Egal ob Exploitation, Gialli, Horror oder Sci-Fi...
Von Grindhouse bis Arthouse...
Besprechungen übersehener, unterbewerteter oder obskurer Werke der Filmgeschichte!

Samstag, 26. April 2014

Männerschweiss tropft in Mailands Unterwelt

La mala ordina (Der Mafiaboss - Sie töten wie Schakale)
I 1972
R.: Fernando Di Leo


Worum geht's?: Der kleine Mailänder Zuhälter Luca Canali (Mario Adorf) steht unverhofft auf der Todesliste der Mafia.
Man entsendet sogar extra zwei Killer (Henry Silva und Woody Strode) aus den Vereinigten Staaten, um über den Kopf des örtlichen Mobbosses Tressoldi (Adolfo Celi) hinweg, ein blutiges Exempel an Canali zu statuieren und um bei der Gelegenheit gleich noch das Verschwinden einer ganzen Ladung Heroin genauer unter die Lupe zu nehmen.
Ging Canali gerade noch seinem Tagesgeschäft zwischen Straßenstrich und billiger Absteige nach, so werden die Gassen Mailands bald zu einem viel zu heißen Pflaster für ihn. Denn nicht nur, dass die beiden abgebrühten Profis aus Amerika ihm längst auf der Spur sind, auch Mafiachef Tressoldi entsendet seine Leute, um sich lieb Kind bei seinen Vorgesetzten zu machen.
Eine blutige Verfolgungsjagd in den Straßen und Winkeln der Großstadt nimmt ihren Anfang und Canali wird schnell klar, dass wahre Freunde genauso schwer zu finden sind, wie Schutz vor umher schwirrenden Kugeln im gnadenlosen Kreuzfeuer.



Wie fand ich's?: Der zweite Teil der sogenannten Milieu-Trilogie, welche mit Milano calibro 9 (I 1972 dt.: Milano Kaliber 9) ihren Anfang nahm und in Il boss (I 1973 dt.: Der Teufel führt Regie) ihr Ende fand, lässt einen schwitzenden Mario Adorf im sonnigen Mailand um sein Leben rennen. Hatte Adorf in Milano calibro 9 bereits eine Nebenrolle besetzt, wurde er nun zum Hauptdarsteller, Henry Silva dagegen, hier in der Rolle eines der gedungenen Auftragsmörder zu sehen, sollte diese Ehre ein Jahr später in Il Boss zuteil und er endgültig zum Kultstar werden. Quentin Tarantino machte nie einen Hehl daraus, dass er Di Leos Filme vergöttert, und es liegt mitunter auf der Hand, dass Silva und Strode wohl als grobe Vorbilder für die Charaktere der beiden Killer Vincent und Jules in seinem Meisterwerk Pulp Fiction (USA 1994) dienten.
Silva und Adorf sieht man in diesem Film wie allen Anderen ihre Spielfreude förmlich an und beide waren offenkundig bereit literweise Schweiß auf den Sets zu vergießen und dem Affen mal so richtig Zucker zu geben.
Di Leos Mileu-Trilogie führt den Zuschauer in die dreckigen Welten der italienischen Syndikate und es gibt in Di Leos Filmen oft nur zwei Typen von Charakteren: sympathische und unsympathische Gangster. Beide kämpfen quasi ständig ums eigene Überleben, nur das die Bösen dabei schneller über Leichen gehen als die Guten.
Di Leos Unterwelt geht die Eleganz des Milieus eines Francis Ford Coppola z. B. vollkommen ab; während in dessen Godfather-Trilogie (USA 1972-1990 dt.: Der Pate I-III) das organisierte Verbrechen einen Charme oder eine Eleganz des Verdorbenen mit einer ganz eigenen Form von morbider Romantik besitzt, sind die Gangster bei Di Leo durch die Bank Straßenköter, deren Stand innerhalb der Organisation man höchstens ihren Behausungen oder der Anzahl ihrer Gefolgsleute entnehmen kann.
Di Leos Cast passt hier im wahrsten Sinne des Wortes erstklassig ins Bild und selbst der sonst eher zurückhaltende Adolfo Celi, welcher in Thunderball (GB 1965 R.: Terence Young dt.: James Bond 007 - Feuerball) immerhin einen der uncharismatischsten Bondbösewichte der Frühphase der Serie ablieferte, dreht zum Ende nochmal so richtig auf.
La mala ordina bietet Action und markige Sprüche satt und gehört sicher mit zum Besten, was das Euro-Crime-Genre zu bieten hat und kann innerhalb der Gattung der Poliziotteschi als Klassiker angesehen werden.
Bei Fans knackiger Italo-Action hat er eh schon lange Kultstatus, genau wie sein Regisseur und seine Stars.



Fazit: Ein Fest für Fans deftig, öliger Italo-Action der 70er. Vielleicht Di Leos bester Streifen, mit einem großartigen Cast.



Punktewertung: 8,25 von 10 Punkten

Freitag, 18. April 2014

Die Unfähigkeit loszulassen

Le tue mani sul mio corpo (Deine Hände auf meinen Körper)
I 1970
R.: Brunello Rondi


Worum geht's?: Andrea (Lino Capolicchio), der erwachsene Sohn eines reichen, italienischen Verlegers, driftet gelangweilt durch sein Leben.
Als Kind musste er miterleben, wie man seine Mutter tot aus dem Meer fischte, nun ist Vati mit der lasziven Schönheit Mireille (Erna Schurer) zusammen, der Andrea, genau wie die Hausangestellte Clara (Pier Paola Bucchi), mehr aus Frustration als aus wahrer Lust nachstellt.
Seine wahre Liebe ist jedoch die junge Carole (Colette Descombes), diese ist nur leider längst vergeben, was Andreas Unzufriedenheit nur weiter verstärkt.
Während er seine Familie mit bösen Scherzen tyrannisiert, beginnt er die Objekte seiner Begierden zu stalken.
Doch kann Andrea die ihn umklammernde Erinnerung an seine tote Mutter endlich loslassen und sich einer neuen Liebe hingeben?



Wie fand ich's?: Dies ist wieder einer jener Streifen, zu dessen Handlung ich eigentlich nur möglichst wenige Worte verlieren will und stattdessen den geneigten Zuschauer am liebsten komplett ahnungslos dem Genuss dieses kleinen Films überlassen möchte. Mich jedenfalls hatte das etwas sehr plakative Poster auf eine falsche Fährte gelockt, doch war ich dafür nach etwas mehr als 80 Minuten nur umso positiver von der langanhaltenden Wirkung und ungewöhnlichen Machart des Films überrascht.
Le tue mani sul mio corpo ist ein unspektakulär inszenierter Film, dessen Regisseur mehr an Gesten und an Blicken als an stilistischen Spielereien oder dem Einsatz von Kunstblut interessiert ist. Wo andere seiner Zeitgenossen aus den Ingredienzien Impotenz, Todessehnsucht und Kindheitstrauma einen grellen, blutroten Reigen aus zuckenden Körpern herausdestilliert hätten, will Rondi seine Figuren und Themen durchaus ernst genommen wissen.
So ist Deine Hände auf meinen Körper ein eher zurückhaltender, erwachsener Film, der sich langsam entwickelt und deshalb auf manche Zuschauer langatmig, wenn nicht sogar langweilig wirken mag. Der englische Wikipediaeintrag und die IMDb wollen den Film zudem klar im Genre des Giallo verorten, doch tue ich mich hier etwas schwer diesem uneingeschränkt zuzustimmen. Wer Gialli schlicht als erotische Psychothriller Italiens definiert, mag der Kategorisierung zustimmen, wer ganz klassisch auf die von Bava und Argento etablierten Elemente wartet, bekommt jedoch keine schwarzgekleideten Frauenmörder mit Rasiermessern zu sehen. Freunde des Genres wird es allerdings vielleicht noch interessieren, dass Sergio Martinos im letzten Jahr verstorbener Bruder Luciano mit Rondi an der Story werkelte.
Rondi machte sich selbst zunächst als Drehbuchautor für Federico Fellini (zweimal oscarnominiert für La dolce vita [I/F 1960 dt.: Das süße Leben] und 8½ [I/F 1963]) einen Namen, stand aber auch bereits seit Anfang der 60er Jahre selbst als Regisseur hinter der Kamera.
Lino Capolicchio hatte bereits 1970 in Vittorio De Sicas viel verehrtem, antifaschistischen Drama Il giardino dei Finzi Contini (I/BRD 1970 dt.: Der Garten der Finzi Cortini) die Hauptrolle gespielt und stand einige Jahre nach Rondis Film für Pupi Avatis meisterhaftem Giallo La casa dalle finestre che ridono (I 1976 dt.: Das Haus der lachenden Fenster) vor der Kamera. 2010 sollte Capolicchio (*21.08.1943) bisher zum letzten Mal vor der Kamera stehen, erneut für Avati im Drama Una sconfinata giovinezza (I 2010), in dem er aber nur in einer Nebenrolle zu sehen ist.
In Le tue mani sul mio corpo gelingt es Capolicchio (der eigentlich Angelo heißt) den Zuschauer zuweilen allein durch sein Schauspiel bei der Stange zu halten. Brillant verkörpert er einen innerlich zerrissenen jungen Mann, der mit leerem Blick seine Umwelt heimsucht und trotzdem irgendwie sympathisch wirkt. Ein weniger begabter Darsteller hätte hier den Film vollkommen zunichte machen können.
Freunden klassischer Gialli, die auch gern Randerscheinungen wie Damianis famosem Una ragazza piuttosto complicata (s. h.: A Rather Complicated Girl) eine Chance geben, sei also auch dieser obskure, kleine Film empfohlen.



Fazit: Ein reizvolles Drama irgendwo zwischen Giallo und Psychostudie, welches sehr lange Anlauf nimmt, dafür aber umso wirkungsvoller zutritt.



Punktewertung: 7,5 von 10 Punkten

Samstag, 12. April 2014

Handkantenrocker vs. Motoradninjas

Miami Connection (American Streetfighter)
USA 1987
R.: Woo-sang Park/Y. K. Kim



Worum geht's?: Die Rockgruppe Dragon Sound besteht aus fünf kampfsportverrückten Freunden, die zusammen ein Häuschen in Orlando, Florida besitzen und des Abends die Klubs der Stadt mit ihren Hits wie "Against the Ninja" rocken.
Allerdings macht man sich als gefragte Newcomer im Nachtleben der City leider nicht nur Freunde, besonders, wenn man die aggressiven Mitglieder einer anderen Band aus ihrem Job verdrängt.
Diese finden ausgerechnet Hilfe bei Jeff (William Ergle), dem bärtige Anführer einer Bande von kriminellen Bodybuildern und Bruder der hübschen Jane (Kathie Collier), die neuerdings bei Dragon Sound singt und gegen Jeffs Willen mit deren Bassisten John (Vincent Hirsch) schmust.
Doch selbst eine angedrohte fiese Tracht Prügel, gezückte Messer oder geschwungene Äxte können Dragon Sound nichts anhaben, denn Taekwondo-Meister Mark (Y. K. Kim) trainiert täglich mit seinen Spezis, die wie er alle Waisenkinder waren.
Die Ereignisse überschlagen sich vollends, als Jim (Maurice Smith) plötzlich von seinem noch lebenden Vater erfährt, Jeff nach einem missglückten Versuch ein Mitglied der Band zu kidnappen getötet wird und sich eine ganze Horde Ninjas, angeführt vom sinisteren Rockerfreund Yashito (Si Y Jo), den fünf Freunden fürs Leben entgegenstellt.



Wie fand ich's?: Kennen Sie Y. K. Kim? Nein? Nun, vor dem Genuss seines einzigen Filmwerks Miami Connection, welches in Deutschland auch unter dem schönen Titel Schwarze Ninja greifen an im TV gezeigt wurde, hatte ich auch noch keine Kenntnis von der Existenz des heute 57 Jährigen, der mit 13 in seiner koreanischen Heimat bereits einen schwarzen Gürtel im Taekwondo erlangte, 1977 in den Big Apple zog und einige Jahre später eine kleine Berühmtheit als erfolgreicher Besitzer einer Kette von Kampfkunstschulen erlangte.
Berühmtheit genug, um durch einen Fernsehauftritt in einer koreanischen Talkshow den eher wenig bekannten Regisseur Woo-sang Park auf sich und sein Vorhaben aufmerksam zu machen, einen Film über Kims Liebe zum Taekwondo zu drehen. Park versuchte unter dem Pseudonym Richard Park bereits seit einigen Jahren in den USA Fuß zu fassen und hatte dort bereits 1985 den erfolglosen Actioner Los Angeles Streetfighter (USA/KOR 1985 dt.: Die gelben Teufel von Los Angeles) heruntergekurbelt, den man auch unter seinem Alternativtitel Ninja Turf kennen könnte.
Hätte Y. K. Kim sich dieses Machwerk vor seiner Zusage die Produktionskosten zu Miami Connection zum größten Teil mitzufinanzieren einmal angesehen, so wäre ihm aufgefallen, dass Park vielleicht so eben sein Handwerk verstand, er aber scheinbar kein Wort Englisch sprach und so schwere Probleme hatte halbwegs vernünftige Dialoge zu schreiben und auf die Tonspur zu bannen.
Dabei sollte doch inhaltlich diesmal richtig geklotzt statt gekleckert werden. Kim schwebte ein Film über Freundschaft, Taekwondo und eine Welt ohne Gewalt vor - das fertige Script addierte jedoch noch einige weitere Elemente...
So schmiss man alles in den Mix, was momentan im Actionkino angesagt war und was man irgendwie einbinden konnte: leise Ninjas und laute Rockmusik, tödliche Drogendeals und pimpelige, erwachsene Waisenkinder, schwere Bodybuilder und harte Motorradgangs, Weiberaufreißen am Strand, eine mit Zwietracht beäugte Romanze, latente (?) Homoerotik unter männlichen WG-Genossen und natürlich Taekwondo.
Viel hilft viel, war hier offenkundig die Devise, und dass man einen simplen Actionfilm mit zu viel Drumherum leicht auch überfrachten kann, auf diese Idee kam keiner. So wirkt der Subplot um den wiedergefundenen Vater pathetisch (aber auch irgendwie charmant), die Motivationen der Badguys wenig nachvollziehbar, die Musikszenen absolut peinlich.
Was Miami Connection aber aus dem Gros anderer gescheiterter Actionfilme der 80er heraushebt, ist das spürbare Herzblut und der klare Wille alles richtig zu machen. Wie bei Ed Woods Plan 9 from Outer Space (USA 1959) sind alle Zutaten eigentlich vorhanden einen netten, zeitgemäßen Genrefilm abzuliefern, doch leider scheiterte dies am einvernehmlichen Unvermögen aller Beteiligten. Miami Connection ist unfreiwilliger Trash mit absolutem Kultpotenzial, eben weil stets so putzig versucht, es allen recht zu machen.
Irgendwie schaffte es der Film 1987 sogar nach Cannes, scheiterte jedoch gigantisch an den wenigen Kinokassen, die er erreichte. Y. K. Kim verlor als Produzent des Films eine Unmenge Geld (manche Quellen sprechen von einigen Millionen), schnitt ohne seinen Regisseur neue Szenen in den fertigen Film und verpasste dem Werk nachträglich ein Happy End - alles umsonst. Niemand wollte den Film zeigen, sein Produzent, Star, Autor und unfreiwilliger Co-Regisseur war ruiniert.
Miami Connection war bis zu seiner Wiederentdeckung durch einen texanischen Kinokettenbesitzer im Jahr 2009 vergessen, erlebte dann aber sehr zur Überraschung Kims seine zweite Auferstehung in vollen Kinosälen und auf heimischen Fernsehgeräten.
Young Kun Kim tourt neben seiner Tätigkeit als Martial Arts Lehrer mittlerweile sehr bezeichnend auch als Motivationstrainer und erwähnt den Film nun auch wieder mit Stolz auf seiner Webseite.
Man könnte glauben, jemand hätte dieses Happy End auch schnell mal nachgedreht.



Fazit: Wie eine fast perfekte Pizza mit zu viel Belag und extra Käse: Im Prinzip leckeres Fast Food - kann jedoch auch schnell auf den Magen schlagen.



Punktewertung: Fans von feinem Actiontrash geben 7,75 von 10 Punkten - andere wenden sich mit Grausen ab...

Sonntag, 30. März 2014

Karten auf den Tisch

A Big Hand for the Little Lady (Höchster Einsatz in Laredo)
USA 1966
R.: Fielder Cook





Worum geht's?: Einmal im Jahr treffen sich die fünf reichsten Männer der Gegend in Laredo, um von der Öffentlichkeit abgeschlossen im Speisezimmer eines Saloons um höchste Einsätze zu pokern.
Nichts kann diese Männer vom Spieltisch fernhalten, weder ein laufendes Gerichtsverfahren noch die Hochzeit der eigenen Tochter.
Da ist der Frauen hassende Bestatter Tropp (Charles Bickford), der abgewichste Rinderbaron Drummond (Jason Robards), der sympathische Rechtsanwalt Otto Habershaw (Kevin McCarthy) sowie der feiste Dennis Wilcox (Robert Middleton) und der zurückhaltende Buford (John Qualen).
Doch dieses Jahr trifft Habershaw in einer Spielpause im Schankraum auf den Durchreisenden Meredith (Henry Fonda), der mit Gattin (Joanne Woodward) und Sohn (Jean-Michel Michenaud) in Laredo haltmacht.
Kaum lässt dessen Gattin beim Dorfschmied ein Wagenrad reparieren, lässt der spielsüchtige Familienvater seine Reiseersparnisse vom Wirt in Chips eintauschen und steigt mit zitternden Händen in die Pokerrunde ein.
Nach einigen verlorenen Spielen glaubt Meredith dann plötzlich das Blatt seines Lebens auf der Hand zu haben - ein Blatt so unschlagbar, dass es ihn wortwörtlich vom Stuhl haut, als seine Mitspieler versuchen ihn mit einem fiesen Trick aus dem Spiel zu halten.
Der Arzt (Burgess Meredith) wird gerufen und als dieser den japsenden Herrn im Nebenzimmer behandelt, muss seine resolute aber im Poker vollkommen ahnungslose Gattin notgedrungen in die Partie einsteigen, um die dringend benötigte Haushaltskasse zu retten.
Doch ist es ein großes Blatt für eine kleine Dame und ihre Mitspieler sind ganz durchtriebene Kerle!



Wie fand ich's?: Eigentlich bin ich ja eher ein Freund des dreckigen Spaghettiwesterns, doch hin und wieder kommt ein US-Western daher, der mich daran erinnert, wo das Genre ursprünglich geboren wurde.
Bei A Big Hand for the Little Lady trifft eine großartige Besetzung auf ein überaus gelungenes Drehbuch, dessen letzten Dreh man vielleicht schon von Anfang an kommen sieht, was aber durch die Güte des restlichen Films sofort ausgebügelt wird.
Fonda, der sowohl in US- wie auch Spaghettiwestern zu sehen war, glänzt hier zunächst als nervöses Spielerwrack, bis er den Bildmittelpunkt an Joanne Woodward übergibt. Zwei Oscarpreisträger also in den Hauptrollen, daneben ein Cast, der sich ebenfalls sehen lassen kann. Auf Jason Robards sollte Fonda zwei Jahre später wieder ebenfalls sehr gewinnbringend in C'era una volta il West (I/USA 1968 R.: Sergio Leone dt.: Spiel mir das Lied vom Tod) treffen, mit Kevin McCarthy hatte er zwei Jahre zuvor bereits für The Best Man (USA 1964 R.: Franklin J. Schaffer dt.: Der Kandidat) vor der Kamera gestanden.
Regisseur Fielder Cook war in erster Linie fürs US-Fernsehen tätig und sollte eher nebenher auch fürs Kino arbeiten. Auch A Big Hand for the Little Lady war von ihm bereits 1962 im Rahmen der The DuPont Show of the Week unter dem Titel Big Deal in Laredo (USA 1962) mit Walther Matthau als Meredith und Teresa Wright als Mary verfilmt worden. Das Drehbuch für beide Adaptionen stammte aus der Feder von Sidney Carroll, ebenfalls einem lebenslangen TV-Veteranen, der nebenbei obendrein die Drehbücher bzw. Storys zu solch Kinoknallern wie The Hustler (USA 1961 R.: Robert Rossen dt.: Haie der Großstadt) oder Gambit (USA 1966 R.: Ronald Neame dt.: Das Mädchen aus der Cherry-Bar) ablieferte.
So bietet A Big Hand for the Little Lady alles, was man von einer familientauglichen Westernkomödie erwartet. Auf Shootouts auf staubigen Gassen muss der Genrefan zwar verzichten, dafür erwarten den Zuschauer liebenswerte Antihelden, wunderbare Sets und fantastische Dialoge.
Leider harrt diese Preziose noch einer deutschen Veröffentlichung kann aber von Importwilligen mit regionalcodefreiem Equipment aus den US of A für wenig Geld bezogen werden.



Fazit: Die Nummer 117 dieses Blogs wird endlich ein Western - und was für einer! Lustig, dramatisch, toll besetzt und großartig gespielt. Hier kann der Zuschauer nur gewinnen!



Punktewertung: 8,25 von 10 Punkten

Samstag, 22. März 2014

Lebloser Vogel auf kaltem Asphalt

Tatort: Tote Taube in der Beethovenstraße / Dead Pigeon On Beethoven Street
BRD 1973
R.: Samuel Fuller


Worum geht's?: Ein Amerikaner namens Johnson wird in der Bonner Beethovenstraße erschossen, der Täter befindet sich daraufhin in Polizeigewahrsam. Da man die Tat mit internationalem Rauschgiftschmuggel in Verbindung bringt, wird der gleichermaßen gewiefte wie leichtlebige Zollfahnder Kressin (Sieghardt Rupp) mit der Aufklärung des Falls beauftragt.
Im Leichenschauhaus trifft dieser auf Johnsons Partner, den sympathischen Privatdetektiv Sandy (Glenn Corbet), der Kressin über einen international agierenden Erpresserring in Kenntnis setzt, welche Johnsons und Sandys Auftraggeber, einen aufstrebenden, linken US-Politiker (Samuel Fuller höchstselbst), mit ebenso erotischen wie kompromittierenden Fotos zu hohen, monatlichen Geldzahlungen nötigt.
Gemeinsam macht man sich auf den Weg, den im Krankenhaus befindlichen Mörder Johnsons, Charlie Umlaut (Eric P. Caspar), befragen zu wollen, doch kann dieser kurz zuvor seinen Bewachern entfliehen und schießt auf der Flucht seinem Verfolger Kressin gleich noch eine Kugel in die Schulter.
Nun ans Krankenbett gefesselt, lässt Kressin notgedrungen den findigen Amerikaner allein ihrer einzigen Spur nachgehen, dem Aufenthaltsort einer hübschen Erpresserin (Christa Lang) mit einem erdbeerförmigen Muttermal auf dem schlanken Oberschenkel, das auf den Erpressungsfotos stets gut zu erkennen ist.
Mithilfe eines Fotografen (Hans-Christoph Blumenberg) gelingt es Sandy, sich nach und nach in die Erpresserorganisation einzuschleichen, doch ist deren Kopf Mensur (Anton Diffring) ein kriminelles Mastermind mit vorzüglichen Fechtkenntnissen, dass man nicht so leicht mit einer schlichten Finte hinters Licht führen kann.


Wie fand ich's?: Allein die Figur des Zolloberinspektors Kressin wäre interessant genug ihr einen Blogeintrag zu widmen. In nur sieben Folgen und drei Gastauftritten (von 1971-1973) durfte der Österreicher Sieghardt Rupp als hauptermittelnder Zollfahnder in Deutschland und Umland so manchen Stein umdrehen, stets auf der Suche nach dem von Ivan Desny gespielten, distinguierten Überganoven Sievers, der ihm doch noch immer in letzter Sekunde entrinnen kann. Dieses Element sowie sein leichter Lebenswandel (Alkohol und Zigaretten galore) und der Hang jedem Rock nachzulaufen (in der Debütfolge Kressin und der tote Mann im Fleet [BRD 1971 R.: Peter Beauvais] nistet er sich gleich bei zwei verheirateten, jungen Damen, gespielt von Eva Renzi und Sabine Sinjen, ein), mag an James Bond erinnern, seine antiautoritäre Haltung seinen Vorgesetzten gegenüber und die Bereitschaft auch mal die Fäuste sprechen zu lassen nimmt bereits eine Dekade zuvor die Attitüde von Götz Georges Ruhrpott-Rambo Horst Schimanski vorweg.
Doch bildet die Tatortfolge Tote Taube in der Beethovenstraße eine gravierende Ausnahme in der gesamten Fernsehreihe und ist eher als interessantes Experiment zu sehen.
Für die 25. Folge der Serie, also praktisch zum Jubiläum, holte man sich den Amerikaner Samuel Fuller auf den Regiestuhl, der auch gleich eigenhändig das Drehbuch schrieb. So wurde die Figur Kressins zum Alibicharakter degradiert, der Fullers Script halbherzig mit der Serie verbindet, allerdings tatsächlich nur eine sehr geringe Screentime innehat. Der wirkliche Hauptdarsteller sollte der aus Western bekannte Glenn Corbett (*1933; †1993; eigtl.: Glenn Rothenburg) werden, der Fuller schon sein Kinodebüt in The Crimson Kimono (USA 1959) zu verdanken hatte.
Für den musikalischen Score versicherte man sich der Krautrocklegende Can (im Abspann als The Can gelistet, obwohl die Band den Artikel im Namen bereits einige Zeit zuvor abgelegt hatte).
In der Rolle der Femme fatale Christa ist die zweite Ehefrau Fullers, Christa Lang, zu sehen, welche in mehreren von Fullers Filmen der 80er Jahre mitspielte und auch 1967 in Chabrols Le scandale (s. h. Le scandale) mitwirkte.
Tatsächlich lässt das zynische Ende Tote Taube in der Beethovenstraße starke Bezüge zum Film Noir erkennen, ebenso wie die Figur des Übergangsters Mensur an den Megabösewicht Ernst Stavro Blofeld aus den James Bond Filmen erinnert, besonders wenn dieser in einer Szene eine Videokonferenz mit seinen weltweit agierenden Untertanen abhält. Es wäre interessant zu erfahren, ob sich Fuller hier an der o . g. Figur des snobistischen Bandenchefs Sievers aus den anderen Tatortfolgen mit Kressin orientierte, oder ob diese Figur bereits im Vorhinein von ihm selbst stammte.
Das Publikum reagierte verstört auf Fullers Film. Zu konfus und an den Sehgewohnheiten vorbei soll dieser ausgefallen sein, dabei wirkt die längere Fassung des Regisseurs, welche in den USA auch unter dem Titel Dead Pigeon On Beeehenthoven Street in die Kinos kam, gar noch verspielter und zerfahrener, als die Schnittfassung für das deutsche Fernsehen.
Beide Fassungen leben letztendlich von Fullers sarkastischem, ja, im Ende gar zynischen, Humor, seinem Experimentierwillen und der Bereitschaft eine kohärente Geschichte zugunsten einer gedrückten Atmosphäre zu opfern. So wird ausgerechnet ein rheinischer Karnevalsumzug zum Ort einer gewaltsamen Rache, was sich in der Mache als schwerer als gedacht herausstellte, da Fuller sich den für den Dreh nachgestellten Event umständlich erbetteln musste. Erst eine Spende in Höhe von 5000,- DM erweichte das Herz der Karnevalsgesellschaft "Kuniberts Ritter" und ja, das war damals viel Geld...
Der damalige Misserfolg scheint die Tatortmacher bis heute davon abzuhalten erneut im Ausland nach außergewöhnlichen Regisseuren zu suchen, die der seit über 40 Jahren laufenden Serie neue Impulse, Aspekte und Ideen schenken könnten - was nun wirklich schade ist.


Fazit: Eine bemerkenswerte Ausnahmeerscheinung in über 40 Jahren Tatort. Nicht perfekt, aber aufgrund seiner Originalität hoch interessant.


Punktewertung: 7,5 von 10 Punkten

Samstag, 15. März 2014

Manche haben sich totgelacht...

Tutti defunti... tranne i morti (Neun Leichen hat die Woche)
I 1977
R.: Pupi Avati


Worum geht's?: Zur Beerdigung des Patriarchen trifft sich eine Gruppe Exzentriker im uralten Familiensitz. Mittendrin: der geschäftstüchtige Hausierer Dante (Carlo Delle Piane), der in der Gegend ein Buch über Legenden der ortsansässigen Familien verhökern möchte.
Komischerweise verguckt sich die junge Ilaria (Francesca Marciano) sofort in den kleinen Schnauzbartträger mit der krummen, gebrochenen Nase, der nun gezwungen wird, sich mit der lumpigen, adligen Bagage abzugeben, unter denen sich auch ein kleinwüchsiges Exwunderkind, ein debiler, krankhafter Mastubierer samt sexy Pflegekraft und ein texanischer Cowboy befinden.
Als sich plötzlich die Leichen neben Vati auf dem Totenbett stapeln, ruft man den abgebrühten Privatschnüffler Martini (Gianni Cavina) zur Hilfe.
Leider verfügen jedoch dessen zwei Deutsche Schäferhunde einzeln bereits über einen höheren IQ als ihr Herrchen und so fallen die illustren Gäste bald einer nach dem anderen dem Killer im schwarzen Cape zum Opfer.


Wie fand ich's?: Pupi Avati mag dem Freund italienischer Filmkost zunächst aufgrund seiner beiden Meisterstücke La casa dalle finestre che ridono (I 1976 dt.: Das Haus der lachenden Fenster) und Zeder (I 1983 dt.: Zeder - Denn Tote kehren wieder) ein Begriff sein.
Tutti defunti... tranne i morte sollte direkt nach dem Erstgenannten entstehen und anders als dessen düsteren und morbiden Ton eine leichtere, heiterere Note anschlagen. So wurde Tutti defunti... zu einer beschwingten Krimikomödie, welche natürlich auch in Ansätzen von den zur gleichen Zeit in Bella Italia sehr erfolgreich laufenden Erotikkomödien beeinflusst wurde. Das zeigt sich in einer ganzen Reihe von frivolen Witzen ebenso wie in der Figur des pathologischen Mastubierers Donald, dessen begehrenswerte Pflegerin seine Probleme nur verstärkt und der sein Ende durch eine bizarre, elektrisch betriebene Anti-Onanie-Maschine findet.
Eine weitere starke Anregung mag die starbesetzte US-Krimikomödie Murder by Death (USA 1976 R.: Robert Moore dt.: Eine Leiche zum Dessert) gewesen sein, welche fast eine Dekade später wohl auch die sich des Cluedo-Franchises bedienende, schöne Krimiposse Clue (USA 1985 R.: Jonathan Lynn dt.: Alle Mörder sind schon da) stark prägte. All diese Filme lassen sich hingegen wiederum auf Paul Lenis Stummfilmmeisterwerk The Cat and the Canary (USA 1927 dt.: Spuk im Schloss) zurückführen. In allen Filmen trifft eine bunte Gruppe von Personen in einem abgelegenen und bald isolierten Landhaus auf einen geheimnisvollen Bösewicht, der über Leichen geht.
Avati addiert zu diesen Elementen zusätzlich die Figur des schwarz gekleideten, vermummten Killers mit Cape und Schlapphut, wie man ihn aus zahlreichen Gialli kennt. Bedient sich dieser bei Bava und Konsorten zumeist einer Kollektion von Hieb- und Stichwaffen, gern auch mal eines Rasiermessers, so erweitert man hier das Arsenal um einen mit scharfer Munition geladenen Föhn, der einem wahrlich das ganze Haupt wegblasen kann!
Alles in allem also eine schöne Abwechslung für Fans des italienischen Krimis, wenngleich der Film hier und da leider auch einige Schwächen aufweist, einige Gags nicht zünden und die Laufzeit von über 100 Minuten schlicht zu lang ist. Zudem ist dies neben I vizi morbosi di una governante (I 1977 R.: Fillipo Walter Ratti int.: Crazy Desires of a Murderer) der zweite Giallo, den ich in letzter Zeit gesehen habe, der die Auflösung unnötigerweise praktisch bereits im Originaltitel trägt.


Fazit: Ein großer Spaß für alle Giallofans und Freunde deftiger Krimikomödien. Eine deutsche Veröffentlichung tut not!


Punktewertung: 7,25 von 10 Punkten

Sonntag, 9. März 2014

Entschuldigung, aber da ist eine Fledermaus in meinem Taco!

El vampiro (Vampiro)
MEX 1957
R.: Fernando Méndez


Worum geht's?: Von der Nachricht über den schlechten Gesundheitszustand ihrer Tante verunsichert, kommt die junge Mexikanerin Marta (Ariadna Welter) auf dem abgelegenen Bahnhof ihres Geburtsorts an und sucht vergeblich nach einer Möglichkeit zur Weiterreise.
Scheinbar gestrandet, macht sie schnell Bekanntschaft mit einem sympathischen Herrn namens Enrique (Abel Salazar), der ebenfalls auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit ist und praktisch das gleiche Reiseziel hat.
Glücklich nimmt man da die Ankunft einer Kutsche auf, die eine sonderbare Kiste aus dem fernen Ungarn auflädt und deren mürrischer Kutscher sich tatsächlich breitschlagen lässt die beiden Reisenden ein Stück des Weges mitzunehmen, sie jedoch wenig später recht unvermittelt im nebligen Wald stehen lässt.
Zu Fuß gelangt man endlich an die Tore der Hazienda, muss jedoch erkennen, dass Tantchen schon in der Familiengruft beigesetzt sein soll. Ein schwaches Herz und die paranoide Angst vor Vampiren habe sie in ein frühes Grab gebracht, so weiß der besonnene Onkel Emilio (José Luis Jiménez), während Tante Eloisa (Carmen Montejo), die auch des Nachts gern mal durch die wabernden Nebel wandert, das im Verfall begriffene Anwesen verkaufen möchte.
Dazu infrage käme der lichtscheue Nachbar Duval (Germán Robles), ein Nachtmensch im Cape, der auch der Empfänger der seltsamen Kiste und Arbeitgeber des grimmigen Kutschers ist.
Marta wie Enrique dämmert schon bald, dass die gute Tante allen Grund zum Verfolgungswahn hatte und sich hier der schöne Spruch erfüllt: "Nur weil du paranoid bist, heißt das nicht, dass sie nicht hinter dir her sind!"


Wie fand ich's?: Holla, ist dies tatsächlich der erste Vampirfilm, in dem Freunde des internationalen Blutsaugerstreifens die berühmten Fangzähne zu sehen bekommen, wie es der amerikanische Wikipediaeintrag und diverse Blogs wissen wollen?
Nein! Denn wer hat's erfunden? Richtig - die Türken! Wo Bela Lugosi in Tod Brownings Dracula (USA 1931) noch ein perfektes Gebiss ohne Auffälligkeiten sein Eigen nannte, da hatte sein osmanisches Alter Ego in Drakula Istanbul'da (TK 1953 R.: Mehmet Muhtar) bereits den heute ikonografische Reißzahnkiefer, wenn die Hauer dort allerdings noch etwas schief standen... Wenn man ganz genau sein möchte, kann man natürlich bereits Max Schreck in Murnaus stummen Meisterwerk Nosferatu -  Eine Symphonie des Grauens (D 1922) den Innovationspreis zuschustern, jedoch saßen dort die Beißer ja eher mittig... Egal, die im Internet kursierende Legende sei somit im Zusammenhang mit Mexikos frühem Beitrag zum Vampirgenre jedenfalls zunächst erst mal doppelt widerlegt.
Trotzdem bietet El Vampiro neben hündischen Eckzähnen noch jede Menge anderer Schauwerte. Nebelverhangene Landschaften, alte Haziendas voller antiker Spinnweben, gespenstische Tanten mit langen Haaren und Kruzifixen - hach, schön.
Und dies alles immerhin schon drei Jahre bevor Mario Bava mit seinem La maschera del demonio (I 1960 dt.: Die Stunde wenn Drakula kommt) die Messlatte für Gothic Horrorfilme verdammt hoch hing. An diesen reicht Fernando Méndez Werk in meinen Augen zwar nicht ganz heran, es punktet aber trotzdem in den Bereichen Atmosphäre und eigenständiger Charme.
Méndez bedient sich als Grundgerüst seiner Handlung anfangs bei der zweiten Hälfte des Tod Browning Klassikers von 1931, in welcher der Vampir sein Domizil in der Nachbarschaft der Protagonisten gefunden hat, welches Méndez kurzerhand einfach von London in die mexikanische Sierra Negra verlegt.
Doch nicht nur das Script wurde von Brownings Film beeinflusst, auch das Outfit des Vampirs wurde bei Lugosi abgeguckt.
Hier enden dann aber auch die Gemeinsamkeiten mit dem Universal-Klassiker und El Vampiro kommt mit einigen interessanten eigenen, wenn auch vielleicht etwas befremdlichen, Ideen um die Ecke. Da wird eine Person lebendig begraben, die Vampire betätigen sich als Giftmischer und ein Blutsauger wird bis zur Besinnungslosigkeit gewürgt. Anders als in den kurz nach El Vampiro entstandenen Hammer Produktionen verzichtete man hier fast gänzlich auf den Einsatz von Kunstblut und nähert sich somit doch wieder der 31er Verfilmung an.
Es gibt also viel Schönes in diesem Kleinod aus dem Land der Luchadores zu entdecken. Trotzdem wurde Méndez Beitrag von den eben bereits angesprochenen Hammer Filmen in der internationalen Wahrnehmung fast gänzlich verdrängt. Wo die Streifen mit Christopher Lee und Peter Cushing Farbe, Grand Guignol und (später) Erotik boten, hatte Vampiro lediglich eine abgewandelte und modernisierte Interpretation des 30er Jahre Bühnenstücks von Hamilton Deane und John L. Balderston zu bieten, auf das Tod Browning seinen Film aufbaute.
So kann man El Vampiro und Drakula Istanbul'da durchaus als oft ignorierte Verbindungsstücke zwischen den Vampirfilmen von Universal und Hammer ansehen, wobei beiden Werken damit in meinen Augen nicht wirklich Genüge getan wird.
Da Vampiro wohl zumindest in seiner Heimat etwas kommerzieller Erfolg beschieden war, haute Regisseur Fernando Méndez bereits ein Jahr später ein eilig heruntergekurbeltes Sequel namens El ataúd del Vampiro (MEX 1958 dt.: Der Sarg des Vampiro) raus, in dem Germán Robles nach seinem Filmdebüt im ersten Teil ein zweites Mal vor der Kamera stand und ihn in die gleiche Schublade wie seinen britischen Kollegen Christopher Lee beförderte, bis er u. a. als Synchronsprecher Michael Knights Wunderauto KITT in der lateinamerikanischen Sprachfassung von Knight Rider (USA 1982-1986) seine sonore Stimme leihen durfte und später in unzähligen Telenovelas auftauchte - dies freilich ohne Fänge im Gesicht....


Fazit: Auch in Mittelamerika wird kraftvoll zugebissen: dank Fernando Méndez, der hier einen in unseren Breiten viel zu wenig bekannten Klassiker des Gruselfilms schuf.

Punktewertung: 8 von 10 Punkte