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Besprechungen übersehener, unterbewerteter oder obskurer Werke der Filmgeschichte!

Samstag, 15. März 2014

Manche haben sich totgelacht...

Tutti defunti... tranne i morti (Neun Leichen hat die Woche)
I 1977
R.: Pupi Avati


Worum geht's?: Zur Beerdigung des Patriarchen trifft sich eine Gruppe Exzentriker im uralten Familiensitz. Mittendrin: der geschäftstüchtige Hausierer Dante (Carlo Delle Piane), der in der Gegend ein Buch über Legenden der ortsansässigen Familien verhökern möchte.
Komischerweise verguckt sich die junge Ilaria (Francesca Marciano) sofort in den kleinen Schnauzbartträger mit der krummen, gebrochenen Nase, der nun gezwungen wird, sich mit der lumpigen, adligen Bagage abzugeben, unter denen sich auch ein kleinwüchsiges Exwunderkind, ein debiler, krankhafter Mastubierer samt sexy Pflegekraft und ein texanischer Cowboy befinden.
Als sich plötzlich die Leichen neben Vati auf dem Totenbett stapeln, ruft man den abgebrühten Privatschnüffler Martini (Gianni Cavina) zur Hilfe.
Leider verfügen jedoch dessen zwei Deutsche Schäferhunde einzeln bereits über einen höheren IQ als ihr Herrchen und so fallen die illustren Gäste bald einer nach dem anderen dem Killer im schwarzen Cape zum Opfer.


Wie fand ich's?: Pupi Avati mag dem Freund italienischer Filmkost zunächst aufgrund seiner beiden Meisterstücke La casa dalle finestre che ridono (I 1976 dt.: Das Haus der lachenden Fenster) und Zeder (I 1983 dt.: Zeder - Denn Tote kehren wieder) ein Begriff sein.
Tutti defunti... tranne i morte sollte direkt nach dem Erstgenannten entstehen und anders als dessen düsteren und morbiden Ton eine leichtere, heiterere Note anschlagen. So wurde Tutti defunti... zu einer beschwingten Krimikomödie, welche natürlich auch in Ansätzen von den zur gleichen Zeit in Bella Italia sehr erfolgreich laufenden Erotikkomödien beeinflusst wurde. Das zeigt sich in einer ganzen Reihe von frivolen Witzen ebenso wie in der Figur des pathologischen Mastubierers Donald, dessen begehrenswerte Pflegerin seine Probleme nur verstärkt und der sein Ende durch eine bizarre, elektrisch betriebene Anti-Onanie-Maschine findet.
Eine weitere starke Anregung mag die starbesetzte US-Krimikomödie Murder by Death (USA 1976 R.: Robert Moore dt.: Eine Leiche zum Dessert) gewesen sein, welche fast eine Dekade später wohl auch die sich des Cluedo-Franchises bedienende, schöne Krimiposse Clue (USA 1985 R.: Jonathan Lynn dt.: Alle Mörder sind schon da) stark prägte. All diese Filme lassen sich hingegen wiederum auf Paul Lenis Stummfilmmeisterwerk The Cat and the Canary (USA 1927 dt.: Spuk im Schloss) zurückführen. In allen Filmen trifft eine bunte Gruppe von Personen in einem abgelegenen und bald isolierten Landhaus auf einen geheimnisvollen Bösewicht, der über Leichen geht.
Avati addiert zu diesen Elementen zusätzlich die Figur des schwarz gekleideten, vermummten Killers mit Cape und Schlapphut, wie man ihn aus zahlreichen Gialli kennt. Bedient sich dieser bei Bava und Konsorten zumeist einer Kollektion von Hieb- und Stichwaffen, gern auch mal eines Rasiermessers, so erweitert man hier das Arsenal um einen mit scharfer Munition geladenen Föhn, der einem wahrlich das ganze Haupt wegblasen kann!
Alles in allem also eine schöne Abwechslung für Fans des italienischen Krimis, wenngleich der Film hier und da leider auch einige Schwächen aufweist, einige Gags nicht zünden und die Laufzeit von über 100 Minuten schlicht zu lang ist. Zudem ist dies neben I vizi morbosi di una governante (I 1977 R.: Fillipo Walter Ratti int.: Crazy Desires of a Murderer) der zweite Giallo, den ich in letzter Zeit gesehen habe, der die Auflösung unnötigerweise praktisch bereits im Originaltitel trägt.


Fazit: Ein großer Spaß für alle Giallofans und Freunde deftiger Krimikomödien. Eine deutsche Veröffentlichung tut not!


Punktewertung: 7,25 von 10 Punkten

Tutti defunti... tranne i morti (1977) on IMDb

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