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Besprechungen übersehener, unterbewerteter oder obskurer Werke der Filmgeschichte!

Sonntag, 11. Mai 2014

Zur letzten Zugabe gab's noch mal Bewährtes...

Murder obsession (Follia omicida) aka. The Wailing aka. Delirium aka. Fear
I/F 1981
R.: Riccardo Freda


Worum geht's?: Michael, ein junger Schauspieler, kehrt zusammen mit seiner neuen Freundin Shirley (Martine Brochard) und einer Reihe von Freunden aus dem Filmgeschäft (darunter u. a. Laura Gemser) in das elterliche Herrenhaus zurück, in dem er seine Kindheit verbracht hat.
Hier soll er vor Jahren seinen Vater erstochen haben, nun lebt dort seine schöne Mutter (Anita Strindberg) und der sonderbare Hausdiener Oliver (John Richardson).
Bald kippt die ausgelassene Stimmung der Gruppe jedoch in eisige Furcht, wird doch das Grüppchen langsam und sukzessiv von einem Killer dahingemetzelt.
Ist Michael tatsächlich ein wahnsinniger Mörder und welche Bedeutung haben die grotesken Alpträume seiner schönen Freundin?
Die verstörenden Antworten auf diese Fragen warten in den kühlen, Spinnweb verhangenen Katakomben unter dem pittoresken Familiensitz...



Wie fand ich's?: Dies ist bereits der dritte Film von Riccardo Freda in diesem Blog (s. h. I Vampiri und Estratto dagli archivi segreti della polizia di una capitale europea). Es sollte der letzte Film sein, an dem der alte Meister von Anfang bis Ende beteiligt war; dreizehn Jahre später wurde er im Alter von immerhin 84 Jahren bei den Arbeiten zu La fille de d'Artagnan [F 1994 dt.: D'Artagnans Tochter] mal wieder nach nur wenigen Tagen während des Drehs gefeuert und Bertrand Tavernier stellte an seiner statt den Film fertig. Damit wiederholte sich zum Ende seiner Karriere noch einmal das alte Spiel, wegen dessen schon sein früherer Kameramann Mario Bava fünfundzwanzig Jahre zuvor zum Regisseur berufen worden war.
In Murder obsession findet man so auch gleichermaßen Elemente sowohl des Gothic Horrors, wie des Giallo, beides Genre in denen Freda ebenso wie Bava sehr erfolgreich gearbeitet hatten. War sein Schüler bereits 1980 verstorben, unterbrach Freda seinen eigentlich bereits 1972 gewählten Ruhestand nach guten acht Jahren für ein einträgliches Comeback. Tatsächlich kann man Murder obsession als ein Best Of aus Teilen seines früheren Schaffens betrachten. Da ist das alte Haus aus I Vampiri, L' orrible segreto del Dr. Hichcock (I 1962 int.: the Terror of Dr. Hichcock) und Lo spettro (I 1963 int.: The Ghost), da sind der Gore aus L'iguana dalla lingua di fuoco (I/F/BRD 1971 dt.: Die Bestie mit dem feurigen Atem) und die Satansanbeter aus Tragic Ceremony.
Giallo-Ikone Anita Strindberg gibt die seltsame Gräfin als MILF vom Dienst und ist lustigerweise in Realität nur läppische sieben Jahre älter als ihr Filmsohn Stefano Patrizi. Murder Obsession sollte ihr letzter Film werden, bevor sie sich vollkommen aus dem Filmgeschäft zurückzog.
Laura Gemser befand sich 1981 auf dem Höhepunkt ihrer Karriere (oder bereits einen Schritt darüber hinaus...) und war als Black Emanuelle zur internationalen Größe im Sexploitationfilm der 70er geworden, in Murder Obsession bietet sie angenehmes Eye-Candy für die männlichen Zuschauer.
Am Anfang seiner Karriere hingegen befand sich ein zur Zeit der Dreharbeiten 23-jähriger Sergio Stivaletti. Zusammen mit Angelo Mattei war der Newcomer unerwähnter Weise für die saftigen Gore-FX zuständig, konnte aber den alten Hasen Freda letztendlich nicht von seinem Wirken überzeugen, wovon er belustigt im Bonusmaterial zu der in Italien und den USA veröffentlichten DVD des Labels Raro Video erzählt. Trotzdem wurde Stivaletti schon bald zur italienischen Special-FX-Ikone und arbeitete in den folgenden Jahren und Jahrzehnten für solche Größen wie Dario Argento, Lamberto Bava, Sergio Martino oder Michele Soavi (er schuf u. a. die animatronischen Effekte für La setta), bevor er 1997 zum ersten Mal bei der gelungenen, ursprünglich für den schwer kranken Lucio Fulci vorgesehenen, Phantom-der-Oper-Variation M.D.C. - Maschera di cera (I/F 1997 dt.: Wax Mask) regieführte.
Zwei Jahre nach der Premiere von Stivalettis Regiedebüt verstarb Riccardo Freda, der zusammen mit seinem Spezi Mario Bava die ersten und vielleicht besten Horrorfilme im Italien der Nachkriegszeit schuf, im gesegneten Alter von neunzig Jahren kurz vor dem Millennium am 20. Dezember 1999 in Paris.


Fazit: Eine pralle Wundertüte mit allem, was den italienischen Genrefilm berühmt gemacht hat - rot fließt das Blut in schwarzen Gewitternächten.
 

Punktewertung: 7,5 von 8 Punkten

Murder Syndrome (1981) on IMDb

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