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Sonntag, 29. März 2015

Und Häuser ohne Hühnerbein...

Baba Yaga (Foltergarten der Sinnlichkeit 2)
I/F 1973
R.: Corrado Farina


Worum geht's?: Auf dem nächtlichen Heimweg nach einer Party trifft die junge Fotografin Valentina (Isabelle De Funès) scheinbar zufällig auf eine sonderbare Frau (Carroll Baker) in einem prunkvollen Rolls.
Die in schwarze Spitze gewandete, blässliche Dame stellt sich Valentina als Baba Yaga vor, ringt der schönen Künstlerin einen metallenen Strumpfhalter ab und entlässt diese in eine Nacht voll kurioser Albträume von bodenlosen Löchern und wortlosen Nazis.
Bei einem Besuch in Valentinas Heimstudio am nächsten Tag, versucht sich Baba Yaga Valentina erneut zu nähern und es gelingt ihr sogar aufgrund ihrer übernatürlichen Anziehungskraft in ihre düstere Behausung zu locken.
Bald danach findet sich Valentina als Mittelpunkt einer Reihe seltsamer Ereignisse wieder, welche auch mit einer verwünschten Kamera und einer kuriosen, in nietenbesetztes Leder gekleideten Porzellanpuppe zusammenzuhängen scheinen, die Valentina im Haus der Hexe erhalten hatte.
Zusammen mit ihrem Freund Arno (George Eastman), einem kernigen Regisseur, nimmt die junge Frau einen verzweifelten Kampf gegen die Zaubererin und ihr Netz aus Hexerei und Verführung auf.


Wie fand ich's?: Irgendwo zwischen dem mysteriös, meditativen Blowup (GB/I/USA 1966 R.: Michelangelo Antonioni dt.: Blow Up) und Harry Kümels schwülem Vampirdamenzauber Les lèvres rouges (B/F/BRD 1971 dt.: Blut an den Lippen) lässt sich Corrado Farinas kunstvolle Comicverfilmung Baba Yaga verorten.
Dies sollte Farinas zweite und bislang letzte Arbeit fürs Kino sein (die erste war 1971 die ebenfalls höchst sehenswerte, satirische Vampirallegorie Hanno cambiato faccia [dt.: Wettlauf gegen den Tod]), bevor der nette Herr ausschließlich fürs TV seiner italienischen Heimat tätig wurde.
Mit Baba Yaga wollte Farina die höchst erfolgreiche Comicreihe Valentina des Italieners Guido Crepax verfilmen. Crepax thematisierte in seiner einflussreichen Arbeit solche Tabus wie Sadomasochismus, Fetisch und Bisexualität und verband diese zudem mit einer traumartigen, psychodelischen Atmosphäre, welche gleichwohl von Sigmund Freund als auch von Albert Hofmann geprägt zu sein schien.
Mithilfe von schwarz-weißen Standbildern und eines rhythmischen Bildschnitts versuchte Farina in einigen Szenen das Gefühl von Comicpanels beim Zuschauer aufkommen zu lassen, was auch mitunter gelang, aber meines Erachtens nach leider nicht stringent genug durchgehalten wurde.
So schuf Farina einen kühlen, surrealen Erotikgrusler mit jeder Menge kurioser Ideen, der allerdings erst im letzten Drittel so richtig in Fahrt kommt und schneller vorbei ist, als man sich versieht.
Wer ein Faible für bizarres 70er-Jahre Ambiente besitzt und zudem ausgerechnet den stets etwas monströs wirkenden George Eastman (Mr. Anthropophagus himself) als sympathischen Liebhaber sehen möchte, wird hier fündig und wär hätte gedacht, dass die Nichte unseres aller Lieblingscholeriker Louis De Funès ein sexy Louise-Brooks-Lookalike abgeben könnte?
Carroll Baker hat ihren Status als Sexsymbol und Giallo-Ikone in langjähriger Arbeit auf jeden Fall erworben - zu Beginn ihrer Karriere in Giant (USA 1956 R.: George Stevens dt.: Giganten) an der Seite von Dean, Hudson und Taylor, später als Marilyn Monroe Surrogat angedacht, Oscar nominiert für Baby Doll (USA 1956 R.: Elia Kazan), als Verführerin in Ferreris L'harem (I/F 1967), dann in zahlreichen Gialli wie Lenzis Orgasmo (I 1969), Guerrieris Il dolce corpo di Deborah oder La última señora Anderson. Wie man sieht, ist Frau Baker bereits zuvor in diesem Blog erschienen, und ich habe so eine Ahnung, dass da in Zukunft noch was folgen mag...


Fazit: Stylish, anders und eigen - atmosphärisches Genrekino für schwül-regnerische Frühsommerabende.


Punktewertung: 7,75 von 10 Punkten

Baba Yaga (1973) on IMDb

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