Egal ob Exploitation, Gialli, Horror oder Sci-Fi...
Von Grindhouse bis Arthouse...
Besprechungen übersehener, unterbewerteter oder obskurer Werke der Filmgeschichte!

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Samstag, 4. November 2017

Hüpf, Geistlein, hüpf!

Gui da gui bzw. 鬼打鬼 (eng.: Encounters of the Spooky Kind, aka.: Close Encounter of the Spooky Kind)
HK 1980
R.: Sammo Kam-Bo Hung


Worum geht's?: Der abergläubige Rikschafahrer Cheung (Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller in Personalunion: Sammo Hung) erwischt beinah seine untreue Freundin in flagranti bei einem frivolen Stelldichein mit Mr. Tam (Ha Huang), einem hohen Würdenträger der Stadt.
Um den vermeintlichen Skandal schnell aus der Welt zu schaffen, wendet sich Tam mit der Bitte den Mitwisser ein für alle Mal los zu werden, an einen ortsansässigen Zaubermeister namens Chin Hoi (Lung Chan).
Dieser plant das auch als "Kühnen Cheung" bekannte Opfer unter dem Vorwand einer Wette für eine Nacht in einen nahe gelegenen Tempel zu locken und eine sich dort befindliche Leiche kurzerhand zum unter Bann stehenden, mörderischen Verbündeten zu machen.
Als jedoch Chin Hois gerechtigkeitsliebender Kollege Tsui (Fat Chung) davon erfährt, springt dieser Cheung mit Rat und Tat zur Seite und gibt dem naiven Schmerbauch das Know-how an die Hand, es auch mit einem schauderhaften, verwesenden Untoten aufzunehmen.
Doch dies ist erst der Anfang eines unglaublichen Kampfes zwischen zwei Hexenmeistern, in dessen Mitte sich der pummelige Cheung schon bald wünscht, dass der Albtraum bald ein Ende nehme.

***

Wie fand ich's?: Sammo Hung ist hierzulande wohl in erster Linie als der "Dicke" an der Seite des drahtigen Jackie Chan aus einer Unzahl von Martial-Arts-Komödien bekannt.
Dabei war Hung (*07.01.1952) bereits in jungen Jahren hinter den Kulissen der Shaw Brothers tätig, zunächst als Statist und Stuntman, später als Kampfchoreograf und Regieassistent.
Nur wenige Jahre später sollte Hung auch an den Sets von solch Genregrößen wie Bruce Lee und John Woo auftauchen und zu einer festen Größe im Hongkong-Kino werden.
Ab 1977 stand Hung selbst als Regisseur in Hong Kong hinter den Kameras, seine zweite Regiearbeit Fei Lung gwo gong (HK 1978) schaffte es unter dem Titel Der kleine Dicke mit dem Superschlag auch nach Deutschland und zeichnete sich bereits durch einen angenehmen Mix aus Komik und Kampfkunst aus.
Beim hier besprochenen Gui da gui (was wörtlich "Geist gegen Geist" übersetzt heißt) sollte zu diesem Mix noch zusätzlich auf chinesische Gruselthemen wie Hexer, Vampire und Dämonen zurückgreifen und durch seinen Erfolg direkt das Jiangshi-Genre begründen.
Wir erinnern uns: Bietet das Wuxia-Genre Martial-Arts im historischen Setting (die Mehrzahl der Shaw Brothers Produktionen) so beschäftigt sich Jangshi mit Schreckelementen - gern, wie in Ricky Laus weiteren stilbildenden Kinoerfolg Geung si sin sang (HK 1985 eng.: Mr. Vampire) von 1985, mit den für den chinesischen Raum üblichen, hüpfenden Vampiren, die es wie ihre westlichen Kollegen natürlich auf die Lebenden abgesehen haben. Doch haben es chinesische Vampire nicht auf Blut abgesehen, wollen sie doch lieber ihren Opfern buchstäblich den Atem rauben und ihnen das Qi, die Lebenskraft, aussaugen. Natürlich muss diese Art von Untoten außerdem hüpfen - verhindert doch die Totenstarre einen geschmeidigen Gang locker aus der Hüfte heraus!
In Encounters of the Spooky Kind trifft Hungs Charakter schon früh auf einen solchen typischen Jiangshi, doch ist genauso bemerkenswert der Umstand, dass die erste Hälfte verblüffende Parallelen zu Viy bzw Вий aufweist.
Wie in den Verfilmungen von Nikolai Gogols klassischer Gruselmär muss der Held mehrere Nächte in einer heiligen Stätte mit einer störrischen Leiche verbringen, die es auch gleich auf sein Leben abgesehen hat.
Zwar enden diese Übereinstimmungen bereits mit dem Beginn der zweiten Hälfte des Films, welche mit zunehmender Laufzeit immer wesentlicher den Schwerpunkt in Richtung furioser Martial Arts verlagert, doch ist dieses Phänomen offenbar bislang kaum zur Sprache gekommen.
Beim Humor schaute man verständlicherweise weniger in die Richtung Russlands als auf die amerikanischen Väter der Klamotte - die Herren Laurel & Hardy und deren Amtsbruder Buster Keaton durften als veritable Vorbilder für gleichsam wohlfeil getimten Slapstick dienen - hier zeigt Sammo Hung einmal mehr, dass Körperfülle nicht gleichbedeutend mit Bewegungsarmut ist.
Immerwieder blitzen auch kleine, blutige Splattereinsprengsel auf, was dem Geschehen noch eine zusätzliche Schärfe verleiht.
Wer zudem eine der unglaublichsten Schlussszenen des Genres sehen möchte, ist hier vollkommen richtig. Ohne auch nur etwas verraten zu wollen: der Schreiber dieser Zeilen bekam einige Sekunden den Mund nicht mehr zu und glaubt nicht, dass ein solches Ende in den heutigen Zeiten von political correctness noch möglich wäre.
Also bedenke: Auch nach Halloween sind die Nächte noch lang und Dunkel, da bietet sich ein Gruseltrip in fernöstliche Gefilde zur Abwechslung und abendlichen Erheiterung gerade zu an!

***

Fazit: Ein wahrhaft geist(er)voller Spaß, bei dem einen das eigene verwesende und madendurchzogene Pumporgan im Thorax ganz warm wird.



 
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Punktewertung: 9 von 10 Punkten!

Samstag, 12. April 2014

Handkantenrocker vs. Motoradninjas

Miami Connection (American Streetfighter)
USA 1987
R.: Woo-sang Park/Y. K. Kim



Worum geht's?: Die Rockgruppe Dragon Sound besteht aus fünf kampfsportverrückten Freunden, die zusammen ein Häuschen in Orlando, Florida besitzen und des Abends die Klubs der Stadt mit ihren Hits wie "Against the Ninja" rocken.
Allerdings macht man sich als gefragte Newcomer im Nachtleben der City leider nicht nur Freunde, besonders, wenn man die aggressiven Mitglieder einer anderen Band aus ihrem Job verdrängt.
Diese finden ausgerechnet Hilfe bei Jeff (William Ergle), dem bärtige Anführer einer Bande von kriminellen Bodybuildern und Bruder der hübschen Jane (Kathie Collier), die neuerdings bei Dragon Sound singt und gegen Jeffs Willen mit deren Bassisten John (Vincent Hirsch) schmust.
Doch selbst eine angedrohte fiese Tracht Prügel, gezückte Messer oder geschwungene Äxte können Dragon Sound nichts anhaben, denn Taekwondo-Meister Mark (Y. K. Kim) trainiert täglich mit seinen Spezis, die wie er alle Waisenkinder waren.
Die Ereignisse überschlagen sich vollends, als Jim (Maurice Smith) plötzlich von seinem noch lebenden Vater erfährt, Jeff nach einem missglückten Versuch ein Mitglied der Band zu kidnappen getötet wird und sich eine ganze Horde Ninjas, angeführt vom sinisteren Rockerfreund Yashito (Si Y Jo), den fünf Freunden fürs Leben entgegenstellt.



Wie fand ich's?: Kennen Sie Y. K. Kim? Nein? Nun, vor dem Genuss seines einzigen Filmwerks Miami Connection, welches in Deutschland auch unter dem schönen Titel Schwarze Ninja greifen an im TV gezeigt wurde, hatte ich auch noch keine Kenntnis von der Existenz des heute 57 Jährigen, der mit 13 in seiner koreanischen Heimat bereits einen schwarzen Gürtel im Taekwondo erlangte, 1977 in den Big Apple zog und einige Jahre später eine kleine Berühmtheit als erfolgreicher Besitzer einer Kette von Kampfkunstschulen erlangte.
Berühmtheit genug, um durch einen Fernsehauftritt in einer koreanischen Talkshow den eher wenig bekannten Regisseur Woo-sang Park auf sich und sein Vorhaben aufmerksam zu machen, einen Film über Kims Liebe zum Taekwondo zu drehen. Park versuchte unter dem Pseudonym Richard Park bereits seit einigen Jahren in den USA Fuß zu fassen und hatte dort bereits 1985 den erfolglosen Actioner Los Angeles Streetfighter (USA/KOR 1985 dt.: Die gelben Teufel von Los Angeles) heruntergekurbelt, den man auch unter seinem Alternativtitel Ninja Turf kennen könnte.
Hätte Y. K. Kim sich dieses Machwerk vor seiner Zusage die Produktionskosten zu Miami Connection zum größten Teil mitzufinanzieren einmal angesehen, so wäre ihm aufgefallen, dass Park vielleicht so eben sein Handwerk verstand, er aber scheinbar kein Wort Englisch sprach und so schwere Probleme hatte halbwegs vernünftige Dialoge zu schreiben und auf die Tonspur zu bannen.
Dabei sollte doch inhaltlich diesmal richtig geklotzt statt gekleckert werden. Kim schwebte ein Film über Freundschaft, Taekwondo und eine Welt ohne Gewalt vor - das fertige Script addierte jedoch noch einige weitere Elemente...
So schmiss man alles in den Mix, was momentan im Actionkino angesagt war und was man irgendwie einbinden konnte: leise Ninjas und laute Rockmusik, tödliche Drogendeals und pimpelige, erwachsene Waisenkinder, schwere Bodybuilder und harte Motorradgangs, Weiberaufreißen am Strand, eine mit Zwietracht beäugte Romanze, latente (?) Homoerotik unter männlichen WG-Genossen und natürlich Taekwondo.
Viel hilft viel, war hier offenkundig die Devise, und dass man einen simplen Actionfilm mit zu viel Drumherum leicht auch überfrachten kann, auf diese Idee kam keiner. So wirkt der Subplot um den wiedergefundenen Vater pathetisch (aber auch irgendwie charmant), die Motivationen der Badguys wenig nachvollziehbar, die Musikszenen absolut peinlich.
Was Miami Connection aber aus dem Gros anderer gescheiterter Actionfilme der 80er heraushebt, ist das spürbare Herzblut und der klare Wille alles richtig zu machen. Wie bei Ed Woods Plan 9 from Outer Space (USA 1959) sind alle Zutaten eigentlich vorhanden einen netten, zeitgemäßen Genrefilm abzuliefern, doch leider scheiterte dies am einvernehmlichen Unvermögen aller Beteiligten. Miami Connection ist unfreiwilliger Trash mit absolutem Kultpotenzial, eben weil stets so putzig versucht, es allen recht zu machen.
Irgendwie schaffte es der Film 1987 sogar nach Cannes, scheiterte jedoch gigantisch an den wenigen Kinokassen, die er erreichte. Y. K. Kim verlor als Produzent des Films eine Unmenge Geld (manche Quellen sprechen von einigen Millionen), schnitt ohne seinen Regisseur neue Szenen in den fertigen Film und verpasste dem Werk nachträglich ein Happy End - alles umsonst. Niemand wollte den Film zeigen, sein Produzent, Star, Autor und unfreiwilliger Co-Regisseur war ruiniert.
Miami Connection war bis zu seiner Wiederentdeckung durch einen texanischen Kinokettenbesitzer im Jahr 2009 vergessen, erlebte dann aber sehr zur Überraschung Kims seine zweite Auferstehung in vollen Kinosälen und auf heimischen Fernsehgeräten.
Young Kun Kim tourt neben seiner Tätigkeit als Martial Arts Lehrer mittlerweile sehr bezeichnend auch als Motivationstrainer und erwähnt den Film nun auch wieder mit Stolz auf seiner Webseite.
Man könnte glauben, jemand hätte dieses Happy End auch schnell mal nachgedreht.



Fazit: Wie eine fast perfekte Pizza mit zu viel Belag und extra Käse: Im Prinzip leckeres Fast Food - kann jedoch auch schnell auf den Magen schlagen.



Punktewertung: Fans von feinem Actiontrash geben 7,75 von 10 Punkten - andere wenden sich mit Grausen ab...

Donnerstag, 23. Januar 2014

Man boxt sich so durch...

淫種 bzw. Mo (int.: The Boxer's Omen)
HK 1983
R.: Kuei Chih-Hung


Worum geht's?: Kurz nachdem sein Bruder im Boxring durch einen Fiesling (Bolo Yeung Sze) plattgemacht wurde, beginnt der Gangster Chan Hung (Phillip Ko Fei) seltsame Omen und Erscheinungen zu sehen.
Nichtsdestotrotz begibt er sich umgehend ins Land der Thais, um dort sein nun im Rollstuhl sitzendes Bruderherz schleunigst in einem Revanchekampf zu rächen.
Eine erneute Vision führt ihn jedoch zuvor in einen Tempel, wo er zu seiner Verblüffung feststellen muss, dass er für noch viel schwerwiegendere Aufgaben auserkoren wurde.
Chan Hung ist nämlich in einem früheren Leben der Zwillingsbruder des kurz vor der Erlangung der Unsterblichkeit stehenden Abts (Elvis Tsui Kam-Kong) des Klosters gewesen. Dieser hatte sich erst vor Kurzem mit einem besonders bösen Schwarzmagier (Johnny Wang Lung-Wei) angelegt, der dem guten Abt des Nachts zwei Spinnen ins Bett gelegt hatte, welche mit ihren stählernen Stacheln die Augen des Mönchs durchbohrten und sein Blut vergifteten. Seitdem hockt die Mumie des Klostervorstands mit dem Äußerem einer luftgetrockneten Salami in einer geräumigen Urne und wartet auf den einstigen Bruder aus einem längst vergangenen Leben, um an seiner statt den Schwarzmagier möglichst schnell dingfest zu machen, denn die Zeit läuft und wenn der Körper des Abts verfällt, stirbt mit ihm auch Chan Hung.
Tja, so was gibt's und unser Held beugt sich seinem Schicksal. Nach einem Crashkurs in Buddhismus und Zauberei stellt sich dieser dem Dämonenbeschwörer in einer dunklen Dimension und erringt einen ersten, vorläufigen Sieg.
Doch auch Nekromanten haben hilfsbereite Kumpels und dieser Kampf wird auch noch lange nicht der letzte sein.


Wie fand ich's?: Die legendäre Filmschmiede der Shaw Brothers produzierte weit über 1000 Filme, dieser ist einer der wildesten.
Die hier gebotene Mischung aus Horror, Kickboxen, Buddhismus sowie Fantasy- und Abenteuerfilmelementen ist schon was Besonderes, doch sind es zusätzlich noch zahlreiche weitere Details, die diesen Streifen aus der Masse hervorragen lassen.
Da sind zum einen die Special-FX, welche auf einer imaginären Skala ständig zwischen den Werten gut und günstig bzw. peinlich und schäbig anzusiedeln sind. Da gibt es z. B. die schlechtest in Szene gesetzten Gummi-Vogelspinnen seit Fulcis ...E tu vivrai nel Terrore! L'aldilà (I 1981 dt.: Über dem Jenseits), welche ein grünlich Gift erst durch strohalmähnliche Rüssel aufsaugen müssen, bevor sie mit ihren Metallstacheln töten.
Dazu kommen krasse Kostümeinfälle, wie die in Frischhaltefolie eingewickelten Mumien dreier Schwarzmagier oder befremdliche Szenen, wie die, in der ein Fledermausskellett humpelnd zu Fuß (oder heißt es: zu Kralle?) aus einem Kloster zu fliehen versucht, schön in Stop-Motion animiert, versteht sich!
Auch vor saftigem Splatter und feuchtfröhlichem Sleaze machte man nicht Halt, wobei man bezüglich der Gore-Effekte natürlich wieder das übersichtliche Budget einer Shaw Brothers Produktion berücksichtigen muss. Die rasante Inszenierung lässt aber dem Zuschauer gottseidank kaum Zeit über das soeben Gesehene lange nachzusinnen und die groteske Story wird in einem so atemlosen Tempo erzählt, dass Langeweile erst gar nicht aufkommen kann.
Regisseur Kuei Chih-Hung (*1937; †1999) drehte bis zu seinem Ausstieg aus der Filmbranche im Jahre 1984 mehr als 35 Filme für die Filmschmiede der Shaw Brothers (deren jüngster Bruder Run Run Shaw am 07. Januar dieses Jahres im Alter von gesegneten 106 Jahren verstorben ist), darunter solch unterschiedliche Streifen wie den zusammen mit Shaw-Starregisseur Chang Cheh zusammeninszenierten Gangsterklopper Fen nu qing nian (HK 1973 dt.: Shen Chang und die Karatebande), den an Clouzots Le diaboliques (F 1955 dt.: Die Teuflischen) angelehnten Horrorthriller Xie bzw. Hex (HK 1980), den Woman-in-Prison-Beitrag Nu ji zhong jing (HK 1973 dt.: Das Bambuscamp der gequälten Frauen), die von Wolf C. Hartwigs deutscher Rapid Film koproduzierte Sexploitationposse Yang Chi bzw. Karate, Küsse, blonde Katzen (HK/BRD 1974 R.: Kuei Chih-Hung und Ernst Hofbauer) oder den atmosphärischen Nekrophiliekrimi Si yiu (HK 1981), der unter seinem englischen Titel Corpse Mania bekannter sein dürfte und mit einem unerwartet giallodesken Plottwist aufwartet. So verschieden und bunt diese Titel sind, eins haben sie alle gemein: sie sind nie langweilig - eine Eigenschaft, welche für einen guten Unterhaltungsfilm unabdingbar ist.


Fazit: Bildgewordener Irrsinn zwischen wirrem Spiritualismus, buntem LSD-Trip, grotesker Gewaltfantasie und aufgekratztem Karneval.

Punktewertung: 7,25 von 10 Punkten

Freitag, 16. August 2013

Die Nummer 100: Ein gravierender Fall von Tollwut

Los violadores (Mad Foxes - Feuer auf Räder aka. Stingray 2)
CH/E 1981
R.: Paul Grau


Worum geht's?: Hal (José Gras - hier unter dem schnittigen Pseudonym Robert O' Neal), ein Sportwagen fahrender Playboy und Bonvivant, hat gerade noch in einer Disco den 18. Geburtstag seiner jungfräulichen Freundin Babsy (Sally Sullivan, die natürlich bürgerlich Andrea Albani heißt...) gefeiert, da werden die beiden Turteltauben das Opfer einer typischen Bande von spanischen Nazirockern, wie es sie in den 80ern in jeder iberischen Großstadt gab.
Während Hal brutal zusammengeschlagen wird, vergewaltigt ein Bandenmitglied die junge Unschuld, was Hal natürlich umgehend blutige Rache schwören lässt.
Ein Telefonanruf und die Kampfsportschule eines guten Freundes und ausgewiesenen Karatemeisters rückt vollzählig in einem Amphitheater an, wo die Bösewichte im Fackelschein gerade einen der ihren beerdigen. Ruck zuck sind die Nasen blutig und der Anführer der Hobbyfaschisten wird noch schnell mit einem Springmesser entmannt.
Zufrieden macht sich unser Held auf, seine Eltern auf dem Lande zu besuchen, unwissend, dass die Schufte ihm auf ihren Feuerstühlen längst auf der Spur sind.
Unterwegs greift Hal eine attraktive Anhalterin auf und vernascht diese wenige Minuten später, bei einem Waldspaziergang schießt der Lebemann von Welt spielerisch mit einer Flinte auf ein daherfliegendes Passagierflugzeug und muss später doch bei der Heimkehr zu seiner Überraschung nicht nur den gemeuchelten Gärtner mit dessen Heckenschere im Schlund vorfinden, sondern auch über die Leichen der Haushälterin, seines Vaters und seiner gehbehinderten Mutter stolpern.
Nun bleibt ihm nur noch eine Option übrig: Rache!
Gott sei's gelobt weiß natürlich jeder Tankwart in der Gegend, wo die Lumpenbande ihr hakenkreuzgeschmücktes Hauptquartier hat.
Mit haufenweise Wut im Bauch und genug Munition im Gepäck wirft Hal seinen Stingray an, um die Sache ein für alle Mal zu beenden.


Wie fand ich's?: Dies ist ein Jubiläums-Post und das hundertste Review meines Blogs soll natürlich einem ganz besonderen Film gewidmet sein. Einem Film, der einzigartig in seiner Machart und Wirkung ist; einem Film, der sich dem Zuschauer für alle Ewigkeit auf die Hirnrinde brennt.
Mad Foxes ist so ein Film.
Der lebenden Produzentenlegende Erwin C. Dietrich soll zweimal in seiner Karriere bei Ansicht eines von ihm in Auftrag gegebenen Werkes der Unterkiefer vor Unglauben ob des Gezeigten nach unten geklappt sein.
Das erste Mal soll dies bei Begutachtung von Jess Francos Frauengefängnis (CH 1976) passiert sein, das zweite Mal bei Ansicht des hier besprochenen Werks von Regisseur Paul Grau.
Grau ist heute der CEO des Schweizer Privatsenders Star TV, vor seiner Karriere beim Fernsehen hatte Grau neben Mad Foxes noch bei ein oder zwei Sexploitationstreifen regiegeführt (die OFDb listet tatsächlich ein Titel mehr als die IMDb) und bei einigen weiteren Dietrich-Produktionen als Production Manager fungiert.
1980 bestellte Dietrich bei dem somit nicht übermäßig erfahrenen Grau einen Kassenhit (oder eine weitere schnelle Möglichkeit Steuern abzuschreiben), dieser hatte die Idee zu einem Actionfilm, der zwar wohl erst dessen zweite Regiearbeit zu diesem Zeitpunkt werden sollte, der aber dafür alles enthalten würde, was ein großer Actionhit braucht.
Rocker? Ja klar! Aber nicht nur einfache Rocker - Nazirocker! Diese tragen natürlich Hakenkreuzarmbinden, allerdings verschwindet bei jeder Außenszene die Swastika, sodass man nur eine rote Binde mit großem, weißen Punkt am Oberarm trägt. Vermutlich wollte man in Spanien (wo der Film preisgünstig heruntergekurbelt wurde, und was man im betrunkenen Kopf ja auch gut mit dem sonnigen Kalifornien verwechseln könnte) nicht die Einheimischen verunsichern, oder gar tatsächlich Schwierigkeiten mit den Behörden provozieren.
Einen Helden mit Bums bei Frauen? Sicher, allerdings ist dessen Interesse eine soeben volljährig gewordene Jungfrau schnellst möglich mit Fusel aus dessen persönlichem, in einem Schließfach aufbewahrten, Vorrat abzufüllen, moralisch höchst fragwürdig; erst recht, wenn er wenige Stunden später bereits fröhlich eine Anhalterin flachlegt.
Erotik? Aber hallo! Man wartet hier nicht nur mit unbekleideten Damen auf, sondern zeigt auch bei jeder (un-)passenden Gelegenheit männliche Genitalien, auch gern in Nahaufnahme. Anscheinend wollte man hier wirklich JEDE Zielgruppe zufriedenstellen...
Blutige Action? Jede Menge! Da wird mehr kastriert als in der Kleintiersprechstunde eines ortsansässigen Veterinärs und ein Bösewicht wird gleich gänzlich mit einer in die Kloschüssel geworfenen Handgranate von der Keramik gesprengt...
Martial Arts? Kannste drauf wetten! Grau tritt gleich selbst als Karatemeister vor die Kamera und es kommt zu einer Massenkeilerei - nur beherrscht leider keiner der Kämpfer sichtbar auch nur annähernd den Sport, wenngleich hier und da zu lesen ist, dass Eric Falk, behaarter Darsteller in zahlreichen Sexfilmen der 70er und 80er, es Mal zu Weltmeisterwürden gebracht haben soll. So rotiert Bruce Lee im Grab, während erwachsene Männer ungelenk Arme und Beine hochreißen...
Wahres Drama? Och... Na gut, der Held bricht über seiner toten Mutter weinend zusammen und schwört mehr als einmal hingebungsvoll Rache in die Kamera; jedoch ist seine Schauspielkunst ebenso limitiert, wie die seiner Mitdarsteller. Kurz vor Mad Foxes hatte José Gras jedenfalls auch unter Pseudonym (dort nannte er sich noch Robert O'Neil mit i) in Bruno Matteis Zombieheuler Virus (I/E 1980 dt.: Die Hölle der lebenden Toten) mitgespielt, einige Zeit später tauchte er noch u. a. in Fulcis seltsamer Fantasygurke Conquest (I/E/MEX 1983) auf, bevor er Mitte der 80er auch schon wieder von der Bildfläche verschwand.
Ein überraschendes Ende mit Knalleffekt? Absolut! Das wird hier natürlich nicht verraten, doch soll mir keiner sagen, der den Film gesehen hat, er hätte dies so kommen gesehen! Da hätte selbst M. Night Shyamalan seine helle Freude dran. Echt wahr...
Alles in allem also ein beispielloses Feuerwerk der tollen Ideen, welches so seinesgleichen sucht.
Lautet der spanische Originaltitel noch Los violadores (dt.: die Vergewaltiger), so benannte man ihn für die internationale Auswertung sowohl in Mad Foxes (wohl der etwas unbeholfene Versuch an Mad Max erinnern zu wollen), wie auch in Stingray 2 um. Mit letzterem Titel wollte man sich scheinbar an den (vermutlich auch nur leidlichen) Erfolg der US-Actionkomödie Stingray (USA 1978 R.: Richard Taylor) dranhängen, welcher damals auch in Deutschland von Produzent Erwin C. Dietrich verliehen wurde. Dieser ist nach eigenen Angaben bis heute nicht in der Lage, sich dieses Machwerk in Gänze anzuschauen, doch hat Mad Foxes mittlerweile den wohlverdienten Ruf eines kleinen Kultfilms erlangt, was zumindest etwas durch DVD-Verkäufe auf dem Konto des Herrn wieder gutmachen sollte.
Die Musik stammt übrigens von der schweizerischen Antwort auf die Scorpions (andere sprechen von AC/DC): Krokus. Für jene soll Paul Grau schon in den 70ern Musikvideos gedreht haben, eindeutige Belege sind darüber allerdings in meinen Quellen leider nicht zu finden gewesen. Fakt ist jedoch, dass der Titeltrack zu Mad Foxes Easy Rocker ein verdammter Ohrwurm ist, noch das eindeutig qualitativ Hochwertigste im Film darstellt und sich auch heute noch ständig im Liveset von Krokus wiederfindet.
Nach diesem "Meisterwerk" beendete Grau seine Regiekarriere mit der Sexkomödie Sechs Schwedinnen auf der Alm (BRD 1983), in der auch das oben bereits erwähnte Sexploitation-Urgestein Eric Falk ein letztes Mal (unbekleidet) vor der Kamera stand und damit nach fast einer Dekade sündigen Treibens auf der Leinwand das (sicher durchnässte) Handtuch warf.


Fazit: Unglaublich. Eine echte Offenbahrung für ganz abgebrühte Trash-Connaisseure und ein unverfälschtes Magnum-Opus des schlechten Geschmacks.

Punktewertung: Die Arthousegemeinde dürfte 1 von 10 Punkten vergeben, wer hingegen Troll 2 (I/USA 1990 R.: Claudio Fragrasso O.: Trolli) bereits oft genug mit Vergnügen bestaunt hat, dürfte auch hier voll auf seine Kosten kommen.
Ich persönlich vergebe einfach Mal ebenso subjektive wie diplomatische 5 von 10 Punkten.

Mittwoch, 13. Juni 2012

Peter Cushing und die hüpfenden Toten

Die 7 goldenen Vampire (The Legend Of The 7 Golden Vampires)
GB/HK 1974
R.: Roy Ward Baker/Chang Cheh

Worum geht's?: Das Heimatdorf des jungen Chinesen Hsi Ching (David Chiang) wird seit etlichen Zeiten von den 7 goldenen Vampiren und ihrem Herrn tyrannisiert und wortwörtlich ausgesaugt.
Der junge Mann bittet den berühmten Vampirjäger Van Helsing (Peter Cushing - wer sonst?), der sich zu Forschungszwecken in Asien aufhält, zu Hilfe, um das Dorf von seiner Geißel zu befreien. Hsi Chings Großvater hatte bereits vor Jahren einen der sieben goldenen Vampire getötet, woraufhin dessen Herr (Chan Shen) sich entzürnt direkt nach Transsylvanien (wohin sonst?) begab, um den Grafen Dracula (John Forbes-Robertson - jemanden anderes erwartet?) um Rat und Unterstützung zu bitten.
Doch Dracula sieht in dem Asiaten endlich seine Gelegenheit gekommen seiner Krypta, in die er verbannt wurde, zu entkommen und ergriff so von dessen Körper Besitz, um in China die goldenen Vampire an ihrer Meister statt zu kommandieren.
Unterstützt von Hsi Ching, dessen Brüder und Schwester; außerdem begleitet von seinem Sohn Leyland (Robin Stewart) und der reichen Abenteurerin Vanessa Buren (Juli Ege), dringt Van Helsing unwissend von Draculas Herrschaft immerweiter in Richtung des heimgesuchten Dorfs vor - um endlich den letzten Kampf gegen seine Nemesis zu schlagen.

Wie fand ich's?: In China hüpfen die Untoten, da es sich mit Leichenstarre so schwer laufen lässt. Das hat Tradition und ist in vielen weiteren Filmen zu begutachten (s. h. die 1985 begonnene Mr. Vampire-Reihe u.a.)
Auch in diesem Zusammentreffen der Produktionsfirmen Hammer Film und Shaw Brothers, wird dies angedeutet, jedoch leider nicht stringent durchgezogen. Schnüff.
Was hingegen stringent den Film durchzieht, sind nett choreografierte Martial-Arts-Szenen mit ordentlich Kunstblut (ja auch ein Markenzeichen des im Vorspann tragischer Weise nicht genannten Shaw-Bros.-Urgesteins Chang Cheh), sowie die Verwendung von Pappmascheemasken, welche fast schon an billige, italienische Zobiestreifen der 80er erinnern.
Wie ich bereits in meinem Review zu Vampire Circus (http://dieseltsamefilme.blogspot.de/2012/05/circus-der-vampire-vampire-circus-gb.html) anmerkte, zog in den Hammer Film Produktionen der 70er Jahre der Gore- und Sleazegehalt merklich an und natürlich waren die Filme der Shaw Bros. zu dieser Zeit auch schon lange nicht mehr als blutarm zu bezeichnen. So gibt es auch in The Legend Of The 7 Golden Vampires nackte Tatsachen und abgeschlagene Hände zu sehen, wobei seltsamer Weise (nicht nur dank Cushing) trotzdem das Feeling der klassischen Hammer Filme auch in asiatischen Settings erhalten bleibt.
John Forbes-Robertson ist nicht wirklich ein Ersatz für die (Star-)Präsenz eines Christopher Lees, doch hat er praktisch nur den Anfang und das Ende des Films zu bestreiten und fällt so eigentlich kaum ins Gewicht.
Peter Cushing dagegen, wirkt hier besonders ausgemergelt (ist ihm die allmorgendliche Frühlingsrolle nicht bekommen?), was seiner Rolle als stoischer Vampire-Hunter natürlich keinerlei Abbruch tut.
Was die asiatischen Darsteller angeht, so sollte zumindest David Chiang dem ein oder anderen Leser ein Begriff sein, der heute 64 Jährige war, neben ca. 100 weiteren Hong-Kong-Streifen, immerhin auch in solchen Knallern wie Die unschlagbaren Sieben aka. Seven Man Army (HK 1976 - ebenfalls Regie von Chang Cheh u. a.) und Last Hero - Once Upon A Time In China II (HK 1992 R.: Tsui Hark) dabei.


Fazit: Netter, saftiger Asia-Snack mit altbackenen, britischen Zutaten. Sehenswert!

Punktewertung: 7,25 von 10 Punkten