Egal ob Exploitation, Gialli, Horror oder Sci-Fi...
Von Grindhouse bis Arthouse...
Besprechungen übersehener, unterbewerteter oder obskurer Werke der Filmgeschichte!

Freitag, 6. Juli 2012

Menschenfresser in Betonschluchten

Asphalt-Kannibalen (Apocalypse domani)
I/E 1980
R.: Antonio Margheriti


Worum geht's?: Der Ex-Soldat Norman Hopper (John Saxon) hat zusammen mit zwei seiner früheren Kameraden nicht nur böse Erinnerungen, sondern auch einen seltenen Virus aus Vietnam mitgebracht.
Während seine ihm damals untergebenen Armeegenossen in der Psychiatrie gelandet sind, hat sich Hopper mit seiner Frau Jane (Elizabeth Turner) in einem typischen, amerikanischen Suburb niedergelassen.
Dort plagen ihn böse Albträume des Nachts und Fleischeslust des Tags, wobei man den Begriff so und so auslegen kann.
Nicht nur das frische, bluttriefende Fleisch im Kühlschrank zieht ihn an, nein, er geht auch mit der äußerst jungen Nichte der Nachbarin fremd!
Als einer seiner Kameraden aus der Klinik entlassen wird und in der Innenstadt prompt ein Blutbad anrichtet, sind die stillen Tage in der Vorstadt gezählt.
Bald befindet sich Hopper in den Abwasserkanälen auf der Flucht vor der Polizei und der Virus kann sich immer weiter ausbreiten...


Wie fand ich's?: Anders als der deutsche Titel uns glauben machen will, handelt es sich bei Apocalypse domani (der italienische Originaltitel erinnert eher an ein Endzeitszenario - was auch nicht wirklich zutrifft...) eher um einen von George A. Romeros Schaffen beeindruckten Zombiefilm und nicht um einen klassischen Kannibalenstreifen wie z. B. Umberto Lenzis Il Paese de sesso Selvaggio (I 1972 dt.: Mondo Cannibale).
Was den Film neben seiner virusinfizierten, nach Menschenfleisch hungernden Protagonisten in die Tradition von Streifen wie Dawn Of The Dead (USA 1978 dt.: Zombie) stellt, sind die gesellschaftskritischen Untertöne, ebenso wie die Konnotation, dass jeder Krieg den Menschen wie einen innewohnenden, schwelenden Virus verzehrt.
Dass Hauptdarsteller John Saxon den Film trotzdem hasste ist somit schwer nachzuvollziehen, dass der Film allerdings auf der berüchtigten Liste der britischen Video nasties  landete und in Groß-Britannien bis heute nicht ungeschnitten veröffentlicht wurde, ist aufgrund seines zeitgemäßen Gehalts an Blut und Gekröse weniger verwunderlich; aus heutiger Sicht ist der Film gegenüber anderen Veröffentlichungen, wie z. B. Lucio Fulcis ein Jahr nach Apocalypse domani erschienen, deftigen ...E tu vivrai nel terrore! L'aldilà (I 1981 dt.: Die Geisterstadt der Zombies), aber eher als etwas zahmer zu erachten.
Dabei stammen die Drehbücher zu beiden Werken vom gleichen Autor: Dardano Sacchetti. Dieser hat zu praktisch fast jedem zweiten berüchtigten Italo-Klassiker das Buch geschrieben, darunter Scripts für Maestros wie Dario Argento, Lucio Fulci, Sergio Martino sowie für Mario Bava und dessen Sohn Lamberto (so auch für dieses "Meisterwerk" von Bava, jr: http://dieseltsamefilme.blogspot.de/2012/07/sohnchen-wildert-im-action-dschungel.html).
Die ungewöhnlich jazzig ausgefallene, das Geschehen oftmals fast absurd kontrapunktierende Musik geht auf das Konto eines fast unbekannten Komponisten namens Alexander Blonksteiner, der scheinbar einfach in einigen angesagten, verrauchten Jazzklubs mehrere Platten entwendete, um diese dann bei Margheriti gegen Honorar abzuliefern - dies ist natürlich nur rein hypothetisch... Sein einziger anderer Beitrag als Komponist ist die Musik zu einem amerikanischen Sexploitationstreifen von 1975 mit dem schönen Titel The Erotic Adventures of Robinson Crusoe (R.: Ken Dixon dt.: Die Sex-Abenteuer des Robinson Crusoe), der es damit soeben auf die Must-See-Liste des Rezensenten geschafft hat - aus purem Masochismus.


Fazit: Wer die Klassiker eines George A. Romero mag oder neben seiner Pasta gerne mal ein blutiges Steak liegen hat, kann hier wenig falsch machen und einen im Genre etwas übergangenen Eintrag für sich entdecken.

Punktewertung: 7,5 von 10 Punkten

Im Untergrund des Big Apple

C.H.U.D. - Panik in Manhattan (C.H.U.D.)
USA 1984
R.: Douglas Cheek


Worum geht's?: Im Big Apple geht es nicht mit rechten Dingen zu. Immer mehr Obdachlose, welche ihre Heimat in den unterirdischen Teilen der Stadt gefunden haben, verschwinden spurlos oder werden von glotzäugigen, reptilienhaften Monstern furchtbar verletzt.
Auch die Ehefrau von Police-Captain Bosch (Christopher Curry) muss einer dieser Bestien zum Opfer gefallen sein und A. J. (Daniel Stern), dem Betreiber einer Suppenküche für Obdachlose, schwant nach dem Fund eines Geigerzählers und einem Teil einer Ganzkörperpanzerung in der Kanalisation Böses.
Zusammen stellen beide die Honorationen der Stadt und Vertreter der Industrie zur Rede, welche scheinbar nur bemüht sind, einen großen Skandal zu vertuschen - koste es, was es wolle.
Ein von Polizisten mit Flammenwerfern unterstütztes Kamerateam der Nuklearbehörde wird schnell von den Bestien übermannt und auch der Journalist Murphy (J. C. Quinn), der mit dem Fotografen Cooper (John Heard) in die Gänge unter der Stadt nach einer Ursache für die Vorkommnisse forscht, wird zu ihrem Futter erkoren.
Als Ultima Ratio soll ein Umleiten der Gasleitungen in das Kanalsystem dienen, um den verseuchten Wesen endgültig den Garaus zu machen.
Für alle Seiten beginnt ein verzweifelter Kampf ums Überleben, in dem auch noch korrupte Funktionäre eine besondere Rolle spielen...


Wie fand ich's?: C.H.U.D. wirkte auf mich wie der weniger distinguierte Vorgänger von Guillermo del Toros wunderbarem Monsterstreifen Mimic (USA 1997). In beiden Filmen dreht sich alles um im Untergrund von New York herangewachsenen Mutanten, welche nun ihre Nahrungskette auf den Menschen erweitern und dabei zuerst auf die sozial schwächsten Schichten der Großstadt treffen.
Wo del Toro mit einem großen Budget auch Großes vollbrachte, da kocht Douglas Cheek auf wesentlich kleinerer Flamme, macht jedoch das Beste aus seinen Möglichkeiten.
Die erste Hälfte des Films lebt aufgrund der Dialoglastigkeit in erster Linie von den guten Leistungen der Darsteller, von denen besonders der aus Mainstreamproduktionen wie Home Alone (USA 1990 dt.: Kevin - Allein zu Haus) und City Slickers (USA 1991 dt.: City Slickers - Die Großstadthelden) bekannte Daniel Stern durch seine große Spielfreudigkeit heraussticht. John Heard, der hier einen desillusionierten Fotografen spielt, war ebenfalls Home Alone zusehen und ist ein viel beschäftigter Schauspieler, der jedoch nie den Sprung zum großen Star geschafft hat.
Regisseur Douglas Cheek hingegen arbeitet in erster Linie im Bereich der Fernsehdokumentation und als Cutter, dies zuletzt bei einem Thriller namens Claustrophobia (USA 2011), wo man auch Christopher Curry in einer Hauptrolle wiedersehen kann, der ebenfalls in erster Linie fürs US-Fernsehn arbeitet.
Insgesamt bezieht C.H.U.D. also Cast & Crew eher aus der zweiten Reihe, doch ist diese Liga immer noch meilenweit entfernt von dem Personal anderer Trash-Produktionen, mit denen Cheeks Film aber zwei andere Probleme teilt.
Zum einen wäre da das unbefriedigende Ende des Films, welches wohl wiederum dem niedrigen Budget zuzuschreiben ist und den deutschen Videoverleih gar bewog eine Szene, in der ein Diner von den Monstern überfallen wird, aus der zweiten Hälfte des Films an das Ende zu schneiden, was den Film in meinen Augen tatsächlich aufwertet, wird doch in der eigentlichen Fassung, das Sterben der C.H.U.D.s nicht hinreichend gezeigt, um die Story hier hinreichend zu beenden.
Zum anderen pendelt die Qualität der Spezialeffekte ständig zwischen "solide" und "unfreiwillig komisch", Letzteres besonders, wenn sich arg wabbelnde Gummikrallen unter Gullideckeln hervorschieben.
Dies fällt noch etwas schwerer ins Gewicht, da die Story doch größtenteils ziemlich bierernst daherkommt, was für eine Genreproduktion dieser Zeit ebenso ungewöhnlich wie angenehm ist, allerdings wäre deshalb auch eine etwas düsterere Atmosphäre benötigt gewesen, was Cheek nicht wirklich gelingt.
So wirkt C.H.U.D. am Ende eher wie Sci-Fi-Action und weniger wie ein Horror-Film.


Fazit: Unterschätzter Gummimonster-Streifen mit dem Charme der 80er. Für Nostalgiker bestens geeignet.

Punktewertung: 6,75 von 10 Punkten

Dienstag, 3. Juli 2012

Söhnchen wildert im Action-Dschungel

The Blastfighter - Der Exekutor (Blastfighter)
I/F 1984
R.: Lamberto Bava


Worum geht's?: Nachdem er jahrelang für den Tod des Mörders seiner Frau hinter Gittern verbracht hat, zieht sich der toughe Excop "Tiger" Sharp (Michael Sopkiw), unfähig erneut an der Person zu rächen, die ihn hinter Gitter gebracht hatte, ins Grüne zurück.
Doch statt der erhofften Ruhe trifft er auf eine Reihe von rücksichtslosen Jugendlichen, welche reihenweise Wild niedermetzeln,um dies an einen Asiaten zu verscherbeln, der aus den noch zuckenden Kadavern Aphrodisiaka für seine Landsleute  herstellt.
Es stellt sich heraus, dass der Vater des blutrünstigsten Tierschlächters ein alter Freund von Sharp ist (George Eastman), der nun eine Holzmühle besitzt und das Treiben seines Sohnes und dessen Kumpane mit latentem Bedauern billigt.
Die ganze Angelegenheit spitzt sich weiter zu, als Sharp unvermutet Besuch von seiner Tochter Connie (Valentina Forte) erhält, welche nach dessen Abwesenheit im Knast nun endlich ihren Vater kennenlernen will.
Weitere Angriffe der aggressiven Dorfjugend folgen und nachdem es erste Tote gibt, befinden sich Vater und Tochter auf der Flucht vor einer ganzen Rotte von Wilderern.
Es kommt zu einem blutigen Showdown in den Wäldern, welcher von beiden Seiten tragische Opfer fordert.


Wie fand ich's?: Blastfighter ist kurz gesagt ein direktes Rip-Off des zwei Jahre zuvor erschienenen First Blood (USA 1982 R.: Ted Kotcheff dt.: Rambo), der ja bereits Elemente aus Deliverance (USA 1972 R.: John Boorman dt.: Beim Sterben ist jeder der Erste) bzw. dem Klassiker The Most Dangerous Game (USA 1932 R.: Ernest B. Schoedsack/Irving Pichel dt.: Graf Zaroff - Genie des Bösen) sehr erfolgreich aufgegriffen hatte.
Konnte man in First Blood noch einen Post-Vietnam-Subtext erkennen, so ist Lamberto Bavas Film nur noch ein solide inszenierter Actionfilm, der allerdings gut zu unterhalten weiß und ursprünglich als Regiearbeit für Lucio Fulci vorgesehen war, welcher sich aber lieber I guerrieri dell'anno 2072 (I 1984 dt.: Die Schlacht der Centurions) zuwandte.
Lamberto Bava ist der Sohn des großen Maestros Mario Bava (1914 - 1980), der uns zahlreiche Klassiker bescherrte (s. h. http://dieseltsamefilme.blogspot.de/2012/05/girl-who-knew-too-much-la-ragazza-che.html) und dessen Sohn leider nicht wirklich sein Talent erbte.
Wo Vater Mario zumeist ein innovativer Filmmagier war, da ist sein Sohn nur mehr ein mitunter gewissenhafter Handwerker, dessen Werke qualitativ recht unterschiedlich daher kommen und praktisch nur für eine schnelle, kommerzielle Auswertung produziert werden.
Dass Blastfighter dabei etwas aus dem sonstigen Schaffen Bavas herausragt, liegt an den sorgfältig ausgewählten Locations und den recht gut agierenden Schauspielern, darunter vor allem Michael Sopkiw, der sich nach nur vier Filmen (alle im Italo-Exploitationgenre, s. a. ) aus dem Filmgeschäft zurückzog um sich nach einem Studium mit seiner Firma Miron Glass in den USA selbstständig zu machen, welche Glasflaschen für pflanzliche Medikamente vertreibt.
Sopkiw wirkt hier ein wenig wie ein Mix aus Chuck Norris und Franco Nero (wenn so was vorstellbar ist...) und Bava schafft es mit seiner Hilfe sogar, die Nebenhandlung der rührigen Vater- und Tochterzusammenführung ohne zu viel Kitsch und Pathos einzufügen. Ausserdem ergänzt er sich fabelhaft mit Co-Star George Eastman, mit dem Sopkiw bereits hier: http://dieseltsamefilme.blogspot.de/2012/07/weltuntergang-jetzt.html zusammenarbeitete.
Die Action ist ebenso gut wie der Rest inszeniert und wartet mit einigen (wenn auch wenigen) Oho-Momenten auf und kommt teilweise alles andere als blutarm daher, was auch an Sharps Hightech-Schrotflinte bzw. -Granatwerfer liegt, welche vermutlich der feuchte Traum jedes Waffennarren ist.
Die Schlusseinstellung auf der Hauptstraße ist in ihrer zynischen Konsequenz noch sehr erwähnenswert, soll hier jedoch wie immer nicht verraten werden.


Fazit: Recht rüde, aber gut geklaut - für Fans von deftiger 80er Jahre Action ein Geheimtipp!

Punktewertung: 6,75 von 10 Punkten

Montag, 2. Juli 2012

Weltuntergang jetzt!

Fireflash - Der Tag nach dem Ende (2019 - Dopo la caduta die New York)
I/F 1983
R.: Sergio Martino

 
Worum geht's?: Nach einem Nuklearkrieg mit den despotischen Eurakern ist Amerika ein radioaktiv verseuchtes Trümmerfeld.
Die letzten Überbleibsel der Pan-Amerikanischen-Konföderation haben sich heimlich nach Alaska abgesetzt und planen eine neue Zivilisation im Weltraum zu gründen.
Dazu würde man jedoch eine gebärfähige Frau brauchen, welche nach dem Fallout jedoch praktisch absolute Mangelware geworden ist.
Dennoch schickt man auf ein Gerücht hin den schneidigen Abenteurer Flash (Michael Sopkiw) zusammen mit zwei Begleitern (Rumano Puppo und Paolo Maria Scalondro) in den nur noch aus Ruinen bestehenden Big Apple.
Dort treffen sie auf rattenfressende Freaks mit eitriger Killerakne, einer Horde im Untergrund lebender Kleinwüchsiger und die schönen Giara (Valentine Monnier), die sich aufgrund mangelnder Optionen kurzerhand dem Team anschließt.
Nach kurzer Gefangenschaft im Hauptquartier der Euraker stoßen unsere Helden in einem Theater auf Big Ape (George Eastman) und seine Mannen, eine Gruppe von Mutanten, welche sich scheinbar zurück zum Affen entwickeln.
Zusammen findet man letztendlich einen toten Forscher, der seine junge Tochter in einem künstlichen Winterschlaf hält, um sie so vor der Verstrahlung zu schützen (was jetzt nicht sooo logisch ist...)
Die Flucht in einem mit Metallplatten selbst gepanzertem Kombi gestaltet sich aufgrund der schwer bewaffneten Eurakertruppen etwas difizil und ein Verräter muss auch noch überwältigt werden, doch dann steht der Reise zu neuen Welten nichts mehr im Wege...


Wie fand ich's?: Dass das gesamte internationale Exploitationkino praktisch nur aus Plagiaten und preisgünstigen Rip-Offs besteht, ist kein Geheimnis und auch hier wurde bei allem geklaut, was an den Kinokassen bereits Bares eingefahren hatte.
Einen solch gewaltigen Kassenschlager wie Mad Max 2 (AUS 1981 R.: George Miller) findet man somit genauso unter den Vorbildern, wie, sogar noch wesentlich zentraler, John Carpenters zwei Jahre zuvor gedrehter Hit Escape from New York (USA 1981 dt.: Die Klapperschlange).
Selbst der gerade eben noch in den Kinos anwesende Blade Runner (USA 1982 R.: Ridley Scott) wird durch die Verwendung des Begriffs Replikant zeitnah "zitiert".
Wenn Italo-Ikone George Eastman (der unter seinem bürgerlichen Namen Luigi Montefiori auch zahlreiche Drehbücher verfasst hat) dann mit einer Horde Primaten um die Ecke kommt, lässt auch noch der Planet der Affen (USA 1968 R.: Franklyn J. Schaffner, Originaltitel: Planet of the Apes) schön grüßen.
Dass sich der Film jedoch trotz (oder gerade wegen) aller geklauter Puzzlestücke zu einem unterhaltsamen Ganzen zusammenfügt, ist sicherlich Sergio Martino zuzurechnen, der in praktisch jedem Genre gearbeitet hat und dem es fast immer gelang, aus wenig Budget ein sehenswertes Ergebnis zusammenzuschustern.
Sicher, die Miniaturaufnahmen sind klar als solche ersichtlich und man hätte sich vielleicht auch hie und da gute zehn Minuten insgesamt sparen können, aber solche "Highlights" wie das Ausstechen von Augen mithilfe einer als Handprotese dienenden Zange oder die Flucht durch Minenfelder und Sperrfeuer in einem PKW der späten 70er machen solche Mängel am Ende wett.


Fazit: Unterhaltsamer Italo-Endzeit-Trash mit solidem Goregehalt und abstrusen Einfällen.

Punktewertung: 6,5 von 10 Punkten

Montag, 25. Juni 2012

Fun & More im Styropordekor

Dracula und seine Opfer (Blood of Dracula's Castle)
USA 1969
R.: Al Adamson/Jean Hewitt

Worum geht's?: Graf Dracula (Alexander D'Arcy) unterhält mit seiner Angetrauten (Paula Raymond) seit 60 Jahren ein als Hotel fungierendes Schloss im sonnigen Kalifornien. Sein Diener George (John Carradine) und ein entstellter Hüne namens Mango (Ray Young), dessen Name Rückschlüsse auf seinen IQ zulässt, entführen für die beiden Erzvampire junge Frauen, welche zur ständigen Blutabnahme im rattenverseuchten Keller angekettet herumhängen.
Um die Effizienz dieser Aktionen zukünftig zu steigern, bedarf es jedoch weiteren Fachpersonals und so sorgt der Graf, welcher unter dem wohlklingenden Namen Townsend firmiert, für den Anstaltsausbruch des sadistischen Johnny (Robert Dix), der vielleicht ein Werwolf ist, möglicherweise aber auch nur wie jeder Andere, bei Vollmond gänzlich am Rad dreht.
Nach dem Tod ihres Verpächters kommt jedoch dessen Neffe Glen (Gene Otis Shayne) mitsamt seiner bezaubernde Freundin Liz (Jennifer Bishop) ins Biotop der Blutsauger und Psychopathen, um die Townsends nun wieder auf die Straße zu setzen und fort an selbst im Traumschloss zu wohnen.
Ganz der gewiefte Geschäftsmann bietet Dracula dem Pärchen zunächst ein stattliches Sümmchen für den Wohnsitz an, als die Verhandlungen jedoch nach wenigen Minuten bereits scheitern, greift das Ehepaar Townsend einfach auf die Erfahrung ihrer Angestellten im Umgang mit lästigen Personen zurück - gelernt ist gelernt.
Bei einem Feueropfer zu Ehren des Gottes Luna, läuft dann aber leider fast alles schief und mithilfe eines gut gefüllten Benzinkanisters und einer, ja praktischerweise in Kalifornien überall herumliegender Axt, wird letztendlich sogar der mächtige Mango flambiert.

Wie fand ich's?: Selten habe ich einen so sonnengebräunten Grafen Dracula gesehen, wie den öligen Alex D'Arcy - gut, George Hamilton in Love At First Bite (USA 1979 R.: Stan Dragoti dt.: Liebe auf den ersten Biss) kommt mir doch noch in den Sinn.
Auch Paula Raymond scheint eher einer Folge vom Denver Clan oder Falcon Crest entsprungen zu sein, als bei Tageslicht in einem Erdmöbel zu nächtigen und tatsächlich war für ihre Rolle der Gräfin ursprünglich Jayne Mansfield vorgesehen, welche jedoch vor Drehbeginn bei einem Autounfall ums Leben kam.
Urvieh John Carradine hingegen macht einfach "business as usual" und liefert wie immer eine solide Darbietung.
Wesentlich bemerkenswerter ist da Robert Dix als Johnny, dessen Grinsen jedem Hobbysadisten gut zu Gesicht stehen würde. Überhaupt ist der Trick einen Charakter in einem Horrorfilm nur mehrfach andeuten zu lassen, er könnte ein echter Werwolf sein, dann jedoch letztendlich auf eine teure Transformationsszene zu verzichten und die Kosten für die Special-FX zu sparen, nie so gut vollzogen worden wie hier.
Apropos Sparen: gedreht wurde das Ganze Ding äußerst ökonomisch von US-Trashpapst Al Adamson (und einer Person namens Jean Hewitt, zu der ich jedoch keinerlei Informationen bieten kann), der 1995 das Mordopfer eines Fliesenlegers wurde. Adamson ist der Schöpfer solcher Kultfilme wie z. B. Dracula Vs. Frankenstein (USA 1971 dt.: Draculas Bluthochzeit mit Frankenstein), welche ihr Publikum entweder zu manischen Lachsalven oder schweren Gehirnschäden (manchmal sogar zu beidem) verleiten.
Ich muss hier gestehen, dass ich seit längerer Zeit nicht mehr so viel Spaß an einem Schundfilm der untersten Schublade hatte, wie bei Blood Of Dracula's Castle. Das Drehbuch mixt so viel Irrsinn zu einem unterhaltsamen, bunten Brei zusammen, dass die Laufzeit von 84 Minuten im Flug vergeht. Der ganze Film erinnert mithin eher an eine garstige, aus Gründen des Jugendschutzes unterschlagene Folge der Munsters, die von Anfang an ihrer ganz eigenen Logik folgt.

Fazit: Spaß für die (fast) ganze Familie!

Punktewertung: 6 von 10 Punkten bei voll ausschlagender Schundskala!

Sonntag, 24. Juni 2012

Das Golden Girl vom Zuckerhut

Die sieben Männer der Sumuru (The Girl From Rio)
BRD/E/USA 1969
R.: Jess Franco


Worum geht's?: Jeff Sutton (Richard Wyler) landet in Rio und gibt vor 10 Mio. Dollar aus einem Bankraub mit sich herumzutragen. Dies zieht sowohl die Aufmerksamkeit des lokalen Gangsterbosses Masius (George Sanders), wie auch die Sumitras (Shirley Eaton), der Führerin einer Sekte von militanten Frauen auf ihn.
Als Sutton mithilfe einer Agentin Sumitras (welche, wie der deutsche Titel andeutet in anderen Schnittfassungen Sumuru heißt) namens Leslye (Maria Rohm), nach Femina, dem Reich der Männerhasserinnen entführt wird, kommt jedoch Suttons wahrer Plan ans Licht: das Geld war als Köder gedacht, um in Rio die ebenfalls entführte Ulla (Marta Reves) ausfindig zu machen.
Diese befindet sich mit weiteren Opfern Sumitras in Glaszellen und wird durch Drogendämpfe sowohl gefügig gemacht wie langsam dahingerafft.
Doch Sutton und Ulla gelingt trotz der, bis an die weißen Zähne bewaffneten, Amazonen-Armee Sumitras die Flucht mit einer Passagiermaschine aus dem Betonpalast.
Nun stehen die beiden zwischen den Interessen des mächtigen Masius, der sich schon lange Sumitras legendären Goldschatz unter den Nagel reißen will und Sumitra, die nun Rache für Suttons gelungene Flucht nehmen möchte.
Ein unglaublicher Kampf entbrennt, als alle im Palast zusammentreffen, während dieser von Masius Helikoptern mit Giftgas angegriffen wird.


Wie fand ich's?: Ja, der große Schlusskampf ist wirklich unglaublich, fällt doch die gleiche junge Frau gleich mehrfach tot um, während zwei Helikopter ständig das gleiche Gebäude überfliegen. Gefilmt wird das Ganze aus immer neuen Schusswinkeln, was zumindest dem Kameramann Abwechslung im Job bescherte.
Auch die selbst gemachte, handbestickte SS-Uniform von Francos Ensemble-Darstellerin Elisa Montéz ist sehenswert, ebenso wie ein ständig absolut gelangweilt wirkender Herbert Fleischmann (bekannt aus Folgen der TV-Serien Derrick, Der Alte, Tatort etc., sowie Jürgen Rolands tollem Euro-Crime-Knaller Zinksärge für die Goldjungs [BRD 1973]), der zumindest den Gratisurlaub genossen haben muss.
Produziert wurde Francos Film mal wieder von Harry Alan Towers, dessen Gattin Maria Rohm somit erneut eine größere Nebenrolle sicher hatte und der schon den Vorgängerfilm The Million Eyes Of Sumuru (GB 1967 R.: Lindsay Shonteff dt.: Sumuru - Die Tochter des Satans) mit ebenfalls Shirley Eaton in der Titelrolle realisiert hatte.
Beide Filme basieren auf Sax Rohmers Sumuru-Charakter, welcher das weibliche Äquivalent zu dem von ihm geschaffenen Dr. Fu Manchu ist, der in der Gestalt Christopher Lees wiederum auch in zwei Filmen Jess Francos sein Unwesen treiben durfte, natürlich produziert von Harry Allan Towers und mit dessen Ehefrau in leicht bekleideten Nebenrollen.
Shirley Eaton hatte 1964 durch ihre Rolle als vergoldetes Opfer Jill Masterson im Bond-Klassiker Goldfinger (GB 1964 R.: Guy Hamilton) Berühmtheit erlangt und widmete sich nach dem hier besprochenem The Girl From Rio nur noch ihrer Familie. Ein Entschluss, der nach Sichtung des Werks nur noch um einiges verständlicher wird. Da sie jedoch unter Franco bereits ein Jahr zuvor im oben erwähnten The Blood Of Fu Manchu (BRD/GB/E/USA 1968) mitgewirkt hatte, hätte sie ahnen können, dass dieser Opus nicht unbedingt als krönender Abschluss einer Karriere angesehen werden könnte.
Insgesamt muss man feststellen, dass Fans des Regisseurs bessere bzw. unterhaltsamere Filme sehen könnten (Trashgranaten wie Die Säge des Todes [BRD/E 1981], die beiden besseren Fu Manchu Streifen oder tatsächlich Atmosphärisches wie El Conde Drácula [BRD/GB/I/E 1970 dt.: Nachts, wenn Dracula erwacht] und Faceless [E/F 1982] böten sich u. a. an) und The Girl From Rio leider im Ouevre des Meisters (hüstel...) äußerst vernachlässigbar ist. Weder Gore- noch Sleazegehalt sind bemerkenswert und auch die Besetzung mag höchstens Shirley Eaton Fans locken, welchen ich eher Ten Little Indians (GB 1965 R.: George Pollock dt.: Geheimnis im Schloss) empfehlen würde.
Wie bereits erwähnt, gibt es von diesem Film, wie bei Jess Franco üblich, mehrere Schnittfassungen. Mein Review bezieht sich auf den längeren US-Cut, der von Blue Underground vertrieben wird.


Fazit: Für Masochisten, Komplettisten, verirrte Franquisten, sowie francophilen Fetischisten!

Punktewertung: 3 von 10 Punkten

Samstag, 23. Juni 2012

Segeltörn in den Schlaf

Blood Moon (Moon In Scorpio)
USA 1987
R.: Gary Graver

 
Worum geht's?: Ein Wahnsinniger sticht bei seiner Flucht aus der Anstalt zwei Personen nieder.
Zwei Wochen später: Linda (Britt Eckland) und Allan (John Phillip Law) verbringen ihre Flitterwochen auf einem Segelboot; sehr zu Lindas Unbehagen befinden sich während des geplanten Trips nach Acapulco auch zwei Ex-Vietnamkameraden (William Smith und Lewis Van Bergen) und deren Freundinnen (Jillian Kesner sowie April Wayne) an Bord.
Der unter einem schweren Kriegstrauma leidende Allan dreht schon auf der Hinfahrt ziemlich am Rad, die Freundinnen der Kameraden entpuppen sich als Nervtöter und eine von ihnen plappert ständig vom "Mond im Haus des Skorpions", was wohl keine gute Zeit für eine nette, ruhige Segelpartie bedeutet.
Als plötzlich ein Passagier nach dem anderen das Zeitliche segnet, wird auch dem Dümmsten klar, dass man die Flitterwochen besser in Disneyland hätte verbringen sollen...


Wie fand ich's?: Also die Cover der VHS-Veröffentlichungen sind hübsch - Geisterschiff mit Skorpionschatten, toll gemacht.
Doch kommen wir direkt zum Punkt: dies ist einer der schlechtesten Slasher, die je das Licht der Projektoren erblickt haben.
Regisseur Graver hat mit Orson Welles gedreht. Wer hat das andererseits nicht? Selbst Jess Franco kann das mit Fug und Recht behaupten.
Doch neben Kunst mit Welles holte Graver die Kamera auch mehrfach für Fred Olen Ray (der bei Moon In Scorpio als Co-Producer fungierte) raus und führte, oft unter dem Pseudonym Robert McCallum, bei mehr als hundert Pornofilmen Regie.
Wie man preisgünstig einen No-Budget-Movie stemmt, muss Graver also aus dem Eff-Eff beherrscht haben, doch wenn man sich Moon In Scorpio so anschaut, kann man ihm sämtliche anderen Fähigkeiten direkt absprechen.
Die dämliche 08/15-Story wird durch ständige Vor- und Rückblenden so unnötig kompliziert erzählt, dass man fast Kopfschmerzen bekommt. Eckland und Law spielen ihre Rollen auf Autopilot geschaltet, mehr als gequält gucken müssen beide eh' nicht. Allgemein herrscht hier die Ästhetik von miesen 80er-Jahre US-Hardcore-Videoproduktionen vor, inklusive dem unvermeidbaren Mikrofon im Bild.
Praktisch die gesamte und mit einer lächerlichen, schlecht ausgestatteten Vietnamkrieg-Rückblende unterfütterte Nebenhandlung vom Kriegstrauma der drei Kameraden, stellt sich am Schluss als völlig unnötige Finte heraus; warum man zudem seine Flitterwochen mit Leuten (die man zum Teil auch nicht ausstehen kann und ständig psychisch mit erlebten Kriegsgräueln verbindet) auf einem kleinen Segelschiff verbringen will, hat sich mir nicht erschlossen.
Auch wird schon zu Beginn des Filmes Britt Eckland als Final-Girl präsentiert, so das auch bei der Frage, wer zuletzt das Schiff lebend verlassen konnte, keine Spannung entstehen kann.
Auf der offiziellen Webseite (http://www.garygraver.com/) des 2006 verstorbenen Gary Graver, wird seine Karriere im Porn-Biz komplett verschwiegen, dafür spricht man bei Moon In Scorpio von einem Thriller mit übernatürlichen Motiven (auch ein Vampir wird erwähnt...) und davon, dass der Film vor seiner Direct-to-video-Auswertung mehrfach umgeschnitten wurde.
Inwieweit umschneidefreudige Produzenten am Wrack des Films schuldig sind, kann man heute nur mehr vermuten, ich mutmaße aber, dass dieser Film nie einen beissfreudigen Vampir enthielt und sich das Übernatürliche, auf den auf der Webseite ebenfalls beschriebenen, kommerziellen Erfolg dieser Stümperei bezieht.


Fazit: Es gibt schlechte Filme und es gibt schlechte Filme - dieser ist einfach nur grottenschlecht!

Punktewertung: 1,75 von 10 Punkten