Egal ob Exploitation, Gialli, Horror oder Sci-Fi...
Von Grindhouse bis Arthouse...
Besprechungen übersehener, unterbewerteter oder obskurer Werke der Filmgeschichte!

Freitag, 17. August 2012

Operation "Schnell Absahnen"

Operation "Kleiner Bruder" (OK Connery)
I 1967
R.: Alberto de Martino

Worum geht's?: Die internationale Verbrecherorganisation THANATOS unter der Leitung des teuflischen "Alpha" (Anthony Dawson) greift nach der Weltherrschaft.
Sie haben eine Maschine entwickelt, die durch einen elektromagnetischen Impuls alle Technik sofort lahmlegt.
Ein weiteres Detail dieser Operation bedarf der Herstellung von Teppichen aus radioaktiven Material, die der mondäne Bösewicht Mr. Thai (Adolfo Celi), oder einfach "Beta", von einer Horde Blinder in Marokko fertigen lässt.
Da der Top-Spion Ihrer Majestät mit der Doppelnull im Moment nicht zur Verfügung steht und soeben ein Mitarbeiter des britischen Geheimdienstes bei einem von "Beta" herbeigeführten Flugzeugunglück ums Leben gekommen ist, ergreifen Commander Cunningham (Bernard Lee) und seine Assistentin Miss Maxwell (Lois Maxwell) eine ungewöhnliche Maßnahme: sie engagieren einfach den Zwillingsbruder ihres besten Mannes - Dr. Neil Connery (Neil Connery)!
Dieser ist Chirurg, Hypnotiseur, Karatekämpfer, geübter Lippenleser und Hobby-Bogenschütze und damit ja wohl mehr als offensichtlich geeignet für den Job.
Der Kampf gegen THANATOS führt den guten Doktor von Monaco nach Malaga, von dort nach Marokko und zum Finale direkt ins schöne Bayern.
Doch die Verbrecherorganisation hat noch ein As im Ärmel: die schöne Maya (Daniela Bianchi). Und ein Connery kann einfach einer schönen Frau nicht widerstehen...

Wie fand ich's?: Neil Connery spielt Neil Connery, den Bruder des besten Agenten seiner Zeit, dessen Name offensichtlich Sean Connery lautet und nicht, wie manche angenommen haben, James Bond...
Man umgeht die Nennung des urheberrechtlich geschützten Namens äußerst geflissentlich, was nicht heißt, dass man ansonsten nicht alle Möglichkeiten ausnutzt, um dem Zuschauer klar zu machen, worum es sich hier handelt.
Dazu verpflichtet man neben Connerys kleinem Bruder eben erst mal so viele Darsteller aus Bond-Filmen, wie man bekommen kann.
Man kann wohl mit Recht davon ausgehen, dass die Gagen von Bernard Lee (der in der offiziellen Reihe elfmal Bonds Chef "M" spielte) und Lois Maxwell (Miss Moneypenny in nicht weniger als vierzehn Bond-Filmen) genug der Verlockung waren, um beide für dieses Projekt zu gewinnen; zumal Sean Connery wenig angetan davon gewesen sein soll, die beiden beim "Mitausbeuten" seines Bruders zu sehen.
Weiterhin konnte man Daniela Bianchi (Tatiana Romanova aus From Russia with Love [UK 1963 R.: Terence Young dt.: Liebesgrüße aus Moskau]) und Adolfo Celi gewinnen, wobei Letzterer in Thunderball (UK 1965 dt.: Terence Young dt.: Feuerball) einen eher blassen Bond-Bösewicht gab und dem es in OK Connery tatsächlich gelingt, seine ursprüngliche Performance durch verstärktes Overacting noch zu verbessern und neben der Präsenz eines Anthony Dawson, der auch schon im Ur-Bond Dr. No (UK 1962 R.: Terence Young) und dessen Nachfolger From Russia with Love dabei war, behaupten kann.
Auch Lois Maxwell sieht man teilweise eine gewisse Spielfreude an, darf sie doch hier ordentlich Sperrfeuer aus einer Maschinenpistole geben, während Soldaten mit Flammenwerfern um sie herum fröhlich Palmen abfackeln.
Der Score an dem Ennio Morricone mit seinem Kollegen und Stammdirigigenten Bruno Nicolai zusammenarbeitete, erinnert zeitweise so stark an John Barrys Kompositionen, dass der Geruch des Plagiats auch auf musikalischer Ebene geradezu schwer durch den Film weht.
Auch Regisseur Alberto de Martino (s. a. http://dieseltsamefilme.blogspot.de/2012/06/kein-schwein-ruft-mich.html) gelingt es überraschend gut den Stil eines Terence Young nachzuempfinden und das ihm anvertraute Budget sinnvoll einzusetzen. Die Sets wirken nur wenig preiswerter als bei einer regulären Bondproduktion dieser Zeit und die Locations in Monaco, Spanien und Nordafrika sind gut ausgewählt worden.
Was hingegen dem Film nicht nur bei der seriösen Filmkritik den Gnadenschuss gibt, ist das unglaublich dahingeschusterte Drehbuch, welches zwar fast alle Bond-Klischees schön abklappert, aber diese fast stetig zu toppen versucht, dabei selbst die ungezügelte Erfindungskunst der Autoren der Originalreihe in den Schatten stellt und damit in ihrer Wirkung schon eher mit der im gleichen Jahr entstandenen, ebenfalls inhaltlich viel zu überfrachteter Bond-Parodie Casino Royale (UK/USA 1967 R.: Val Guest u.a.) zu vergleichen ist.
Eine Idee wie die der radioaktiven Bettvorleger, würde halt in jedem Film etwas strange wirken...
Neil Connery hingegen macht seine Sache besser als erwartet - soll heißen: er stört nicht. Als direkt von der Straße weg unter Vertrag genommener Ex-Stuckateur ohne jegliche Schauspielerfahrung (vielleicht war er allerdings ja der zweite Baum von rechts in der Weihnachtsaufführung seines Kindergartens in Edinburgh...), konnte man auch nicht allzu viel von dem Guten verlangen; mit seinem Bart und seinen hypnotischen Kräften erinnerte er mich aber stark an einen jungen Vincent Price...

Fazit: Für echte Bond-Fans unentbehrlich - allen anderen Freunden italienischer (Trash-)Feinkost sei an dieser Stelle aber auch eine klare Sehempfehlung gegeben.

Punktewertung: 6,75 von 10 Punkten

Mittwoch, 15. August 2012

Motorwagen mit seltsamen Namen

Black Moon (Black Moon Rising)
USA 1986
R.: Harley Cokeliss

Worum geht's?: Quint (Tommy Lee Jones) ist ein freiberuflicher Dieb im Dienste der Regierung.
Nachdem er dem Mob eine Datenkassette mit belastendem Material geklaut hat, muss er, verfolgt von einem "Kollegen", das heiße Gut schnell loswerden und versteckt es ausgerechnet im experimentellen Raketenauto "Black Moon", welches gerade von seinen Entwicklern zu einer Verkaufsvorführung gebracht wird.
Unauffällig folgt Quint dem Flitzer zu einem Hotel, in dem er auch auf die fesche Nina (Linda Hamilton) trifft, welche in der Bar rumhängt und sich den Annäherungsversuchen eines anderen Gastes ausgesetzt sieht.
Was weder Quint, noch der extrem aufdringliche Typ ahnen: Nina ist ebenfalls eine professionelle Diebin.
Im Auftrag des schwerreichen Ed Ryland (Robert Vaughn) stielt die Dame mit ihrem Team mal ganz nebenbei alle Luxuskarossen vom Hof und nimmt bei dieser Gelegenheit auch Black Moon mit.
Da Quint eh schon unter Druck steht - ihm sitzt der bullige Beamte Johnson (Bubba Smith) im Auftrag der Bundesbehörde im Nacken, welcher ihm bereits ein 72-Stunden-Ultimatum gesetzt hat - muss nun um so schneller gehandelt werden.
Zusammen mit den verzweifelten Autobastlern entsteht der wahnwitzige Plan, in Rylands streng bewachten Hochhauskomplex einzudringen und Black Moon einfach zurück zu stehlen.
Unterstützung bekommen die Herren zusätzlich von Nina, welche sich zuvor mit dem rücksichtslosen Ryland überworfen hat und auf Rache sinnt...

Wie fand ich's?: Es gibt Schauspieler, die scheinen sich Zeit ihrer Karriere nie wesentlich verändert zu haben.
Mir fallen als Exempel direkt mal Charles Bronson, Lee Marvin und John Wayne und eben Tommy Lee Jones ein.
Und nebenbei bemerkt: auch Regielegende John Carpenter hat sich nie sonderlich verändert, sondern sah eigentlich immer wie ein Schwippschwager des Cryptkeepers aus...
Apropos Carpenter - der hat tatsächlich Story und Drehbuch zu Black Moon Rising beigetragen und man muss dann auch direkt sagen: neben Halloween II (USA 1981) von Rick Rosenthal ist Black Moon der beste Carpenter, bei dem der Meister nicht selbst Regie geführt hat.
Sicher, mit Meisterwerken wie  Assault on Precinct 13 (USA 1976 dt.: Das Ende), Halloween (USA 1978) oder Escape from New York (USA 19 dt.: Die Klapperschlange) kann der schwarze Mond sicherlich nicht mithalten, Spaß macht er aber trotzdem eine ganze Menge.
Das liegt sowohl an Carpenters Script wie auch an Harley Cokeliss solider Inszenierung, die zudem wie nix Gutes den Charme der 80er (mitsamt Frisuren, Klamotten und dem aufkommenden Technikwahn) verströmt.
Ich habe mich immer gefragt, ob es tatsächlich Männer (oder Frauen...) gibt, die Linda Hamilton als attraktiv bezeichnen würden - nachdem man sie mit einem regelrechten Wischmob an Haaren auf dem Haupt am Anfang dieses Filmes betrachtet hat, mag ich dies eben mehr in Abrede stellen...
Neben Frau Hamiltons Frisur fällt außerdem etwas negativ auf, dass ein nach einem Wunderwagen betitelter Film, eben jenes Gefährt relativ selten in Aktion zeigt, soll heißen: eine weitere Szene zusätzlich zu der Verfolgungsjagd zum Ende des Streifens hätte in meinen Augen den Film weiter aufgewertet, stattdessen gibt's eine Schlägerei mit Rasiermesser - was ja auch nicht per se schlecht ist...

Fazit: Sehr unterhaltsamer 80er Hochglanzactioner ohne Substanz, dafür mit Wasserstoffantrieb!

Punktewertung: 7,25 von 10 Punkten

Montag, 13. August 2012

Was sind denn das für Geschichten?

Die Handschrift von Saragossa (Rekopis znaleziony w Saragossie)
PL 1965
R.: Wojciech Has

Worum geht's?: Die Napoleonischen Kriege. Ein Soldat findet auf der Flucht vor gegnerischen Truppen in einem Haus ein seltsames, dickes Buch mit wunderschönen Zeichnungen, welche ihn so in Besitz nehmen, dass er auch nicht von ihnen ablassen will, als feindlichen Soldaten ihn gefangen nehmen wollen.
Der Anführer des gegnerischen Trupps beginnt ebenfalls in der Handschrift zu lesen und muss erkennen, dass der Foliant von seinem Großvater Alfonse van Worden (Zbigniew Cybulski) handelt, einem Kapitän der wallonischen Wache, welcher die spanische Sierra Morena auf dem Weg nach Madrid durchquert, allerdings in Venta Quemada, einem Gasthaus in Nähe einer Hinrichtungsstätte auf einem Berg, haltmacht.
Hier begegnet er zwei islamischen Prinzessinnen (Iga Cembrzynska und Joanna Jedryka), die seine Cousinen sein wollen, versuchen ihn zu verführen und im Zuge fordern, er solle seinem christlichen Glauben absprechen, um sich mit ihnen vermählen zu können.
Nach einem Schluck aus einem Kelch, der aus einem menschlichen Schädel gemacht wurde, erwacht Alfonse jedoch unvermittelt unter den Galgen, an denen zwei berüchtigte Banditen baumeln: die Zoto Brüder.
Auf seinem weiteren Weg begegnet Alfonse einem Eremiten (Kazimierz Opalinski), der zusammen mit einem besessenen Ziegenhirten namens Pacheco (Francisek Pieczka) in einer Hütte haust.
Pacheco erzählt seine Geschichte und man erfährt, dass auch er von den beiden Prinzessinnen bezirzt wurde und in der Folge sogar sein Auge verloren hat.
Wieder auf seinem Weg in die große Stadt wird Alfonse von der Inquisition verhaftet, aber gleich darauf von den Prinzessinnen und den zuvor tot am Galgen baumelnden Zoto Brüdern befreit.
Als Alfonse in der Behausung der Schönheiten wieder einen Schluck aus dem Schädelkelch nimmt, erwacht er erneut unter den Galgen, diesmal mit einem jüdischen Kabalisten (Adam Pawlikowski) an seiner Seite zu dessen Schloss man aufbricht.
Bald werden sie von einem skeptischen Mathematiker (Gustaw Holoubek) begleitet, der zuvor von der Inquisition fast ebenfalls verhaftet wurde, weil diese ihn für den flüchtigen Alfonse hielten.
Im Schloss des Kaballisten angelangt, findet man sich dort schnell auf einer Festivität wieder, an der auch eine Gruppe Zigeuner teilnimmt.
Der Anführer des fahrenden Volks beginnt seine Geschichte zu erzählen, aus der viele weitere Geschichten entspringen, sich miteinander verzahnen und immer wieder Bezüge zur Gegenwart aufzeigen.
Nachdem der Zigeuner seine Geschichten (und die Geschichten in den Geschichten, welche nicht unbedingt von ihm selbst erzählt werden...) beendet hat, wird Alfonse zum Gasthaus Venta Quemada gerufen.
Er trifft die Prinzessinnen und einen Scheich, der ihm erklärt, dass seine Töchter nun von Alfonse schwanger wären und alles, was er zuvor erlebt hätte, sei ein ausgeklügeltes "Spiel" gewesen um Alfonses Charakter zu testen.
Dann erwacht Alfonse wieder unter dem Galgen - und alles scheint vielleicht erneut zu beginnen...

Wie fand ich's?: Mit einer Laufzeit von fast drei Stunden ist Has Verfilmung des Romans von Jan Potocki ein Mammutwerk, welches vom Zuschauer auch durchgesessen werden muss.
Angelegt als Geschichte, welche unzählige weitere Geschichten auf mehrfachen Ebenen gebiert, kann man der Erzählung mitunter nur schwer folgen und die oben stehende Synopsis beschränkt sich ledig auf den oberflächlichen Rahmen.
Gerade im kunstvoll verschachtelten zweiten Teil, der, durch eine Texttafel eingeläutet, nach der Ankunft im Schloss des Kabalisten beginnt, ist es dem Erstseher kaum möglich alle handelnden Personen sofort zu überblicken, geschweige denn, alle Bezüge zu verstehen.
Was haben wir hier also?
Ein Labyrinth von Geschichten, in dem der Zuschauer sich schnell verlieren kann, doch wenn er am Ende einen Ausgang erreicht, steht er wieder da, wo er am Anfang hineingekommen ist.
Das Grundthema scheint das Leben selbst zu sein; die Wahrheiten, die man zu kennen glaubt, sind für den anderen nur Hirngespinste. Es gibt verschiedene Ansätze das Dasein zu verstehen, den des Okkultisten, den des Skeptikers, den des Verliebten, den des Träumers und den des Fatalisten.
Alle finden ihren Weg, doch jeder, so wird am Ende des Films klar, muss sein eigenes Buch des Lebens schreiben. Dabei kann jeder vom anderen Lernen, der Jude ebenso vom Moslem, wie der Moslem vom Christen - und umgekehrt, natürlich.
Has Film glänzt neben dem tiefgründigen Inhalt auch mit fantastischen, detailreichen Sets und großartiger Fotografie und Vergleiche mit den bunten, lebensfrohen Episodenfilmen eines Pier Paolo Pasolinis, wie z. B. Il Decameron (I 1971 dt.: Decameron), dem ersten Teil seiner Trilogie des Lebens, drängen sich besonders für die liebeskomödienhafte zweite Hälfte auf.
In der Hauptrolle kann man den James Dean Polens, Zbigniew Cybulski, begutachten. Dieser spielte in Andrzej Wajdas Popiól i diament (PL 1958 dt.: Asche und Diamant) den jungen Rebellen und verstarb im Alter von 39 Jahren bei dem Versuch auf einen fahrenden Zug aufzuspringen.

Fazit: Ein ausuferndes Labyrinth voller wunderschöner Winkel, dessen Durchqueren ebenso ermüdent, wie unterhaltsam und erbaulich sein kann.

Punktewertung: 8,25 von 10 Punkten

Sonntag, 12. August 2012

Süpermänner am Bosporus

3 Mighty Men (3 dev adam)
T 1973
R.: T. Fikret Uçak



Worum geht's?: Der Superganove Spider (ein Typ mit buschigen Augenbrauen im grün/roten Spidermankostüm) bedroht Istanbul.
Sein Plan beinhaltet solche feinen Elemente wie: Falschgeld, illegalen Kunsthandel, das Betreiben von Stripbars und das Berauben der Reichen bei Nacht.
Wer sich der Spinne in den Weg stellt, bezahlt mit seinem Leben; in der ersten Szene des Films wird einer jungen Dame mit einem Außenbootmotor nicht nur der Damenbart äußerst unsanft abrasiert...
Somit ist eines klar: Hilfe tut not!
Und wer könnte besser helfen als Captain America (Aytekin Akkaya) und El Santo (Yavuz Selekman)?
Zusammen mit der schönen Julia schlagen die beiden mondänen Träger kugelsicherer Unterwäsche in der Metropole auf, um der Polizei bei der Jagd nach dem Sadisten im Spinnenoutfit zur Hand zu gehen.
Es gelingt ihnen letztendlich das Netz der Verbrecher zu sprengen und Spidey samt Doppelgänger in die ewigen Jagdgründe zu schicken.


Wie fand ich's?: Spiderman, Captain America und Mexikos Nationalheld El Santo in einem Film? Aber ja!
Der Score des Streifens kommt zum Großteil von einem Diamonds Are Forever (UK 1971 R.: Guy Hamilton dt.: Diamantenfieber) Soundtrack? Sicher!
Keiner der drei Supermänner hat irgendwelche nennenswerte Superkräfte? Jau!
Einem Typen werden die Augen von zwei Hamstern rausgebissen, die durch eine am Kopf angebrachte Röhre scheu auf ihn zu tapsen? Klar!
Bierbäuche über Gürteln waren '73 bei Superhelden und -bösewichten durchaus aktuell? Auch das!
In einer Zeit und Gegend, in der das Urheberrecht noch keine Bedeutung hatte und weder Stan Lee noch Jack Kirby, geschweige denn der echte Santo namens Rodolfo Guzmán Huerta auch nur eine türkische Lira gesehen haben, konnte ein Film wie 3 dev adam entstehen.
Die ganze Action des Films besteht aus wilden (Kneipen-)Schlägereien, Herumgerenne und gelegentlichem an Autotüren während der Fahrt Rumhängen - da bietet selbst Alarm für Cobra 11 mehr!
Nicht, dass das alles keinen höchst absurden Charme hätte, aber man fragt sich, ob auch nur einer der Macher je einen Spidermancomic auch nur in der Hand gehabt hat.
Und was ausgerechnet Superwrestler El Santo hier zu suchen hat, ist mir auch ein Rätsel... Mich würde wirklich interessieren, ob diese Kunstfigur aus einem vollkommen anderen Teil der Welt in den frühen 70ern
irgendwelche Bedeutung für ein türkisches Kinopublikum gehabt hat.
Egal, hier wird geklaut, bis die Polizei kommt - selbst die Idee mit den Doppelgängern Spidermans stammt, neben dem bereits genannten Score, ebenfalls aus Diamantenfieber und man wundert sich, warum die Produzenten nicht auch noch einen James Bond Charakter eingebaut haben...


Fazit: Für Liebhaber von ganz schrägem Nah-Ost-Trash! Sagt nicht, ihr seit nicht gewarnt worden...

Punktewertung: Objektiv: 2 von 10 Punkten / Subjektiv: 5 von 10 - das Ganze hat eben doch extrem kultigen Unterhaltungswert...

Mittwoch, 8. August 2012

Ich glaub', ich Spinne...

Spider Labyrinth - In den Fängen der Todestarantel (Il Nido del ragno)
I 1988
R.: Gianfranco Giagni


Worum geht's?: Der Altertumsforscher Alan Whitmore (Roland Wybenga) wird auf Veranlassung seiner Uni nach Budapest gesandt.
Dort in Ungarn soll er sich mit einem Kollegen namens Roth treffen, der, wie einige andere Forscher in aller Welt, einer uralten Religion auf der Spur ist und deren Texttafeln entziffert.
Nun ist allerdings seit Wochen kein Report mehr in den USA angekommen und Whitmore soll nach dem Rechten sehen.
Tatsächlich findet er besagten Professor in einem Zustand stiller Panik vor, als ein schwarzer Ball durch ein Fenster geworfen wird, verschwindet der alte Mann gar gänzlich von der Bildfläche und Whitmore steht lediglich mit zwei Polaroids in den Händen da, die eine kleine mit Keilschrift beschriebene Tontafel zeigen und auf die außerdem der Name einer unbekannten Person geschrieben wurde.
Unterstützt durch Genevive (Paola Rinaldi), die attraktive Assistentin des Professors, und einquartiert in einem düsteren Hotel, welches von der seltsamen Frau Kuhn (Stéphane Audran) geleitet wird, macht sich Whitmore auf die Suche nach dem Mann, dessen Namen auf dem Rand der Fotos geschrieben steht.
Doch alles, was er findet, sind weitere Leichen und einen komischen, abgerissenen Kauz (William Berger), der ihn vor einem gefährlichen Spinnennetz warnt, welches die ganze Welt umspannt und in die Dunkelheit reißen will.
Als Whitmore erkennt, wie wahr diese Warnungen vor uralten Götzen sind, ist er bereits zu tief in besagtes Netz geraten - und die Spinne nähert sich bedrohlich...


Wie fand ich's?: Wer auf der Suche nach einer gelungenen Mischung aus Dario Argentos Okkulthorrorstreifen á la Suspiria (I/BRD 1977), bedrohlichen, alten Götzen à la H. P. Lovecraft und einer Atmosphäre, welche fast genau so auch in Polanskis The Ninth Gate (F/E/USA 1999 dt.: Die Neun Pforten) vorzufinden ist...
Bingo!
Willkommen zur Rezension des sträflicherweise relativ unbemerkten Filmdebüts Gianfranco Giagnis, welches eigentlich in einem Atemzug mit Werken Fulcis, Soavis und Argentos genannt werden sollte, aber eben nicht wird.
Dabei stammen die Special-fx von keinem Geringeren als Sergio Stivaletti, der ja bereits auch für zwei von den drei oben genannten Italogrößen gearbeitet hat und mit M.D.C. - Maschera di cera (I 1997 dt.: Wax Mask) 1997 selbst einen sehr netten Beitrag zum Horrorgenre ablieferte.
Vermutlich liegt aber die geringe Popularität des Films schlicht an der Tatsache, dass Giagni bis auf diesen Film keinen weiteren Beitrag zum Horrorgenre geleistet hat.
Tatsächlich hat er außer einem Drama namens Nella terra di nessuno mit Ben Gazzara in der Hauptrolle im Jahre 2001, einigen Dokus und ein Paar Folgen zweier TV-Serien nichts weiter abgeliefert, sodass sein Name wohl nur wenigen Eingeweihten bekannt sein wird.
Das möchte ich nun ändern und sage hier an dieser Stelle: jeder, der glaubt er habe jeden guten, italienischen Horrorstreifen der 80er gesehen, nur diesen noch nicht, hat nun eine neue Lebensaufgabe!
Was beginnt wie ein solider, düsterer, kafkaesker Okkultschocker, wandelt sich ab der Mitte in einen Monsterstreifen mit einigen recht blutigen Einfällen und gipfelt schließlich in ein albtraumhaftes Finale, dass nachwirkt.
Natürlich wird hier das Rad nicht neu erfunden, doch kann ich mir in der Tat sehr gut vorstellen, dass sich ein Roman Polanski hier einige Inspirationen zu seiner Reise durch die Neun Pforten geholt hat.
Nicht, dass er das je zugeben würde, wohlgemerkt...


Fazit: Geheimtipp für Freunde des okkulten Monsterfilms!

Punktewertung: 8,25 von 10 Punkten

Sonntag, 5. August 2012

Absurdes aus dem Geheimarchiv

Tragic Ceremony (Estratto dagli archivi segreti della polizia di una capitale europea)
I/E 1972
R.: Riccardo Freda


Worum geht's?: Eine Reisegruppe, bestehend aus vier jungen Leuten, befindet sich nach einem Segeltörn auf dem Heimweg, als ihnen unterwegs der Sprit ausgeht.
An einer nahe gelegenen Tankstelle werden sie zunächst von einem zwielichtigen Tankwart (José Calvo) abgewiesen, aber durch die Anwesenheit der schönen Jane (Camille Keaton) erhalten die Twens doch noch etwas Treibstoff für die Weiterfahrt.
Dieser reicht allerdings nur bis zur nächsten Ecke und da ein Unwetter aufzieht beschließt man kurzerhand Unterschlupf in der Villa Alexander zu suchen.
Was unsere Helden nicht wissen: Lord (Luigi Pistilli) und Lady Alexander (Luciana Paluzzi) haben eine Schar gleichgesinnter Satansanhänger im Keller des Herrenhauses versammelt, um dem Herrn der Hölle ein Opfer darzubringen!
Natürlich ist Jane schnell als solches auserkoren, zumal sie eine verfluchte Perlenkette um den Hals trägt, welche ihr zuvor der verliebte Bill (Tony Isbert) galant vermacht hatte.
In letzter Sekunde gelingt es ihm dann sogar Jane auch noch vor den Teufelsanbetern zu retten, die Lady des Hauses zu erdolchen und aus der Villa mit den zwei restlichen Freunden im Schlepptau zu fliehen, als der Wahnsinn im Gewölbe der Villa um sich greift und einer Person mit einem Schwert der Kopf gespalten wird, eine weitere in einem Feuer verbrennt und ein weiterer Satanist aus unbekannten Gründen aus dem Fenster fällt (befindet sich das Gewölbe hier etwa im 2. Stock?)
Bill glaubt von nun an ein gesuchter Mörder zu sein und man flüchtet zunächst zu seiner reichen Rabenmutter (Irina Demick), wo die Freunde allerdings kurzerhand abblitzen und die Nacht somit in einem Ferienhaus verbringen müssen.
Doch sie haben das lauernde Böse aus der Villa Alexander mit sich gebracht und Jemand oder Etwas meuchelt von nun an einen nach dem anderen...


Wie fand ich's?: Dies ist bereits der zweite Film von Riccardo Freda (s. h.  http://dieseltsamefilme.blogspot.de/2012/07/blutsauger-unterm-eiffelturm.html), welchen ich in meinem Blog bespreche.
War der zuvor von mir rezensierte I Vampiri (bei dem Freda nach einigen Drehtagen die Flinte ins Korn schmiss und die Regie an seinen Kameramann Mario Bava abgetreten hatte) noch größtenteils Gothic-Horror im klassischen Sinn, so kam Freda bei Estratto dagli... (der unglaublich lange Titel lässt sich mit Auszug aus dem Geheimarchiv der Polizei einer europäischen Hauptstadt übersetzen) nicht umher, starke Zugeständnisse an den Zeitgeschmack zu machen und den Film mit einigen sehr blutigen Gore-Effekten zu würzen, welche teilweise fast an seinen Kollegen Lucio Fulci erinnern.
So muß die Szene mit dem durch einen Schwerthieb geteilten Kopf, den Machern so gefallen haben, dass man diese in einem Rückblick zum Ende des Films gleich vier- bis fünfmal wiederholt zeigt.
Das Drehbuch, an dem der Vielfilmer Mario Bianchi maßgeblich beteiligt war, wirft dann auch fast alles zusammen, was den italienischen Exploitationfilm mal ausgemacht hat.
Neben etwas Teenie-/Liebesdrama (o. k. die Darsteller sehen alle eher nach Ende zwanzig bis Anfang dreißig aus - aber wen stört's?), einer für Freda annehmbaren Prise Gothic-Horror mit flackernden Kerzen im düsteren Anwesen der Satanisten, einer Messerspitze Nacktheit und dem oben bereits beschriebenen Blutschwall, findet sich hier auch der verhängnisvolle Hang zu unfreiwilliger Komik und hanebüchener Übertreibung.
Das z. B. die Nachrichten live aus den eigentlich abgesperrten Räumender Villa berichten (inklusive eines reißerisch gesprochenen Kommentars, der sogar Katja Burkhardt nicht über die Lippen käme) und dabei kurzerhand auch alle Einzelheiten zur Ermittlung ausplaudern ist schon mehr als unglaubwürdig.
Dass man aber tatsächlich von einer in der Küche liegen gelassener Wandergitarre auf eine mörderische Gruppe Hippies schließt und die Bluttat dann noch wenig geschmackssicher mit dem Massaker an Sharon Tate und ihren Gästen durch die Anhänger des Charles Manson vergleicht, ist ebenso lachhaft, wie das blau/grüne Make-up des toten Bill und die visionären Fähigkeiten eines Krankenhauspsychiaters, der ohne wirkliche Anhaltspunkte aus dem Stehgreif auf die Täter verweist und die Handlung noch mal für die ganz Dummen abschließend zusammenfasst.
Trotzdem kann man Fredas Spätwerk noch einen gutherzig-trashigen Unterhaltungswert anrechnen, wenn man über die offenkundigen Mängel großzügig hinwegsehen kann.


Fazit: Ein weiterer Altmeister bleibt zum Ende seiner Karriere etwas auf der Strecke. Etwas über Mittelmaß rangierender, blutiger Okkult-Trash für Freunde des Absurden.

Punktewertung: 5,5 von 10 Punkten

Freitag, 3. August 2012

Leeres Hotel im Fieberwahn

The Lady of the Lake (La donna del lago)
I 1965
R.: Luigi Bazzoni/Franco Rossellini


Worum geht's?: Nach einer Trennung sucht der deprimierte Schriftsteller Bernard (Peter Baldwin) das alte Hotel am See auf, einen Ort, an dem er seit seiner Kindheit oft seine Ferien verbracht hat.
Dort hatte er sich vor einem Jahr in die hübsche Bedienung Tilde (Virna Lisi) verguckt, welche er nun wiedertreffen möchte.
Doch nach seiner Ankunft: kein Zeichen von Tilde. Stattdessen erfährt er vom Hotelbesitzer (Salvo Randone), dass Tilde sich vor Kurzem vergiftet haben soll.
Vom ortsansässigen Fotografen (Pier Giovanni Anchisi) gibt es eine ganze Verschwörungstheorie obendrauf: Tilde soll, wie auf einem kurz vor ihrem Tod entstandenen Dia gut erkennbar, schwanger gewesen sein, obwohl der Bericht des Gerichtsmediziners angibt, sie sei noch Jungfrau gewesen.
Dabei hatte Bernard sie doch bei seinem letzten Aufenthalt im Strandhotel beim Liebesspiel mit einer ihm unsichtbaren Person beobachtet - vielleicht beim Akt mit ihrem Mörder?
Zusammen mit dem Fotografen macht sich der immermehr von Grippesymptomen geschüttelte Schriftsteller auf die Suche nach der Wahrheit.


Wie fand ich's?: Luigi Bazzoni hat in seinem Leben nur wenige Filme realisiert, doch die, die uns der am 1. März diesen Jahres Verstorbene hinterlassen hat, haben teilweise bei Genrefans schon lange Kultstatus erreicht.
Neben einer kaum bekannten fünfteiligen Dokumentation über Rom und zwei Italo-Western (darunter die ungewöhnliche Carmen-Adaption L'uomo, l'orgoglio, la vendetta (I/BRD 1968 dt.: Mit Django kam der Tod), spreche ich vor allem über die drei mehr als gelungen zu bezeichnenden Gialli: den hier besprochenen  La donna del Lago, den stylishen Giornate nera per l'ariete (I 1971 dt.: Ein Schwarzer Tag für den Widder), sowie den bedrückenden Le Orme (I 1975 mit Mario Fanelli dt.: Spuren auf dem Mond).
Alle drei Beiträge zum italienischen Thrillergenre sind dabei als höchst eigenständig und visuell unterschiedlich zu bezeichnen.
So beginnt La donna del Lago eher wie ein Drama um einen jungen Intellektuellen, der versucht einer gescheiterten Beziehung zu entfliehen und Heil in Kindheitserinnerungen und einer möglichen neuen Liebschaft einer attraktiven Kellnerin sucht. Nur das unaufhörliche Winseln des Winds und das in Schwarz/weiß noch bedrückender wirkende, fast menschenleere Hotel erinnern den Zuschauer anfangs daran, dass er es hier mit einem Psychothriller zu tun hat.
Bazzoni unterstreicht den psychologischen Aspekt seiner Geschichte durch die Verwendung von Voice-over Monologen, welche der Figur Bernards weitere Tiefe verleihen und für den Giallo eher eine Ausnahme darstellt.
Die Story, an der neben Bazzoni, seinem Co-Regisseur Franco Rossellini (ein Cousin Isabella Rosselinis) u. a. auch Giulio Questi beteiligt war, der mit La morte ha fatto l'uovo (I 1968 dt.: Die Falle) ebenfalls einen ungewöhnliche, aufsehenerregengen Giallo gedreht hat, ist für das Genre relativ simpel gehalten, besonders, wenn man ihn mit verschachtelteren Werken Bavas, Argentos oder Martinos vergleicht.
Trotzdem finden sich in La donna del lago neben der starken Neigung zum Drama, genug klassische Motive des Giallo, um den Film im Genre zu verorten zu können.
Als da sind z. B.: der unaufgeklärte Frauenmord, eine zum Detektiv werdende, aussenstehende Person, ein in der Vergangenheit liegendes Geheimnis und nicht zuletzt das Element des Wahnsinns. 
Dass Bazzoni teilweise unvermittelt von einer Szene zur anderen springt, Träume und Gedanken in die Handlung einfügt und mit Überbelichtung und starken Kontrasten bei seiner schwarz/weiss-Fotografie arbeitet (was dem Film auch einen gehörigen Schub in die Gefilde des Film noir gibt), lässt den fiebrigen Zustand des Protagonisten zusätzlich greifbar werden und gibt eine Erklärung für die Tatsache, dass der Zuschauer höchst wahrscheinlich schneller dem oder den Tätern auf die Schliche kommt als Bernard.


Fazit: Erneut eine nie in Deutschland veröffentlichte Perle des Genres. Ein absoluter Geheimtipp für Connaisseure!

Punktewertung: 8 von 10 Punkten