Die Situation schnell ergreifend, ernennen sich Boss und Amos kurzerhand zu Sheriff und Deputy, sehr zum Unwillen des durchtriebenen Bürgermeisters (R.G. Armstrong), der mit Clayton ein zu seinen Kosten gehendes Waffenstillstandsabkommen getroffen hat.
Von wenigen Ausnahmen, wie der lebenslustigen Lehrerin Miss Pruitt (Barbara Leigh), abgesehen, machen sich die neuen Gesetzeshüter keine Freunde in dem kleinen Kaff, besonders als sie beginnen ihre eigenen Gesetze aufzustellen. So steht bald nicht nur die Benutzung des rassistischen N-Words unter Strafe, Boss beginnt auch noch die ausgegrenzte, mexikanische Bevölkerung aus den Reserven des Städtchens zu ernähren.
Die Spannungen wachsen, und als der Bandit Clayton seine Finger nach der, zuvor von Boss und Amos bei einem Banditenüberfall geretteten, Clara Mae (Carmen Hayward) ausstreckt, setzt dieses vollends Feuer an ein Dynamitfass aus Rassismus, Brutalität und Vorurteilen...


Wie fand ich's?: Schon der Titel ist pure Provakation und so unkommerziell, dass vor einigen Jahren eine US-DVD unter dem kürzeren Alternativtitel Boss veröffentlicht wurde.
Boss Nigger beginnt als eine sarkastische Parodie auf Filme wie High Plains Drifter (USA 1973 R.: Clint Eastwood dt.: Ein Fremder ohne Namen) und endet als fast realitätsnahes Drama ohne wahre Gewinner.
Regie führte Jack Arnold (*1916; †1992), der heute wohl der breiten Schicht lediglich als Meister solcher Creature Features wie Tarantula (USA 1955) oder Creature from the Black Lagoon (USA 1954 dt.: Der Schrecken vom Amazonas) im Gedächtnis ist. Dabei schuf Arnold auch knuffige Komödien, harte Western und viel TV. Sein zynischer Thriller The Swiss Conspiracy fand bereits zuvor in diesem Blog Beachtung, ein Film, der ein ebenso düsteres Ende wie Boss Nigger besitzt und der nur wenig später in die Lichtspielhäuser kommen sollte.
Das Drehbuch zu Boss Nigger verfasste Hauptdarsteller Fred Williamson persönlich. Williamson, dessen American Football Karriere ihm den Spitznamen "The Hammer" eingebracht hatte, war durch seine Rolle als Black Caesar (USA 1973 R.: Larry Cohen dt.: Der Pate von Harlem) zu einem Star des Blaxploitation-Kinos geworden und versuchte nun mit dem, von ihm auch produzierten, Film einen Western für ein schwarzes Publikum zu schaffen. Dazu nahm er bekannte Versatzstücke des Genres, stellte aber die schwarzen Protagonisten als geistig wie körperlich klar überlegen dar.
Wie Eastwood trägt auch Williamson ein Zigarillo im Mundwinkel, ein Zeichen seiner dominanten Männlichkeit, die Frauen reihenweise in die Knie zwingt.
Als Sidekick wählte man D'Urville Martin aus, der bereits viele Male mit Williamson vor der Kamera gestanden hatte und der sich mit ihm im Film ständige Wortgefechte liefert.
Da Williamson zu viel Mann für nur eine Frau ist, mussten direkt zwei Love interests her: Barbara Leigh und Carmen Hayward durften schmachten und dem Herrn zu Füßen liegen.
Angereichert mit etwas christlicher Symbolik (gerade im Italowestern immer wieder gern verwendet) entstand so ein äußerst gelungenes Spätwerk, welches den Vergleich mit Arnolds früherem Westernklassiker No Name on the Bullet (USA 1959 dt.: Auf der Kugel stand kein Name) kaum scheuen muss.


Fazit: Hinter dem provokanten Titel versteckt sich sowohl für Freunde des Westerns, wie auch für Fans des Blaxploitationfilms ein wahres Fest.



Punktewertung: 8,25 von 10 Punkten

Sonntag, 9. November 2014

Geräusche vom Dachboden

Anima Persa
I/F 1977
R.: Dino Risi


Worum geht's?: Zum Studium der Malerei kommt der achtzehnjährige Tino (Danilo Mattei) zu seiner Tante und seinem Onkel ins ergreifende Venedig.
Während seine Tante Sofia (Catherine Deneuve) eine herzliche aber nervöse und stets blässlich wirkende Frau ihn warmherzig empfängt, ist sein Onkel (Vittorio Gassman) ein herrischer, abweisender  Intellektueller, der seinen Haushalt allein durch seine bloße Präsenz unter der Knute hält.
Schon kurz nach seiner Ankunft fallen Tino seltsame Geräusche vom Dachboden auf, zu dem eine Treppenflucht hinter einer ihm zuvor von der Tante verbotenen Tür führt.
Entschlossen sucht der junge Student nach dem Ursprung der sonderbaren Laute und stößt dabei nach und nach auf ein tragisches Familiengeheimnis, welches besser für immer im Dunkel des Dachbodens geblieben wäre...


Wie fand ich's?: Ist Regisseur Dino Risi (*1916; †2008) eher als Großmeister der Comedia all'italiana und für Filme wie Profumo di donna (I 1974 dt.: Der Duft der Frauen) bekannt, so schuf er mit Anima Persa 1977 einen leider etwas vergessenen Psychothriller, der teilweise das Genre des Giallo streift, und schon aufgrund seines Casts zu begeistern weiß.
Catherine Deneuve und Vittorio Gassman sind (bzw. waren) absolute Größen ihrer Zunft und brillieren auch hier mit außergewöhnlicher Handwerkskunst, wobei man sagen muss, dass auch der Rest der Besetzung und besonders der hier debütierende Danilo Mattei grandiose Leistungen zeigen. Mattei, der seit 1998 keinen Film mehr gedreht hat und seit einiger Zeit offenbar als Immobilienmakler tätig ist, fand sich bereits wenig später unter der Leitung Umberto Lenzis in Cannibal ferox (I 1981 dt.: Die Rache der Kannibalen) und La guerra del ferro: Ironmaster (I/F 1983 dt.: Er - Stärker als Feuer und Eisen) wieder und bekam danach nur noch kleinere Nebenrollen angeboten.
Anima Persa beginnt wie ein klassisches Haunted House Movie oder eine weitere Variation von Whales The Old Dark House (USA 1932 dt.: Das Haus des Grauens) mit leichten Anklängen des Giallos, nur um sich dann immer mehr zu einem garstigen Psychodrama zu mausern. Damit hebt sich Risis langsam entwickelnder Film wohlig von der sonst mitunter etwas formelhaft daherkommenden, italienischen Genrekost ab und stellt sich in eine Reihe mit Werken wie z. B. Piero Schivazappas meisterhaften Femina ridens (I 1969 USA: The Laughing Woman) der ebenfalls das Genre um interessante Aspekte bereicherte und erweiterte.
Dazu wartet man noch mit einem finalen Twist auf, den selbst mancher genreerfahrener Zuschauer nicht absehen kann und der doch vollkommen logisch und schlüssig daherkommt - was Anima Persa nur weiter aus dem Gros seiner Mitbewerber heraushebt.
Die literarische Vorlage stammt übrigens von Giovanni Arpino, dessen Bücher auch schon zu solchen Meisterwerken wie dem bereits oben erwähnten Profumo di donna oder Pietro Germis Divorzio all'italiana (I 1961 dt.: Scheidung auf italienisch) adaptiert wurden.


Fazit: Toll gespielt, toll inszeniert - Tollwut auf'm Speicher. Viel toller geht's gar nicht...


Punktewertung: 9,25 von 10 Punkten

Samstag, 7. Juni 2014

Sommer, Sonne, Kopfschuss...

Macchie solari aka. Autopsy aka. Sun Spots (Autopsie - Hospital der lebenden Leichen)
I 1975
R.: Armando Crispino



Worum geht's?: Italien im Hochsommer.
Die Hitze steigt in der Metropole am Tiber und es kommt zu einer bizarren Serie von Selbstmorden.
Die junge Ärztin Simona (Mimsy Farmer) hat nicht nur beim Job in der Pathologie mit zunehmenden Halluzinationen zu kämpfen, und zweifelt so bereits an ihrer Auffassungsgabe, als eine neue Geliebte ihres Vaters plötzlich mit einer furchtbaren Schusswunde im Kopf vor ihr auf dem Seziertisch liegt.
Als dann noch der energische Bruder der Toten (Barry Primus), ein zum Priestertum konvertierter Ex-Rennfahrer, bei Simona auftaucht und nicht an einen Selbstmord seiner Schwester glaubt, beginnt Simona immer mehr um ihren Verstand zu kämpfen.
Doch auch ihr lebenslustiger Freund Edgar (Ray Lovelock) kann der labilen Frau nicht helfen, die bald schon um ihr Leben bangen muss, denn der Killer sucht weitere Opfer...




Wie fand ich's?: Dieser Film verfährt einmal mehr nach dem schönen Motto: Erst antäuschen, dann hoffentlich unversehens mitten ins Schwarze treffen. Was hier wie ein Science-Fiction- oder Mystery-Thriller beginnt, wandelt sich erst im letzten Drittel zu einem einigermaßen gängigen Giallo, der auch gleich einige der klassischen Mängel des Genres mitbringt. So ist die Auflösung des Ganzen nicht übermäßig logisch (ich habe allerdings auch schon wesentlich Schlimmeres in dieser Hinsicht gesehen...), kommt aber zumindest angenehm überraschend daher.
Tatsächlich schafft es Regisseur Armando Crispino, der zuvor bereits den wesentlich langweiligeren Giallo L'etrusco uccide ancora (I/BRD/YU 1972 dt.: Das Geheimnis des gelben Grabes) abfertigte, dem Zuschauer die flimmernde Hitze der Stadt spürbar zu machen und eine stetig dräuende Atmosphäre des Wahns und des Schreckens zu vermitteln.
Dazu trägt auch wieder einmal der schöne Score Ennio Morricones bei, der mal attonale Rückkopplungen, mal seufzende Damen und mal feine Melodeien auf die Tonspur zaubert.
Die seit Argentos 4 mosche di velluto grigio (I/F 1971 dt.: Vier Fliegen auf grauem Samt) zur Genreikone erklärte Mimsy Farmer ist wie immer eine Bank und in der Tat erinnert Macchie Solari (was aus dem Italienischen übersetzt Sonnenflecken bedeutet) in Ton und Wirkung an Francesco Barillis Meisterwerk Il profumo della signora in nero (I 1974 eng.: The Perfume of the Lady in Black) in dem die als Merle Farmer 1945 in Chicago geborene Amerikanerin schon ein Jahr zuvor fabelhaft die Hauptrolle bestritten hatte.
Der deutsche Titel Autopsie - Hospital der lebenden Leichen scheint auf die Teilnahme Ray Lovelocks hinweisen zu wollen, der 1974 in Jorge Graus unterschätztem Non si deve profanare il sonno dei morti (I 1974 dt.: Das Leichenhaus der lebenden Leichen) zu sehen war, und an dessen Erfolg man hierzulande durch den Titel wohl direkt noch mit aufspringen wollte. Zwar wird Crispinos Film so fälschlicherweise mit in die Zombieschublade gesteckt, doch hat der Zuschauer ja tatsächlich zumindest in der ersten Hälfte des Films das Gefühl, sich in eben einem solchen befinden zu können. Dazu tragen auch die gelungen Gore-Effekte bei, die teilweise an Crispinos Kollegen Lucio Fulci erinnern.
Insgesamt ist Crisprino mit Macchie solari zum Abschluss seiner Regielaufbahn noch so etwas wie sein persönliches Meisterwerk gelungen (er drehte im selben Jahr noch die bizarre Horrorkomödie Frankenstein all'italia [I 1975 dt.: Casanova Frankenstein], deren deutscher Titel bereits keine weiteren Fragen offen lässt...); ein Film, der allein auf eine geschlossene, düstere Atmosphäre und eine misanthrope Weltsicht setzt. Dies zeigt sich auch bei der Auflösung des Ganzen, wo ausgerechnet - VORSICHT SPOILER!:

Wenn dass dann auch nicht nur konsequent ist...


Fazit: Die perfekte, fiese Unterhaltung für heiße Sommernächte - ein flirrender, fieberhafter Alptraum vor schwüler Kullisse.



Punktewertung: 7,25 von 10 Punkten

Sonntag, 18. Mai 2014

Von Liebe, Hot Dogs und anderen exzentrischen Dingen...

Minnie and Moskowitz (Minnie und Moskowitz)
USA 1971
R.: John Cassavetes


Worum geht's?: Seymore Moskowitz (Seymore Cassel) ist ein lebenslustiger Exzentriker mit wildem Oberlippenbart, der sich sein Auskommen nebenbei als Parkwächter verdient. Als seine Mutter sich über seine Lebensumstände Sorgen macht, zieht er spontan nach Kalifornien, um dort sein Glück bei größeren Restaurants zu versuchen. Hier trifft er auf die kultivierte und einige Jahre ältere Museumsangestellte Minnie Moore (Gena Rowlands), deren Liaison mit einem verheirateten Mann (John Cassavetes) gerade zerbricht und die sich vom Leben allgemein und von der Liebe im Besonderen frustriert zeigt.
So möchte sie den stets etwas überdrehten, ungestümen Parkwächter möglichst schnell wieder loswerden, doch Moskowitz ist die Hartnäckigkeit in Person und ist es nicht gewöhnt ein Nein als Antwort zu akzeptieren, ja, er ist sogar bereit, für seine Liebe zu dieser so unterschiedlichen Frau gleich mehrfach Prügel zu beziehen.
Moskowitz, der zu dem Schag von Menschen gehört, die selbst am verrückten Gerede einer Zufallsbekanntschaft (Timothy Carey) am Nebentisch eines Esslokals noch Interesse besitzen und auch sonst spontanen Kontakt zu wildfremden Leuten sucht, ist bereit um seine neue Liebe auf den ersten Blick zu kämpfen. Über alle Schwierigkeiten hinweg - koste es was es wolle!



Wie fand ich's?: John Cassavates sagte einmal: „Ich mache gern schwierige Filme, bei denen die Leute schreiend rauslaufen. Ich bin schließlich nicht in der Unterhaltungsbranche".
Nun, der hier besprochene Film zählt sicher zu seinen zugänglichsten Arbeiten und ist vollkommen in der Lage sein Publikum zu unterhalten.
Erzählt wird die Liebesgeschichte zweier Menschen, die auf den ersten Blick recht unterschiedlich sind, doch wie sagt man so schön: „Unterschiede ziehen sich an", und es ist dem Betrachter außerdem schnell klar, dass diese beiden, leidgeprüften Protagonisten genau jenen Gegenpol in ihrem Dasein zum Überleben benötigen.
Neben der dramatischen Liebesgeschichte mit ihren liebenswerten Figuren berichtet Cassavetes, der in seinen Filmen immer sein Herz für Aussenseiter und Randexistenzen zeigte, von der Einsamkeit an den Hot Dog-Ständen der Großstadt und den aufgesetzten, bürgerlichen Fassaden der sogenannten "besseren" Schichten.
Cassavetes, ganz der Familienmensch, besetzte in der weiblichen Hauptrolle wie so oft seine Gattin Gena Rowlands, daneben seine eigene Mutter sowie Schwiegermutter und seine Kinder in zahlreichen Nebenrollen. So wurde der Dreh des, für das Budget von unter einer Million Dollar recht preiswert inszenierten Films, wohl zu einem großen Happening mit ganzen der Familie.
In der Rolle eines sonderlichen Restaurantgastes tritt zu Anfang des Films der wunderbare Timothy Carey auf, der sich durch zahlreiche aufsehenerregende Nebenrollen (u. a. unter der Regie von Stanley Kubrick und in der einzigen Regiearbeit Marlon Brandos) und seinem legendären Regiedebüt The World's Greatest Sinner (USA 1962) eine Reputation als Hollywoods Chefexzentriker aufgebaut hatte. Carey brilliert als irrer Loser mit Augenringe, die ihresgleichen suchen und muß genug Eindruck bei Cassavetes hinterlassen haben, um fünf Jahre später in dessen The Killing of a Chinese Bookie (USA 1976 dt.: Die Ermordung eines chinesischen Buchmachers) wieder aufzutauchen.
Dies tat auch der vielbeschäftigte Seymore Cassel, der zuvor bereits in Cassavetes Regiedebüt Shadows (USA 1959 dt.: Schatten) einen nicht in den Credits genannten Auftritt hatte und für seine Rolle des Chet in Cassavetes Faces (USA 1968 dt.: Gesichter) eine Oscar® Nominierung abräumt hatte.
Leider hat Minnie and Moskowitz neben seinem ehrlichen Witz und seinem tollen Cast auch einige Probleme im letzten Drittel des Films aufzuweisen und wird dort leider für meinen Geschmack etwas unnötig langatmig und doch noch leicht pathetisch.
Trotzdem bleibt ein wunderschöner Film über eine Liebe gegen alle Widrigkeiten in einer jener Großstädte, die niemals schlafen.


Fazit: Aufrichtig (und) menschlich - komisch (und) dramatisch. Ein kleines Meisterstück mit leichten, verzeihlichen Längen im Schlussakt.



Punktewertung: 8 von 10 Punkten

Samstag, 3. Mai 2014

Tom X und die Weltformel

Ein großer graublauer Vogel
BRD/I 1971
R.: Thomas Schamoni


Worum geht's?: Tom X (Klaus Lemke), ein junger Dichter, erzählt bei einer ausgelassenen Party seinen Freunden vom ebenfalls anwesenden Herrn Belotti (Walter Ladengast), einem verstörten, älteren Herrn, der vor Jahrzehnten eine Weltformel entwickelt haben soll.
Aufmerksam geworden, versucht Toms Freund G.O. (Thomas Braut), seines Zeichens Journalist, die Story zu verkaufen, ruft jedoch bei dem Versuch auch eine zwielichtige Gruppe von Gangstern oder Geheimdienstlern auf den Plan.
Unter der Leitung des im Rollstuhl sitzenden Cinque (Lukas Amman) suchen diese ebenfalls nach der Formel und nach Belottis Kollegen, die den Schlüssel zu der in einem Gedicht von Arthur Rimbaud versteckten Erfindung besitzen.
Ständig gefilmt von ihrem Freund Knokke (Bernd Fiedler), machen die Gruppen Aufnahmen von ältliche Passanten; immer auf der Suche nach den nun im Versteckten lebenden Wissenschaftlern - scheinbar wissend, dass sich alle Geheimnisse nur auf Film entblößen.
Realität und Fiktion, Poesie und Paranoia, Gut und Böse verschwimmen. Ein manisches Lachen beendet das verwirrende Schauspiel.


Wie fand ich's?: Ein Film, der mit der Vorführung eines Films anfängt, ein Debüt, in das seine Macher wie so oft alle Ideen auf einmal stopften, als gäbe es kein nächstes Mal.
Thomas Schamoni hat nur wenige Filme als Regisseur geschaffen, bekannter wurde er als Gründer des Filmverlags der Autoren, der in den ersten Jahren aus seiner Privatwohnung heraus agierte.
Klaus Lemke, heute selbst eine Kultfigur des deutschen Films, spielt die Hauptrolle; Robert Siodmak, ebenfalls eine Regielegende, ist zwei Jahre vor seinem Tod hier noch in einem Cameo zu sehen.
Schamonis Film ist ein surrealer Krimi, ein verwirrender Thriller mit Elementen der Mabuse-Filme, der wie Jaques Rivettes Debüt Paris nous appartient auch die Verunsicherung junger Intellektueller in Zeiten des Kalten Krieges und der Studentenrevolten abbildet. Wo Rivette jedoch eine Dekade zuvor ein bedrückendes, langsames, schwarz-weisses Drama ablieferte, da schwirrt Schamonis Film vor Bildern und Eindrücken, vor schnellen Schnitten und einer fast stets unruhigen Tonspur. Anders als Rivette bietet Ein großer graublauer Vogel Action und Schießerei ist also auch ein Genrefilm (oder gibt zumindest vor es zu sein), verstört aber seine Zuschauer mit weiteren Metaebenen.
Kann es sein, dass sich zunächst alles nur im Kopf des Dichters, des wilden Kreativen abspielt und sich das Interesse der Gegenseite nur aus dessen Fiktion nährt? Will der Journalist G.O. also nur eine Fantasterei seines Freundes verkaufen? Doch wenn der heruntergekommene Alte namens Belotti nur ein armer Spinner ist, wer sind dann Cinque und die distinguierten Herren am Ende des Films? Soll das Gedicht Rimbauds mit dem Titel Bottom, aus welchem sich auch der Titel des Films ableitet, und in dem sich eine Formel zur Zeitreise (?) versteckt halten soll, nur ein von Tom X oder Thomas Schamoni geschaffener McGuffin sein?
Der Film beantwortet seine Fragen nicht, weist stattdessen ununterbrochen darauf hin, dass die Realität eine andere Ebene erhält, wenn man sie abfilmt. Pausenlos hält irgendjemand eine Kamera in der Hand oder man sieht Filme im Film - eine ständige Selbstreflexion über das eigene Medium.
Das für den Soundtrack gewählte Lied She Brings The Rain der Krautrocker Can erzählt von Magic Mushrooms - also doch alles nur ein Drogenrausch?
Trotz aller Wirrnisse gelang Schamoni ein unterhaltsames, handwerklich unglaublich selbstsicheres Debüt, das keine Sekunde langweilt und noch heute sehr modern und frisch erscheint.
1970 erhielt Schamoni für die Regie zu Ein großer graublauer Vogel das Filmband in Gold, ebenso wie sein Kameramann Dietrich Lohmann; weiterhin erhielt der Film das Prädikat Wertvoll von der Filmbewertungsstelle.
Das bereits erwähnte Gedicht Bottom von Rimbaud (der auch Dylan und zuvor die Surrealisten beeinflusst haben soll) beginnt mit den Worten: Reality being too thorny for my great personality (etwa: Realität ist zu dornig für meine große Persönlichkeit). Vielleicht erklärt dies nun doch noch alles...


Fazit: Ein wilder Trip auf Zelluloid. Ein Spiel mit Fiktion und Realität, dessen Interpretation beim jeweiligen Betrachter liegt.


Punktewertung: 8,5 von 10 Punkten